♣ Fairy Magia ♣ [Cailemia & Heaven]

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    • ♣ Fairy Magia ♣ [Cailemia & Heaven]

      Fiora

      Sonnenstrahlen fielen durch die kleinen Fenster und ließen den Staub sichtbar werden, der durch die Luft tanzte. Zwischen den hölzernen Regalen war die Hitze des Sommers deutlich zu spüren und die Luft wirkte fast stickig, als Fiora stöbernd durch die Reihen trat. Sie kannte diese stickige Hitze, den feinen Staub in der Luft und die Stille, die diesen Ort wie ein schützendes Tuch einhüllte. Sie liebte diese Bibliothek. Sicher, es kamen selten Leute hier hinein, schon gar nicht wenn die Freibäder und Cafes in der Sonne so viel verführerischer wirkten. Wer würde seine Zeit da mit Büchern verschwenden? Sie natürlich. Als absolute Leseratte genoss sie den Geruch der zahllosen Papierseiten und selbst das aufdringliche Parfüm von Miss Anderson war mittlerweile ein vertrauter Begleiter. Miss Anderson war eine Frau in den Fünfzigern mit ergrautem Haar und strengem Blick. Und doch einer der wenigen Menschen, die ihre Liebe zu Geschichten teilte. Wie jeden Tag saß die Dame am Pult und betrachtete das Register der hier aufgereihten Büchern. Die Abteilungen für Wissenschaft oder Kinderliteratur interessierten Fiora nicht im Geringsten. Ihr Herz schlug für die Phantastischen Abenteuer in Welten, die Teilweise kaum aussprechbar waren da der Autor es etwas zu gut mit dem High Fantasy Elementen gemeint hatte. Dennoch verschlang sie Geschichte für Geschichte und fieberte mit den Charakteren mit. Sie lachte, weinte und fluchte zu jedem Kapitel der fremden Welten. Vielleicht war sie ein wenig zu lebhaft, wenn es darum ging, sich in die Charaktere einzufühlen. Dafür lebte die junge Frau, die selbst anstrebte, eines Tages eine Autorin zu werden und ihre eigene Welt zu erschaffen. Aber davon war sie weit entfernt, ihr fehlten Ideen und auch das Talent für packende Storys.

      "Also wirklich, Mädchen. Wenn du solche herrlichen Tage hier drinnen verschwendest wirst du noch zu einem alten, verbitterten Bücherwurm!" Miss Anderson war an sie herangetreten und trotz der Strenge in ihrer Stimme lag etwas mütterliches in ihrem Blick. Fiora lachte nur und strich sich das leicht zerzauste, blonde Haar zurück.
      "Dann kann ich vielleicht den Beruf der Bibliothekarin erlernen um das Image zu erfüllen." Frech grinste sie die ältere Dame an, die nur den Kopf schüttelte. Beide kannten sich bereits seit Fiora in dieses Viertel gezogen war, daher konnte sich die Hellhaarige den ein oder anderen frechen Kommentar leisten.
      "Dafür bist du zu ungestüm, Fiora, du würdest das Ende der Geschichte verraten noch ehe dein Kunde das Buch ausleihen kann.", bemerkte die ältere Frau nur tadelnd, beließ es aber dabei und reichte der Blondhaarigen dafür ein kleines Päckchen. Der Umschlag bestand aus einfachem Packpapier und war schmucklos, seine Form verriet bereits, dass sich ein Buch darin befand. Überrascht zog sie ihre Brauen hoch.
      "Ein kleines Geschenk. Es gibt nicht viele Exemplare davon, aber ich konnte eines ersteigern. Nimm es, setzt dich raus in die Sonne und genieße es. Eine Fantasy-Geschichte, die dürfte dir gefallen. Alles Gute zum Geburtstag, Fiora." Miss Anderson lächelte leicht. Fiora starrte erst ungläubig auf das Päckchen ehe sie breit lächelte und übermütig die Bibliothekarin umarmte.
      "Danke!", entkam es ihr begeistert und neugierig riss sie das Papier ab. Ihre Finger zitterten leicht und eine ihr altbekannte Aufregung erfüllte sie. Welche Welt mochte sich wohl hinter diesem dunklen Einband verstecken? Welche Helden kämpften hier gegen die unheiligen Mächte? Gab es ein Happy End? Oder Intrigen in den Reihen der Hierarchie? Fragen über Fragen und die wildesten Szenarien bildeten sich in ihren Gedanken, ehe sie das dunkle Buch an sich drückte.
      "Ich erwarte einen Bericht über dieses Buch." Miss Anderson war wieder ihr altes, strenges selbst.
      "Aber natürlich, ich werde jeden Plotttwist berichten!", grinste Fiora ehe sie aus der Bibliothek an die frische Luft gescheucht wurde. Lachend verließ sie die Welt der Bücher und joggte den Weg zurück nach Hause, das Buch dabei fest an sich gedrückt. Die Sonne brannte fürchterlich auf ihrer Haut und ein leichter Schweißfilm bildete sich auf dieser.
      Vielleicht war es unverständlich oder gar kindisch, dass sie derart aufgeregt über ein einfaches Buch schien, doch Fiora kümmerte sich selten darum, was andere über ihr Hobby dachten. Sie war keiner der Bücherwürmer, die sich nicht getrauten, die Stimme zu erheben oder lebhafte Unterhaltungen zu führen. Nein, so war sie sicher nicht. Sie war eine lebhafte und kontaktfreudige junge Frau, so zumindest sah sich Fiora selbst. Ihr Job im Diner ganz in der Nähe verlangte zudem, dass sie Konversationen führte und auf die Menschen eingehen konnte. Auch wenn Kellnerin nicht wirklich ihr Lebensziel war, immerhin strebte sie ein anderes Ziel an. Aber die Bezahlung des Diners finanzierte immerhin ihre kleine Wohnung.

      Zu Hause angekommen wartete die Blondhaarige nicht lange und warf achtlos ihre Handtasche in eine Ecke. Sich auf ihr Bett werfend begutachtete sie für einen Moment den Einband. Schmucklos und in einem dunklen Blau gehalten, einzig der Titel war in goldenen Lettern zu sehen.
      "Fairy Magia…", las sie laut zu sich selbst. Der Titel verriet nichts über die Story und einen Klapptext gab es auch nicht auf der Rückseite. Ungewöhnlich für ein Buch, aber vermutlich war es schon einige Jahre älter, wenn Miss Anderson es bei einer Auktion ersteigern musste.
      "Dann zeig mal deine Geheimnisse.", lächelte Fiora verträumt und schlug die erste Seite auf. Kaum hatte sie die ersten Zeilen gelesen spürte sie jedoch eine bleierne Müdigkeit und ein unangenehmes Pochen in ihrem Kopf. Noch ehe sie etwas dagegen tun konnte fielen ihre Augen zu und endlose Dunkelheit umgab sie.

      ~*~

      Stöhnend schlug ich meine Augen auf und hielt meine schmerzenden Schläfen. Ich fühlte mich als hätte ich eine wilde Partynacht hinter mir! Oder hab ich einen Hitzschlag bekommen nachdem ich durch die pralle Sonne gejoggt war? Anders konnte ich mir den Schwindel nicht erklären. Oder das komische Gefühl als hätte man einen Marathon hinter sich... Blinzelnd versuchte ich mich an die warmen und viel zu hellen Sonnenstrahlen zu gewöhnen und sah mich in dem tiefgrünen Wald um... Moment mal...Wald?! Erschrocken weiteten sich meine Augen und panisch blickte ich hin und her. Was zur Hölle... Okay, Fiora...Ruhig bleiben. Das ist nicht real! Das kann nie im Leben real sein! Und doch war alles um mich herum in ein sanftes Grün getaucht. wankend erhob ich mich und hoffte, dass mich meine Beine tragen würden. Etwas verloren blickte ich in alle Richtungen und suchte- Nach was suchte ich hier eigentlich? Die Blätter der Bäume waren von einem satten Grün und wirkten sehr viel größer als in dem Park, den ich für gewöhnlich besuchte. Auch die Bäume schienen um einiges stattlicher und vor allem Höher zu sein, als ich sie kannte. Das Summen von Insekten und zahllose Zwitschern der Vögel durchdrang die sanfte Stille. Moos bedeckte die mächtigen Stämme und dichte Sträucher und Flechten bedeckten den Boden. Blumen und Kräuter in den unglaublichsten Farben wuchsen im Schatten des Unterholzes. Blüten in einem kraftvollen Violet erfüllten die Luft mit einem süßen Geruch während eine schmalblättrige Pflanze ein seltsames Surren von sich gab und in einem leichten grünen Licht zu pulsieren schien. In der Ferne konnte ich einen Bach plätschern hören und meine Ohren zuckten leicht. Verwirrt und etwas überfordert mit allem legte ich meine Hand auf die Rinde eines nahstehenden Baumes. Und die fühlte sich verdammt real unter meinen bebenden Fingern an, rau und warm. Und viel zu...echt.
      "Wird ja Zeit, dass du aufwachst. Ich hab 'ne Ewigkeit gewartet... Hast du eine Ahnung wie wertvoll Zeit mittlerweile ist?!" Eine schneidende Stimme durchbrach die friedliche Stimme und ein leiser Aufschrei verließ meine Lippen. Erschrocken fuhr ich herum, jedoch war keine Menschenseele in Sicht. Dafür hüpfte ein...Käuzchen vor mir hin und her. Nochmals durch die Bäume spähend versuchte ich irgendjemanden auszumachen, dem diese Stimme gehörte.
      "Wer...?", setzte ich zu sprechen an doch dieselbe Stimme unterbrach mich barsch.
      "Hey, hier unten du Trottel! Ignoriere mich nicht, ich rede mit dir!" Verwirrt senkte ich meinen Blick nur um zu erkennen, dass...der Kauz vor mir auf und abhüpfte.
      Das war doch absurd...Ich musste einen wirren Traum dank dem Hitzschlag haben... Ja genau, das würde es wohl sein. Meine Nägel in die Handfläche bohrend hoffte ich, dass sie bald erwachen würde, doch außer dem dumpfen Schmerz spürte ich selbstverständlich nichts. Der friedliche Wald blieb. Ebenso wie der langsam zornig hüpfende Kauz vor mir.
      "D-du sprichst? Das soll wohl ein Scherz sein?" Meine Stimme zitterte merklich und ich sackte kraftlos am Stamm des Baumes zusammen. Das Tier hüpfte nun auf meinem Arm und legte den Kopf leicht schief.
      "Sicher spreche ich. Seh mich nicht an als wäre ich ein Tier aus deiner Welt. Ich bin viel Erhabener und weitaus intelligenter!" Stolz plusterte sich das kleine Ding auf und ich zog lediglich meine Brauen nach oben. Arrogantes kleines Biest...
      "Kommen wir zur Sache. Du bist nicht mehr in deinem Bett, Kleine. Und auch kein Mensch. Anscheinend hat ihre heilige Majestät eine Elfe aus dir gemacht... warum auch immer. Den Grund weiß ich auch nicht, also frag gar nicht danach." Elfe... Heilige Majestät? Beinahe hätte ich laut losgelacht. Das war zu absurd um wahr zu sein. Vielleicht hatte ich ja doch zu viele Fantasy Geschichten gelesen und lebte nun diesen wirren Traum.
      "Elfe? Ich bin ganz klar ein Mensch!", widersprach ich mehr als überzeugt und nun war es an dem Kauz, sowas wie ein schrilles Lachen auszustoßen, dass eher wie der Schrei einer richtigen Eule klang.
      "Sicher. Hast du dich mal betrachtet? Nicht gerade Menschenhaft diese spitzen Ohren!" Spitze... Automatisch fuhren meine Hände zu den Seiten meines Kopfes und der Kauz hatte nicht gelogen. Sie waren länger und...tatsächlich spitz zulaufend! Oh verflucht, das durfte jetzt doch nicht wahr sein. Tastend glitt ich mit den Fingern über mein Gesicht. Meine Züge wirkten schmaler, die Wangenknochen höher und dann diese Haare... Mein Mund klappte auf als ich die Strähnen von langem, platinfarbene Haar in meinen Händen hielt. Die bronzefarbene Haut wirkte beinahe dunkel dagegen.
      "O-okay...Mr. Kauz. Was geht hier ab? Wo bin ich?" Hilflos blickte ich zu dem einzigen Gesprächspartner, den ich gerade hatte. Kurz die Flügel ausschüttelnd holte der Kauz scheinbar Luft um seine offenbar wichtige Rede zu beginnen. Definitiv ein Schädel Hirn Trauma. Oder ich bin offiziell übergeschnappt!
      "Willkommen im Königreich des Lichtes, Auserwählte. Meine Herrin hat dich hierher gebracht, damit du uns bei dem Kampf gegen Umbra unterstützen kannst. Und jetzt kommt die Stelle an der ich dich heldenhaft um deine Hilfe im Kampf der Finsternis...und so weiter du kennst das Prozedere doch. Wir brauchen deine Hilfe und du bewegst deinen faulen Elfenhintern jetzt aus diesem Wald und machst dich auf dem Weg. Du solltest ein Dorf aufsuchen um Verpflegung zu bekommen. Ich bevorzuge zartes Fleisch, nur beste Qualität und-!"
      "Stopp! Bin ich jetzt in einem Film gelandet? Soll ich vielleicht noch den Ring des Einen suchen und nach Mordor bringen? Abenteuerreise, Rettung der Welt? Wirklich? Oh Mann, ich muss mir den Kopf gestoßen haben, als ich ohnmächtig wurde..." Das war...alles etwas zu viel. Und zu absurd um wahr zu sein. Der Kauz legte abermals sein Köpfchen schief. Herrgott ich sprach mit einer verdammten Eule. Verrückter ging es nun wirklich nicht!
      "Mordor? So eine Provinz kenne ich nicht und nein, einen Ring brauchen wir nicht. Arg verdammt, warum ist die Herrin nicht selbst hier, um dich einzuweihen?!" Der Kauz sprang auf mein Knie und schien mit den Krallen von einer Stelle auf die andere zu hüpfen. Als würde er frustriert auf und abgehen wollen wie ein Mensch, der am Ende mit seinem Latein war. Wenn es ihm jedoch schon so ging dann soltle er erstmal in meinen Kopf schauen, da herrschte gerade das reinste Chaos.
      "Fang...einfach von vorne an, okay... Und langsam.", bat ich nach einigem Schweigen und lehnte mich an den Stamm des Baumes an. Das konnte jetzt dauern.

      Und ich sollte Recht behalten. Ohne Unterbrechung, außer den einigen Malen in denen ich eine Frage einwarf, berichtete mein neuer gefiederte Freund in den nächsten Stunden von der Welt, in der ich mich befand. Von dem anstehenden Krieg zwischen Umbra und Lumen, den Völkern dieser Welt sowie der Regelung durch Priester und Ordensmitgliedern der Göttin Cadence. Noch immer brummte mir der Schädel von allem, doch versuchte ich mein bestes, den Erzählungen zu folgen. Magie und seltsame Kreaturen waren Bestandteil in dieser Welt namens Varudil. Die Informationen des Kauzes prasselten auf mich ein und es fiel mit der Zeit immer schwerer, ihm zu folgen. Elfen, Faie, Zwerge... Als wäre ich in einem meiner Bücher gefangen! Und das verrückteste: Es fühlte sich verdammt real für mich an.
      "Und wenn du deine Aufgabe erfüllt hast, wirst du wieder nach Hause zurückkehren können!" Der Satz war alles, was ich hören wollte. Nach Hause... in mein zugegeben langweiliges, alltägliches Leben. Das war doch mal eine gute Neuigkeit!
      "Also wenn ich diese Geschichte durchspiele, darf ich wieder zurück. Und eher wache ich wohl auch nicht auf, hm? Na schön sprechender Kauz, die Rettungsgeschichte habe ich ja verstanden, aber wie genau stelle ich das an? Wo beginne ich und wo muss ich hin?" Fragen, eine nach der anderen verließen meine Lippen. Aber wenn ich diesen Albtraum beenden wollte, musste ich mitspielen. Und ohne ein Ziel oder eine Quest dürfte das schwierig werden. Immerhin war ich eine Fantasy-Expertin und wusste, wie diese Geschichten verlaufen.
      "Xaffa ist mein Name, du ungehobelter Elfling! Und wie ich vor Stunden gesagt habe, beweg deinen Hintern zum Dorf am Waldrand. Da gibt's ne kleine Taverne, da solltest du fürs Erste unterkommen. Ein Schlafplatz, gutes Essen. Und Informationen... Alleine wirst du wohl kaum den Wald überleben, geschweige den die Aschefelder von Szer oder die eisigen Ödlande von Urus. Na komm, hopp auf geht's, Elfling!", drängte Xaffa und resigniert setzte ich den aufmüpfigen Federball auf meine Schulter. Sehr charmant war mein gefiederter Freund ja nicht gerade, aber wenigstens hatte er sich die Mühe gemacht, mich halbwegs ins Bild zu setzen, wo ich mich befand. Eine Elfe aus Vallenwald war ich also. Und momentan befand ich mich in einer Provinz namens Thilfa.. Okay, soweit hatte ich das verstanden.
      "Mein Name ist übrigens Fiora. Du brauchst mich nicht immer Elfling zu rufen!", bemerkte ich trocken und begann meinen Weg durch das dichte Unterholz des Waldes. Seltsamerweise fühlte ich mich hier eher heimisch als bedroht, normalerweise waren diese tiefen Wälder doch immer ein Ort der Gefahren. Trotzdem schlug mein Herz ruhig und gelassen. Musste wohl an dem Schock liegen. Wobei es hier so friedlich und hell wirkte, dass es mir schwer fiel, einen Troll oder sowas hinter dem nächsten Baum zu finden.
      "Elfling ist gut genug für dich.", blieb der Kauz stur und kurz überlegte ich ernsthaft, ihn in den nächsten Dornenbusch zu werfen und alleine weiterzugehen. Wäre aber sinnlos und würde meine neue Reise wohl weiter erschweren als notwendig...Leider. Daher ignorierte ich die Kommentare des Tieres und kämpfte mich weiterhin meinen Weg durch die Sträucher und Büsche. Dabei bemerkte ich enthusiastisch, wie leichtfüßig ich über Äste springen konnte, die am Boden lagen oder wie ich behände einigen Dornen einer herunterhängenden Kletterpflanze ausweichen konnte. Meine neuen, spitzen Ohren reagierten auf jedes noch so kleine Geräusch und der Elfenkörper bewegte sich wie von selbst durch den dichten Wald. Als wäre er es gewöhnt an solchen Orten zu wandeln. Eine Welle von Aufregung ging durch mich. Das fühlte sich einfach unglaublich an. Und nebenbei gesagt war ich froh, dass ich nicht über jede dieser zahllosen Wurzeln stolperte, ich wollte dem griesgrämigen Kauz nicht unbedingt den Lacher des Tages schenken.

      ~*~

      Lautes Gelächter und der Geruch von Bier sowie verschwitzten und nicht gerade sauberen Männern schlug mir entgegen, als ich endlich mein Reiseziel erreichte und die Tür zur Taverne aufschlug. Die Kapuze des hellen Mantels hatte ich bereits vor Ankunft des Dorfes bei Einbruch der Nacht über diese spitzen Ohren gezogen. Man konnte ja nie wissen. Die weiße, lange Haarpracht versteckte es jedoch nicht. Doch in diesem Pub achtete niemand auf mich. War mir auch ganz recht so, wenn diese Raufbolde ihr Bier interessanter fanden als eine Fremde wie mich. Xaffa beschwerte sich ohne Aufzuhören über den Gestank und die laute Meute, was jedoch niemand mitzubekommen schienen. Verwirrt blickte ich zu dem Kauz. Er schien meinen Blick zu bemerken und wenn er könnte würde er wohl jetzt mit den Augen rollen.
      "Du bist ein Beastmaster. Kannst mit Tieren sprechen. Frage beantwortet?" Ich nickte nur, wollte ich doch nicht wie eine Vollidioten mit dem Kauz sprechen, wenn es für jeden anderen hier so wirken musste, als hätte ich den Verstand verloren. Einige Männer, die genauso gut Gladiatoren sein konnten, erzählten sich grölend irgendwelche Geschichten und lachten dabei dreckig. Ihre Fäuste krachten dabei auf das Holz der sperrigen Tische und ließ die Krüge mit deren Bier gefährlich bebten. Ich schluckte kurz und schlug den Weg zur Theke ein, weg von dem unangenehmen Haufen.
      "Ein Zimmer und ein Mahl, bitte.", sagte ich und wich dem Blick des rothaarigen Mannes aus, der mich von oben bis unten musterte.
      "Sicher, aber wir haben keine königlichen Gemächer, werte Elfendame. Könnt ihr auf einem einfachen Strohbett überhaupt schlafen?", spottete er und ich zuckte leicht zurück bei seiner derben Stimme. Offenbar war die Gattung der Elfen hier als arrogant abgestempelt. Wie in jeder Geschichte also... Ich schenkte dem Besitzer der Taverne ein freundliches Lächeln, welches den Rothaarigen sichtlich verwirrte. Ich war vielleicht körperlich eine Elfe, vorübergehend, aber ich war keine arrogante Waldlady. Das war einfach nicht mein Stil.
      "Ein Strohlager ist bequem genug für mich. Und bitte keine Mühen bei der Mahlzeit, Hauptsache es macht satt.", erwiderte ich zuckersüß freundlich und verkniff mir ein Grinsen, als der Mann mich wie vom Donner gerührt anstarrte. Xaffa schien es ebenso zu gehen, gackerte dieser doch auch schon los.
      "Du bist zwar ein Elfling aber nicht so abgehoben wie deine Artgenossen. Das ist wohl ein Schock für diese Barbarenbrut!" Hatte ich schon erwähnt wie froh ich war, dass niemand diesen Vogel verstand? Denn wenn dem so wäre.. naja dann wäre die "auserwählte Heldin" jetzt einen Kopf kürzer.
      "Fein... 10 Silberstücke für Euch, Fräulein.", knurrte der Mann schließlich und ich wurde blass. Oh verdammt! Besaß ich überhaut Geld? Hatte diese Göttin auch daran gedacht, wenn sie schon alles verändern konnte? Etwas unsicher durchsuchte ich den kleinen Beutel aus reißfestem Stoff, der an meiner Hüfte hing und stieß beinahe erleichtert auf mehrere kalte Münzen. Meine Finger schlossen sich zielstrebig um eine und ich war etwas überrascht, wie groß sie waren. Eine davon aus dem Stoff hervorkramend legte ich sie auf den schmutzigen Tresen. Doch statt silbern war diese Münze aus Gold. Ungläubig betrachtete ich das Goldstück, was wohl weit mehr als 10 Silberstücke wert war. Dem rothaarigen Barbaren fiel dafür alles aus dem Gesicht und verlieh ihm ein etwas...naja dümmliches Äußere. Offenbar hatte er ebenso wenig wie ich jemals eine solche Münze gesehen.
      "Das sollte reichen, oder?", fragte ich gespielt selbstsicher, dabei sank mir grade der Mut gewaltig.


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      @Cailemia

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar

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    • Xyan
      Ich hatte es mir in einer dunklen Ecke der Taverne mit einem Becher an Met gemütlich gemacht, vielleicht etwas klischeehaft, wenn man bedachte, was für eine Person ich war, aber ich mochte es im Halbdunkeln. Ich war die Sonne und seine brennenden Strahlen nicht gewohnt, egal, wie oft ich schon unter jener wanderte. Die kühle der Dunkelheit war mir eindeutig angenehmer, es erinnerte mich an meine Heimat, machte es einfach für mich, mich zu entspannen... obwohl nicht hier war, um zu relaxen.
      Das ist sie, hallte die müde Stimme meines Meisters in meinem Kopf wieder, als sich die Tür der Taverne zum vielleicht hundertsten Mal an diesem Tag öffnete und ein fremdes Gesicht eintrat.
      Eine Elfe. So jemanden sah man in dieser Gegend, in der es nur so vor Babaren wimmelte, nicht besonders oft.
      Und um die Position dieser Elfe ausfindig zu machen, hatte mein Meister sich Monate lang in seinem Arbeitszimmer eingesperrt und sich mit zahlreichen Dämonen auseinandergesetzt? Es war ein Wunder, dass er weder seine Seele, noch sein Leben an sie verloren hatte, aber genau aus solchen Gründen, war er auch als mächtiger Magier bekannt.
      Das Mädchen wirkte auf mich gewöhnlich, nichts besonderes, wenn man bedachte, was ihre eigentliche Identität betraf.
      Das Mädchen, das ganz Lumen retten sollte... und somit meine Heimat in den Abgrund stürzen würde, wenn nicht sogar ganz vernichten.
      Hefte dich an ihre Fersen! Gewinne ihr Vertrauen! Wage es nicht, sie aus den Augen zu verlieren!!, wurde ich an meine Aufgabe erinnert und ich konnte mir noch gerade so ein Seufzen verkneifen.
      Ich wusste, wieso ich hier war. Er musste mich nicht daran erinnern.
      Ruht euch lieber aus, ich mach das schon, formte ich einen deutlichen Gedanken und hoffte, dass mein Meister diesen wahrnahm. Er hatte genug Magie genutzt.
      Nun war ich dran.


      Während ich diese kleine Konversation mit meinem Meister in meinem Kopf geführt hatte, bevor seine Existenz aus meinen Gedanken verschwand, hatte sich die junge Elfendame an den Thresen gesetzt und bot nun eine Goldmünze für die Dienste einer Taverne... ich lächelte schief.
      "Hmmm... echtes Gold? Ihr Elfen müsst es gut haben.", lächelte ich breit bei dem Anblick der großen Goldmünze, meine Fai Instinkte sagten mir, ich sollte sie einfach einstecken, der Geruch nach Reichtum war deutlich... aber ich war nicht hier, um ihre Taschen zu leeren.
      Zumindest noch nicht.
      "Hey, Rotschopf, befindet sich in dieser heruntergekommenen Spelunke überhaupt genug Silber, um diese große Münze zu wechseln?", fragte ich grinsend.
      Entweder das Mädchen war ziemlich behütet aufgewachsen, oder konnte einfach nicht mit Geld umgehen. Vielleicht auch beides.
      Aber es bot mir zumindest die perfekte Gelegenheit, mich einzumischen.
    • Fiora

      Oh man. Klar war hier die Goldmünze wahrscheinlich extrem viel wert und gerade das machte mir gerade sorgen. Nicht dass diese Typen auch noch den Rest wollten, der in meinem Beutel klimperte. Das war ein Fehler... Gegen diese Männer hatte ich keine Chance und leicht angespannt überlegte ich fieberhaft, wie ich aus der Misere wieder herauskommen würde, als sich bereits eine tiefe Stimme zu Wort meldete. Die Aufmerksamkeit des Barbaren richtete sich von dem glänzenden Gut auf den Fremden, der mir... ich weiß nicht genau, ob er mir wirklich helfen wollte oder sich nur einen Spaß aus der Sache machte.
      "Hey, Rotschopf, befindet sich in dieser heruntergekommenen Spelunke überhaupt genug Silber, um diese große Münze zu wechseln?" Der Angesprochene schien mit sich zu ringen. Offenbar konnte er meine Münze nicht wechseln und unwillkürlich fragte ich mich, wie ich zur Hölle an sowas gekommen bin. Ich meine... war ich hier jetzt irgendwie reich? Ein Umstand der mir neu war, immerhin musste ich in meiner Welt meinen Lebensunterhalt als Kellnerin verdienen.
      Achja...Auserwählte und so. Da war ja was.
      "Keiner außerhalb der Hauptstadt könnte eine Golddublone wechseln!", knurrte der Rothaarige schließlich zerknirscht. Etwas unsicher und vielleicht auch hilfesuchend blickte ich zu dem Fremden, der sich eingemischt hatte. Seine Ohren wirkten nicht ganz so spitz wie meine... wie nannte sich seine Art nochmal? Ich legte kurz den Kopf schief und dachte nach.
      Ich konnte dem Fremden auch nicht fragen, es würde seltsam erscheinen, wenn ich mich als Elfe so gut wie gar nicht in dieser Welt auskennen würde. Unnötige Aufmerksamkeit und Misstrauen wollte ich nicht unbedingt wecken. Kurz blickte ich zu Xaffa und zog fragend eine Braue hoch und hoffte inständig, dass meine Kapuze die stumme Frage verstecken möge.
      "Frag den Kerl nach Informationen, ein Pferd, Reiseproviant. Mädchen, muss ich dir alles zum Thema Abenteurer beibringen?", mischte sich jetzt auch noch Xaffa ein und schüttelte seinen kleinen Kopf. Der Barbar besah den für ihn wohl schreienden Kauz irritiert an ehe er sich die Münze nahm und prüfend hineinbiss. Wohl um zu prüfen ob sie echt war. Ich blickte zu meinem gefiederten Freund und nickte leicht als ich den Rotschopf abgelenkt wägte. Ich hatte eine Idee.
      "Wie wäre es, wenn ich dann etwas mehr Dienste einfordere? Ich brauche Proviant für meine Reise... Ein Reittier und Informationen wie ich-" wohin eigentlich? Kurz blickte ich zu Xaffa, der augenblicklich antwortete. "Zur heiligen Priesterin von Lumen.", zischte mir der Waldkauz zu und ich wiederholte es gegenüber dem Mann.
      "-komme. Und wenn Ihr ein wenig Fleisch für meinen kleinen Freund hier auftreiben könntet, wären wir dann mit der Münze quit. Seht den Rest als Schweigegeld an." Ich lächelte wieder und kurz schien der Barbar zu überlegen. Schließlich nickte er.
      "Gut, ich bereite alles vor. Kann Euch nichts luxuriöses versprechen, Milady. Aber es dürfte reichen." Zufrieden damit wandte ich mich an den Mann, der das Gespräch mitverfolgt hatte.
      "Danke. Du...ich meine Ihr habt mich auf die Idee gebracht mit dem...Handel. Tut mir leid, dass Ihr das mit ansehen musstet!", entschuldigte ich mich und verneigte mich leicht. So war das doch normal in Fantasy-Büchern... glaubte ich zumindest, doch gleich zeterte Xaffa wieder los.
      "Was machst du denn?! Ein Elf würde sich niemals verneigen, schon gar nicht vor einer Mischbrut wie diesem Faie!" Oh, mein Fehler. So viel zum Thema nicht auffallen...

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    • Xyan
      Ich grinste nur breit und lachte, als er zu knurren begann. Natürlich konnte er das nicht. Das war allen Anwesenden klar.
      Spätestens jetzt hatte auch die Elfe verstanden, dass das ein Problem war.
      Ich spürte ihren hilfesuchenden Blick, wandte meinen Kopf in ihre Richtung und lächelte nur charmant.
      Klar, ich könnte einer Dame in Not aushelfen, genug Silber hatte ich - zwar nicht, um die Goldduplone zu wechseln, aber genug, um zumindest Zimmer und Essen zu bezahlen - aber... ich überlegte.
      Es schien mir keine gute Idee zu sein, diese Beziehung zu beginnen, indem sie mir etwas schuldete.
      Abgesehen davon wollte ich mich von meinem Reichtum auch ungerne für eine fremde Person trennen, ich war nun einmal ein Faie. Großzügigkeit lag nicht in unserer Art.
      Stattdessen begnügte ich mich damit, mich erstmal auf den Stuhl neben der Elfe zu setzten und zu beobachten, wie das ganze hier wohl ausgehen würde. Aus was für einem Holz diese sogenannte Heldin ist. Was für eine Person sie war.
      Desto mehr ich wusste, desto besser.
      Und dann hatte sie wohl auch die zündete Idee, nachdem das Federvieh unter ihrer Kapuze einigie laute Schreie von sich gegeben hatte.
      Zu gerne hätte ich gesehen, was für ein Vogel sich darunter verbarg, aber aus meinem Blickwinkel aus war mir die Sicht auf die Quelle des Lautes versperrt.
      Ob sie irgendeinen exotischen Vogel auf der Schulter sitzen hatte, der das Bild der unwissenden, reichen, ungewöhnlichen Elfe nur noch mehr verstärken würde?
      Ob sich mein Meister nicht vielleicht doch geirrt hatte?
      "... zur heiligen Priesterin von Lumen...", kam es über ihre Lippen und überrascht hörte ich auf, ehe sich kurz ein Lächeln auf meinen Lippen ausbreitete, dass jedoch so schnell wieder verschwand, dass es nichts weiter als eine Einbildung hätte sein können.
      Vielleicht hatte sich der Meister doch nicht geirrt.
      Während ich noch in meinen Gedanken war, merkte ich, wie die Elfe sich an mich zu wandte.
      Was denn? Wollte sie mich etwa verjagen, weil sie den Gestank eines Halbblutes nicht ertragen konnte? Wäre auf jeden Fall nicht das erste Mal, dass ich sowas zu hören bekommen würde.
      Doch stattdessen... machte sich etwas, was keine Elfe, der ich jemals begegnet war, auch nur in Erwägung ziehen würde.
      Eine Entschuldigung, gefolgt von einer leichten Verbeugung.
      Ich grinste breit, ehe ich mich das Lachen nicht verkneifen konnte.
      "Das ich das noch miterlebe... eine Elfe, dich sich vor einem Faie verbeugte.", lachte ich, nachdem der Barbar nach hinten verschwunden war. Wahrscheinlich um das wertvolle Gold an einem sicheren Ort zu verstauen.
      "Du bist wirklich eine komische Gestalt. Übrigens würde ich an deiner Stelle dem Kerl noch ein paar Silbermünzen abschwazen, sonst kannst du dich schon mal auf das gleiche Prozedere bei der nächsten Herberge gefasst machen. Wenn du nichts anderes besitzt als Gold, versteht sich.", erklärte ich und wies dabei auf die Tür, hinter der der Barbar verschwunden war, dann nahm ich mir einige Minuten, um das Elfenmädchen genauer zu mustern.
      Sie wirkte nicht gerade wie etwas besonderes, wunderschön selbstverständlich, wie es alle Elfen waren, aber genau das war es eben... ihr Äußeres war das einer gewöhnlichen Elfe.
      Es fiel mir nichts ins Auge, dass sie als etwas besonderes markieren würde.
      Aber dann hätte mein Meister sich kaum die ganzen Monate lang einsperren müssen.
      "Also... verrate mir mal, woher kommt eine so ungewöhnliche Elfe wie du? Gibt es da noch mehr von deiner Sorte, die sich vor Faie verbeugen und nur mit Gold zahlen?", wollte ich wissen, lehnte dabei meinen Kopf gegen meine Handfläche und blickte das Mädchen interessiert an.
      Doch ich hatte wohl das flasche Thema gewählt, denn sie schien unsicher und wusste nicht, was sie sagen sollte.
      "Xyan Senjin mein Name, ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt. Und? Wäre es in Ordnung, wenn du mir wenigstens deinen Namen verraten könntest?"
    • Fiora

      Kurz nach Xaffas Ausruf begann der Mann zu lachen. Offenbar war dieser Faie davon ebenso überrascht und dennoch reagiere er nicht skeptisch. Eher amüsierte ihn mein Verhalten. Aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie der Barbar in ein Hinterzimmer verschwand und war insgeheim froh darüber, dass er das hier nicht mitbekommen hatte. Meine Wangen brannten vor Scham. Wie soll ich mich wie eine Elfe verhalten, wenn ich nicht einmal wusste wie diese hier lebten? Und von dem bisschen, was ich mitbekommen habe, schienen Elfen ganz schöne Snobs zu sein. Das war einfach nicht mein Stil... Ich seufzte kaum hörbar und auf den Hinweis des Fremden schluckte ich. Das hatte ich irgendwie vergessen in meinem Plan.
      "Also... verrate mir mal, woher kommt eine so ungewöhnliche Elfe wie du? Gibt es da noch mehr von deiner Sorte, die sich vor Faie verbeugen und nur mit Gold zahlen?", fragte er schließlich und sein Lächeln besaß beinahe etwas charismatisches. Trotzdem nestelte ich verunsichert an dem Beutel mit den eben erwähnten Goldmünzen.
      Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie ich darauf reagieren sollte und Xaffas trockener Kommentar war auch nicht hilfreich.
      "Natürlich gibt es keine weiteren idiotischen Elflingen, dieses Exemplar ist die Einzige. Herrje, wenn der König von Vallenwald dich so sehen würde, das bräche dem Elf das Herz." Theatralisch schien der Kauz zu seufzen. Sehr hilfreich, Xaffa! Knurrte ich ihm gedanklich zu ehe der Fremde glücklicherweise das Thema von selbst wechselte. Ich hatte mir bisher gar keine Gedanken zu einer plausiblen Erklärung gemacht...
      "Xyan Senjin mein Name, ich hab mich ja noch gar nicht vorgestellt. Und? Wäre es in Ordnung, wenn du mir wenigstens deinen Namen verraten könntest?", stellte er sich vor und etwas erleichtert sprang ich dankend darauf an. Endlich etwas entspannend nahm ich mir Zeit, Xyan genauer in Augenschein zu nehmen, bevor ich antwortete. Sein Haar wirkte silbern im Halbdunkel dieser Taverne, dafür leuchteten seine Augen in einem sagenhaften Blau, welches ich noch nie gesehen hatte. Es erinnerte an kostbare Juwelen. Kurz blieb ich neugierig an dieser Farbe hängen, ehe ich mich räusperte. Stimmt ja, er hatte mich was gefragt. Ich nahm die helle Kapuze ab und Xaffa schüttelte sich. Die etwas zerzausten, weißen Haare richtend streckte ich dem Faie schließlich die Hand entgegen.
      "Wird ja auch Zeit, ich dachte ich muss ersticken.", maulte er doch ich ignorierte den Waldkauz.
      "Mein Name ist Fiora. Und der Kleine hier ist Xaffa, mein...gefiederter Freund. Aber sei vorsichtig er ist etwas exzentrisch.", stellte ich erst mich und schließlich den Vogel vor, der sich sogleich stolz aufplusterte ehe er zu verstehen schien, was ich gerade gesagt habe.
      "Wie bitte?! Du-!", etwas unwirsch schon ich den zeternden Vogel beiseite und lachte leicht nervös. Unterdessen versuchte ich eine Ausrede zu finden, warum ich vielleicht so anders als andere Elfen war. Ob die Geschichte als Heimatlose überzeugend wäre? Ich hatte mal in einem Buch so etwas in der Art gelesen. Eine Elfe, die nicht bei ihrem Volk aufgewachsen war sondern unter Menschen. Vielleicht sollte ich vorerst mit dieser Hintergrundgeschichte gehen, immerhin gab es in dieser Welt niemanden, der mich kannte. Ehe ich mir meine Story zurechtlegen konnte tauchte das Rothaar wieder auf und reagierte ziemlich mürrisch auf meine Bitte, mir doch etwas Silber zurückzugeben. Dennoch diskutierte er nicht lange und schob mir einen kleinen Beutel mit Silberstücken über den Tisch, von denen ich zwei hinausangelte.
      "Etwas zu Trinken für uns, bitte." Ich sollte mich immerhin etwas dankbar zeigen, dass mir der Fremde einen Ratschlag gegeben hatte. Außerdem wirkte er wirklich nett und ich hatte hier niemanden, mit dem ich normal reden konnte. Mit Blick auf den Faie grummelte der Barbar irgendwas und reichte und zwei Krüge mit Met.
      "Und nein, in dem Dorf wo ich herkomme gibt es keine Elfen. Ich bin leider nicht mit den Bräuchen meiner Rasse vertraut, da ich den Vallenwald nie betreten habe. Aber was die Goldstücke angeht, darüber möchte ich nicht reden." Ich hasse Lügen, aber mir blieb gerade keine andere Wahl. Zum Gold fiel mir keine Geschichte ein daher beließ ich es lieber dabei, bevor ich mich wirklich noch um Kopf und Kragen redete. Hoffentlich war meine Erklärung im Bezug auf mein besonderes Verhalten gut genug... Ich nahm einen großen Schluck von meinem Drink und der Geschmack von süßem Honig erfüllte meinen Mund. Verdammt war der gut!
      Xaffa, der mich mit einem bösen Blick achtete, hüpfte von meiner Schulter auf den Tresen, um meinen Gesprächspartner genauer unter die Lupe zu nehmen.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      Interessiert sah ich dabei zu, wie sie ihre Kapuze abnahm und ein kleiner, weißer Waldkauz zum Vorschein kam, der sich aufplusterte, als wäre er beleidigt, so lange unter der Kapuze weilen zu müssen. Ich grinste schief. Der wirkte ja sogar mehr nach Elfe als sie.
      Als er sich dann zu beschweren schien, als hätte ihm gar nicht gefallen, wie Fiora über ihn sprach, gab ich einen lachenden Laut von mir.
      "Ein Vogel der mehr Elfe ist als die Elfe selbst... ich muss sagen, du bist wirklich ein interessanter Zeitgenosse. Und ich hätte niemals gedacht, sowas über eine Elfe zu sagen. Tu mir den Gefallen und sorg dafür, dass das zwischen uns bleibt, okay? Ich kann den Spott schon in meinen Ohren hören.", lächelte ich und nahm letztendlich ihre Hand in meine, "Freut mich, deine Bekannschaft zu machen."
      Im nächsten Moment kehrte der Barbar zurück und ich ließ ihre Hand wieder los. Das sollten doch genug Höflichkeiten für einen Tag sein.
      Ich sah dabei zu, wie sie sich tatsächlich noch etwas selber einverlangte, doch als nur zwei der Münzen heraus nam, seufzte ich, schob den Beutel in meine Richtung und fischte weitere zwanzig Münzen heraus, die ich vor sie schob.
      "Ein Zimmer mit Verpflegung kosten in der Regel acht bis 12 Silbermünzen, wenn du in der Gegend eine anständige Taverne finden kannst. Mit zwei Münzen kommst du da nicht weit, Fiora.", meinte ich, während mein Blick noch an dem Beutel hing, den der Barbar jedoch so hastig wieder an sich nahm, als hätte er Angst, ich würde ihn einstecken und verschwinden.
      Ich grinste ihn leicht an, hatte ich doch tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, einige Münzen für mich hinaus zu schmuggeln.
      "Lass deine dreckigen Hände von meinem Geld, Faie.", knurrte er.
      "Ach komm, hab ich mich bisher nicht vorbildlich verhalten? Kein Grund mir deinen schlechten Mundgeruch entgegen zu wehen.", lächelte ich, kein fröhliches Lächeln, wohl eher verbarg sich ein Hauch von Spott darin, woraufhin der Barbar schnaufte und den Sack mit den Münzen wieder sicher verstaute.
      "Du solltest wirklich lernen, was Geld wirklich wert ist, wenn du es bis zur heiligen Priesterin schaffen willst. Es ist nämlich ein weiter Weg, weißt du?", war ich zwar nicht großzügig, was Münzen anbelangte, aber mit Informationen konnte ich durchaus dienen.
      Nicht, dass es umsonst war... eine kleine Investition in das Vertrauen einer ungewöhnlichen Elfe.
      "Hmmm... dann bist du bisher noch keiner von deiner Art begegnet? Vielleicht sogar besser so. Es ist eine wahre Qual, sich mit einem Elfen auseinander setzten zu müssen.", meinte ich lächelnd und nahm den Krug entgegen, den man mir großzügiger Weise ausgab.
      Meine Investitionen zahlten sich bisher ja schon mal ganz gut aus.
      "Nah, was willst du jetzt von mir, Sportsfreund? Ich hab nichts zum Essen für dich, wenn es das ist.", grinste ich den Kauz breit an, überlegte, ihm gegen den Schnabel zu tippen, aber so, wie der Vogel mich ansah, könnte ich wohl meine Finger verlieren.
      Xaffa schien um einiges misstrauischer zu sein, als unsere Elfe hier... ich hatte das Gefühl, dass er mir gefährlicher sein könnte, als die ehrenwerte Heldin.
    • Fiora

      Eine Weile hatte ich dem Hin und her zwischen dem Faie und dem Raufbold zugesehen, aber ich hielt es für klüger mich zurückzuhalten. Offenbar waren die Elfen nicht die Einzigen mit einem schlechten Ruf. Kurz musterte ich Xyan verstohlen. Sicher ich sollte nicht zu vertrauensselig sein, allerdings bräuchte ich jemanden, der auf meine Aktionen achtete. Wie den Preis des Zimmers zum Beispiel. Alles hier war fremd für mich. Jemanden als... Naja halbwegs Verbündeten an meiner Seite zu haben dürfte keine schlechte Idee sein. Zumindest so lange bis ich mich allein hier zurechtfinden konnte. Außerdem empfand ich diese Welt mit ihren Rassen ziemlich diskriminierend. Man lebte hier nach Vorurteilen und Aberglaube wie mir schien. Eine ähnliche Zeit hatte es zu Hause auch gegeben, als noch König und Kaiser über die Länder herrschten. Trotzdem empfand ich es als unfair, jeden nur weil er spitze Ohren hatte gleich in einen Topf zu stecken. Vielleicht naiv oder gutmütig meinerseits, aber ich lebte nunmal nach der Devise, dass jeder eine Chance bekommen sollte. Eine Chance zu beweisen, wer er oder sie wirklich war.

      Zumindest stimmten wir mit den Elfen überein. Ich bin zwar mehr als neugierig, diese Geschöpfe kennenzulernen, aber einen besonders guten Eindruck habe ich nicht gerade über sie gewonnen. Wenn ich das laut aussprechen würde könnte ich mich allerdings auf eine Schimpftriade des Waldkauz es gefasst machen. Und irgendwas sagte mir, dass ich nicht unbedingt jedem sagen sollte, dass ich mit Tieren sprechen kann.
      "Elfen sind wohl keine angenehmen Zeitgenossen... Ich hoffe ich kann einen Bogen um sie machen. Ich wäre dann wohl dass schwarze Schaf in der Herde, was?", bemerkte ich mit einem Hauch von Sarkasmus in meiner Stimme. Xaffa scheint langsam auf mich abzufärben! Unterdess sprach Xyan mit dem Waldkauz, der ihn böse anfunkelte. Xaffa war wirklich ein skeptischer Bursche. Er sah beinahe so aus als würde er dem Faie einen Finger abhaken, sollte er ihn erwägen zu berühren. Mein Blick wanderte hinter mich zu den noch immer feiern den Barbaren. Sie schienen vom Gold nichts mitbekommen zu haben. Irgendwie fühlte sich der Beutel an meiner Hüfte plötzlich so unglaublich schwer an. War es gut mit einem solche Reichtum durch eine unsichere Welt zu reisen? Konnte ich dem Gaie trauen, dass er mir im Schlaf nicht die Habseligkeiten raubte und mich zurückließ? Ich kaute nachdenklich auf meiner Unterlippe. Welche Wahl hätte ich schon? Xyan hatte mir jedoch nichts unrechtes getan und kurz hatte ich ein schlechtes Gewissen. Nur weil der Barbar ihn als Dieb indirekt betitelte hieß es noch lange nicht, dass dem wirklich so war. Sonst hätte er sich längst das Gold geschnappt und wäre weg, oder? Ich entschied mich eine vielleicht dämliche aber zwingend notwendige Entscheidung zu treffen.
      Nach kurzem, einvernehmliche Schweigen und einigen weiteren Schlucken des köstlichen Mets später konnte ich mich schließlich dazu durchringen, meinen Vorschlag auszusprechen.

      "Sag mal Xyan... Die Frage ist jetzt vielleicht ein wenig überflüssig aber... Du kennst nicht zufällig den schnellsten Weg zur Priesterin?" ich kam mir im selben Moment unglaublich dämlich vor. Xaffa war nun außer sich.
      "Du hast doch nicht ernsthaft vor, dich mit diesem Faie zusammenzutun?! Elfling hast du eine Ahnung wer die Faie sind? Sie sind nur an Schätzen interessiert, eine Mischbrut aus den hinterlistigen Feen und den gierigen Menschen. Ich warne dich, das ist Wahnsinn! Ich traue ihm nicht! " Und so machte Xaffa weiter. Er zeterte ohne Unterlass bis es mir zu bunt wurde und wedelte dabei wild mit seinen kleinen Flügeln. Er wäre ja wirklich zuckersüß aber seine Manieren waren schrecklich.
      "Halt den Mund Xaffa, wir brauchen jede Hilfe die wir kriegen können, es ist mir egal ob du ihm traust oder nicht! Du hast selbst gesagt, dass ich mir Verbündeten suchen soll!", fuhr ich den Kauz an. Erst zu spät wurde mir bewusst, dass ich gerade laut mit dem Tier gesprochen hatte. Toll gemacht, Fiora. Jetzt dürfte mich Xyan für völlig verrückt halten...

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      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      "Genau, genau! Halte dich von denen fern, am Ende machen sie dich noch zu einem von ihnen!", sprang ich sofort darauf an und stimmte ihr somit zu, dass das die beste Idee war. Eigentlich war ein richtiger Glücksfall, dass sie nicht wie die anderen Elfen war... so würde es um einiges einfacher sein sie um den Finger zu wickeln.
      Während der kurzen Zeit der Stille, hielt ich weiterhin Augenkontakt mit dem Waldkauz... das eine Eule so bösartig aussehen konnte. Wirklich interessant.
      Ich beschloss mir einen Spaß erlauben zu können und streckte meinen Finger nach dem weißen, fluffigen Ding aus, als würde ich ihn berühren wollen, zog diesen aber schnell wieder zurück, als er danach schnappen wollte.
      Ich grinste und wiederholte das ganze noch ein paar Mal. Es musste so aussehen, als würde ich mit ihm spielen. Oder ihn zumindest ärgern. Spaß machte es auf jeden Fall.
      "Ja?", wandte ich mich an Fiora, als sie mich ansprach und mir einen Vorschlag unterbreitete, bei dem ich fast breit zu grinsen begonnen hätte. Denn das war genau das, was ich wollte.
      Und dann kam es direkt von ihr... konnte es besser laufen?
      Meine Laune wurde um einiges schlechter, als sich der Kauz zu beschweren begann. Freunde würden wir beide auf jeden Fall nicht werden, das wusste ich jetzt schon. Vielleicht sollte ich ihn mir zum Abendessen zubereit, wenn mein Auftrag erledigt war?
      Nicht, das viel an dem Federvieh dran wäre... aber es wäre doch ein schöner Abschluss und es würde mir Genugtuung bringen.
      Dann platzte bei der Elfe plötzlich eine Leitung und ich starrte sie überrascht an.
      "Hmmm~... also bist du nicht nur wie die anderen Elfen, sondern du nimmst Befehle von Kauzen an?", lächelte ich schelmisch, gab mir keinerlei Mühe zu verbergen, dass ich mir durchaus denken konnte, was das hier zu bedeuten hatte.
      Ich war nur froh, dass es hier nur von lauten Barbaren wimmelten, sie hatten wohl kaum genug Hirnschmalz, um eins und eins zusammen zu zählen. Sonst würde man sich für ein paar hübsche Goldmünzen an den König von Lumen verpfeifen... ach... das schöne Gold... doch für kein Gold der Welt würde ich Lumen so etwas wertvolles wie einen Beastmaster überlassen...
      "Du suchst also nach Verbündeten.", lenkte ich das Thema wieder zum wichtigen Teil unseres Gesprächs.
      "Nun... du hast Glück. Ich habe momentan sowieso nichts wichtiges zu tun. Mit dir könnte es sicher lustig werden... und ich weiß zufällig auch, wie man zur Priesterin kommt.", lächelte ich, nicht, dass ich sie dort jemals ankommen lassen würde.
      "Okay, ich habs mir überlegt. Ich bring dich hin, wenn du möchtest. Unter einer Bedingung: bei der nächsten Gelegenheit lässt du dir ein paar Goldmünzen wechseln."
      Yup, ich bestand darauf. Wenn sie ständig ihre Goldduplonen herausfischte, würden wir schon bald einer Armee von Dieben entgegen treten müssen.
      Darauf konnte ich durchaus verzichten.
    • Fiora

      Er schien weitaus weniger überrascht, dass ich mit einem Kauz sprechen konnte. Vielleicht war es doch normaler, als ich gedacht hatte? Wer weiß, vielleicht könnten die Elfen die Tiere verstehen, als wäre es eine Art spezielle Fähigkeit. So viel zum Thema ich solle mich bedeckt halten. Etwas verlegen spielte ich mit einer Strähne meines weißen Haares.
      "Naja... Er ist mein einziger Begleiter und hat mir geholfen, daher ja. Ja ich höre auf ihn, meistens jedenfalls.", sagte ich Schulterzuckend. Ich war nicht wirklich die geborene Abenteurerin, aber irgendwie muss ich mich da durchschlängeln. Ich drückte innerlich beide Daumen, dass Xyan ja sagen würde. Xaffa hatte sich beleidigt abgewandt.
      "Dann mach was du willst, Beastmaster. Und sag gleich jedem was du bist, dann hast du bald ganz viele Freunde!" Damit wandte sich Xaffe schmollend ab und kugelte sich zu einem flauschigen Ball zusammen. So ein theatralisch Verlierer...
      Xyan bedarf wieder meiner Aufmerksamkeit da er abermals zu sprechen begann.
      "Nun... du hast Glück. Ich habe momentan sowieso nichts wichtiges zu tun. Mit dir könnte es sicher lustig werden... und ich weiß zufällig auch, wie man zur Priesterin kommt." Erfreut begegnete ich seinem lächelnde Gesicht und hätte vor Begeisterung beinahe gejubelt. Also würde er mir helfen? Das ging ja leichter als gedacht, ich hatte befürchtet, er würde es ablehnen, mit jemanden wie mir zu reisen. Doch kurz schien er mich zappeln zu lassen, oder ich war einfach zu ungeduldig. Wohl eher letzteres. Ich suchte den Blick aus seinen tiefblauen Augen und faltete die Finger nervös ineinander.
      "Okay, ich habs mir überlegt. Ich bring dich hin, wenn du möchtest. Unter einer Bedingung: bei der nächsten Gelegenheit lässt du dir ein paar Goldmünzen wechseln.", sagte er schließlich und ich konnte das breite Lächeln nicht verhindern. Er half mir also wirklich. Und so erfahren wie er war, würde er mir eine große Hilfe sein. Je schneller ich die Priesterin treffen konnte desto besser. Vielleicht würde die Priesterin mir helfen können, meine Aufgabe und die ganze auserwählten Sache besser zu verstehen. Denn mal ehrlich ich hätte keine besonderen Fähigkeiten - geschweige denn dass ich kämpfen könnte. Oder töten. Immerhin habe ich noch nie... Schnell verscheucht ich die dunklen Gedanken. Das sollte lieber ein Problem für spätere Zeiten sein...
      "Abgemacht!", sagte ich strahlend über mein ganzes Gesicht. Dann fiel mir jedoch ein, dass ich ihm etwas als Gegenleistung geben sollte. Für seine Dienste und die Umstände, die er sich machte. Ich griff abermals in den feinen Stoffbeutel und holte zwei weitere Münzen hervor, diesmal jedoch etwas bedachter. Nicht dass diese Grobiane doch noch etwas mitbekamen.
      "Die sind für dich, Xyan. Für die Umstände und naja ich werde sicher deine Hilfe in einigen Dingen brauchen." Etwas unsicher, ob zwei Golddublonen genug waren, drückte ich sie den Faie in die Hand. Er sollte sich nicht umsonst die Mühe machen, mir zu helfen.
      "OH, die Herrin ist großzügig. Willst du vielleicht seine Gunst erkaufen? Da reicht ne Wagenladung Gold nicht aus um die Gier eines Faie zu befriedigen!" schnaubte Xaffa und beäugt kritisch das Gold. Ich rollte nur genervt mit den Augen. Kaum hatte mein neuer Begleiter das Gold weggesteckt plusterte sich der Vogel auch schon vor ihm auf.
      " Hör mal gut zu, Sportsfreund! Ich traue dir nicht im Gegensatz zu dieser idiotischen Heldin. Ich behalte dich im Auge und unser Gold ebenso, verstanden?" Ich grinste nur kopfschüttelnd als mich der fragend Blick meines Begleiter traf, der sichtlich das Piepen der Eule nicht verstand. Bestimmt wirkte es zum Brüllen komisch aus, dass ein putzige Federbürschchen derart aufgeregt auf und abhüpfte.
      " Er sagt er behält dich im Auge. Leider sehr unhöflich, entschuldige seine schlechten Manieren. ", lachte ich leicht und gab dem Kauz ein leichtes Kraulen unterhalb seines Flügels, um ihn zu besänftigen.
      "Übersetze wenigstens richtig, Elfling!", maulte er doch schlossen sich seine Augen entspannt bei meiner Liebkosung.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      Fantastisch. Damit war ich meinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen und es lief so glatt, dass ich selber kaum glauben konnte, wie einfach es mir doch gelungen war, mich mit der Heldin anzufreunden. Auch der Fund, dass sie ein Beastmaster war, war eine wertvolle Information... und wir hatten unsere kleine Reise noch nicht einmal begonnen.
      Ich Gedanken überlegte ich mir bereits, welche Umwege wir gehen konnte, wie ich sie geschickt davon abbrachte, der Priesterin auch nur zu nahe zu kommen.
      Ich würde sie ablenken, bis der nahende Krieg ausgebrochen und von Umbra gewonnen war, dann würde auch Lumens Heldin nichts mehr ausrichten können.
      Und doch wurde der Tag noch besser und meine Laune hob sich deutlich, als ich zwei kalte, große Goldduplonen in meiner Hand spürte und sie geschickt einsteckte, als hätte ich nie etwas in den Händen gehalten.
      Diese Elfin war wirklich alles andere als übel. Sie könnte ruhig so weiter machen.
      Wie viel Gold sich wohl in dem kleinen Stoffbeutel befand...?
      "Verlass dich auf mich, wir kriegen dich schon irgendwie dort hin.", grinste ich selbstsicher.
      Genau, sobald es zu spät ist.
      Plötzlich wurde die siegreiche Stimmung von einem kleinen, viel zu schrillen Federvieh unterbrochen, doch selbst das kleine Ding konnte mir in diesem Moment die Stimmung nicht verderben. Schrei ruhig rum, kleiner, aber das Gold kriegst du nicht wieder.
      Achja, wenn wir hier schon eine Beastmaster hatten... ich wandte meinen Kopf zu Fiora und blickte sie fragend an, sie würde mir das gekreische doch bitte übersetzten.
      "Ich seh schon, wir werden die aller besten Freunde.", grinste ich breit.
      "Nun denn... kommen wir zu den wichtigen Sachen.", gab es da noch einige Sachen, die ich - unsere zukünftige Reise betreffend - geklärt haben wollte.
      Es mag eigentlich als selbstverständlich gelten, aber ich fürchtete bei dieser Elfin war nichts als selbstverständlich anzunehmen.
      "Unsere Reise könnte gefährlich werden, also, besitzt du eine Waffe? Magie? Selbstverteidigung? Oder wäre es dir lieber, einfach nicht mehr von meiner Seite zu weichen?", wollte ich wissen und grinste bei der letzten Aufzählung breit.
      Mancher mag sich sicherlich fragen, wieso ich so über ihre Sicherheit besorgt war. Wir tötete ich sie nicht einfach? Wartete auf den richtigen Moment und schnitt ihr die Kehle durch, so vertrauensselig, wie sie war? Der Kauz würde mich wohl kaum davon abhalten können?
      Also erstmal, war ich mir bei der letzten Sache nicht so sicher. Ich mochte meine Finger.
      Außerdem, wenn es so einfach wäre, sie einfach zu töten, dann hätte ich mir wohl kaum die Mühe machen müssen, die Elfin um den Finger zu wickeln, nein.
      Wenn ich sie tötete, mag diese abartige Göttin sich einfach einen neuen Helden zu holen. Zumindest war es eine Möglichkeit, und mein Meister wollte das nicht riskieren.
      Genau... ich erfüllte hier nur eine Aufgabe, einen Auftrag. Und solange dieser nicht töten hieß, würde ich wohl den Babysitter spielen müssen.
      Ehrlich gesagt hatte ich mir diese ganze Angelegenheit um einiges... schwerer vorgestellt. Oder wenigstens langweiliger, vielleicht auch gefährlicher.
      Aber wenn ein Kauz meine größte Sorge war, dann würde ich damit schon umgehen können.
      Doch war dies erst der Anfang und konnte kaum ahnen, was alles noch auf mich zu kommen würden.
    • Fiora

      Ob die beiden sich je verstehen würden? Ich glaube eher weniger, dafür war Xaffa wohl eine Spur zu stolz und zu voreingenommen, um seine Missgunst mit dem Faie niederzulegen. Aber das sollte nicht mein Problem sein, die beiden würden sich schon irgendwie aneinander gewöhnen. Hoffe ich zumindest, ein nervender Schreihals war ja schon schlimm genug. Mich geschäftig nach vorne lehnend bereitete ich mich auf unsere Planung für den weitere Verlauf vor, nur um festzustellen, dass Xyan schon etwas weiter gedacht hatte als ich.
      "Unsere Reise könnte gefährlich werden, also, besitzt du eine Waffe? Magie? Selbstverteidigung? Oder wäre es dir lieber, einfach nicht mehr von meiner Seite zu weichen?", grinste er breit und meine Wangen fühlten sich plötzlich viel zu warm an. Die Art und Weise wie er es aussprach... Nein, blöde Gedanken! Ich fasste mich wieder nach einem vielleicht zu großzügigen Schluck Met, an dem ich mich beinahe verschluckte. Herrlich, ich kann froh sein wenn ich die Zeit hier an einem Stück überleben werde...
      "Ähm...also...", begann ich stotternd und sah ihn etwas verloren an.
      "Ich hab noch nie...naja du weißt schon. Ich hab noch nie wirklich kämpfen müssen. Und Magie beherrsche ich auch nicht. Ich könnte jemanden einen rechten Haken versetzen, das ist aber auch schon alles..." Etwas beschämt darüber senke ich den Kopf. Der Gedanke daran, die Damsel spielen zu müssen, gefiel mir wirklich ganz und gar nicht.
      Warum bin ich eigentlich nicht zu einer starken Heldin hier geworden? So mit glanzvoller Rüstung und mächtigen Zaubersprüchen? Ich seufzte. Manche Sachen blieben wohl wirklich einfache Phantasie meinerseits. Mir wäre es sogar recht wenigstens mit einem Messer umgehen zu können- wild rumfuchteln ausgeschlossen. Xaffa schien darüber nur zu lachen, zumindest klang sein gackernder Ton ganz danach. Na vielen Dank auch du nutzloses Federvieh!
      "Wir brauchen eine Waffe für dich. Du bist ein Elfling, natürlich beherrscht du die Kunst des Bogens perfekt.", begann der Vogel und ich gebot Xyan, der bereits zu sprechen ansetzte, kurz zu Schweigen und lächelte entschuldigend. Mit hochgezogenen Brauen sah ich zu dem Kauz runter.
      "Und woher soll ich einen Bogen bekommen? Ich glaube kaum, dass einer durch Zufall vom Himmel fällt!", bemerkte ich wenig überzeugt. Verärgert klackerte Xaffa mit seinem Schnabel.
      "Das wird auch nicht passieren! Du musst dir deine heilige Waffe schon verdienen und zufällig kenne ich den richtigen Ort dafür. Die Göttin selbst hat dir eine machtvolle, antike Waffe hinterlassen.", erzählte der Kauz und wirkte mit einem mal ziemlich ernst. Ich nahm das kurze Schweigen um Xyan zu übersetzen, was der Vogel gesagt hatte. Immerhin sollte mein neuer Beschützer ebenso im Bilde zu sein. Auch wenn ich meinte einen Schatten in seinen Augen zu sehen, als ich die Göttin erwähnte. Aber das schien mehr ein unruhiges Flackern der Kerzen zu sein...
      "Und diese Waffe finden wir wo?", fragte ich nach, da Xaffa offenbar Spaß daran hatte, uns warten zu lassen. Der Kauz plusterte sich erneut auf, als wäre er ein heiliger Bote. oder ein Gott. Dem Ego diesen Tieres wäre Größenwahn auch zuzutrauen.
      "in Neanat, dem Reich der Zwerge." Plötzlich schien mein kleiner Freund nicht mehr ganz so begeistert, sein Aufgepluster stoppte plötzlich und das Federkleid sackte in sich zusammen. Betreten scharrte er mit seinen Krallen.
      "Auch wenn Neanat Teil von Lumen ist, die Zwerge sind nicht wirklich ein aufgeschlossenes Völkchen. Die Seeleute sind dank dem Krieg mehr zu Piraten geworden und die Zwerge haben sich hinter ihren Mauern verschanz... Egal wo du auch hingehst in diesem Land der Berge, Fallen sind überall...Und zudem bist du ein Elfling, Zwerge und Elfen waren nie gut aufeinander zu sprechen." Kurz zweifelte ich, ob es diese Waffe wirklich wert war. Zögernd blickte ich zu Xyan auf.
      "Xaffa meint... er meint in Neanat finden wir diese antike Waffe.", sagte ich schließlich langsam. Zwerge... so ala Gimmli aus der Herr der Ringe? Sicher, es ist in jedem Buch altbekannt, dass Zwerge und Elfen nicht gut miteinander konnten, aber wie schlimm konnte ihre Ablehnung schon sein?
      Ich hatte ja noch keine Ahnung, was im Land der Zwerge tatsächlich auf uns wartete.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
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    • Xyan
      Ich grinste breit, als meine Worte die gewünschte Wirkung erzielte und ich zum ersten Mal das Gesicht einer Elfe erblickte, dass nicht aus Wut errötet war. Jede andere Elfe hätte mir für diesen Spaß wohl den Kopf abgeschlagen... oder sich zumindest wutendbrannt darüber aufgreget. Doch diese Reaktion war mir eindeutig lieber.
      Hmmm... bedeutete das, dass ihr Dorf gar nicht so weit weg ist, wenn sie es bis hierher geschafft hatte, ohne sich verteidigen zu müssen? Oder ob sie wohl einfach Glück gehabt hatte? Der Segen der Schicksalsgöttin vielleicht?
      Gerade wollte ich verkünden, wie gerne ich es sehen würde, wie sie einem Goblin oder einem Dieb einen rechten Hacken verpasste, aber sie gebot mir entschuldigend zu schweigen und mir blieb nichts anderes übrig, als das Gespräch zwischen einer Elfe und einem Kauz zu verfolgen.
      Es war doch interessant wie viel Mimik im Gesicht dieses Kauzes zu sehen war und wie viel Gestik der kleine Kauz beherrschte... immer mehr schlich sich der Gedanke bei mir ein, dass das Federvieh nicht einfach nur ein normaler Kauz sein konnte, als Fiora mir mitteilte, dass Xaffa etwas von einer heiligen, antiken Waffe der Göttin wusste... spätestens jetzt hatte ich meinen Beweis. Dieses Mädchen musste die Heldin sein, und der Vogel war ganz sicher nicht normal.
      Während sie das Gespräch mit dem Kauz fortfuhr, blickte ich mich in der Taverne um.
      Die Barbaren waren mit ihren Gesprächen beschäftigt, der Rotschopf schenkte weiterhin den feiernden Met aus und ansonsten schienen wir die Aufmerksamkeit keiner Person auf uns gelenkt zu haben.
      Und dennoch... sollte ich ihr lieber mitteilen, dass es keine gute Idee war, so offen mit einem Tier zu sprechen, so ungewöhnlich das Tier an sich auch war, vor allem, wenn es um antike Waffen ging.
      War es überhaupt eine gute Idee zuzulassen, dass sie ihre Waffe bekam? Ich meine mit nem gewöhnlichen Bogen konnte ich sicher umgehen, aber eine antike Waffe? Was, wenn sie sich eines Tages gegen mich wandte?
      "Ugh, Neanat? Sicher, dass du da hin willst?", machte ich ein schmerzvolles Gesicht. In Neanat gab es heutzutage nichts als Ärger.
      "Vielleicht sollten wir diese Art von Gespräche lieber an einem privaten Ort führen... aber solange keiner zuhören zu scheint... ich bin neugierig. Woher weiß dein Kauz von einer antiken Waffen? Und wieso sollte die Göttin es dir überlassen?", spielte ich den unwissenden. Ein Anhänger der Schicksalsgöttin hätte ihr sicherlich ohne Beweise Blasphemie vorgeworfen... irgenwie schien ihre Unwissenheit das gefährlichste an diesem Mädchen zu sein.
      Sicher, ich hätte ihr auch einfach vorschlagen können, das Gespräch in einem der Tavernenräume fortzuführen... aber diese Art von Gerüchte konnte mir gestohlen bleiben. Nicht, dass sie noch dachte, ich hätte andere Motive im Kopf.
    • Fiora

      "Ugh, Neanat? Sicher, dass du da hin willst?" Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse aus Schmerz und dem Gegenteil von Begeisterung. Offenbar hatte Xaffa Recht behalten, Neanat war wohl nicht gerade ein Sommerausflugsziel. Aber wenn es bedeutete, dass ich eine Waffe bekommen würde, wäre es vielleicht der einzige Weg. Zudem ich gestehen muss, dass ich neugierig darauf war, was dieser antike Bogen wohl alles konnte. Vielleicht war er einer dieser ultra seltenen Waffen, die man in Videospielen nur dank schweren und langatmigen Quest bekam.
      "Vielleicht sollten wir diese Art von Gespräche lieber an einem privaten Ort führen... aber solange keiner zuhören zu scheint... ich bin neugierig. Woher weiß dein Kauz von einer antiken Waffen? Und wieso sollte die Göttin es dir überlassen?" Kurz blickte ich mich dank seiner Worte verstohlen um. Doch glücklicherweise waren diese Hünen mit sich selbst beschäftigt und ich hoffte inständig, dass ihre Becher niemals leer werden würden. Dafür stand ich jetzt vor einem anderen Problem. Xyan war keineswegs ein Idiot und das Gerede von antiken Waffen und der Göttin hatte ihn wohl doch darauf aufmerksam gemacht, dass ich keine normale Elfe war.
      "Oh, sehr gut Elfling. Jetzt kannst du deinem Freund aufbinden, dass wir auf heiliger Mission sind. Und morgen werden wir beide auf einen Leichenwagen gehievt!", stöhnte Xaffa auf, obwohl es eigentlich auch indirekt seine Schuld war, schob er alles auf mich. Na vielen Dank, heiliger Helfer. Ich zögerte kurz und wippte mit meinen Füßen hin und her. Ich hatte tatsächlich Bedenken, mich dahingehend zu äußern, vor allem wenn der Rotschopf permanent in unsere Nähe kam um die Krüge der Feiernden aufzufüllen.
      "Wie wäre es mit ein wenig frische Luft?", fragte ich ohne auf seine Fragen einzugehen und bedeutete ihm mit meinem Blick, dass die folgenden Worte wirklich unter uns bleiben mussten. Der Faie schien zu verstehen und wir verließen unauffällig die runtergekommene Taverne. Draußen an der Nachtluft herrschte absolute Stille und kurz atmete ich erleichtert auf. Drinnen herrschte nicht gerade ein angenehmer Geruch und die kalte Luft half mir etwas klar zu werden. Über uns funkelte der Nachthimmel und etwas überrascht bemerkte ich die zwei Monde, die am Himmel standen. Mit geweiteten Augen nahm ich für einen Moment diesen Anblick in mich auf. Wunderschön war das einzige, was diesen sternenklaren Himmel beschreiben konnte. Ein Räuspern neben mir holte mich wieder zurück in die Wirklichkeit.
      Ich begann ihm also meine Aufgabe zu schildern. Dass Xaffa von der Göttin zu meinem auserwählten Begleiter gemacht wurde und mich führte. Dass ich zur Priesterin musste, damit sie mir sagen konnte, wie ich die Finsternis aufhielt. Und schließlich entschied ich mich für eine Lüge. Ich erzählte ihm, dass ich meine Erinnerungen an mein vorheriges Leben verloren hatte. Ihm zu erzählen, dass ich nicht von dieser Welt stammte, sondern aus dem 21. Jahrhundert der Menschenwelt schien mir doch etwas zu viel zu sein. Allein der Gedanke daran, Xyan die Verwendung von Smartphones zu erklären, schien mir einfach lächerlich. Außerdem war ich mir nicht sicher, wieso ausgerechnet jemand wie ich hier her befördert wurde. Und solange ich keine Gewissheit darüber hatte würde ich es geheim halten, auch vor Xyan. Eben genannter schwieg während meiner leisen Erzählung; hatte ich die Stimme doch gesenkt. Sicher war sicher. Als ich geendet hatte blickte ich zu ihm auf, überragte er mich doch um einen halben Kopf.
      "Ich weiß nur, dass ich nicht aus Vallenwald stamme aber mehr auch nicht. Vielleicht beherrsche ich auch Magie aber ich habe es vergessen. Um ehrlich zu sein weiß ich nichts mehr über diese Welt." Etwas betreten wich ich seinem durchdringenden Blick aus.
      "Ich weiß leider nicht warum ich ausgewählt wurde. Aber ich werde es herausfinden, deswegen müssen wir wohl oder übel nach Neanat. Vielleicht lassen die Zwerge ja mit sich reden?", schlug ich vor und versuchte mich an einer positiven Einstellung. Es war nicht meine Art einfach aufzugeben und ich hoffte, dass Xyan mir beistehen würde.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      Meinen Met trinkend wartete ich neugierig darauf, ob ich wohl eine Antwort auf meine Fragen erhalten würde, doch sie zögerte.
      Ich überlegte bereits, ob ich es einfach dabei belassen sollte, als sie mir vorschlug, das Gespräch draußen weiter zu führen und ich war fast schon überrascht darüber, ob sie mir nun wirklich das große Geheimnis verrraten wollte, dass sie die Heldin Lumens war.
      Sie war wohl noch um einiges gutgläubiger, als ich gedacht hatte.
      Also folgte ich ihr still in die kühle Nachtluft hinaus, mit den Händen in den Hosentaschen vergraben wartete ich darauf, dass sie das Gespräch wieder fortführen würde und folgte ihrem Blick, als sie mit diesem fröhlichen Blick in den Augen den Nachthimmel anstarrte.
      Meine Augen erblickten jedoch nur die beiden Monde, umringt von zahlreichen Sternen, ein Anblick, der für mich nichts besonderes war.
      Dennoch vermisste ich in diesem Moment den dunklen, von Wolken verhangenen Anblick des Nachthimmels Umbras... nicht, dass der Himmel am Tage anders aussah.
      Ein Lächeln schlich sich über meine Züge. Nicht mehr lange, und ich würde vielleicht wieder nach Hause zurückkehren können, in ein friedliches Umbra, sobald der Krieg und alle anderen Angelegenheiten vorbei war.
      Dann würde ich diese Monde nie wieder sehen müssen.
      Wieder drehte ich meinen Kopf in Richtung Fiora, die von dem Anblick so gebannt zu sein schien, als hätte sie ihn nie zuvor gesehen.
      Ich räusperte mich kurz, um sie in die Realität zurück zu holen, immernoch auf eine Antwort auf meine Frage wartend.
      Letztendlich erzählte sie mir tatsächlich, was ich hören wollte und ich musste ein Grinsen unterdrücken. Meister hatte Recht behalten. Selbst, wenn ich bis zum jetztigen Zeitpunkt Zweifel daran gehabt hätte, spätestens jetzt war klar, dass sie es war.
      Oder sie an ernsten Halluzinationen leidete.
      Als sie erwähnte, dass Xaffa ihr von der Göttin geschickt worden war, wandte ich meinen Blick dem Federvieh, dass sich dabei aufplusterte, als um stolz zu zeigen, was für eine große Nummer er doch war.
      Ein Kauz... was für ein wundervoller Beschützer. Diese Göttin schien es sich ganz schön einfach zu machen.
      "Hmh... und das Federvieh hat dir nicht einfach nur eine Geschichte aufgebunden?", setzte ich ein zweifelndes Gesicht auf. Sie wirkte ja nicht gerade wie eine Heldin, und wer würde ihr diese Geschichte gleich abkaufen? Vor allem einer Elfin, der Rasse, die sich bereits jetzt schön als größer darstellte, als sie es eigentlich war?
      "Naja, Heldin oder nicht werden wir ja noch sehen, immerhin muss ich für mein Gold ja auch was leisten, nicht wahr?", lächelte ich.
      "Und du bist dir sicher, dass ich dich nicht einfach dazu überreden kann, dir in der nächsten Stadt einen einfachen Holzbogen zu kaufen?", versuchte ich noch einmal sie davon abzubringen nach Neanat reisen zu wollen, aber sie hatte sich wohl entschieden.
      Und das Federvieh ließ auch nicht mit sich reden.
      Ich seufzte.
      "Okay... dann statten wir den Zwergen wohl einen kleinen Besuch ab.", gab ich letztendlich auf, sie davon abbringen zu wollen, "Aber wenn du glaubst, dass sie einer Elfe und einem Faie erlauben ihre Stadt zu betreten, dann mach dich schon mal auf eine Enttäuschung gefasst.", zuckte ich mit den Achseln.
      "Und wenn wir schon mal unter uns sind...", blickte ich über die Schulter, um sicher zu stellen, dass wir wirklich alleine waren. Selbst die Schatten waren leer. Gut.
      "Du solltest dich nicht so offen mit deinem pelzigen Freund unterhalten. Beastmaster sind eine Rarität und wenn jemand herausfindet, dass du einen von ihnen bist, werden mächtige Leute davon erfahren und versuchen dich dazu zu zwingen, deine Dienste ihrer Armee zur Verfügung zu stellen. Im schlimmsten Fall landest du noch als Sklavin. Eigentlich hätte dir das dein ach so toller, göttlicher Begleiter erklären sollen.", grinste ich den Vogel spöttisch an und deutete damit an, dass er einen schlechten Job als ihr Begleiter machte.
      "Wenn das alles war, solltest du ins Bett gehen. Wir sollten morgen noch vor Sonnenaufgang aufbrechen, für den Fall, dass jemandem doch der Geruch von Gold aufgefallen war. Ich mag keine unschönen Überraschungen."
    • Fiora

      "Hmh... und das Federvieh hat dir nicht einfach nur eine Geschichte aufgebunden?" Ich unterdrückte ein Grinsen. Nun, dann wäre ich wohl niemals hier her gekommen, immerhin kam ich aus einer völlig anderen Zeit und Welt. Aber das konnte Xyan nicht wissen, weshalb ich seinen kurzen Zweifel durchaus verstehen konnte.
      "Glaub mir, Xaffa hat nicht gelogen. Dafür ist zu viel...passiert.", entgegnete ich leise und kaum hörbar. Es war keine bloße Geschichte. Naja, wenn man es genau nahm war es schon eine Geschichte- aus einem Buch meiner Welt. Aber das spielte hier grade keine Rolle. Wenigstens legte Xyan seine Zweifel beiseite legte, auch wenn es nur dank meiner Bezahlung war. Trotzdem beschwerte ich mich nicht, immerhin würde es wohl nicht unbedingt eine leichte Reise werden.
      "Und du bist dir sicher, dass ich dich nicht einfach dazu überreden kann, dir in der nächsten Stadt einen einfachen Holzbogen zu kaufen?", Entschieden schüttelte ich meinen Kopf. Nein, ich wollte diese besondere Waffe. Vielleicht war sie ein weiterer Hinweis auf meinen erzwungenen Aufenthalt hier. Und zugegeben... Eine antike, magische Waffe klang mehr als verlockend!
      "Hah, das würde dir wohl so passen, diebischer Faie! Einen Holzbogen für die Heldin, das ist eine Beleidigung!" Xaffa klackerte missmutig mit dem Schnabel. Ach, auf einmal war ich eine Heldin? Eben noch war ich ein idiotischer Elfling… Schließlich gab Xyan auf, uns umstimmen zu wollen und seufzte nicht gerade begeistert. Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verwehren. Er würde so oder so mit uns kommen, und wenn ich ihm halt noch mehr Gold geben musste, sobald wir bei der Priesterin waren.
      Seine Worte über die Zwerge schienen nicht gerade begeistert und etwas sagte ihr, dass die Zwerge ein recht ungemütliches Volk für sie beide sein mussten. Aber... noch immer war ich der Überzeugung, dass wir mit diesem Volk verhandeln konnten. Vielleicht konnten wir einen Kompromiss schließen, wir taten denen ein Gefallen und sie uns?
      "Wir werden sehen. Vielleicht müssen wir nicht so nahe an die Zwergen Stadt heran, wir wollen nur diese Waffe.", redete ich es mir selber ein und insgeheim hoffte ich, dass wir keine unschönen Begegnungen auf unserem Weg haben würden.
      Plötzlich senkte sich Xyans Stimme und er sah sich kurz um.
      "Du solltest dich nicht so offen mit deinem pelzigen Freund unterhalten. Beastmaster sind eine Rarität und wenn jemand herausfindet, dass du einen von ihnen bist, werden mächtige Leute davon erfahren und versuchen dich dazu zu zwingen, deine Dienste ihrer Armee zur Verfügung zu stellen. Im schlimmsten Fall landest du noch als Sklavin. Eigentlich hätte dir das dein ach so toller, göttlicher Begleiter erklären sollen." Mit Blick auf Xaffa grinste der Faie spöttisch und Xaffa holte bereits Luft um einen wütenden Kommentar abzugeben, aber ich hielt schnell meinen Finger vor seinem Schnabel. Beastmaster waren also wirklich nicht weit verbreitet. Bei dem Wort Sklave lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken und kurz fragte ich mich, welche Fähigkeiten ich wohl haben könnte, dass die Mächtigen derart weit gehen würden. Ich schluckte und nickte nur stumm auf Xyans gut gemeinten Rat. Diese Information hätte ich durchaus eher gebrauchen können. Würde ich je aufhören mich zur Närrin zu machen mit dieser verdammten Unwissenheit.
      "Okay dann...Gute Nacht Xyan. Bis morgen.", murmelte ich mit den Gedanken noch an der Grausamkeit, mit der die Mächtigen alles für ihre Armee hergaben. Schnell verschwand ich nach drinnen in die Taverne und bezog das mir zugeteilte Zimmer ohne den Barbaren auch nur einen Blick zuzuwerfen. In dem einfachen Strohlager ließ ich mich einfach fallen und starrte einen Moment an die Decke.

      "Wann hattest du vor mir zu sagen, dass Beastmaster nicht nur selten sind sondern gefährdet? Und warum, was kann...ich denn mit dieser Fähigkeit außer mit einem Kauz wie dir zu reden?", durchbrach ich schließlich die Stille und blickte zu Xaffa, der nervös von einer Kralle auf die andere trat.
      "Ich wollte dir ja den Hinweis geben, aber du warst ja mit dem Faie-Jungen beschäftigt... Beastmaster sind nicht nur in der Lage mit den Kreaturen zu kommunizieren... Ihr könnt auch diese wesen kontrollieren, wenn du deine Fähigkeiten richtig einsetzen würdest." Xaffa schien bei dem Gedanken nicht wohl zu sein, der Kauz wirkte um einiges Kleinlauter als sonst.
      "Du meinst ich kann jedem Tier und jeder Kreatur Befehle erteilen und sie kontrollieren?" Das war ja eine mehr als wichtige Information. Unangenehm klackerte Xaffa mit dem Schnabel.
      "So ungefähr, ja. Aber wag es ja nicht das bei mir einzusetzen, ich warne dich!" Ach darum ging es ihm also. Wütend funkelte ich ihn an.
      "Du hast diese Information nicht zufällig verschwiegen, weil du Angst hattest ich bringe dir gutes Benehmen bei, oder?", zischte ich wenig begeistert. Das glaube ich jetzt nicht! Ich konnte von Glück sprechen, dass es niemand mitbekommen hatte, wie ich mit dem nichtsnutzigen Kauz gesprochen hatte. Betroffen zog der Kauz seinen kleinen Kopf ein. So viel zum Thema heiliger Begleiter.
      "Warum sind Beastmaster so begehrt in der Armee? Und sei ab jetzt bitte ehrlich!", seufzte ich schließlich. Auf ihn wütend zu sein brachte mich nicht weiter außerdem war ich zu müde, um den kleinen Kauz anzuschreien. Außerdem würde man den Streit draußen hören, oder besser gesagt nur mich. Xaffa wich meinem Blick aus als er meine Fragen beantwortete.
      "In Zeiten des ersten Krieges dominierten die Beastmaster das Schlachtfeld mit ihren unzähligen Bestien. Ganze Armeen aus magischen Wesen gehorchten den Beastmastern, und jede Seite egal ob Lumen oder Umbra leckten sich die Finger nach ihnen. Heute sind sie nur noch wenig vertreten und fast vergessen.", sagte der Kauz ehrlich und ich rieb mir die Stirn. Na herrlich, ich meine schön wenn ich solche Macht besitze, aber ich hatte weder eine Ahnung wie ich sie einsetzte oder wie ich damit umgehen sollte. Eines stand fest, ich musste das Talent auf jeden Fall verbergen, da hatte Xyan Recht.
      "Tut mir Leid, Fiora.", murmelte der Kauz schließlich leise und kaum hörbar. Hatte er mich gerade wirklich bei Namen genannt? Das war ja ein wahres Wunder. Ich seufzte ehe ich mich auf dem Strohlager drehte und den Kauz in die Augen sah.
      "Ist schon gut... Es war ein langer Tag, komm her. Wir sollten Schlafen.", meinte ich versöhnlich und erleichtert hüpfte der Kauz näher an mich heran und plusterte sich zu einer flauschigen Kugel zusammen. Ich tat es ihm gleich und schloss erschöpft die Augen. Der Morgen kam viel zu schnell.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      "Yo... schlaf gut.", nickte ich ebenfalls und blickte ihr hinterher, während sie in die Taverne zurückkehrte.
      Nachdem ich mich versichert hatte, dass auch ansonsten die Straßen und Wege leer waren - alleine das Gelächerter der feiernden Barbaren war noch aus der Taverne zu hören - schlug ich den Weg in den Wald ein.
      Für eine Weile folgte ich einem dünnem Pfad, als wollte ich nur einen kleinen Nachtspaziergang unternehmen, ehe ich vom Weg abkam und mir eine dunkle Ecke mit ebenem Boden suchte, von dem ich jegliche Steine, Blätter und andere Dinge entfernte.
      Noch einmal stellte ich sicher, dass ich alleine und ungesehen war, ehe ich etwas Tinte und einen Pinsel aus einer kleinen Tasche, die an meinem Gürtel befestigt war, fischte und damit begann konzentriert etwas auf den Boden zu zeichnen.
      Mit ebenen, gezielte Strichen aus schwarzer Tinte formte sich der Zauberkreis langsam und als ich konzentriert den letzten Strich beendete, leuchtete der Zauberkreis kurz auf, ehe sich eine Verbindung zu meinem Meister formte.
      Ich hatte großartige Neuigkeiten.
      [...]
      Nachdem mein Bericht beendet war und ich den Zauberkreis wieder verwischte, mit Erde und Blättern bedeckte, um keine Spuren zu hinterlassen, war auch ich in die Taverne zurückgekehrt. Von nun an würden anstrengende Tage vor mir liegen.
      Kurz vor Sonnenaufgang stand ich an Fioras Tür und klopfte sachte dagegen.
      Es war Zeit aufzubrechen und ich hoffte nur, dass sie bereits wach war.
    • Fiora

      Xaffa stupste mich immer und immer wieder mit seinem kleinen aber unangenehm spitzen Schnabel an.
      "Aufstehen, Schlafmütze! Die Sonne geht bald auf!" Da war er wieder, mein liebreizender Gefährte in all seiner Freundlichkeit. Ich stöhnte missmutig, gab mich jedoch geschlagen und setzte mich mit zerzauster Mähne auf.
      "Ah, der Elfling bequemt sich endlich, aufzustehen. Los jetzt, mach dich etwas ansehnlicher und dann nichts wie los!", drängte mich der Kauz und ich folgte murrend seinem Befehl. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein absoluter Morgenmuffel bin? Und ich bezweifelte, dass es in dieser Welt Kaffee gab. Grausame Realität. Ich spritzte mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht und nutzte die Wasserschale um de Dreck des gestrigen Tages halbwegs von meiner Haut zu bekommen. Die weiße Haarpracht war um einiges schwieriger zu bändigen, waren diese seidigen Haare doch sehr lang. Zu lang für meinen Geschmack. Ich flocht notdürftig einen einfachen Zopf, den ich unter meiner Kapuze verstecken konnte, ehe ich nochmal zum Wasser blickte. Erstmals konnte ich mein Gesicht in der sich spiegelnden Oberfläche des kühlen Nasses sehen. Etwas erstaunt betrachtete ich die mir fremden Züge, die schön und anmutig wirkten, wie ich mich wohl niemals geben könnte. Smaragdgrün waren meine Augen also... Nun, ich hätte weitaus schlimmer aussehen können. Ob alle Elfen solche schönen Wesen waren?
      Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Den Umhang überwerfend öffnete ich die Tür nur um zu erkennen, dass es Xyan war. Bereit zum Aufbruch also.
      "Morgen.", begrüßte ich ihn leise, aus Angst die anderen Tavernenbewohner zu wecken. Aber meine Sorge war unbegründet, man könnte meinen diese Männer wollten Höhlenbären mit ihrem Geschnarche imitieren.
      Xaffa unter meiner Kapuze versteckend sprach ich mir selber kurz Mut zu. Ich würde das schon irgendwie packen. Ganz bestimmt!
      "Holen wir die Vorräte und die Pferde?" Immerhin hatte ich für diese ja gestern bezahlt und ich hoffte, der Rotschopf hatte daran gedacht, sie auch bereitzustellen.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      "Morgen.", lächelte ich im einfachen Gesprächston und wir stiegen die Treppe hinab, als Fiora vorschlug das Proviant und die Pferde einzufordern, woraufhin ich nickte und zum Tresen herüber schlenderte, über den ich mich lehnte, um einen Blick auf den Hinterraum zu erhaschen.
      Na, hoffen wir mal der Rotschopf war bereits wach um fleißig Frühstück für die Trinkbolde zuzubereiten, oder was auch immer ein Tavernenbesitzer zur Vorbereitung für den Tag erledigen musste.
      "Hey, Rotschopf! Was ist mit dem Proviant und den Reittieren, die du der Elfendame versprochen hast?", machte ich auf mich aufmerksam, doch als keine Antwort kam, sprang ich kurzerhand über den Tresen, um mich selber zu vergewissern, dass der Barbar wach war.
      Ich öffnete die Tür in die Küche, wo ich den Rotschopf beim Kartoffeln schnippeln entdeckte.
      Als auch er bemerkte, dass ich einfach sein Heiligtum betreten hatte, starrte er mich mit einem grummeligen Blick an, nicht gerade erfreut darüber mich zu sehen, würde ich sagen.
      "Was willst du hier, Faie? Hast du etwa doch entschieden mein Geschäft auszurauben?", brummte er die Zähne fletschend und griff nach einer Axt, die neben ihm auf dem Tisch lag.
      "Das ist aber etwas unhöflich, sogleich zu solchen Schlussfolgerungen zu springen. Das Elfenmädchen hat mich angeheurt.", yup, nennen wir das mal so, dass würde alles einfacher gestalten und so ganz falsch war es ja auch nicht, selbst wenn das Gold mehr ein Geschenk sein sollte, als eine Bezahlung, "Und wir müssen los. Also bin ich hier um das verlangte Proviant und die Reittiere einzufordern."
      "Hmpf.", brummete der Barbar, ließ - nachdem er mich eine Weile lang gemustert hatte - die Axt dann doch fallen und stieg kurz in den Lagerraum hinab, ehe er mit zwei großen Leinensäcken wieder auftauchte, die er mir die Füße warf.
      "Da, bitteschön. Mehr kann ich nicht erübrigen, aber selbst für zwei sollte das eine Weile reichen. Was die Pferde angeht...", wandte er sich wieder dem schnippeln seiner Kartoffeln zu, "... sucht euch welche aus dem Stall raus. Nur lasst meinen schwarzen Wallach in Ruhe, sonst kann die Elfendame mein Schweigen vergessen. Und jetzt raus aus meiner Küche mit deinen dreckigen Stiefeln, Faie! Wie kannst du es überhaupt wagen, hier einfach einzutreten?!", verlor er letztendlich doch die Geduld und ich konnte es ihm deutlich ansehen, dass er die Axt doch mit Freuden nach mir geworfen hätte.
      "Was blieb mir denn anderes übrig, wenn du nichts mit der Elfendame absprichst? Wir können nicht ewig darauf warten, dass es dir wieder einfällt, mit dem kleinen Hirn.", meinte ich unbeeindruck und hiefte das Proviant auf meine Schulter.
      Hoffentlich gab es sich Pferde, die dieses Gepäck tragen konnten, und keine einfachen Klappergestelle.
      "Vielleicht hätte sich die edle Elfendame dazu niederlassen können, genauere Forderungen zu stellen.", schnaufte der Rotschopf mit vor Sarkasmus triefender Stimme, während ich die Küche bereits wieder verließ und ein weiteres Mal über den Tresen sprang.
      "So~, jetzt müssen wir uns nur noch zwei Pferde aus dem Stall besorgen, und wir können los.", erklärte ich ihr, während ich bereits den Weg in Richtung des Stalles einschlug.
      Draußen ging bereits die Sonne auf und die ersten Dorfbewohner begannen ihren Tag. So viel zum Aufbruch vor Sonnenaufgang.
      Im Stall angekommen stellte ich überraschend fest, dass der Barbar hier doch ein paar gute Pferde beherbergte und sie waren offensichtlich gut genährt. Na, wenigstens etwas.
      "Such dir eines aus, mit diesen Exemplaren kannst du kaum etwas falsch machen. Wir sollen nur die Finger von seinem Wallach lassen, sonst hast du das Schweigegeld umsonst bezahlt.", erklärte ich ihr, während ich bereits den Hals eines der Pferde tätschelte.
      Yup, das sah gut aus. Stark und gesund, mit genügend Ausdauer für eine lange Reise.
    • Fiora

      Der Barbar reagierte auf den lauten Ruf des Faie nicht und kurz zweifelte ich, ob der Mann sich nicht einfach dem Handel widersetzt hatte und uns mit nichts losziehen lassen wollte. Glücklicherweise übernahm mein neuer Begleiter das Nachsehen in die Hand und ich gebe zu, ich war etwas überrascht wie behände er über die hohe Theke sprang, um im hinteren Raum nach dem rechten zu sehen. Es dauerte eine ganze Weile und etwas unruhig wippte ich auf den Fersen auf und ab.
      "Was dauert denn da so lange?", bemerkte Xaffa und schien ebenso nervös wie ich zu sein. Just in diesem Moment kehrte der Silberhaarige wieder zurück und sprang, mit zwei großen Säcken auf den Schultern, erneut über den Holztresen. Er war stark, das musste ich ihm lassen. Ich hätte wahrscheinlich nicht einmal einen dieser Leinensäcke anheben können...
      "So~, jetzt müssen wir uns nur noch zwei Pferde aus dem Stall besorgen, und wir können los.", wandte er sich an mich und wartete gar nicht erst, dass ich ihm folgte. Offenbar war er erpicht darauf, endlich aufzubrechen und rasch huschte ich ihm hinterher, um nicht zurückzufallen. Bei den einfachen Stallungen betrachtete ich die zugegeben stattlichen Tiere. Sie waren groß und kräftig gebaut und zugegeben wirkten diese Pferde ganz so, als ob sie weite Strecken mühelos zurücklegen konnten. Xyan schien bereits einen Favoriten gefunden zu haben. Den Wallach? Oh, musste das dunkle Pferd in der einzelnen Box sein, welches er meint. Das Pferd wirkte so grimmig wie sein Besitzer. Kurz unentschlossen und etwas überfordert, das Wiehern verstehen zu können, lief ich an den wenigen Pferden entlang, ehe mein Blick den einer sanftmütigen Stute traf. Sie war ein Friese, ein stämmiges und starkes, schwarzes Pferd. Sanft über ihren langen Hals streichend blickte ich dem Tier in seine tiefdunklen Augen.
      "Na meine Schöne. Bereit für ein Abenteuer? Wie heißt du?", fragte ich lächelnd, gefiel mir doch dieser ruhige Blick. Das Pferd nickte mit dem Kopf und willigte ein. Mara war ihr Name, passend zu dem ruhigen Auftreten. Ich machte sie von dem Pfahl los, an dem ihr Zaumzeug angebunden war und führte den Friesen aus dem Stall. Die Sonne ging bereits auf und warf erste Strahlen durch die kühle Morgenluft. Den Mantel etwas enger um meine Schulter ziehend befestigte ich am Sattel und schwang ich mich anschließend in den Sattel. Etwas erstaunt, dass ich mich nicht zum Deppen gemacht habe warf ich Xyan einen Blick zu, der bereits auf seinem gewählten Pferd saß und auf mich wartete. Das Reiten fiel mir erstaunlich leicht, ich hatte eigentlich keine Erfahrung mit Pferden. Das Reiten war ein kostspieliger Zeitvertreib in meiner Welt und ich konnte mir nicht einmal eine Stunde leisten. Dieser Elfenkörper schien jedoch zu wissen was er tat und mit gerade Haltung auf der Stute folgte ich Xyan durch das langsam erwachende Dorf.
      Xaffa hatte es sich derweil auf meiner Schulter gemütlich gemacht und döste vor sich hin. Eine herrliche Stille und ich unterdrückte ein leichtes Grinsen. Wenn er die Klappe hielt konnte er ja wirklich süß sein!
      "Also Xyan, wie gelangen wir am Schnellsten nach Neanat?", fragte ich und trieb meine Stute leicht an, dass ich neben ihm mithalten konnte.
      "Oder sollten wir die normale Straße lieber außen vor lassen?", überlegte ich laut und dachte an die Zwerge, die wohl wenig begeistert wären, mich zu sehen.

      "Ist es Sehnsucht? Oder ist es Enttäuschung, welche ein Herz so sehr schmerzen lässt?"
      -Lucia | The fallen Morningstar
    • Xyan
      "Hmh... das hängt ganz davon ab, bereit für dein erstes Aufeinandertreffen mit Banditen?", grinste ich, aber natürlich war sie das nicht. Sie besaß ja nicht einmal eine Waffe.
      Wenigstens schien sie reiten zu können.
      "Die meist besuchten Straßen sind eigentlich recht sicher und in Thilfa gibt es sowieso nichts zu holen, also keine Sorge. Du hast dir anscheinend den perfekten Ort ausgesucht, um dein kleines Abenteuer ohne Waffe zu starten. Ich mach mir da eher Sorgen um die Grenze...", meinte ich nachdenklich und überlegte, welchen Weg wir wohl am besten einschlagen sollten.
      "Weiß dein kleiner Piepmatz eigentlich, wo wir deine Waffe finden? Oder erwartet er etwa wirklich, dass wir uns von den Zwergen helfen lassen? Oder gar ganz Neanat durchsuchen? Diese Fallen sind wirklich keine angenehme Angelegenheit, das muss ich dir sagen. Nur, damit ich es nicht vergesse: pass auf wo du im Reich der Zwerge hintrittst. Von hier aus sollten mir maximal drei Tage brauchen, um die Grenze zu erreichen.", erklärte ich ihr.