A year abroad in Japan. [Ikimasu-Nick & Lu-chan]

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    • Rosanna

      Mittagspause.
      Es war der dritte Tag in Japan und es gab einiges, an was sich Rosanna gut gewöhnen konnte, aber auch einiges, was wirklich befremdlich war. Es fing damit an, dass sie am Samstag, nachdem sie früh morgens mit dem Flugzeug gelandet war, sich an die Zeitumstellung gewöhnen musste, aber dadurch, dass ihr kleines Appartement recht gemütlich eingerichtet war konnte sie sich auch noch ein wenig hinlegen. Als zweite Schwierigkeit war dann das Einkaufen gewesen, denn auch wenn die Uni hier sich bemühte alles auf englisch zu übersetzen, es war nicht überall so und noch dazu sprachen nicht alle fließend englisch, aber nachdem Rosanna zwei Stunden gebraucht hatte war sie mit dem Nötigsten versorgt und konnte sich durch die ganzen neuen Sachen durchprobieren. Natürlich hatte sich die Frau vorher erkundigt und viel darüber gelesen, was es hier gab, aber die ganzen Schriftzeichen waren ihr noch sehr unbekannt, sie sahen alle recht gleich aus und damit war es fast unmöglich mit einem Übersetzer auf dem Handy irgendetwas zu klären. Ihr stand zwar jemand von der Uni zu, der als Übersetzer für alle nötigen Behördengänge zu stand, aber nicht für das private Leben, da musste die Frau selbst klar kommen. Es war schwierig, aber es war erst der dritte Tag, da konnte Rosanna noch nicht viel erwarten.
      Zum Glück war die Uni von jeglichen Uniformen verschont, denn das hatte die Blondine zwölf Jahre in der Schule zuhause tragen müssen, da war die Freude recht groß, dass sie ihre Jeans tragen konnte, wenn auch die nicht zerrissenen, denn hier legte man sehr viel Wert auf gepflegtes Aussehen, so blieb die zerissene Jeans zuhause und stattdessen trug die Blondine eine lockere, ein wenig zu große Jeans, die gerade in Mode waren und ein normales, schlichtes Oberteil, trotzdem stach sie heraus. Es gab nicht viele ausländische Studenten hier, da wurde man schon blöd angeguckt vor allem in der Mensa, wenn man vor der Theke stand und keine Ahnung hatte, was es da zu essen gab. Die Nudelsuppe hatte die Frau schon gesehen und vor allem auch im Hinterkopf behalten, aber es gab noch so vieles mehr, was angeboten wurde. Es gab Sushi.. Aber was drinnen war konnte man nur erahnen, denn die Überschriften brachten einen auch nicht weiter. Sushi mit.. weiter konnte die Frau die Handschrift nicht lesen.. Sollte das Lachs sein? Oder vielleicht Lauch? Und was war dieses Gyudon? Oder dieser Salat.. Das war Thunfisch, das konnte Rosanna erkennen, aber waren das Nudeln oder Reis darunter? Das stand natürlich auch nicht auf der Karte.. Vielleicht sollte sie sich was zu essen mitbringen? Aber ihr wurde die Kantine bezahlt.. Da konnte sie schon mit ihrer Karte essen, so viel sie wollte.. Aber was sollte man essen?
      Rosanna entschied sich für das Sushi mit Lachs und die Nudelsuppe, die Frau wartete immerhin schon auf ihre Bestellung, zum Glück stand keiner hinter ihr, das wäre ihr unangenehm geworden. Doch auch wenn sich die Blondine bemühte so deutlich wie möglich zu artikulieren, verstand die ältere Dame wirklich nicht, was man von ihr wollte. Mit einem Seufzer beschloss die Frau, einfach gar nicht zu essen, wenn das so weiter ging.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Es war der erste Tag im Semester, und nachdem ich zwei Stunden in meiner ersten Vorlesung gesessen hatte, entschied ich mich kurzerhand, in die Mensa zu gehen. Eigentlich hielt ich mich von solchen Orten fern, meine Zeit in Norwegen hatte mich gelehrt, dass diese Institutionen meist unterirdisch waren, doch, ich musste einsehen, dass zwischen dem fernen Norwegen und Japan Welten, wenn nicht gar Universen. lagen, und so hatte ich mich dazu durch-gerungen, dieser Mensa hier wenigstens eine Chance zu geben.
      Nachdem ich im letzten Jahrzehnt nur in den Ferien in Japan gewesen war, meist um Verwandte und Freunde wiederzusehen, war es auch für mich ein wenig ungewohnt, wieder durch die alten Straßen zu gehen. Es war eigentlich nicht geplant gewesen, dass ich hier, in der Stadt, und er ich geboren wurde, zur Uni gehen wollte. Ich hatte mich auch für viele andere Universitäten beworben, aber die meisten bevorzugten Schüler, die ihren Abschluss hier in Japan gemacht hatten, und so blieben am Ende nur eine Hand voll Unis übrig, die mich nehmen würde, und so hatte ich mich schließlich für diese entschieden, einfach, weil ich die Gegend praktisch wie meine Hosentasche kannte, und mich hier wohl fühle.
      Der erste, wohl nicht weiter erstaunliche Unterschied zwischen den Mensen in Norwegen und dieser war, dass es hier um einiges ruhiger zuging. Drüben im Norden war die Mensa hauptsächlich ein Treffpunkt pubertärer Hormon-Schleudern gewesen, die sich mit Essen bewarfen und rum-grölten.
      An der Theke angekommen, überflog ich kurz das Angebot, und entschied mich schließlich für Shabu-Shabu. Mir lief in gewisser Weise das Wasser im Mund zusammen, als ich meine Plastikschüssel entgegennahm und mich mit der dampfenden Flüssigkeit zu einen freien Tisch begab. Drüben in Europa hatte ich mich fast ausschließlich vegan ernährt, aber ich wusste, dass das hier nicht möglich sein würde, also versuchte ich es erst gar nicht. Abends verpflegte ich mich meist mit Street-Food, und das einzige Vegane, dass es dort zu kaufen gab, war oftmals Obst - und davon alleine konnte ich mich nicht ernähren.
      Ich entschied mich für einen Platz am Fenster, stellte die Schüssel ab, legte meine Umhängetasche auf den Boden und setzte mich. Am anderen Ende des Tisches saß ein Junge, den ich vorher auch in der Vorlesung gesehen hatte, ich verbeugte meinen Oberkörper kurz etwas, als Zeichen des Respekts, und wandte mich dann erstmal meinem Handy zu. Zufrieden schickte ich ein Bild des Essens an meine Mutter und teilte ihr kurz mit, wie die Uni bisher lief. Seufzend legte ich schließlich mein Telefon weg, und wollte mich gerade meiner nicht mehr ganz so dampfenden Suppe widmen, als ich feststellte, dass ich vergessen hatte, mir einen Löffel mitzunehmen.
      Peinlich berührt stand ich auf, ich hatte das Gefühl, als würde mich die ganze Mensa beobachten, als ich mir meinen Weg zwischen den Tischen und Stühlen, zurück zu der Essensausgabe, bahnte. Rechts, direkt neben der Kasse, eigentlich kaum zu übersehen, stand ein metallener Rollwagen mit Besteck, Servietten und Essstäbchen. Ich nahm mir einen der mit blauen Symbolen verzierten Porzellanlöffel und zog noch eine Serviette aus dem Spender, als eine etwas verloren wirkende Stimme meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
      Etwas holperig versuchte eine junge Frau offensichtlich, sich etwas zu essen zu bestellen. Mit ihren Haaren und dem europäischen Aussehen viel sie sowieso auf, wie ein Flamingo unter Storchen, und ihre Kleidung machte es nicht wirklich besser, hatte ich das Gefühl. Es ist nicht so, als wäre ich ein Mode-experte, aber das musste man auch nicht sein, um zu erkennen, dass ihre Kleidungsstücke nicht von hier stammten. Es wirkte ein wenig so, als hätte sie sich Mühe gegeben, sich möglichst unauffällig, möglichst so, wie die meisten Einheimischen, zu kleiden, doch genau das war es, was sie so auffallen ließ, glaube ich. Dieses "Hauptsache normal" denken, dieses.. krampfhafte. Ich fand es faszinierend, sie so zu sehen, weil sie mich irgendwie an mich selbst in Norwegen damals erinnerte. Ich wollte mich damals auf Krampf anpassen, und war ganz stolz in einen Polo-Hemden, Regenjacken und Sandalen rumgelaufen.
      Gerade, als sie ihre Kommunikationsversuche einstellen zu wollen schein, riss ich mich aus meinen Gedanken und ging einen Schritt auf sie zu. "Hi, ähm, kann ich dir irgendwie helfen?", sprach ich sie auf Englisch an. In Norwegen hatte ich eine internationale Schule besucht, also konnte ich vermutlich relativ gut Englisch sprechen, aber da ich seit ein paar Monaten nicht mehr in Norwegen auf der Schule gewesen war, da ich mich auf die Abiturprüfungen vorbereitet und sie geschrieben hatte, und danach gleich nach Japan geflogen war, hatte ich ein wenig Angst, mich zu blamieren.
    • Rosanna

      Sie wollte es aufgeben und sich verziehen.. Aber es nahte eine Rettung, von der die Frau nicht gedacht hatte, denn es sprach sie tatsächlich jemand an, der ihr helfen wollte. Es war fließendes Englisch, welches die Frau zu hören bekam, auch wenn ein wenig Akzent raus zu hören war, aber es war wie Musik für ihre armen Ohren. Am liebsten hätte sie den Mann geküsst, so sehr freute sie sich über die Tatsache, dass es doch noch jemanden gab, der ihr helfen wollte. Mit einem erleichterten Lächeln auf den Lippen blickte die Blondine zu dem Mann, der sie angesprochen hatte und musterte ihn kurz. Definitiv Japaner.. So viele, wie sie heute gesehen hatte.. Er glich genau ihnen, aber er hatte etwas interessantes an sich, etwas.. Anderes.
      "Ich wäre dir sowas von dankbar, wenn du mir helfen könntest", antwortete Rosanna und atmete kurz erleichtert durch. "Es ist mein erster Tag an der Uni hier.. Und nachdem ich irgendwie durchgeblickt habe was ich essen könnte versteht die Frau kein Englisch", erklärte sie recht schnell und deutete auf das Essen. "Könntest du ihr bitte bitte sagen, dass ich gerne die Nudelsuppe hätte.. Und das Sushi mit Lachs?". Ihre Augen blickten wieder zu dem Asiaten und sie schenkte ihm das schönste Lächeln, welches sie übrig hatte. Es war nie ein Problem für sie gewesen nach Hilfe zu fragen, aber da sie hier aussah.. Wie eine Fremde, was sie auch eigentlich war, wollte sie niemanden irgendwie belästigen.. Deshalb war der Mann hier eine wirkliche Erlösung für sie. Er konnte dafür sorgen, dass sie heute nicht verhungern würde.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • "Könntest du ihr bitte bitte sagen, dass ich gerne die Nudelsuppe hätte.. Und das Sushi mit Lachs?", bat sie mich mit einem Lächeln. Mit einem weiteren Blick über die Theke versuchte ich das Sushi mit Lachs zu finden, musste jedoch gleich schmunzeln. Etwas überrascht wandte ich mich wieder an die Studentin und versuchte, ein Grinsen zu verbergen: "Ich glaube, ich weiß, was du meinst, aber das Sushi ist mit Takaashigani, Fleisch der japanischen Riesenkrabbe. Es schmeckt zwar nicht schlecht, aber nur so lange, bis du ein Foto von diesen langbeinigen, Spinnenartigen Wasserwesen gesehen hast. wenn du dir wirklich sicher bist, bestelle ich dir das Sushi gern', aber ich wollte dich vorgewarnt haben. Takaashigani ist etwas.. speziell für Leute, die das nicht kennen, glaube ich." erklärte ich ihr und musste etwas grinsen. Nicht aus Schadenfreude, nein, es erinnerte mich einfach unheimlich an mich und meine ersten Erfahrungen in Norwegen, die in etwa ähnlich ahnungslos verlaufen waren. "Stattdessen kann ich dir die Gzoza empfehlen", schlug ich ihr vor und wartete auf eine Antwort, bis mir einfiel, dass sie vermutlich nicht wusste, was das war "Das sind japanische Teigtaschen", ergänzte ich hektisch und ärgerte mich insgeheim über mich selbst. Vermutlich hatte ich mich mir dieser Unterhaltung offiziell als merkwürdig und komisch geantwortet. Sie hatte mich schließlich darum gebeten, ihr beim Bestellen von etwas zu Essen zu helfen, nicht darum, ihr die gesammte Geschichte der japanischen Küche näher zubringen.
    • Rosanna

      Sie legte den Kopf ein wenig schief, als ihr erklärt wurde, dass das Sushi nicht mit Lachs war, sondern mit einem Fisch, oder eher einer Riesenkrabbe, welches scheinbar sehr speziell war für alle, die keine Ahnung hatten. Rosanna war nicht bereit Essen wegzuschmeißen, aber sie war irgendwie auch neugierig. Ihre Hände führte sie zu ihrem Handy, um es zu entsperren und den Namen in Google einzugeben, gleich darauf verzog Rosanna auch schon ihr Gesicht. Sie war definitiv noch nicht bereit dafür, so etwas zu essen, vor allem nicht.. Wenn es für nicht einheimische merkwürdig sein sollte. Sie steckte das Handy auch schon wieder weg, denn der Mann sprach weiter und schlug ihr statt des Sushi japanische Maultaschen vor. Der Blick der Blonden führte zu der Theke, sie entdeckte recht schnell die kleinen gefüllten Taschen und nickte, mehr für sich selbst, als für den Mann. "Okay, ich verzichte auf das Sushi, nachdem ich mir den Fisch angesehen habe", sprach sie und schmunzelte ein wenig, ehe sie zu dem Mann sah. "Oder eher die Riesenkrabbe". Meeresfrüchte und Fisch waren für sie kein Problem, aber für so etwas war sie einfach noch nicht bereit.
      "Aber ich würde die japanischen Teigtaschen nehmen.. Und die Nudelsuppe". Rosanna lächelte breit und vor allem sehr hoffnungsvoll. Sie erkannte ihr mögliches Problem bei der Dame hinter der Theke.. Vermutlich konnte sie mit dem Wort 'Lachs' nichts anfangen, es gab immerhin kein Sushi mit Lachs dort, aber der Retter in Not hatte die Blondine aufgeklärt. "Vielen herzlichen Dank.. Ich.. Wäre sonst sicherlich hungrig zu meinen weiteren Vorlesungen gegangen..". Immerhin war Rosanna nicht ganz sicher, ob die ältere Dame hinter der Theke überhaupt ein Wort Englisch verstand, oder es wirklich nur an dem nicht vorhandenen Gericht lag. Im England hätte sie den Mann dafür für einen Kaffee eingeladen, aber hier war es vermutlich nicht typisch so etwas zu tun, jedenfalls konnte es sich die Frau gut vorstellen. "Kann ich...mich irgendwie revanchieren für die Hilfe?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • "Klar, gern" antwortete ich und wandte mich der Frau an der Theke zu, die offensichtlich etwas überfordert unserer Konversation zu folgen versucht hatte. Ein wenig komisch kam ich mir schon vor, wie ich da, nur mit Löffel und Serviette in der Hand, stand und ein weiteres Essen bestellte. Mir war klar, dass sich so etwas meist bloß in meinem Kopf abspielte, aber dennoch hatte ich das Gefühl, alle anwesenden Leute würden mich, den Jungen, der sich Essen bestellt, um dann zur Theke zu gehen und ein weiteres zu bestellen, verständnislos angucken. "Vielen herzlichen Dank... Ich... Wäre sonst sicherlich hungrig zu meinen weiteren Vorlesungen gegangen" bedankte sie sich bei mir "Kann ich... mich irgendwie revanchieren für die Hilfe?" "Ach, kein Thema, hat mir ja schließlich auch kein Bein ausgerissen", meinte ich und lächelte "..Wenn du willst, kannst du dich zu mir setzen", fügte ich noch mit einem Blick zu meiner nun vermutlich nur noch lauwarmen Suppe, hinzu. "Mein Name ist übrigens Kaito". Irgendwie tat es gut, sich einbilden zu können, dass ich ihr helfen würde. Sie erinnerte mich einfach stark an mich selbst, wodurch ich vielleicht auch einfach etwas mehr Verständnis für ihre Situation und den damit verbundenen Fettnäpfchen hatte, als andere. Womit ich keinesfalls sagen wollte, das Andere generell kein Verständnis hatten, bloß hatte ich das alles auch schon mal erlebt.
    • Rosanna

      Ob sie in diesen zwei Semestern jemals so gut japanisch lernen wird, um sich selbst Essen bestellen zu können? Da zweifelte die Frau schon fast dran, denn auch wenn der Rest der Uni sehr offen für Englisch war und selbst die Beschriftungen in dieser Sprache neben den japanischen Zeichen zu sehen waren war die Dame in der Kantine schon ein klein wenig älter und damit konnte man sicherlich auch nicht erwarten, dass sie diese Weltsprache beherrschte.. Nun, wenn Rosanna ehrlich war, konnten ihre Großeltern auch nicht wirklich englisch, was erwartete man von ihnen auch schon, sie waren aus einer ganz anderen Zeit, da war so etwas einfach nicht normal.. Doch durch ihren Retter konnte die Brünette Essen bekommen, welches ihr sogar mit einem Lächeln auf einem Tablett serviert wurde. Mit einem höfflichen Nicken bedankte sich die Frau auch schon, während sie dazu eingeladen wurde sich zu dem jungen Mann zu setzen. Ein wenig überrascht blickte sie zu ihm, um gleich aber auch schon breit über das Angebot zu lächeln. "Ich bin Rosanna..",verriet sie dem Mann und nickte ihm zu, sie würde sich gerne zu ihm setzen, um nicht allein zu sein. "Aber.. Du kannst mich auch Rose nennen.. So nennen mich jedenfalls meine Freunde".
      Sie folgte dem Mann zu seinem Platz, an dem er ebenfalls eine Nudelsuppe stehen hatte, also hatte Rosanna keine so schlechte Wahl getroffen, da war sie schon ein wenig froh darüber. "Verrate mir bitte eines.. Wie kannst du so gut und vor allem fließend Englisch sprechen? Die anderen bemühen sich zwar, aber irgendwie.. hört sich deren Englisch ganz anders an". Da war sie sehr gespannt auf die Erklärung, während sie sich dem Mann gegenüber setzte und ihre Tasche neben den Stuhl stellte. Die Suppe roch gut, die Teigtaschen sahen auch verdammt gut aus, die stellte sie aber tatsächlich in die Mitte, um dem Mann was anzubieten. "Bedien dich ruhig..", er hatte ihr immerhin aus der Patsche geholfen, auch wenn es vermutlich gar nicht so groß gelobt werden musste, wie es die Frau tat, aber alle anderen hatten sie nur blöd angestarrt und sich vermutlich innerlich lustig darüber gemacht.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • "Rose... schöner Name", stellte ich fest. Am Tisch angekommen setzte sie sich mir gegenüber und stellte die Teigtaschen zwischen uns. "Verrate mir bitte eines.. Wie kannst du so gut und vor allem fließend Englisch sprechen? Die anderen bemühen sich zwar, aber irgendwie.. hört sich deren Englisch ganz anders an", fragte Rose. Der Geruch des Essens stieg mir in die Nase und ließ mir das Wasser im Mund zusammen laufen. Klar, es war nur Mensaessen und damit vermutlich nur, wenn überhaupt, durchschnittlich, dennoch wurde mir in diesem Moment noch ein weiteres Mal bewusst, was ich alles vermisst hatte. Im Vorbeigehen hatte ich uns auch ein Töpfchen Soße mitgenommen, die zu den Teigtaschen phänomenal passte. "Sesamsoße" erklärte ich, als ich das Töpfchen neben den Teller mit Teigtaschen stellte und den Deckel entfernte.
      "Ähm.. mein Englisch?", antwortete ich schließlich: "Mein Vater arbeitet als Projektmanager und hat damals ein Job-Angebot für Norwegen bekommen. Da ich aber zu dem Zeitpunkt kein Wort norwegisch gesprochen habe, bin ich auf eine internationale Schule gekommen, wo wir halt Englisch geredet haben. Über die Jahre konnte ich mich dann zwar auf norwegisch verständigen, und beispielsweise.. einkaufen gehen, aber für einen Besuch an einer norwegischen Schule hat es einfach nicht gereicht, weshalb ich auf der Internationalen geblieben bin. Zu mal die gar nicht so schlecht war.", erklärte ich und nahm etwas Suppe zu mir. Lauwarm, aber wirklich nicht schlecht, dachte ich, und wandte meine Aufmerksamkeit wieder Rose zu. "Und du? Was hat dich nach Japan verschlagen?", grinste ich.
    • Rosanna

      Rose.. Es klang aus seinem Mund so ganz anders, als es ihre Mutter sonst immer sagte, aber daraufhin lächelte die Frau nur, ehe sie sich eine der Teigtaschen nahm, um sie in die Sesamsoße zu tunken, die mitgebracht wurde. Rosanna biss rein, während ihre Augen den Mann vor sich musterten, der davon sprach, warum sein Englisch so gut war. Aus Norwegen kam er, jedenfalls wohnte er dort vorher und durch die internationale Schule war sein Englisch auch so gut, okay, das ergab schon Sinn! Wobei Norwegen sicherlich auch ein sehr wunderschönes Land war.. Sie wollte am liebsten so viel sehen! Aber Japan war auch gut..
      Die Brünette kaute noch auf der Teigtasche herum, während sie gefragt wurde, was sie hier her verschlagen hatte. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen. "Ich wurde von der Universität für meine guten Noten belohnt.. Und da sich meine Eltern diesen Austausch hier her nicht leisten konnten habe ich die Möglichkeit bekommen zwei Semester hier in Japan zu verbringen, solange ich für die Uni ein paar Berichte darüber schreibe, was mich hier erwartet hat und wie ich es fand..", sie lächelte noch breiter und griff zu dem Löffel für die Suppe. "Ich will die Welt sehen und Japan ist schon ein ziemlich weit entferntes Land mit einer völlig fremden Kultur, da habe ich die Möglichkeit gern genutzt.. Auch wenn ich kein Wort japanisch spreche und keine Ahnung von dieser Kultur hier habe". Aber sie war ja hier, um es kennenzulernen und um damit klar zu kommen. "Aber eigentlich.. habe ich erfahren, dass ich gut mit Englisch hier klar komme.. Nur gucken alle so merkwürdig, wenn ich englisch spreche, als würde ich etwas falsch machen".
      Rose zuckte mit ihren Schultern und nahm etwas auf den Löffel drauf, um die heiße Suppe zu probieren. Es war ganz anders, als die Suppen, die sie von Zuhause kannte, aber sie war nicht schlecht. "Ich mag jetzt schon das Essen hier!". Da blickte sie kurz hoch, um den Mann zu mustern. "Was studierst du denn?".
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Teigtaschen waren auch okay, auch wenn sie ein wenig nach Tiefkühlkost schmeckten. Heute Abend, schwor ich mir, würde ich wieder auf einem der Märkte essen. "Von der Uni belohnt.. Respekt", sagte ich. Ich war nie besonders schlecht gewesen, aber besondere Auszeichnungen, oder gar Belohnungen.. das würde ich vermutlich nie schaffen. Ich versuchte, mein Gewissen damit zu trösten, dass man eine Uni in Japan keines Falls Eins zu Eins mit einer Uni in anderen Ländern vergleichen konnte, doch ganz überzeugen konnte ich mich selbst nicht. Auch in anderen Ländern würde ich nie herausragen... zumindest nicht mit meinen fachbezogenen Leistungen. "Ich will die Welt sehen und Japan ist schon ein ziemlich weit entferntes Land mit einer völlig fremden Kultur, da habe ich die Möglichkeit gern genutzt.. Auch wenn ich kein Wort japanisch spreche und keine Ahnung von dieser Kultur hier habe", fuhr sie fort. "Wenn du willst, kann ich dir ein wenig helfen. Die Kultur ist gar nicht mal so anders.. okay, anders vielleicht schon, aber man lernt es schnell, und dann kommt es einem nicht mehr anders vor sondern.. einfach normal." Ich grinste, als sie weiterredete "Aber eigentlich.. habe ich erfahren, dass ich gut mit Englisch hier klar komme.. Nur gucken alle so merkwürdig, wenn ich englisch spreche, als würde ich etwas falsch machen", "also, ich würde sagen, solange man.. ich weiß nicht.. an der Oberfläche kratzt, sagt man das so bei euch? kommt man mit Englisch ganz gut voran, aber dann lernt man Japan auch nicht vernünftig kennen. Ich meine, sobald man sich aus den Stadtzentren bewegt und in die etwas kleineren Gassen kommt, sollte man sich schon verständigen können auf japanisch. Was insofern schade ist, als dass sich die eigentliche Kultur in dem Sinne, eben bloß dort abspielt, wo keiner Englisch kann, eben dort, wo kaum ein Tourist hingeht." meinte ich. "Schmeckt dir denn das Essen?", fügte ich noch hinzu. Ich durfte nicht immer anfangen, solche Monologe zu führen, schließlich interessierte das keinen und war zudem auch maximal unhöflich. Ich war eben nicht ihr Reiseführer.
    • Rosanna

      Der Mann sprach viel.. Aber es war gar nicht so schlimm gewesen.. Mit einem breiten Grinsen auf den Lippen betrachtete Rosanna den Mann und musste feststellen, dass sie doch etwas gemeinsam hatten. Er sprach außerdem davon, dass er ihr helfen könnte die Kultur kennen zulernen und auch davon, dass man diese auch nur wirklich kennen lernen konnte, wenn man in die Teile reiste, die nichts wirklich von Englisch kannten. Die Brünette seufzte, während sie sich der Nudelsuppe gewidmet hatte, um zu essen, während ihr Gesprächspartner gesprochen hatte. "Es ist ungewohnt", gab sie ehrlich zu , nachdem die Frage gekommen war, ob das Essen schmeckte. "Aber ich finde es gar nicht so schlecht.. vor allem die Suppe hier ist wahnsinnig gut..". Auch wenn es fremd war, aber so etwas konnte gerne zu ihren Lieblingsgerichten gehören, wenn das überall so gut schmeckte..
      "Ich würde aber wahnsinnig gerne die Seite der Stadt kennen lernen, die die wahre Kultur ausmacht". Dafür brauchte Rosanna die Hilfe des Mannes, er hatte aber auch genau diese angeboten. So etwas hatte sie nicht erwartet, vor allem hatte sie eher Sorge gehabt, dass sie sich verlaufen und danach nie wieder aus ihrer Wohnung gehen würde, nur noch für die Uni und den kleinen Einkauf.. Ja, Einkauf war auch wahnsinnig schwierig, auf was hatte sich die Brünette hier überhaupt geeinigt...? Sie seufzte innerlich, blickte aber wieder zu dem Mann nach oben, um ihn im Gesicht zu mustern. "Ich würde auch wahnsinnig gerne mehr von deinen Tipps und deinem Wissen wissen.. Ich meine, das ist noch besser, als würde ich mir einen Reiseführer besorgen.. Und.. Weiß nicht.. Hast du Lust mir ein wenig was zu zeigen?". Jetzt war natürlich die Frage, wie offen und vor allem wie bereit der Mann dazu war, ein paar Stunden mehr mit der Brünetten zu verbringen.. Japaner waren da ein klein wenig zurückhaltend, jedenfalls hatte Rosanna genau das gelesen, aber da der Mann doch in Europa groß geworden ist, könnte es vielleicht doch gar nicht mal so schlecht werden?
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • "Ungewohnt.. ja, das kann ich mir vorstellen", antwortete ich während ich mir eine Weitere Teigtasche nahm und sie in die Soße tunkte. "Ich war früher total überfordert mit der europäischen Küche. Alleine schon diesen Messer-Gabel-Quatsch", mit gespielter Entrüstung schüttelte ich den Kopf: "habe ich nie verstanden. Das ist doch total unpraktisch.." "Aber ich finde es gar nicht so schlecht.. vor allem die Suppe hier ist wahnsinnig gut..", meinte sie. "Hmm", erwiderte ich "das beste Essen gibt es wohl an den Ständen, die faktisch überall zu stehen scheinen.. jedenfalls ist da das Essen am authentischsten. Warst du eigentlich schon mal in einem 7-Eleven?" vorsichtig ließ ich etwas Soße zurück in den Topf tropfen und führte die Teigtasche in einer schnellen Bewegung zu meinem Mund, um nicht mit der Soße zu kleckern. Ob Tiefkühlkost oder nicht. Es schmeckte einfach nach Heimat. "Ich würde aber wahnsinnig gerne die Seite der Stadt kennen lernen, die die wahre Kultur ausmacht", meinte sie. "Ich würde auch wahnsinnig gerne mehr von deinen Tipps und deinem Wissen wissen.. Ich meine, das ist noch besser, als würde ich mir einen Reiseführer besorgen.. Und.. Weiß nicht.. Hast du Lust mir ein wenig was zu zeigen?
      Das überraschte mich ein wenig, doch würde ich die Frage gerne bejahen. Durch meine langen Abwesenheiten hatte ich bloß wenige Freunde hier in der Stadt, mit den meisten hatte ich einfach schon längst keinen Kontakt mehr, aus den Augen, aus dem Sinn. Dadurch fühlte ich mich oft einsam, ein wenig Ablenkung konnte da nur gut tun, zumal ich für Rosanna fast schon eine geschwisterliche Zuneigung und Fürsorge empfand. Mir war bewusst, dass das albern war, sie war erwachsen und selbstständig genug, in einer fremden Stadt zu leben, und doch hatte ich das Bedürfnis, sie ein wenig unter meine Fittiche zu nehmen.
      "klar, gerne" antwortete ich also schließlich: "Ich hatte vor, mich heute Abend an den Ständen verpflegen und müsste noch mal schnell was einkaufen. Wenn dich das nicht stört, kannst du gerne mitkommen, sonst.. ach, egal, einkaufen kann ich auch morgen noch. Ach, ich studiere übrigens Rechtswesen, und du?"
    • Rosanna

      "7-Eleven?", fragte die Brünette direkt, bevor sie von der Suppe aufsah, um den Mann zu mustern. So etwas hatte sie noch nicht gehört gehabt, deshalb war sie umso neugieriger, was sich unter diesem Namen versteckte. Ein Laden? Ein Restaurant? Ein Einkaufszentrum? Aber alles andere, vor allem das mit dem Essen an den Ständen, klang richtig richtig gut, Streetfood war auch im Amerika die beste Möglichkeit, um einfach andere Kulturen von der anderen, besseren Seite zu kennenzulernen. Doch Rosanna hatte auch danach gefragt, ob der Japaner nicht vielleicht die Lust hatte sie ein wenig rumzuführen, ihr was zu zeigen.. Für einen Moment war die Sorge in ihr da, er könnte vielleicht zu schüchtern dafür sein, es ablehnen, aber die Sorgen waren tatsächlich umsonst gewesen, denn Kaito schien sich über den Vorschlag zu freuen. "Ich müsste auch einkaufen!", das passte natürlich super gut. "Äh.. Ich habe es gestern Abend selbst versucht, aber.. Das ist verdammt schwierig.. Und ich würde mich freuen, wenn ich mich an deine Fersen heften kann". Das würde wunderbar werden! Damit gab es einige Möglichkeiten, die für die Brünette jetzt offen standen und sie war froh, dass sie so den kleinen Kühlschrank in der kleinen Wohnung füllen konnte. "Und Street food ist eine super Möglichkeit.. Ich habe bis drei Vorlesungen.. Wie lange musst du noch?". Der Mann war süß, er sah auch an sich gar nicht so schlecht aus, aber Rosanna war auch nicht auf der Suche nach einem Partner, sie wollte Freunde finden und dafür kam Kaito wirklich in Frage. Er fragte auch schon.. Was sie studierte, da lächelte die Frau wieder, während sie zu einer der Teigtaschen griff.
      "Ich studiere Jura.. Möchte Staatsanwältin werden.. Aber das liegt noch weit in der Zukunft". Sie war dennoch sehr daran interessiert und wir es aussah, passten ihre beiden Studiengänge zusammen. "Studierst du auf Japanisch, oder englisch?", fragte Rosanna noch, bevor sie in die Teigtasche rein biss.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."