(bitte nicht löschen, ist nur ein Weilchen pausiert! - stand 07.09.2020) Never Change A Running System. [CopperTellurium&Nocte.]

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    • (bitte nicht löschen, ist nur ein Weilchen pausiert! - stand 07.09.2020) Never Change A Running System. [CopperTellurium&Nocte.]

      ♛ NEVER CHANGE A RUNNING SYSTEM ♚



      ♕ VORSTELLUNG ♔








      Talia Johnson



      Vollkommen gestresst wuselte Talia durch das Café, in welchem sie arbeitete, und versuchte eine Bestellung nach der Nächsten aufzunehmen. Wenn sie so aus dem Fenster und auf die Straße blickte, müsste man eigentlich meinen, dass sich die Leute bei diesem starken Regen niemals auf die Straße trauen würden und lieber zu Hause blieben, statt ihre Zeit in einem Café zu verbringen. Wäre dieser Umstand schon seit einigen Stunden der Fall, wäre dies wahrscheinlich auch umsetzbar. So wurden die meisten Passanten aber dazu gezwungen sich nun in das nicht allzu große Café zu drängen, denn hatte wenige Minuten vorher noch der schönste Sonnenschein geherrscht, welcher nun von dunklen grauen Wolken verdeckt wurde. Natürlich suchten sich dann die meisten Passanten einen passenden Unterschlupf bei diesem plötzlichen, starken Platzregen. In diesem erst noch nach Hause laufen wollte schließlich niemand. Einige waren sogar so durchnässt, dass Talia in diesem Moment wohl nicht anders reagiert und sich ebenfalls mit einem Kaffee hätte aufwärmen wollen. Doch wenn diese so durch das mehr als gut gefüllte Café blickte, fragte sie sich gerade ernsthaft wie sie und ihre drei Kollegen es schaffen sollten, diese Leute alle unterzukriegen und vor allem auch schnellstmöglich mit ihren Bestellungen zufrieden zu stellen. Gott sei dank schienen die Gäste aber zu verstehen, dass sie bei diesem plötzlichen Ansturm eine Weile brauchten, um jede Bestellung ordnungsgemäß durchführen zu können.

      Ihren Kollegen Mike hatte es da allerdings wohl noch etwas schlimmer erwischt. Dieser rannte nämlich seit gut fünfzehn Minuten immer wieder in den Keller, um noch weitere Stühle für die Gäste zu beschaffen. Einige hatten es sich währenddessen allerdings schon auf dem Schoß ihrer Freunde oder Familienangehörigen bequem gemacht und überließen die Stühle den anderen Leuten. So langsam war aber schließlich auch ihr Kollege am Ende mit seinem Latein, da dieser keine möglichen Sitzgelegenheiten mehr fand, auf welche sich die noch übrigen, stehenden Gäste hätten setzen können. Gott sei dank waren die Leute aber dennoch so gut drauf und vor allem Verständlich, dass diese darum kein großes Aufsehen machten.

      Noch einmal blickte Talia durch das Café und musste für einen Augenblick etwas schmunzeln. Auch wenn es natürlich zur Zeit dezent stressig war, mit diesen unzähligen und nicht enden wollenden Bestellungen, so fühlte sie sich doch ziemlich wohl. Die vielen lachenden und sich angeregt unterhaltenden Gäste taten ihr im Moment wirklich gut und brachten ihre Laune damit auf das Höchstlevel. Fast schon beschwingt drängte sie sich daher durch die Reihen, blieb hier und dort kurz stehen um sich selber für einen kleinen Augenblick fröhlich mit den Gästen zu unterhalten, etwas zu flirten oder bei Anderen noch die restlichen Wünsche aufzunehmen und auf ihrem Block nieder zu schreiben.


      Die Zeit verging dabei schneller als man hätte schauen können. Der plötzliche Regen war wieder verschwunden, machte den letzten Sonnenstrahlen Platz und diese anschließend der Dämmerung. Vollkommen fertig lehnte sie die blondhaarige Frau an den Tresen und bedachte die noch wenigen und übrig gebliebenen Gäste, welche sich miteinander unterhielten oder teils auch allein an den Tischen saßen und in ihre Arbeit an den Laptops, einem spannenden Buch oder einfach nur dem Handy vertieft waren. Während sie dies tat, knabberte sie Selbst an einem Stück eines Schokokeks' herum und genoss für einen Moment die Ruhe. "Mein Gott, ich hoffe das Wiederholt sich nicht nochmal in dem Ausmaß. Ich glaube ich hab schon Blasen an den Händen, von den ganzen Stühlen die ich aus dem Keller holen und jetzt wieder runter bringen musste." hörte Talia die Stimme Mikes neben ihr, welcher sich nun ebenfalls an den Tresen gelehnt hatte. "Sei doch froh. So eine beachtliche Menge an Trinkgeld hattest du schließlich schon lange nicht mehr bekommen, hm!?" schmunzelte die vierundzwanzig Jährige und bedachte ihren Kollegen von der Seite. "Tja, da hast du nicht unrecht. Trotzdem muss es nicht allzu schnell wieder sein." grinste dieser und stahl sich ein wenig von dem Schokokeks, welcher hinter Talia auf einem kleinen Teller lag.

      Die Kollegen unterhielten sich noch eine Weile, ehe auch die restlichen Gäste es als besser empfanden nun ihren Weg nach Hause anzutreten. Auch das restliche Trinkgeld wurde noch gut verstaut, die Kassenabrechnung gemacht, einmal ordentlich durch das Café gefegt und die restlichen Tische abgewischt, alles nötige an seinen eigentlichen Platz zurück gestellt und das wichtigste eingeschlossen, ehe die übrigen zwei Mitarbeiter ebenfalls endlich ihren Feierabend entgegen blicken konnten. Sie verabschiedeten sich mit einer Umarmung voneinander und nur wenig später überkam Talia das drängende Bedürfnis ihren restlichen Abend nicht auf der Couch zu verbringen. Schließlich war es Samstagabend, dieser noch jung und ihre Tasche voller Trinkgeld. Ohne noch großartig zu überlegen, griff die Blondine daher zu ihrem Handy und öffnete den Chat mit ihrer sehr guten Freundin Angel. Die flippige Art der jungen Frau, mit den knallig pinken Haaren, war nun genau das, was Talia unbedingt nach diesem gut gelaufenem aber dennoch sehr stressigen Tag brauchte. Es war ein extrem stressiger Tag und mein Geldbeutel quillt über mit Trinkgeld... Party? schrieb sie und stieg in den Bus, welcher sie vorerst nach Hause bringen sollte.








      Jude 'Judas' Hill


      Zufrieden mit seinem neuen Werk, setzte Judas die Tattoonadel vom Rücken seines Klienten ab und besah sich dessen nun endlich vollständiges Kunstwerk im Ganzen. Nach drei Sitzungen innerhalb von sechs Monaten hatten sie es endlich geschafft dem Abbild eines sibirischen Tigers Leben einzuhauchen. Würde Judas es nicht besser wissen, wäre er davon ausgegangen, dass ihm nun das echte Augenpaar dieses Raubtieres entgegen blickte. Das weit aufgerissene Maul, ließ einen beinahe erschaudern, wenn man auf den rückengroßen Kopf des Tieres schaute. Neben den Augen war dieses wohl das herausstechendste Merkmal des Tattoos, aber vor allem auch das Gänsehauterregenste. Sechs Stunden hatte der achtundzwanzig Jährige nun dafür gebraucht, den Rest des Gesichtes fertig zu stellen. Sechs Stunden, welche vorbeigezogen waren wie nur wenige Minuten. Sechs Stunden, in welchen er in seiner größten Leidenschaft versinken und erst jetzt wieder auftauchen konnte. Ein kurzer Blick nach draußen, bestätigte ihm, dass es schon Abends sein musste. Ein kurzer Blick zu Uhr und die Antwort um die Uhrzeit war schließlich auch beantwortet.

      "Also Nick, ich bin fertig. Du kannst dann aufstehen und dir das ganze im Spiegel angucken."
      meinte der Tätowierer und zog sich die Handschuhe von den Händen, welche sofort ihren Weg in den Müll fanden. Unter leichtem Ächzen stand sein Klient schließlich auf und drehte sich vorfreudig mit dem Rücken zum Spiegel. "Scheiße ist das geil!" jauchzte dieser und drehte sich in alle Richtungen um sein neues Meisterwerk zu begutachten. Da er allerdings nicht dabei zusehen wollte, wie dieser sich noch sein Rückgrad verdrehte und am Ende keine Chance mehr hatte sein neues Tattoo der Welt zu offenbaren, stand der eins siebenundachtzig große Mann schließlich von seinem Drehhocker auf und stellte den zweiten großen Wandspiegel hinter Nick hin. Dieser hatte nun einen besseren und vor allem auch uneingeschränkteren Blick auf das Raubtier und strahlte über das ganze Gesicht. "Judas, du bist ein wahrer Meister!" Immer noch lag der Blick seines Klienten auf seinem Rücken, doch musste Judas diesen leider von seinem Hoch hinunter holen, da er das Tattoo immerhin noch abkleben musste. Dennoch stahl sich ein leichtes Grinsen auf Judas' Lippen. Es überkam ihn immer wieder aufs Neue ein immenses Gefühl der Freude, wenn er seine Klienten so glücklich über ihre neue Körperkunst sah. Wenn diese ihm auch noch mit solchen Komplimenten schmeichelten, wie Nick eben, konnte auch Judas die Muskeln in seinem, meist monotonem, Gesicht nicht mehr davon abhalten ihren Job zu erleidigen. Er selber vervollständigte nun seinen, indem er seine neue Kunst mit der Klebefolie bedeckte und Nick über alles nötige noch einmal aufklärte, was nun noch zu wissen war. Zwar konnte er sich denken, dass dieser das Ganze schon etliche Mahle gehört hatte, immerhin waren dessen Arme mit etlichen Farben und Bildern versehen, doch wollte er auch nicht in Teufelsküche geraten, wenn er dies mal doch hinten anstellte und für unnötig hielt. Lieber einmal zu viel darüber informieren, als sich später an den Karren pissen zu lassen. "Du kannst die Folie in spätestens zwei Wochen abnehmen. Bis dahin würde ich deinen Rücken nur wenig den Sonnenstrahlen aussetzen, am besten aber eigentlich gar nicht. Ich gebe dir noch Desinfektionsmittel mit, was du jeden Tag zwei Mal auftragen musst. Wenn du merkst, dass dein Rücken flambiert aussieht oder wie mit einem Fleischermesser bearbeitet, solltest du aber noch einmal zu mir kommen oder mich anrufen. Dann schaue ich mir das genauer an." erklärte er. Sein Klient nickte nur verstehend, versicherte ihm aber schlussendlich noch einmal, dies alles einzuhalten, ehe sie sich zum Rezeptionsbereich begaben und dort die restlichen Geschäfte abwickelten. Anschließend verabschiedeten sich sich voneinander und Judas begann alles auf- und wegzuräumen.


      Zufrieden über den heutigen Tag, schloss dieser nach gut einer Stunde das Studio ab und machte sich auf den Weg zu seiner Familie, den Hell Hounds. Es war definitiv wieder ein sehr produktiver und erfolgreicher Tag gewesen. Vor allem das letzte Tattoo hatte ihn mehr als nur zufrieden gestimmt und seinen Arbeitstag als wahren Erfolg enden lassen. Er war schon lange nicht mehr so sehr in seiner Arbeit aufgegangen, wie bei diesem Werk. Nick hatte ihm alle Freiheiten gelassen, die sich ein Tätowierer nur vorstellen konnte. Die meisten Klienten kamen schon mit einer genauen Vorstellung im Kopf zu ihm, meist sogar mit einem genauen Design, welches er schließlich nur noch auf die Haut bringen sollte. Bei Nick hatte er einen absoluten Glückstreffer gelandet. Das Einzige was er wusste war, dass er einen Tiger auf seinem Rücken haben wollte. Mehr Anhaltspunkte hatte dieser ihm nicht genannt und vor allem auch nicht geben wollen. Stattdessen meinte dieser nur, dass er Judas vertraute und ihm jegliche Freiheiten überließ. Solche Klienten wie Nick waren wirklich Gold wert und hätte er sich auf jeden Fall auch mehr gewünscht.

      Seine Gedanken verblassten, als er auf das Hauptrevier der Hounds fuhr. Schon von weitem sah er seinen Leader vor seinem neuem Baby hocken, einem Mercedes GLA, welchen er gerade polierte. Kaum war Judas von seiner Maschine gestiegen, bei dem Älteren angekommen und wollte diesem wie immer mit einem Handschlag begrüßen, begann Javier schon zu sprechen. "Judas. Gut, dass du kommst. Ich hab einen Auftrag für dich." meinte der Schwarzhaarige, ohne Judas dabei anzuschauen. Kurzzeitig fragte dieser sich, wie Javier überhaupt mitbekommen hatte, dass ausgerechnet er gekommen war, als diesem auffiel, dass sein Leader ihn wohl durch das gut polierte Blech seines Autos gesehen haben musste. "Wir erwarten eine neue Lieferung, am Ost Dock. Kurz vor Mitternacht. Es wäre besser wenn du jemanden mit nimmst, James zum Beispiel. Der kann gut austeilen und einstecken. Nicht, dass sie noch auf die Idee kommen uns übers Ohr hauen zu wollen, wenn wir nur einen unserer Leute schicken." erklärte Javier mit seiner tiefen Bassstimme und begann die Felgen seines neuen Wagens zu polieren. Judas stand für einen Moment nur stumm daneben, schaute dem Leader der Gang kurz dabei zu, wie dieser sein neues Baby wieder auf Hochglanz brachte und reagierte erst, als dieser ihn endlich anschaute.
      "Ich freu mich auch dich zu sehen, Javier." meinte dieser nur trocken und nicht auf das vorige Gesagte eingehend, was ein breites Grinsen auf Javiers Gesicht brachte. "Oh Judas, ich vergesse immer wieder, dass du der wohlerzogenste von uns bist." meinte dieser provokant und immer noch grinsend, denn schließlich wusste er um die Vergangenheit des Jüngeren vor ihm, und begab sich auf Augenhöhe mit Judas. Eine Weile schauten sie sich tief und mit monotonem Blick in die Augen, ehe wieder ein Grinsen auf das Gesicht Javiers legte. Seine Pranke fand klatschend seinen Weg auf die Schulter Judas', bevor er diesem seinen Arm um eben jene legte und mit sich ins Gangquatier zog. "James, mein guter Junge!" rief der schwarzhaarige durch die Halle und ließ schließlich von Judas ab. "Du wirst Judas nachher begleiten. Es wartet eine Lieferung am Ost Dock auf euch." erklärte dieser knapp und beugte sich anschließend zu dem Jüngeren hinunter. "Nimm am besten ein Paar deiner Schätzchen mit, falls sie auf die Idee kommen sollten mit gezinkten Karten spielen zu wollen. Du verstehst?" Er zwinkerte James kurz zu, ehe er erneut begann sein typisches Javier Grinsen zu grinsen und sich wieder umdrehte, um die Halle zu verlassen und sich seinem Baby, wie er es immer so schön nannte, zu widmen. "Manchmal frag ich mich ob er Dauer high ist oder das Leben einfach nur als Witz nimmt." seufzte der braunhaarige sarkastisch und fuhr sich durch die Haare.
      Natürlich stellte er sich diese Frage nicht wirklich, denn wusste er, dass Javier wirklich die meiste Zeit high war. Und, dass dieser das Leben nicht sonderlich ernst zu nehmen schien, verdeutlichte dieser jeden Tag aufs Neue, mal abgesehen davon, dass ihr Leader es auch schon oft genug gesagt hatte. Sein Blick wanderte zu James und musterte diesen kurz, bevor Judas sich seine beiden Klappmesser schnappte und diese für mögliche Vorfälle vorbereitete.
      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.

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    • Angelique "Angel" Pierce

      Rockige Musik dröhnte aus dem kleinen Lautsprecher, der für diese Größe überraschenderweise mit sehr viel Bass bei der pinkhaarigen Frau punktete. Diese summte mit der Melodie des gerade laufenden Songs "Falling Apart" von Midnight Skies mit, während sie passend zum Takt und flinken Bewegungen immer wieder mit einem weichen Pinsel dunkelbraunen Lidschatten bei ihrer Kundin auftrug. Zum Glück kannten die zwei Frauen sich schon lang genug, das sich die Blondine auf dem Stuhl vor Angel daran gewöhnt hatte, anstatt in ihrer Wohnung entspannen zu können, mit lauter Musik zurecht zu kommen. "Und weißt du was der Typ dann tatsächlich zu mir gesagt hat? Das ich ihm auf die Nerven gehen würde, weil ich zu viel rede", unterbrach Angel ihre Gesangstunde nachdem der Refrain vorbei war, um ihre kleine Geschichte weiter zu erzählen, "So ein Arschloch, also ich mein jetzt mal ganz ehrlich. Wer sagt denn so 'nen Müll?" Aufgebracht pustete sich die schlanke Frau eine pinke Haarsträhne aus dem Gesicht, während sie dabei die Lidschattenpalette weglegte und kurz einen Meter Abstand nahm, um ihre bisher erbrachte Leistung stolz zu betrachten. "Dementsprechend hab ich Schluss gemacht. War sowieso nur irgendwie was lockeres", beantwortete sie die unausgesprochene Frage ihrer blonden Freundin, denn stand ihr diese bereits im Gesicht geschrieben, welches zur Zeit ein "work in progress" war. Naomi, so hieß die zwei Jahre ältere Frau, welche sich das endlose Geplapper von Angel auch den ganzen Nachmittag noch antun konnte, musste nur über das gelassene Schulterzucken der nicht so professionellen, aber tatsächlich ausgebildeten, Make-up Artist schmunzeln.
      "Wie wäre es wenn du mal versuchst mit einem Typen länger als nur eine Woche auszukommen?", fragte sie amüsiert und schloss dabei die hellgrünen Augen, da Angel mit einem Eyeliner in der Hand sich zu ihr vorbeugte. Aufmerksam zog sie auf beiden Seiten mit einer geschickten Handbewegung jeweils einen geschwungenen Lidstrich, erst in schwarz, dann einen dünneren über dem eben ausgetragenen, nur dieses Mal in gold. "Ich mein' ich würd' ja gerne, aber ist halt nicht so einfach", antwortete sie, erst nachdem sie ihre Hand wieder von dem runden Gesicht Naomis wegzogen hatte. Die paar Minuten beim Eyeliner ziehen, war die einzige Zeit, wo man eine stille Angel konzentriert in ihrem Element zu sehen bekam. "Vor allem weil du immer nur Arschlöcher abbekommst?", erkundigte sich die Blondine sarkastisch, welche auf die wöchentliche Pointe der Pinkhaarigen abzielte. Denn jeden Freitag hatten die beiden einen Termin, da Naomi als Sängerin bei Live Auftritten in den unterschiedlichsten Bars und Clubs erschien. Sich einen neuen Look auszudenken vertraute sie lediglich der jungen Frau an, welche wieder angefangen hatte bei dem nächsten Song mit zu summen. Das war ihre Art unangenehme Themen einfach zu ignorieren, denn sie wusste ihre blonde Freundin würde davon nicht ablassen, außer sie ging einfach garnicht erst darauf ein. Aber tatsächlich kam Angel jede Woche aufs Neue zu dem Fazit, dass alle Männer scheiße waren und eigentlich niemand ihr gerecht wurde.

      "Du solltest heute Abend vorbei kommen, vielleicht triffst du ja einen neuen Kerl?", schlug die junge Frau in dem weißen Drehstuhl vor, während sie das vollbrachte Werk im beleuchteten Spiegel betrachtete. Dabei beugte sie sich so weit vor, das ihre runde Nasenspitze beinahe den Spiegel berührte. Mit einem zufriedenen Lächeln sah die Make-up Artist zu wie die Begeisterung in Naomis Gesicht immer offensichtlicher wurde, jeden Freitag aufs Neue die gleiche Situation. Und wie immer sagte Angel der jungen Sängerin ab. "Ich steh eher auf Rock, tut mir leid Nay", erklärte sie dieses Mal als ihre neue Ausrede, warum sie nicht konnte, und räumte dabei ihre Pinsel in einen runden Behälter. Zusammen mit den verschiedenen Paletten und der kleinen Lautsprecherbox auf dem weißen Schminktisch wanderte alles in ihren großen, schwarzen Schminkkoffer. Sie hatte diesen gerade erst geschlossen, als ihr Handy sich in ihrer hinteren Hosentasche mit einem Vibrieren meldete.
      Talias Name, mit mehreren Herzen hinten dran, tauchte auf dem großen Display auf, welcher als Hintergrund die beiden zusammen zeigte. Sofort öffnete sie die Nachricht. "Es war ein extrem stressiger Tag und mein Geldbeutel quillt über mit Trinkgeld... Party? ", prangerte es als Einladung zu einer ereignisreichen Nacht in ihrem gemeinsamen Chat. Sofort blickten ihre großen, blauen Augen mit einem gewissen Leuchten zu ihrer blonden Freundin auf. "Nay wo hast du heut' deine Performance?", fragte sie mit einer plötzlichen Begeisterung, als hätte sie schon ihr ganzes Leben lang auf die Gelegenheit gewartet, Naomi beim Singen mit ihrer Band sehen zu können. Die Arme der femininen Frau stemmten sich in die ausladenden Hüften, während sie nur grinsend den Kopf schütteln konnte. Dennoch nannte sie ihr die Adresse des angesehenen Clubs, welche die pinkhaarige Frau mit einem immer breiter werdenden Grinsen und einer dankbaren Umarmung annahm.
      "Mitternacht, verstanden Süße?", fragte die Blondine sicherheitshalber nochmal nach, während sie Angelique zur Tür begleitete. Diese nickte als Antwort ungestüm, bevor sie sich mit einem lauten Luftkuss verabschiedete - schließlich wollte sie nicht riskieren ihr heutiges Meisterwerk zu ruinieren.

      Mit dem Fahrstuhl unten angekommen, musste sie nur aus dem Apartment Komplex raus und sofort stach ihr der eigene, pink lackierter BMW M4 ins Blickfeld. Dieses Auto konnte man sicherlich nicht übersehen, dafür musste man beide Augen zukneifen oder blind sein. Überheblich stolzierte die schmale Frau in Absatzschuhen auf ihren Wagen zu, als hätte sie sich diesen tatsächlich selbst verdient. In Wahrheit hatten dafür ihre Eltern gezahlt, wie auch für all die Schminke, die sich in dem schwarzen Koffer in ihren Händen befand. Dieser wanderte gerade auf den Beifahrersitz, bevor sie hinters Steuer stieg und dabei einige Blicke von Passanten zugeworfen bekam. Daran war sie aber allein durch ihre auffällige Haarfarbe gewohnt und scherte sich nicht darum, mit wie große Augen sie sowohl von Männern, als auch Frauen, betrachtet wurde. Stattdessen zückte sie ihr Handy und schnallte sich gleichzeitig an. "Ist das eine Einladung?", schrieb sie zuerst amüsiert, bevor sie die Einladung von Naomi zu ihrem eigenen Vorschlag machte, "Heute hat im NOHO eine gute Freundin von mir nen Auftritt" Sofort tippte sie mit ihren langen Nägeln eine weitere Nachricht an ihre hübsche Freundin mit der fake Brille "Um Mitternacht gehts los, wir treffen uns vorher bei mir!" Angel hatte bereits den Motor ihres Wagens gestartet, welcher sich wie ein schnurrendes Kätzchen meldete, bevor die mit Bluetooth verbundene Musikanlage ihre Musik von vorhin weiter spielte. Mit dem Handy in der einen Hand bog sie auf die befahrene Straße. Ein gewaltiger Vorteil hatte das grelle Pink ihres Wagens, denn damit konnte sie nie übersehen werden und jeder versucht von dem verrückten Auto ein wenig Abstand zu halten. Dementsprechend wurde jeder automatisch von der rücksichtslosen Fahrweise der jungen Frau einigermaßen verschont. "Zieh Schuhe an in denen du laufen kannst, von meinem Apartment aus kommen wir zu Fuß zum Club", enthielt die mittlerweile vierte Nachricht an Talia - eine schlechte Angewohnheit der Pinkhaarigen, sie musste alles in mehreren Nachrichten schreiben. Vor allem weil sie so schneller die Aufmerksamkeit bekam, nach der sie verlangte. Doch mit dem letzten ausgeschriebenen Satz: "Ich schmink dich dazu auch gratis ohne das du was von deinem Taschengeld teilen musst" schmiss sie ihr Handy neben den Koffer auf den mit schwarzem Leder bezogenen Beifahrersitz und fokussierte ihre blauen Augen tatsächlich mal auf die Straße. Obwohl sie durch die halbe Innenstadt sausen musste, kam sie recht schnell voran und brachte ihren pinken Wagen 15 Minuten später vor dem gläsernen Hochhaus zum Stehen. Fensterfront an Fensterfront reihten sich die Stockwerke aufeinander und irgendwo ganz oben befand sich jenes, das Angel gehörte. Natürlich besaß sie dazu einen Parkplatz direkt neben dem Eingang. Wer würde der zierlichen Frau auch zumuten wollen mit einem halben MAC Laden in der Tasche mehr als fünf Meter zur gläsernen Doppeltür des Gebäudes laufen zu müssen? Genau, auf diese Diskussion wollte sich keiner der anderen Anlieger einlassen und dementsprechend gehörte der heißbegehrte Parkplatz Angel.

      Die Eingangshalle war kahl gestaltet, nur zwei schwarze Sofas mit einem Glastisch dazwischen und ein paar einzeln aufgestellte Pflanzen befanden sich in dem mit weißem Marmor ausgekleidetem Raum. Dieser diente sowieso lediglich als Zugang zum Fahrstuhl, weswegen sich wohl keiner die Mühe gab, etwas daraus zu machen. Die Absätze hallten nicht nur durch die Halle, sondern auch auf dem obersten Flur, als sie schließlich den Aufzug verließ. Nur drei Türen gingen von hier aus in die unterschiedlichen Wohnung und die mit der Nummer 47 öffneten sich zu dem Apartment der pinkhaarigen Frau. Der offene Wohnbereich mit einer Küche, die wohl nur in den seltensten Fällen tatsächlich zum Kochen genutzt wurde, begrüßte sie mit einer Fensterfront, die sich durch die ganze Wohnung zog. Zu sehen: Die Weiten des tiefblauen Wassers und in einer gewissen Entfernung die Docks des Hafens.
      Der Schminkkoffer landete auf der Küchentheke aus Marmor, an der sich drei Barhocker entlang reihten. Auf einem dieser landete dazu ihre schwarze Lederjacke, welche sie immer für alle Fälle gegen Regen und Kälte dabei hatte. Tatsächlich hätte sie sich sogar heute als nützlich erwiesen, aber sie war vor dem Unwetter bei Naomi aufgetaucht und bis sie bei ihr fertig geworden war, da schien der Himmel sich wieder aufzuhellen.

      Die junge Frau huschte durch das saubere Apartment, das lediglich seine Ordnung dank einem täglichen Besuch ihrer eigenengagierten Hausfrau behielt, und suchte den begehbaren Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer auf. Entgegen ihrer Vorliebe für die Farbe Pink, war ihre Wohnung sehr neutral in weiß, schwarz und grau eingerichtet. Nur Decken, Kissen und anderen Dekoration brachten die lebhafte Farbe in die unterschiedlichen Zimmer zurück. So war auch ihr "Kleiderschrank", oder wie sie es lieber nannte "Make-Up Studio", mit weißen Möbeln eingerichtet. Hier fanden sich allerdings garkeine Dekoartikel. Hinter dem beleuchteten Schminktisch mit überdimensionalem Spiegel reihten sich Lidschattenpalleten an ordentlich und nach Farbe sortierten Lippenstiften bis hin zu allem anderen, was einem Sammler wie ihr Herzrasen verursachte. An den restlichen Wänden sah es nicht anders aus, nur waren diese mit Schuhen, Kleidern und Jacken bestückt. Dazu in der Mitte ein kleines Ledersofa über einem weißen, flauschigen Teppich, was meistens als Kulisse für ihre Instagram Fotos diente. Die zierliche Angel ließ sich mit dem Handy in der Hand auf den durchsichtigen Bürostuhl fallen, der bei dem Schminktisch stand, und lehnte sich in diesem zurück. Sie warf kurz einen Blick in den Spiegel, der zur Hälfte mit unzähligen Fotos beklebt war. Ereignisse mit Freunden, die sie in Erinnerung behalten wollte.

      Nun musste sie wohl nur noch ungeduldig auf Talias Antwort warten, damit sich auch von diesem Abend ein weiteres Bild von den beiden zusammen zu den restlichen gesellen konnte.




      James Walsh

      Den ganzen Vormittag hatte der junge Mann auf seinem geliebten Motorrad verbracht und dabei mehrere 100 Kilometer zusammen bekommen. Er war besonders beliebt zwischen den Mitgliedern der Hell Hounds für "kleinere" Botengänge, denn niemand war so schnell unterwegs wie er auf seiner geliebten Maschine. Da konnte sein Liebling von Auto leider nicht mehr mithalten, auch wenn sein schwarzer Audi A3 ihm die Welt bedeutete. Mit dem Motorrad war er nun einmal deutlich schneller bei seinem Ziel, vor allem weil er manche, unbekannte Abkürzungen nehmen konnte, die mit einem Wagen unmöglich wären. Nach all dem Rumfahren hatte er sich aber erhofft endlich im Hauptquartier der Hell Hounds seine Ruhe zu kriegen. Aber da war es wohl nicht anders wie in einer normalen Familie, auch wenn er ansonsten keinen Vergleichswert hatte, bei ihm war es schließlich nie wirklich ruhig oder leicht gewesen. Denn im Quartier hatte man ebenfalls so gut wie nie seine fünf Minuten für sich. Dabei war der Schwarzhaarige erst wieder in der liebevoll eingerichteten Halle angekommen. Liebevoll war hier zwar definiert von einer Gruppe an rabiaten und schlagkräftigen Typen, aber sie hatten alles was es brauchte, um es hier aushalten zu können. Dazu hatten die willkürlich zusammengewürfelten Möbel und Gegenstände wohl auch ihren gewissen Charme, so dass es sich hier für alle Gangmitglieder stets wie ein Zuhause anfühlte.

      Mit seinem Smartphone in der Hand befand sich der 26-Jährige auf einem der Sofas, deren guter Zustand immer wieder eine Überraschung für James war. Da sahen selbst die Möbelstücke in seiner kleinen Wohnung schlechter aus als hier. Vielleicht war gerade das, warum er sich gerne hier aufhielt, anstatt bei sich selbst. Hier hatte er genug Freilauf und war nicht auf engem Raum mit seiner heruntergekommenen Wohnungseinrichtung allein.
      Er scrollte sich gerade noch durch ein paar Angebote für Ersatzteile, die der Schwarzhaarige für sein Motorrad gebrauchen könnte, wenn er die nächsten Tage vorhatte wieder einmal so lange Strecken hinter sich zu legen. Manche Bauteile seiner loyalen Maschine waren nämlich nicht unbedingt darauf ausgelegt diese Kilometerzahlen innerhalb mehrere Stunden mitzumachen und ob auf kurz oder lang, irgendwann würden manche Komponenten nachgeben. Lieber haben als brauchen, oder?

      Doch weiter, wie sich die angebotenen Einzelteile lediglich oberflächlich anzuschauen, kam der junge Mann garnicht, als er die rauchige Stimme von Javier hinter sich vernahm. "James, mein guter Junge!", hörte er von dem Leader, welcher wohl für alle hier wie ein verkorkster Vater war - kein unbedingtes Vorbild und trotzdem würde jeder sofort in die Presche für ihn springen, um ihn zu verteidigen. Der Schwarzhaarige ließ sein Handy in der Hosentasche seiner zerrissenen Jeans verschwinden und stand langsam vom Sofa auf. Er vernahm schon die schlurrenden Schritte von Javier auf sich zukommen. Man hörte nicht nur seiner Stimme an, dass der Mann einiges zu viel an Drogen konsumierte, sondern seine ganze Körpersprache spiegelte das ebenfalls wieder. Aber würde der Junge den tätowierten Mann niemals für diese Angewohnheit kritisieren, schließlich war er es, der allen hier ein neues Zuhause geschaffen hatte. Aus diesem Grund, erlaubte sich James auch keine Widerrede, wenn der Leader der Hell Hounds mit einem Auftrag auf ihn zukam.
      Mit einem zustimmenden Nicken hörte er der Anordnung zu wie ein abtrainierter Hund. Lieferung. Ost Docks. Mehr Informationen bekam er nicht, außer das er etwas ganz bestimmtes mit sich bringen sollte, nur im Fall der Fälle, falls etwas bei der Übergabe schief gehen würde. Während er dem Älteren mit einem Handschlag gleichzeitig begrüßte und verabschiedet, fiel dem Schwarzhaarigen ein, dass er ganz vergessen hatte ihm mitzuteilen, das seine Sicherheit in Form einer Glock G19 verschwunden ist. Zwar war er sich sicher das die Situation heute nicht eskalieren würde und im schlimmsten Notfall konnte er immer noch mit seinen Fäusten austeilen, um sich verteidigen zu können, aber man wusste ja nie. Die Waffe hatte er sowieso meistens nur bei sich als Mittel um ausgeartete Situationen wieder schlichten zu können. Vielleicht nicht die beste Variante, aber dem Bedrohlichsten wird meist am ehesten zugehört und eine Pistole in der Hand erreichte oft den gewünschten Effekt von Macht. Doch bevor er davon berichten konnte, sahen seine dunkelbraunen Augen dem muskulösen Leader zu, wie er bereits dem Jüngeren seinen Rücken zugekehrt hatte und bereits wieder unterwegs zum Ausgang der Halle war. Vielleicht auch besser so, denn obwohl Javier immer gelassen wirkte, sowie verständnisvoll mit den Jungs der Gang umging, brachte es eine ganz andere Seite bei dem älteren Mann hervor, wenn ihnen doch mal ein gravierender Fehler unterlief. Von diesem plötzlichen Wechsel an Persönlichkeit wollte man wirklich nicht die Zielscheibe werden. Besonders nicht für etwas so Dämliches wie dafür, seine Waffe in dem Chaos, das sich als seine Wohnung schimpfte, verloren zu haben. Damit wollte er definitiv nicht die offensichtliche, gute Laune Javiers kaputt machen. Also hieß es wohl Mund zulassen und darauf hoffen das bei den Docks heute alles gut ging. James war zwar von seinen unmoralischem Charakter geprägt, aber absichtlichen Ärger beim Leader einzuhandeln stand nicht in seinem Sinn.

      Er haute den älteren Braunhaarigen neben sich an, in der Hoffnung dieses kleine Probleme einfach hinter sich zu lassen und genauso vergessen zu können, wie den Fakt wo genau er seine Pistole gelassen hatte. "Ich glaube in seiner Position muss man dauer-high sein", scherzte der Schwarzhaarige und blickte zu dem Tätowierten hoch. Natürlich beneidete er den Älteren, allein für sein Talent mit einfacher Tinte gewaltige Meisterwerke auf den Körpern unterschiedlichster Menschen zu erschaffen. Da blieb James lieber bei seinen Maschinen, die konnten ihn nicht ansatzweise so sehr aufregen wie gewisse Personen. Vor allem wenn sie unzufrieden waren oder ihm auf die Nerven gingen. Bei sowas konnte er sein unaufhaltsames Temperament nicht mehr zurück halten, wodurch er manchmal auch durchaus verletzend wurde. Zumindest gegenüber den Gangmitgliedern, effektiv seiner Familie, versuchte er sich zu kontrollieren. Wenn das nicht klappte, konnte ihm aber jeder selbst in einer physischen Auseinandersetzung entgegenkommen und ihn wieder beruhigen. Gegenüber Judas war dies bisher noch nie passiert, stattdessen kam er mit ihm zurecht, wann immer die Beiden sich über den Weg liefen.
      Neugierig ließ sich der Schwarzhaarige vor dem zwei Jahre Älteren wieder zurück auf das Sofa fallen, beide vernarbten Hände waren locker in seinen Hosentaschen versteckt. "Also, wann soll die Lieferung später kommen?", fragte der Jüngere, um sich die letzte, für ihn fehlende Information einzuholen. Nachzufragen was sie denn überhaupt an Ware annahmen, das hatte er schon lange aufgegeben. Seine Neugierde war zwar stets aufs Neue geweckt, aber nach etlichen, harten Belehrungsmethoden hatte James verstanden, das es sowieso keinen Unterschied machte, ob er wusste was sie da transportierten oder nicht. Sie machten lediglich ihren Teil der Arbeit und dazu gehörte nicht unnötige Fragen zu stellen.

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    • Talia Johnson

      Während ihrer Fahrt nach Hause, stöpselte sich Talia ihre Kopfhörer in die Ohren und blickte aus dem Fenster. Sie beobachtete die Menschen, welche über die Straßen liefen und sich dabei angeregt unterhielten. Unter ihnen sehr viele Jugendliche, welche sich, mit einer Zigarette in der einen Hand und einer Flasche Alkohol in der Anderen, auf den Weg zur nächsten Party machten. Sie musste nicht einmal ihre Kopfhörer aus den Ohren ziehen, um zu wissen, dass diese sich gerade aufführten wie die Bleppos der Stadt. Die Gesten und immer wieder weit aufreißenden Münder, wenn diese sprachen oder lachten, bestätigten ihre Vermutung.
      Oft fragte sie sich, ob sie denn auch so war, in dem Alter. Bis sie nur wenige Momente später auf den Boden der Tatsachen zurück fand und sich eingestehen musste, dass sie damals nicht einmal Zeit dazu gefunden hatte, auf diese Weise zu übertreiben. Dabei war komplett unwichtig, ob sie dies überhaupt gewollt hätte. Fakt ist und war, dass sie sich immer um ihre Schwester gekümmert hatte. Sie war ihr zur Liebe allem ferngeblieben, um ihr Nahe sein zu können und sie nicht allein zu lassen. Schließlich hatte sich diese, aufgrund ihrer Krankheit, immer zurück halten müssen, auch wenn es eine Zeit gab, in welcher es Carina deutlich besser gegangen war, als wie es nun wieder der Fall war. Sie hätte alles getan, damit es ihr gut ging und sie sich besser fühlte. Ihre Schwester war ihre beste Freundin, neben Angel, welche sie aber erst vor zwei Jahren hatte in dem Café, in welchem sie arbeitete, kennen lernen dürfen. Auch wenn sie auf viele nicht unbedingt so wirkte, wegen ihrer lauten und unabhängigen Art, so war sie für Talia, damals sowie heute, ein Segen und ein Lichtblick. Dadurch, dass Carinas Krankheit zum damaligen Zeitpunkt erneut anfing intensiver ihre Leben zu übernehmen und zu beeinflussen, war Talia mehr als Dankbar gewesen, als ihr der Himmel diese schrille, aufmüpfige, aber dennoch herzliche junge Frau vor die Nase gesetzt hatte. Denn obwohl Talia eine doch recht zähe Persönlichkeit war, welche nicht so schnell aus der Bahn zu werfen war und immer versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren, hatte die pinkhaarige Frau sie aus dem tiefen schwarzen Loch gezogen, als Talia erfahren hatte, dass Carinas Krankheit zurück gekommen war. Und diesmal sogar noch schlimmer, als zuvor.


      So tief in ihre Gedanken versunken, hätte Talia beinahe ihre Haltestelle verpasst. Gerade noch im richtigen Moment schaffte sie es, sich zwischen den Leuten durchzudrängeln und aus dem Bus zu steigen. Den letzten Klängen ihres Lieblingsliedes von Twenty One Pilots lauschend, schritt sie zu der Haustür ihres Wohnblocks und öffnete diese. Während sie die wenigen Treppen zu ihrer Wohnung erklomm, schließlich wohnte die Blondhaarige regelrecht im dritten Stock und fand es unnötig sich für diese Zeit vor den Fahrstuhl zu stellen und auf diesen zu warten, wenn sie laufend wohl doch schneller wäre, und zog das Kopfhörerhkabel aus ihrem Handy. Dabei fielen ihr auch die Nachrichten auf, welche Angel ihr zwischenzeitlich geschrieben hatte. Scheinbar war die Blonde aber so sehr in die Musik und ihre Gedanken vertieft gewesen, dass sie das vibrieren ihres Handys gar nicht verspürt hatte. Ein Grinsen legte sich auf ihre rosigen Lippen, als Talia die ersten wenigen Worte, der ersten Antwort ihrer besten Freundin las. Allerdings ignorierte sie die Nachrichten erst einmal für einen Augenblick, denn wollte sie die paar Treppenstufen nun nicht hinauf stürzen.

      Kaum war sie an ihrer Wohnung angekommen, schloss sie diese auf und betrat diese. Schnell noch legte sie ihre Tasche und ihre unechte Wildlederjacke ab und zog sich ihre Vans aus, bevor sie sich erneut ihrem Handy und somit ihrer besten Freundin widmete. Im Gegensatz zu ihr, bevorzugte Talia es aber nicht in so vielen Nachrichten auszudrücken was sie nun wollte. Aber klar, bei so viel Knete lade ich dich doch gern ein, mein Herz. Außerdem liest du mal wieder meine Gedanken, ich wollte nämlich zuuufälliger Weise fragen, ob du noch etwas Zeit für mich zum schminken einräumen kannst. Du weißt doch... Ich hab dabei zwei linke Hände.
      Ich schreibe dir dann später nochmal, wenn ich auf dem Weg zu dir bin. Freu mich auf dich. *:

      Schnell war diese Nachricht getippt, sowie abgeschickt, ehe sich Talia auf den Weg ins Badezimmer begab. Dort angekommen entledigte sie sich ihrer Kleidung und sprang unter die Dusche, welche sie für gut dreißig Minuten genoss und sich nur sehr schwer fällig von dieser trennte. Doch als sie so auf die Uhr blickte, bemerkte sie, dass sie wohl definitiv schon zu viel Zeit unter dieser verbracht hatte. Immerhin bräuchte sie schon allein zu Angel gut eine dreiviertel Stunde. Wenn diese sie noch schminken wollte, würde auch dafür noch recht viel Zeit für drauf gehen und Talia musste sich immerhin auch noch ein Outfit zaubern, in welchem sie sich heute aus dem Haus trauen konnte. Ihre geliebten Tierchen musste sie aber auch noch versorgen, was ebenfalls etwas Zeit beanspruchen würde.

      Nun doch etwas in Eile, begab sich Talia in ihr Schlafzimmer und öffnete den Kleiderschrank. Ziemlich flink hatte sie alle Oberteile, sowie Hosen und Röcke aus dem Schrank gezogen, welche Partytauglich waren. Sehr schnell hatte sie sich dabei für ein rotes Spitzen Oberteil entschieden, welches sie sich erst vor kurzem neu gekauft hatte. Die Blonde hatte es bei einem kurzen Abstecher in der Mall entdeckt, sich schockverliebt und es sofort ihr Eigen genannt. Dass es dabei auch noch im Sale war, war dabei ein schöner kleiner Bonus gewesen. Nun blieb jedoch nur noch die Frage, welchen Rock sie dazu tragen würde. Zumindest in dieser Hinsicht hatte die Kellnerin schon einmal entschieden, was ihre Hüften zieren sollte. Nachdem aber auch diese Frage beantwortet war, löste sie das Handtuch aus ihren Haaren und föhnte diese trocken. Da diese in natürlichen Wellen über ihre Schultern fielen, und dieses Mal Gott sei dank auch wirklich ausgesprochen gut lagen, musste sie zum Glück nicht noch einmal zum Lockenstab greifen und diese etwas besser in Form bringen, was ebenfalls noch einmal Zeit in Anspruch genommen hätte.

      Flott zog sie sich an und band ihre blonde, wallende Mähne zu einem lockeren Zopf. Die vorderen Haarsträhnen zog sie dabei etwas aus dem Zopf heraus, so dass ihr diese nun etwas um ihr Gesicht fielen. Anschließend legte sie noch zwei Ketten um und betrachtete sich anschließend im Spiegel. Zufrieden über ihr vollendetes Outfit blickte sie schließlich zur Uhr und stellte erleichtert fest, dass sie noch genug Zeit hatte und das ganze Spektakel nun doch zügiger verlaufen war, als gedacht. Daher widmete sie sich nun auch ihrer Kornnatter Malfoy, welche frisches Wasser in seinem Becken brauchte. Die recht große Holzschale aus dem Terrarium greifend, nahm es sich ihre Schlange währenddessen nicht nehmen, sich sofort an ihrem Arm hinauf zu schlängeln. Darüber Schmunzelnd strich sie ihrem kleinen Liebling über den Kopf, ehe sie sich auf den Weg ins Badezimmer begab, die Schale ordentlich ausspülte und wusch und anschließend neues Wasser hinein gab. Die Kornnatter empfand es währenddessen als wirklich gemütlich, sich locker um den Hals seiner Besitzerin zu wickeln. Angst hatte Talia deswegen aber schon lange Keine mehr. Anfangs war es natürlich ziemlich seltsam gewesen zu wissen, dass sich ihre Schlange einfach um ihren Hals wickeln konnte und damit eventuell hätte Dinge tuen können, welche sie verletzten. Aber im Endeffekt vertraute sie diesem kleinen Wesen und dieses wohl auch ihr.

      Mit der Holzschale und Malfoy begab sich Talia schließlich wieder in ihr Schlafzimmer und platzierte beide vorsichtig im Terrarium. Anschließend lief sie in ihr Wohnzimmer, in welchem ihre beiden Leopargeckos ihr Reich hatten. Schnell griff sie zu der Packung mit den Heuschrecken und dem dazugehörigen Pinzetten ähnlichen Greifbesteck, mit welcher sie schließlich die Insekten aus ihrem Gehäuse heraus holte und ihren zwei Freunden zum Fressen ins Terrarium legte. Fertig mit der Versorgung ihrer Lieblinge, lief Talia in ihren Flur, griff zu ihrer schwarzen Umhängetasche, ihrer zuvor abgelegten schwarzen Wildlederjacke und zog sich ihre ebenso schwarzen, schlichten Boots an. Noch ein kurzer Blick in den Wandspiegel und sie machte sich, nach einer kurzen Nachricht an diese, auf den Weg zu ihrer besten Freundin, bei welcher sie schließlich und endlich nach gut vierzig Minuten ankam.









      Jude 'Judas' Hill

      Auf James witzig gemeinte Wort hin, konnte auch Judas sich ein Grinsen nicht verkneifen, obwohl diese Aussage wohl mehr Wahrheit beinhaltete, als man wahr haben wollte. Denn auch wenn ihr Leader immer sehr arrogant und vor allem abgehoben wirkte, so wusste man dennoch, wenn man ihn erst einmal besser kennengelernt hatte, und das hatte Judas in den letzten Jahren definitiv, dass diesem seine Position wohl doch mehr auf den Magen schlug und Javier sich diese Rolle mehr zu Herzen nahm, als angenommen und wie dies auf Andere wirkte. Es war nicht so, dass er sich dies sonderlich leicht von den Augen ablesen lassen ließ oder es den Leuten vor den Latz knallte, denn schließlich wollte er Autoritär und Stark wirken und nicht wie ein schwächlicher Loser, den man nicht ernst nehmen konnte. Wie beispielsweise Judas richtiger Vater... Und auch, wenn Judas sich das wohl nicht eingestehen wollte, so wusste er unterbewusst ganz genau, dass selbst er in dieser Position schneller zu einer Tüte von Javiers berühmt berüchtigtem Schneezauber greifen würde, als dieser es wollen würde. Und am Ende würde er, trotz Dauer Nirvana, nicht einmal annähernd so klar, selbstsicher und Angst einflößend wirken, wie sein Leader. Das wusste Judas auch, ohne es ausprobieren zu müssen.

      Während er seine Klingen mit einem Schleifstein wetzte, blickte er kurz zu James, als dieser noch einmal wegen des Auftrages nachfragte. "Javier meinte gegen Mitternacht." informierte der Ältere den Schwarzhaarigen kurz und konzentrierte sich anschließend erneut auf das Schleifen seiner Messer. Zwischendurch glitt Judas Blick dabei noch einmal zu seinen Gangbruder, welcher nun wieder auf dem Sofa saß und sich nicht einmal annähernd dafür zu interessieren schien, seine Pistole auf Vordermann zu bringen. Denn auch wenn es nicht so wirkte, so war Judas einer dieser Personen, welche viel beobachtete und sich Dinge merkte, welche Andere wohl nicht auffallen würden. Ob nun aus Desinteresse oder anderen Gründen. Und während sein Blick nun so über James Gestalt fuhr, fiel ihm auch auf, dass dieser seine geliebte Glock weder säuberte und neu lud, noch dass er diese am Mann trug. Zwar war ihm der Grund nicht klar, warum dies nun so war, schließlich sah man den Schwarzhaarigen dies meist vor einem Auftrag tun, doch war er sich sofort darüber im Klaren, dass er seinen Bruder auf diese Weise nicht einfach mitkommen lassen würde. Auch wenn er wusste, dass James definitiv einiges auf dem Kasten hatte und mehr einstecken konnte, als so manch Anderer seiner Gangbrüder, so wollte er diesen dennoch nicht der Gefahr aussetzen unbewaffnet in einen Konflikt zu geraten. Vor allem nicht, wenn es sich dabei um eine der Lieferanten handelte, welche sie übers Ohr hauen wollten oder eben um andere Gangs. Schließlich war jedem bewusst, dass gerade die noch ein weiteres unnötiges Mal auf jemanden einstachen um sicher zu gehen, dass derjenige sich auch wirklich nicht mehr bewegte. James gehörte zu seiner Familie und in dieser ging es darum sich zu beschützen. Und eben das würde Judas mit seinem Leben tun, wenn es nötig werden würde. Und wenn das nun hieß nur mit einem Messer in einen eventuellen Konflikt zu geraten.

      Sich wieder von seinem Gangkollegen abwendend, strich er mit dem Wetzstein einige letzte Male über sein Messer und betrachtete dieses kurz, ehe er sich dem zweiten Butterfly widmete. Auch dieses bearbeitete er einige Male mit dem Schleifstein, ehe er sich mit diesen zu James begab. Stumm hielt er diesem eines seiner Messer hin und bedachte diesen mit seinem bekannten emotionslosen Blick, bevor er nach einer Weile doch das Wort erhob. "Zur Sicherheit. Ist besser, als Fäuste." meinte der braunhaarige nur knapp und blickte schließlich zur Uhr, welche in der Halle hing. "Wir sollten uns langsam auf den Weg machen. Bis zu den Ost Docks braucht es ne Weile." Vor allem, wenn sie ab der Hälfte zu Fuß gehen würden, denn auf diese Art wollte Javier, dass sich seine Gangmitglieder nicht sofort verrieten, wie sie es vielleicht tun würden, wenn sie den kompletten Weg zu einer neuen Lieferung mit dem Auto oder dem Motorrad fahren würden. Auf diese Weise wären sie zumindest etwas vor Cops und anderen Gangs sicher. Auf Leihwagen oder Ähnlichem hatten sie schon lange angefangen zu verzichten, da Javier, noch vor Eintritt Judas', wohl schlechte Erfahrungen, mit dieser 'sicheren' Art des Transports, gemacht hatte. Genaueres hatten er aber nie erfahren und nachgehackt erst recht nicht. Am Ende hätte man ihm vielleicht noch seiner Zunge entledigt.


      Da sich ihre Halle recht versteckt in einem alten Industriegebiet der Stadt und diese sich ziemlich in der Nähe des entgegengesetzten Stadtrandes befand, mussten sich James und Judas schon gut anderthalb Stunde zuvor auf den Weg zu den Docks begeben. So sollten sie zumindest gut fünfzehn Minuten vor Mitternacht bei den Ost Docks ankommen, obwohl sie den Rest gehen mussten. Ab der Stadtmitte beschlossen sie schließlich James Wagen, mit welchem sie später auch die Lieferung besser transportieren konnten, in der Nähe einiger Clubs abzustellen, wo dieser nicht sonderlich viel aufsehen erregen würde, neben all den anderen Autos. Schließlich dauerte es auch nicht mehr allzu lange und sie kamen endlich an. Eine Weile jedoch irrten sie nur in der Dunkelheit umher. "Es wäre vielleicht ganz schlau gewesen, wenn wir nach einem genauen Standpunkt gefragt hätten." meinte Judas irgendwann und strich sich kurz durch die Haare, während er seinen Blick weiter wandern ließ. Weit und breit war keine weitere Menschenseele zu sehen. Ein kurzer Blick auf seine Armbanduhr zeigte dem Braunhaarigen anschließend auch, dass es schon kurz nach Mitternacht war und die Lieferung schon längst hätte ankommen müssen. Entweder war irgendetwas beim Transfer schief gelaufen oder sie standen nun doch einfach an der falschen Stelle. Dabei hatte man eigentlich von jeder Position aus einen super Blick auf den restlichen Hafen und konnte zumindest sich nähernde Boote sofort von überall erkennen.

      "Kaum zu glauben, Javier fucking Ricks ist wirklich auf diese Fake-Mail reingefallen. Schade nur, ich hatte gehofft heute ihm gegenüber zu stehen, statt seinen Welpen." hörte Judas es plötzlich hinter sich und drehte sich zu der höhnenden Stimme um. Vor ihm stand ein Mann, welcher Judas den Lauf seiner Pistole entgegen hielt und dabei süffisant grinste. Kurz schweifte Judas' Blick über die Bikerjacke, welche jedoch vorerst nicht sonderlich viel preisgab, wie es sich Judas gewünscht hätte. "Und du bist wer, dass du glaubst so über unseren Leader zu reden?" fragte der Braunhaarige fast schon zischend und bedachte den einen Kopf kleineren Mann vor sich. Die Männer hinter ihm waren alle mindestens genauso schwer bewaffnet, wie der Winzling vor Judas' und wären somit definitiv nicht nur wegen der Personzahl Selbst den beiden Hell Hounds überlegen. "Ich? Du kennst mich nicht, Junge? Hat dir dein geliebter Leader noch nie von mir erzählt?" Verwirrt zog Judas die Augenbrauen zusammen, was man in dem dämmerigen Licht jedoch kaum bis gar nicht sehen konnte. Kurz schwiff sein Blick noch einmal über das markante Gesicht, während er überlegte woher er ihn kennen könnte und ob er dies überhaupt tat. Denn soweit sich Judas erinnern konnte, stand er diesem Zwerg noch nie gegenüber. "Ich bin Vitus." meinte dieser mit einem ebenso süffisanten Unterton, wie sein Grinsen preisgab.

      Plötzlich jedoch klingelte es bei Judas. Vitus Ricks. Javiers älterer und verhasster Bruder. Leader der (K)Nights... Fuck.

      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.
    • Angelique "Angel" Pierce

      Angel hing mit beiden Ellenbogen auf der weißen Tischplatte mit dem Gesicht über ihrem bedeutungsvollen Handy und starrte mit ihren gelangweilten, blauen Augen auf das schwarze Display, welches immer wieder aufgrund von irrelevanten Benachrichtigungen aufleuchtete. Sie wartete darauf das endlich der Name von Talia erneut auf ihrem Homescreen prangerte. Die Pinkhaarige hatte schließlich keine Eile sich fertig zu machen. Ihre wichtigste Freundin brauchte allein dank den öffentlichen Verkehrsmitteln schon eine Ewigkeit zu ihr - zumindest in den Augen der rücksichtslosen Autofahrerin, die Busse, sowie Züge, nicht ausstehen kann. Dazu musste sich die Blondine wohl nach ihrer anstrengenden Schicht im Café noch auffrischen. Zwar konnte Angel Talias zwei linken Händen mit dem Make Up weiterhelfen, aber in allem anderen war sie mindestens genauso untalentiert.

      Ihr Blick galt für einen Moment ihrem unbeschäftigten Spiegelbild. Viel zu tun hatte sie nicht, um sich für die Party fertig zu machen. Ihre Haare behielten stets ihren mühelosen "I woke up like this" Look, statt mit einem Glätteisen oder Lockenstab bearbeitet und malträtiert zu werden. Den gewissen Charme ihrer natürlichen Wellen in den zerzausten Strähnen, wollte die junge Frau nicht missen, wodurch sie glücklicherweise eine kürzere Morgenroutine hatte, sowie auch jetzt etwas Zeit einsparen konnte. Ihr Gesicht war eigentlich auch schon geschminkt, schließlich trug sie nie sehr viel Make Up. Ihre knall pinken Haare waren ihr Markenzeichen und das was herausstechen sollte. Kein gigantischer Schmuck und keine stark aufgetragene Schminke sollten davon ablenken, was sie als Zeichen ihrer Freiheit, Lust und Laune sah.
      Eindringlich betrachtete sie ihr feminines Gesicht, die runden Wangen betont von Highlighter und Rouge, die gepflegten Augenbrauen, ihre breite Nase, die das einzige war, was sie an sich ändern würde.. Sollte sie sich wirklich die Mühe machen sich noch einmal zu schminken? Wollte sie das überhaupt? "Ich kann mich wohl nochmal neu schmink'n, Talia sitzt wahrscheinlich eh mit ihren Geckos rum", murmelte sie sich selbst zu und zuckte dabei kurz mit den schmalen Schultern. Mit jener wohl hauptsächlich aus Langeweile entstandenen Entscheidung machte sie sich daran aus den Schubladen des weißen Schminktischs alles mögliche für ihr Vorhaben rauszuholen. Im Takt ihrer über Bluetooth laufenden Musik sammelten sich auf ihrer Arbeitsplatte Reinigungstücher, Wattestäbchen und unzählige Pflegeprodukte wie Gesichtscremes, sowie feuchtigkeitsspendende Serums.

      Sie hatte erst alles benötigte ausgepackt und auf dem Tisch platziert, da meldete sich ihr ständiger Begleiter und Freund, aka Handy, erneut bei ihr. Sofort ließ die junge Frau alles stehen und liegen, um ihre aufleuchtenden Augen zu dem Display zu wenden. Dieses Mal hatte sie die ersehnte Antwort ihrer liebsten Freundin. Angels schmale Finger ergriffen flink das Smartphone und tippten bereits eine Antwort auf die Nachricht von Talia. "Yes! Ich werde dich noch hübscher aussehen lassen, als du eh schon bist! <3". Natürlich teilte sie ihre Meinung wie üblich über mehrere Nachrichten auf, dementsprechend folgten auf die erste Nachricht zwei weitere: "Ich freu mich auch schon :*" und "Ich lad dich dann nächstes Mal ein, ja?"
      Das aus dem Weg geräumt landete das Handy voller Vorfreude in ihrem Schoß, während sie sich mit einem nassen Tuch endlich die Schminke aus dem Gesicht wischte. Die Make Up Artist war durch ihre Arbeit bereits geübt genug darin schnell alle nötigen Produkte in Rekordzeit aufzutragen. Angefangen bei der Gesichtspflege bis hin zu ihrem Make Up Looks, und dessen letzter Schliff, welcher aus etwas Glitzer und Setting Spray bestand. Innerhalb von 15 Minuten hatte sie sich mit ein wenig Lidstrich und pinken Lippenstift fertig gemacht, weswegen es nur noch ein passendes Outfit für diesen Anlass zu finden galt.

      Sprunghaft stand die energiereiche Angel auf, welche wie üblich ihre ganze Unordnung einfach stehen ließ. Sie musste ja Talia sowieso noch schminken. Dazu würde sie mit dem ganzen Chaos auf dem weißen Tisch die Blondine wahrscheinlich sofort auf andere Gedanken bringen können, denn das war stets das Ziel der jungen Frau. Sie wusste das der Zustand ihrer Schwester sich verschlechtert und die Leukämie sie wieder erwischt hatte, dementsprechend schätzte Angel jede Möglichkeit ihre Freundin ablenken, sowie glücklich, machen zu können. Ein Ausflug zu einem der bekanntesten Clubs der Stadt? Dazu Live Musik? Was gab es besseres? Beinahe verlor sich die junge Frau schon in diesen Gedanken, während sie ein paar Schritte auf die Kleiderstangen zugemacht hatte. Ähnlich den Lippenstiften und Lidschattenpaletten an der einen Wand, waren ihre Kleider und Schuhe an den anderen Wänden ebenfalls nach Farben sortiert. Bei Angel war das aber auch nicht schwer. Ihr Kleiderschrank bestand lediglich aus schwarz, weiß und grau. Gelegentlich schlich sich ein metallen glitzerndes Kleid oder sogar ein rosa Oberteil mit rein, aber der Großteil bestand aus den zuvor genannten, neutralen Farben. Ihre auffälligen Haare blieben eben der Fokus ihrer äußeren Erscheinung, diese Wirkung wollte sie mit ihrer einfachen Kleidungswahl und dezenten Farbnuancen verstärken.

      Ihre blauen Augen schweiften über das Sammelsurium von teuren Kleidchen, Schuhen und Schmuck hinweg. Automatisch war sie zu ihren Lieblingsteilen hingezogen, weswegen sie sich ihrer grauen Jeans und dem oversized T-Shirt entledigte, beides auf das kleine Sofa fallen ließ und im Takt zu dem nächsten rockigen Lied in ihrer Playlist gezielt auf ein schwarzes Slipdress zueilte. Dieses zog sie von dem silbernen Kleiderbügel und sofort landete es an ihrem Körper. Der dunkle Stoff schmeichelte ihrer weiblichen, schmalen Figur, während sie zwei Sidesteps nach links machte und ein Paar hohe Sandalen aus dem Regal voll mit Absatzschuhen rauszog. Kurz ließ sie sich auf das weiße Sofa in der Mitte des Raums fallen, damit sie ihre geliebten Schuhe anziehen konnte. Dazu gehörte die langen, schwarzen Bänder der Sandalen an ihren Waden hochzubinden und jeweils mit einer Schleife festzumachen. Als letztes Teil ihres Outfits zog sie sich mehrere, goldene Kettchen mit unterschiedlichen Längen an, welche ihr freies Dekolleté schmückten.

      Angel hatte gerade die letzte Kette zubekommen, was mit ihren langen Nägeln eine Herausforderung für sich war, als die Türklingel ihre Musik übertönte. Das konnte nur eine Person sein und sofort eilte das pinkhaarige Bündel aus Energie in Absatzschuhen durch ihre Wohnung zur Haustür, welche sie mit einem strahlenden Grinsen auf den pinken Lippen aufriss und der Blondine um den Hals fiel. "Ich hab dich ja sooooooo vermisst!", rief sie fröhlich aus, obwohl die beiden sich erst vor paar Tagen das letzte Mal gesehen hatten. Nur zögerlich löste sie ihre zierlichen Arme von Talias beneidenswertem Körper und nutzte die kurze Gelegenheit die herausgemachte Frau in ihrem roten Spitzentop mit dem Jeansrock zu betrachten. "Dir fehlt nur noch dein Make Up und dann siehst du perfekt aus!", deklarierte sie voller Vorfreude und packte die ein Zentimeter kleinere Frau an der Hand, um sie in ihr selbst ernanntes Schminkstudio zu bringen.
      Mittlerweile hatte sie über ihr Handy die Musik zu Talias Lieblingsband Twenty One Pilots gewechselt, während sie die Blondine auf ihrem Stuhl neben der unordentlichen Tischplatte absetzte.
      "Sag nichts, ich weiß wie es hier aussieht", kommentierte sie achtlos gegenüber dem Chaos aus Make Up und Pflegeprodukten, während sie eine Schublade des Schminktischs aufzog. Normalerweise war es das Heraussuchen der richtigen Farbtöne für eine Kundin, was sehr viel Zeit verschwendete. Für ihre blonde Freundin hatte sie deswegen extra eine ganze Sammlung an Make Up in passenden Nuancen zu ihrem Hautton, als auch Lidschatten und Lippenstifte in ihren Lieblingsfarben. Natürlich machte sich Angel sofort daran, dem Look der jungen Frau die fehlende Zutat zu verpassen, bei ihrer Leidenschaft war sie eben unaufhaltsam und konnte sich nicht zurückhalten. Die beiden hatten wohl Glück, wenn sie überhaupt pünktlich zum Live Auftritt los kamen, denn die energiereiche Pinkhaarige konnte sich auch die ganze Nacht damit beschäftigen ihrer Freundin jeden Wunsch zu erfüllen, damit sie sich noch hübscher fühlen konnte.





      James Walsh

      "Javier meinte gegen Mitternacht", gab der Ältere ihm als Antwort auf seine Frage. Natürlich, die einzigen Leute, die um diese Uhrzeit unterwegs waren torkelten betrunken durch die Straßen oder befanden sich auf dem Weg zu einem Club, um genau das zu erreichen. Dementsprechend war es eine der geringeren Sorgen beim Transportieren der Lieferung gesehen zu werden. Das einzige was den beiden gefährlich werden konnte war, dass sie auf ihrem Weg hin und zurück entweder den Cops oder einer anderen Gang geradewegs in die Arme liefen. Mit Judas an seiner Seite würden sie sich sicher gegenüber vereinzelten Mitgliedern verteidigen können, aber wenn es sich um mehrere einer verfeindeten Gruppe handelte, wäre das Ganze nicht mehr so leicht. Vor allem nicht ohne seine geliebte Pistole, welche dem jungen Mann stets etwas Sicherheit bot, so paradox das auch klang. In seinen Gedanken verloren, daran wo er die Waffe hätte liegen lassen können, ruhte er geduldig auf dem Sofa und wartete auf die Ansage von Judas, das sie los konnten.

      Anscheinend entging dem Braunhaarigen aber nicht, dass James seine Glock G19 gerade weder versorgte, noch überhaupt bei sich trug. So aufmerksam wie er, war wohl sonst kein anderer der Gangmitglieder. Zwar achteten alle aufeinander, aber der Ältere war den meisten einen Schritt voraus. Dieses Mal war es nicht anders, denn drückte Judas seine Art von Fürsorge gegenüber seinem nicht leiblichen Bruder aus, indem er auf James zukam und ihm eines seiner Butterfly Messer reichte. Der Jüngere richtete sich sofort in dem Sofa auf, setzte die Füße auf dem Betonboden ab und sah mit seinen dunklen Augen zu dem Größeren mit den zurückgekämmten Haaren. Sein kühler Blick ruhte für einen Moment auf James, bevor er die Stille brach und er etwas zu seiner Geste äußerte: "Zur Sicherheit. Ist besser, als Fäuste." Der Schwarzhaarige fühlte sich fast schon wie ein kleiner Welpe, der bei etwas Ungezogenem erwischt wurde. Er hätte wissen müssen, dass den aufmerksamen Augen von Judas die fehlende Waffe nicht entgehen würde. Gedemütigt nahm er das Messer entgegen. Er fasste diese Aktion beinahe als Kritik auf, obwohl es sich hier um einen Akt der Fürsorge handelte. Dementsprechend kam dem Schwarzhaarigen kein Danke über die zusammengepressten Lippen, während er das Messer stumm in seiner Hosentasche verschwinden ließ und dafür seinen Autoschlüssel rauszog.
      Der junge Mann hatte nun genug Aufträge mitgemacht, dass er wusste wie praktisch sich ein Wagen für solche Lieferung behauptete. Seinen Schatz mussten sie nur leider bereits in der Mitte der Stadt zurücklassen, auf einem Parkplatz zwischen mehreren Clubs. Hier war der Wagen gut aufgehoben und von dort aus konnten die Beiden ihren restlichen Weg bestreiten ohne zu sehr aufzufallen. Zwischen all den anderen jungen Erwachsenen gingen die zwei Tätowierten fast schon unter, nur das ihr Ziel keine angesagte Party war, sondern die entfernten Ost Docks. Obwohl sich am Pier einige teure Wohnungen und Häuser aneinander reihten, gab es ein Stück entfernt von diesen ein abgelegenes Stück am Hafen. Seit den errichteten Apartment Komplexen, blieben die Docks unbenutzt, abseits für Lieferung an die Gangmitglieder der Hell Hounds.

      Nach einem längeren Fußmarsch konnten die zwei bereits zwischen den hohen Wohngebäuden entlang das still gelegte Stück Hafen erblicken, welches in schweigende Dunkelheit gehüllt war. Wo kein Nutzen, da kein Licht. An diese schaurige Kulisse war der Schwarzhaarige aber bereits gewöhnt und dies war lediglich eine Lieferung wie jede andere. Sie würden die Ware annehmen und damit wie üblich in der Masse von partywütigen Menschen verschwinden. Zusammen kamen sie auf der offenen Plattform aus Beton an und das einzige Geräusch was man neben den Schritten der beiden umherirrenden Männern wahrnehmen konnte, war wie Welle für Welle das plätschernde Wasser gegen die von Menschenhand geformte Einmündung aus Stein traf.
      "Es wäre vielleicht ganz schlau gewesen, wenn wir nach einem genauen Standpunkt gefragt hätten.", ertönte die tiefe Stimme von Judas über die Dunkelheit hinweg. Der nasse Boden des unbenutzten Hafens unter den Füßen der beiden glitzerte lediglich im Licht der entfernten Straßenlaternen, die in dem bewohnten Gebiet nebenan leuchteten. Mit den vernarbten Händen in seinen Hosentaschen drehte der Schwarzhaarige seine Kreise über den feuchten Beton, während er sich ungeduldig umsah. "Was wenn die irgendwo anders warten?", fragte James nachdenklich und kam schließlich neben seinem Gangbruder zum Halt. Seine dunklen Augen blickten Judas kurz an und wanderten, genauso wie die Augen seines Gegenübers, zu dessen Armbanduhr - über die Distanz und in dieser Dunkelheit konnte er nur leider nicht die Uhrzeit erkennen. Das brauchte er aber garnicht, denn gerade in diesem Moment erklang hinter den beiden Männern eine höhnende Stimme, welche sich unbemerkt an die zwei Erwachsenen herangeschlichen hatte und sie nun als kleine Welpen bezeichnete. Sofort wandten sich Judas und James zu dem viel Älteren um, welcher dem Braunhaarigen den Lauf seiner Waffe beängstigend nah ins Gesicht hielt. Der Jüngere der zwei Hell Hounds presste lediglich seine Lippen aufeinander und hielt das eingeklappte Messer in seiner Hosentasche bereit. Wenn es hart auf hart kam, würde er den Braunhaarigen beschützen, auch wenn sie deutlich in der Unterzahl waren. Hinter dem Mann mit der Waffe zeichneten sich noch andere Gestalten, die anscheinend ähnlich schwer bewaffnet waren.

      Auf die furchtlose Frage wer der Fremde nun eigentlich sei, konnte dieser nur schmunzeln. Mit hochgezogener Augenbraue betrachtete der Schwarzhaarige den Unbekannten mit zurück gekämmten Haaren. Sein kurzer Bart bedeckte den Großteil seines Gesichtes und trotzdem konnte man in der Dunkelheit ein schelmisches Grinsen erkennen, welchem mit passend eingebildeten Ton ein Name als Antwort über die Lippen kam. Vitus..? Plötzlich fiel dem Jüngeren ein woher ihm dieser Name so bekannt vorkam. Wären sie nicht in so einer kritischen Lage hätte sich James nur kopfschüttelnd an die Stirn gefasst. Die schlechten Lichtverhältnisse hatten die markanten Gesichtszüge versteckt, die ihrem eigenen Leader so ähnlich sahen. Bei Tag hätte er den Fremden ohne Probleme als Javiers verhassten Bruder ausmachen können, wie war er nicht sofort darauf gekommen?
      Diese Situation konnte nur Ärger für die zwei Hell Hounds bedeuten. Der skrupellose Mann würde vor nichts zurückschrecken, um seinem Bruder eine Nachricht zu hinterlassen, die den Krieg zwischen den beiden Hitzköpfen immer weiter hochschaukelte. James selbst wusste nicht worum es in dem endlosen Streit zwischen den beiden Gangleadern ging, doch hatte sich der mitschwingende Hass gegeneinander auch auf alle Mitglieder der Hell Hounds und (K)Nights übertragen. Zwischen diesen Gruppen herrschte gerade deswegen besonders viel Spannung. Ausgerechnet jenen standen sie nun in definitiver Unterzahl gegenüber, während Vitus das Wort ergriff. "Eigentlich hatte ich vor meinen Bruder zu sprechen", erklärte seine rauchige Stimme nachdenklich und betrachtete dabei grinsend die zwei jungen Männer vor sich. Der Schwarzhaarige wollte sich garnicht erst ausmalen was dem gegnerischen Gangleader gerade alles an Ideen durch den Kopf kam. Zu seinem Pech äußerte er diese aber recht schnell und fragte in die Runde seiner untergeordneten Mitglieder: "Wie wäre es wenn wir ihm einen weiteren, kleinen Grund geben um auf mich zuzukommen?"

      Über die Stille des Hafens hörte man lediglich wie sich die Sicherung der Waffe von Vitus löste. Natürlich reagierte der Schwarzhaarige sofort auf die Situation, ohne vorher darüber nachzudenken. Bevor der Bruder ihres eigenen Leaders als Exempel an Javier den Abzug betätigen konnte, ging James mit seinem geliehenen Butterfly Messer dazwischen. Zwar erwischte er den viel älteren Mann mit der Klinge im Abdomen, jedoch sorgte diese überraschende Handlung nicht dafür den Bärtigen davon abzuhalten tatsächlich seinen Schuss auszulösen. Nur ging dieser nicht auf sein eigentliches Ziel los, sondern traf stattdessen James, welcher seinen älteren Gangbruder nur versucht hatte zu beschützen.
      Der laute Schuss hallte durch den ganzen Hafen, hinweg bis zur bewohnten Gegend, die nicht weit entfernt lag, während der Schwarzhaarige nur ein schmerzhaftes Zischen durch die zusammengebissenen Zähne hervor presste. Seine weit aufgerissenen Augen betrachteten das blutige Messer, das er auf den Boden fallen gelassen hatte, um sich die schmerzende Schulter zu halten. Seine zitternde Hand versuchte Druck auf die Einschussstelle auszuüben, aus welcher sofort tiefrotes Blut sprudelte und den Stoff seines weißen T-Shirts verfärbte. Die restlichen, anwesenden Mitglieder der (K)Nights hatten bereits ihre Waffen gezogen, während sich ihr Anführer an seine eigene, oberflächliche Wunde fasste. Mit seiner Blut verschmierten Hand winkte er seinen Anhänger zu, dass sie ihre Pistolen wieder runternehmen sollten. Natürlich befolgten diese dem stillen Befehl des verletzten Leaders, doch konnte sich der Schwarzhaarige lediglich auf die aufkommenden, pochenden Schmerzen in seiner Schulter konzentrieren. Keuchend sank James auf die Knie und hielt sich mit schwerem Atem die offene Wunde zu.

      "Tzz..", zischte der ältere Mann genervt und blickte den erniedrigten Welpen neben dem Braunhaarigen an, "da hat sich Javier aber welche ausgesucht.. Verzieht euch oder ich überlege mir doch euch beide einfach umzulegen."

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    • Talia Johnson

      Die anstehende Busfahrt kam Talia wie Ewigkeiten vor. Zwar kannte sie den Weg zu ihrer besten Freundin mittlerweile in und auswendig, hätte den Weg somit also mit höchster Wahrscheinlichkeit auch im blinden Zustand gefunden, und wusste, dass diese mit einem richtigen Zeitvertreib eigentlich nie sonderlich lange dauerte, jedoch hatte sie heute erneut den Tiefpunkt ihrer Langeweile erreicht, als sie in diesem wackelnden Gefährt saß. Selbst ihre über alles geliebte Band konnte die Fahrt dieses mal kaum so schnell vergehen lassen, wie sonst und ihre langsam aber sicher anschwellend strapazierten Nerven wieder glätten. Sie hörte die betrunkenen Jugendlichen sogar durch die laute Musik hindurch, welche hinter ihr die ganze Zeit herum grölten. Das schreiende Baby, da diese dem scheinbar den Schlaf raubten, die genervte Mutter welche mit zweien dieser Jugendlichen diskutierte und eine ältere Dame, welche die ganze ihren Senf dazu geben musste, waren dabei das i-Tüpfelchen auf dieser nervig langen Busfahrt. Tief atmete Talia daher ein, um ihre Nerven wieder unter Kontrolle zu bekommen. Schnell dachte sie an ihre beste Freundin und derer beider Vorhaben für diesen Abend, weswegen sich nach einer Weile auch ihre Stimmung wieder aufhellte. Schnell hatte sie sich wieder auf ihre Musik konzentriert und schaffte es dieses Mal sogar die Hintergrundgeräusche gänzlich auszublenden.

      Endlich hatte sie ihre gewünschte Haltestelle erreicht, da sprang sie regelrecht aus dem Bus und lief schnell zu dem Hauseingang des Gebäudes, in welchem Angel wohnte.
      Vorfreudig klingelte sie und drückte noch glücklicher die Tür auf, als ihr diese umgehend geöffnet wurde. Die wenigen Treppen war sie beinahe hinauf geflogen und so befand sich Talia nur wenige Augenblicke später in den Armen ihrer besten Freundin, welche mindestens genauso glücklich war sie zu sehen, wie es andersherum der Fall war. "Ich hab dich mindestens genauso sehr vermisst, mein Schatz." meinte die Blonde ehrlich, auch wenn sie wusste, dass sich die beiden schließlich erst vor kurzem getroffen hatten. Doch da die Beiden die meiste ihrer freien Zeit zusammen verbrachten, war es umso seltsamer, wenn sie sich dann schließlich mal eine Weile nicht sahen.


      Ein breites Lächeln zierte die Lippen der jungen Frau, als sie voneinander abließen und sie in das Gesicht der Pinkhaarigen blickte und ihre Worte vernahm. "Dir fehlt nur noch dein Make Up und dann siehst du perfekt aus!" - "Naw ich weiß, dass ich mich da voll und ganz auf dich verlassen kann. Übrigens siehst du auch wieder super aus, mein Herz." Anerkennend musterte Talia das leichte Make-Up ihrer Freundin und das Outfit, welches diese sich für den heutigen Abend ausgesucht hatte. "Wenn du heute nicht deinen Traummann finden solltest, weiß ich ja auch nicht weiter. Wie kann man so etwas wundervolles wie dich verschmähen?! Versteh einer die Kerle." verdrehte die vierundzwanzig Jährige übertrieben theatralisch ihre Augen, wobei sie jedoch keines ihrer Worte auch nur ansatzweise unehrlich meinte.

      Nur allzu gerne ließ sich Blonde mitziehen und nahm schließlich in Angels kleinem Schminkatelier platz. Schmunzelnd betrachtete sie die gewohnte Unordnung und musste noch breiter Grinsen, als ihre beste Freundin versuchte sich deswegen zu verteidigen. Allerdings sagte Talia nichts weiter dazu, denn schließlich war sie selber auch nicht immer die Ordentlichste. Gerade wegen ihrer beiden Geckos, welche viel Pflege brauchten und mehr Nahrung als ihre Kornnatter Malfoy, sah es oftmals mehr als nur verwüstet in ihrem kleinen Wohnzimmer aus. Was aber natürlich nicht der alleinige Grund dafür war, dass es oftmals bei ihr aussah, als wäre eine Bombe in ihrer Wohnung explodiert.

      Zufrieden gab sie sich also den Schminkkünsten ihrer Freundin hin, vertraute dieser auch die Farbauswahl des Lidschattens, des Lippenstifts und allem anderen Drum und Dran an, da Talia schließlich wusste, was Angel in diesem Gebiet drauf hatte. War sie erst einmal in ihrem Element, konnte man sie schlecht wieder davon wegbringen und ablenken, bis sie fertig war. Sie vertraute der pinkhaarigen jungen Frau auf diesem Gebiet blindlings.

      Wenn Angel jedoch mal kurz von ihr abließ, sang Talia den Text des laufenden Liedes ihrer Lieblingsband mit und wippte dazu im Takt. Nebenbei sprachen die jungen Frauen über ihren jeweiligen Tag, bis die Schminkkünstlerin schließlich gänzlich mit Talias Make-Up fertig war und sich diese im Spiegel betrachten konnte. Auch ihr eigenes Make-Up war etwas schlichter gehalten, bestand genaugenommen nur aus einem Lidstrich und ganz dezent aufgetragenen dunkelroten Lidschatten. Ihre getuschten Wimpern verliehen dem ganzen einen offenen Blick und ließ sie beinahe wie Bambi wirken. Sie wusste nicht wie die Pinkhaarige dies jedes Mal schaffte, aber seltsamer Weise bekam diesen schönen Wimpernkranz wirklich nur Angel bei ihr hin. Die Lippen der Blondine waren in fast dem selben Rotton gehalten wie die Farbe des Lidschattens und war dabei mindestens genauso wenig aufgetragen worden wie dieser. Dies gab dem ganzen zwar einen geschminkten, jedoch gleichzeitig auch recht natürlichen Look was Talia wirklich gefiel. Sie mochte zwar alle Schmink-Kreationen welche Angel so zauberte, vor allem auch die knallig auffallenden Looks, an sich selbst mochte Talia jedoch mehr dieses natürliche Make-Up, welches nicht auf den ersten Blick als dieses zu identifizieren war und wirkte wie eine zweite Hautschicht, welche man irgendwann vom Gesicht abziehen konnte. Am Ende war sie wohl auch wirklich mehr eine dieser bequemeren Sorte, welche sich zwar gerne mal schminkte, am Ende des Tages aber bloß nicht zu viele Abschminktücher verwenden musste, um das ganze Zeug auch wieder vom Gesicht zu bekommen.
      "Wow, ich seh toll aus." meinte Talia nur auf das Make-Up bezogen und betrachtete sich noch einen Moment im Spiegel, ehe sie durch diesen hindurch, zu ihrer besten Freundin schaute. "Danke, Angel."

      Kurz darauf zogen sich die beiden jungen Frauen auch schließlich an und wollten sich auf den Weg zu dem Auftritt und der darauffolgenden Party machen. Als diese jedoch aus dem Gebäude traten, konnte Talia in dem seichten Licht der Laternen zwei Männer erkennen. Erst dachte sie sich nichts weiter dabei, als sie jedoch genauer hinsah, erkannte sie, dass der Eine von dem Anderen halb getragen und hinter dem Größeren her geschleift wurde. "Oh man, versteh' einer die Leute die sich einen bis zur Bewusstlosigkeit hinter die Binde kippen." meinte sie und betrachtete weiter die beiden Männer, während sie an ihren eigenen Vater erinnert wurde.







      Jude 'Judas' Hill

      Zwar hörte Judas wie sich die Sicherung der Waffe Vitus' löste, dennoch brauchte der ältere Hell Hound einen kurzen Moment um überhaupt zu realisieren was sich nun vor seinem Augen abspielte, als James sich plötzlich in sein Sichtfeld schob und somit auch vor das Gesicht des anderen Leaders. Der Klang des Schusses, welcher über die Docks hallte, brachte Judas jedoch sofort in das Hier und Jetzt zurück. Sofort versuchte er die Situation zu analysieren und zu ergründen, ob der Schuss hoffentlich daneben gegangen war und die Kugel nicht den Körper seines Gangbruders getroffen hatte. Als dieser jedoch mit einem ächzenden Laut zu Boden ging und Judas beobachten konnte wie dieser sich die Schulter hielt, eilte er sofort auf diesen zu. Sogleich stütze er James und drückte mit seinem eigenen Handballen ebenfalls gegen die offene Wunde, damit der Jüngere nicht zu viel Blut verlor. Zwar konnte sich der Braunhaarige denken, dass dies nicht gerade angenehm für den Anderen sein musste, jedoch würde dies wohl schlimmeres verhindern.


      Wütend hob Judas seinen Blick, als er erneut die höhnende Stimme des (K)Night Leaders vernehmen konnte und griff zu seinem eigenen Messer. Dass dieser ebenfalls, von James Versuch ihn Selbst zu beschützen, verletzt worden war, war nicht zu übersehen. Doch, dass dieser nach solch einem Angriff noch gerade stehen und vor allem auf diese Art auf sie Beide hinab sehen und sie auch weiterhin verhöhnen konnte, machte Judas wütend. Unendlich wütend und das, obwohl er meist die Ruhe selbst war. Auch in Konflikten mit anderen Gangs versuchte er stets der Ruhepol der Gang zu sein und seine Brüder wieder runter zubringen. Meist mit Erfolg, manchmal eben auch nicht. In diesen Momenten zeigte er den anderen Gangs jedoch was es hieß zu den Hell Hounds zu gehören. Dass Judas eben dies nun nicht Vitus und dessen Verband von Wichsern zeigen konnte, ließ heiße Wut in ihm aufkochen. Er selber war vielleicht kein schwacher, dicker Gummiball mehr, mit dem man früher hatte machen können was man wollte, doch allein kam er auf keinen Fall gegen Vitus und dessen Gang an. Am Ende würde Judas, James und sich Selbst ins Verderben stürzen.

      Die Tatsache, dass Judas allerdings nur zur Sicherheit zu seinem Messer gegriffen hatte, schien für die (K)Nights jedoch Grund genug gewesen zu sein, um einen möglichen erneuten Angriff auf ihren Leader dieses Mal schneller blocken zu wollen, als es zuvor nicht möglich gewesen war. Der Kerl der schnellen Schrittes auf ihn zugelaufen kam, hatte nicht einmal der Braunhaarige kommen sehen. In seinem Entschluss gefangen Vitus zu beschützen, verdrehte dieser Judas Hand so sehr und schnell, dass dessen Messer in seinen eigenen Oberschenkel gerammt wurde. Mit einem schmerzvollen laut auf den Lippen, wollte Judas am liebsten das Messer aus diesem heraus ziehen, als ihm bewusst wurde, dass dies sein jetzige Situation nur noch schlimmer machen würde. Das Pochen zog sich allerdings durch seinen ganzen Oberschenkel, während das Blut in Massen über sein Hosenbein lief und das, obwohl er das Messer sogar absichtlich in der Wunde stecken ließ, um nicht jeden Moment die Radieschen von unten betrachten zu können.

      "Tzzz, da hat sich Javier aber welche ausgesucht.. Verzieht euch oder ich überlege mir doch euch beide einfach umzulegen." hörte man den Bruder seines eigenen Leaders zischen.
      "Lass uns von hier verschwinden." presste der Braunhaarige zwischen den Zähnen vor Schmerz hervor und half dem Schwarzhaarigen, eher schlecht als Recht, auf die Beine. Dabei bedachte er mit genauer Vorsicht James nicht noch weiter zu verletzen und nebenbei aber auch sein eigenes Bein zu schonen. Gleichzeitig jedoch achtete Judas auch darauf, dass Vitus oder ein Anderer der Gang nicht eventuell doch noch einen Hinterhalt geplant hatten, um nun beide Gleichzeitig auszuschalten, wo sie unbewaffnet und verletzt waren. Dass er dabei auch noch darauf achten musste, James Wunde nicht noch weiter zu öffnen oder diesen versehentlich zu verletzen, machte das Ganze nicht einfacher. Doch kaum standen die beiden Hell Hounds schien auch den Mitgliedern der (K)Nights endlich das Wohlergehen ihres Leaders wichtiger zu sein und sie brachten den Verletzten von dem Ort des Geschehens weg. Auch Judas drehte sich endlich von den Docks ab und versuchte James, so gut es eben ging, unversehrt zu seinem Auto zu schleppen.

      "Dieser Wichser. Wenn die uns das nächste Mal über den Weg laufen, reiße ich denen ihren Arsch auf." knurrte der sonst so ruhige Judas leise vor sich her. Sein Blick galt immer wieder dem Weg vor sich, wobei seine Aufmerksamkeit wohl jedoch mehr auf James gerichtet war, welcher von Minute zu Minute mehr Blut zu verlieren schien."Fuck James, mach mir bloß nicht schlapp." meinte der Braunhaarige nun doch mehr als besorgt, als ihm dieses Unterfangen auffiel und versuchte mit seiner Hand, welche immer noch auf der Wunde James' lag, weiterhin die Blutung zu stoppen.

      Mit jedem Schritt den der Größere ging, hoffte dieser jedoch bald den Club und somit James' Auto erreicht zu haben. Denn auch dieser kam langsam aber sicher an seine Grenzen. Die Schmerzen in seinem Schenkel wurden immer schlimmer und so langsam hatte er das Gefühl, dass er nicht länger laufen konnte. Er wollte seinen nicht blutsverwandten Bruder endlich zum nächsten Arzt bringen, damit dieser sich den Schaden genauer ansehen konnte. In der Zwischenzeit hoffte Judas natürlich gleichzeitig, dass James nicht allzu viel Blut verlor und der Gang zum Arzt somit unnötig wurde. Wer wusste immerhin schon, was genau die Kugel von diesem Vitus angerichtet und vor allem auch erwischt hatte. Mal abgesehen von seinem eigenen Leiden, welches ihn mittlerweile einige Male fast hatte stolpern lassen.

      Wieder galt sein besorgter Blick dem schlapp wirkendem Schwarzhaarigen, ehe sich Judas wieder auf den Weg vor sich konzentrierte und aus dem Gebäude, in der Nähe der Docks, zwei Gestalten heraus kommen sah. Kurz zischte dieser auf, versuchte den Blick etwas zu senken, damit die beiden Hell Hounds weiter kein Aufsehen erregten und die beiden Frauen eventuell auf die falschen Ideen kamen. Am Ende wäre es vielleicht nicht allzu schlecht etwas Hilfe zu haben, doch am Ende wusste er auch nicht, ob sie vielleicht die Polizei rufen würden, sobald sie erst einmal bemerkten, was los war und den 'Täter' somit stellen wollten. Schlussendlich würden sie dann wohl eher im Gefängnis landen, als bei einem Arzt.

      Dennoch, die Wunde an seinem eigenem Schenkel schmerzte nicht weniger und brachte Judas immer mehr dazu beinahe einzuknicken und das Gleichgewicht zu verlieren. Die Sterne vor seinen Augen wurden immer schlimmer und so langsam war sich Judas sicher, dass nicht nur James zu viel Blut verlor. Einen Moment hielt er inne um kurz Kraft sammeln zu können, ehe er beim nächsten Schritt vorwärts jedoch gänzlich einsackte und mit James auf dem Boden landete.
      Happiness can be found even in the darkest of times, if one only remembers to turn on the light.