Sinners be... [Eari feat. Pumi]

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Sinners be... [Eari feat. Pumi]

      Vorstellung -> Sinners be... [Eari feat. Pumi]






      Das Leben der Menschen was so vielfältig. Rick war in seiner Zeit mit der Kirche vielen begegnet, die er nicht für religiös gehalten hätte. Es bestätigte ihn nur noch mehr in seiner Entscheidung, Priester zu werden. Sein Großvater wäre stolz auf ihn.
      Die Tatsache, dass er jetzt raus aufs Land ziehen sollte, war ihm ursprünglich übel aufgestoßen. Aber jetzt sah er es als Gelegenheit. Alles, was er über das Landleben wusste, bestand aus Vorurteilen aus dem Fernsehen. Die Kirche hatte ihn gelehrt, dass Menschen so unterschiedlich wie Schneeflocken waren. Also würde er mit offenem Herz und offenem Verstand an die Sache rangehen. Und ein bisschen Abstand zu seiner geliebten Großstadt würde ihm sicher gut tun. Frische, unverpestete Luft tat sicher auch mal gut.

      Am Tage seiner Abreise nahm sich sein Mentor die Zeit, mit ihm zu Mittag zu essen. Der alte Priester hatte ihn in dieser Schicksalhaften Nacht in der Kirche gefunden und ihn dann den gesamten Weg bis zur Weihe begleitet.
      "Ich habe schon einige auf diesem Weg begleitet, aber du bist der Erste, der mir so ans Herz gewachsen ist", sagte der alte Mann.
      "Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch niemand so verloren ausgesehen hat, wie ich", entgegnete Rick.
      Er war verloren gewesen. Er hatte den Gipfel seiner Karriere bereits erreicht, jeden Tag machte er das Gleiche und hin und wieder...
      "Das ist wahr. Aber wenn du mich fragst, sind die verlorenen diejenigen, die am besten helfen können. Denn sie haben den Weg aus der Dunkelheit bereits gefunden. Jetzt können sie andere anleiten."

      Sie unterhielten sich noch eine Weile über alles mögliche, aber vor allem über die Kleine Stadt, in die Rick nun ziehen würde. Laut seinem Mentor ein ruhiges Örtchen, mit kaum Auseinandersetzungen. Allerdings würde er wohl die einzige Kirche für ganze fünf solcher Städte leiten, was aus den üblichen Sonntagsmessen ganze Feierlichkeiten mitsamt Picknick und BBQ machte. Ein Konzept, dass Rick erstmal in seinen Kopf bekommen musste.

      Am Abend packte Rick das bisschen Besitz, dass er noch hatte. Tatsächlich lebten Priester nicht hinterm Mond. Er hatte ein Smartphone, einen Laptop, normalsterbliche Kleidung. Er war ein stinknormaler Bürder dieses Landes. Mit viel schwarz und einem weißen Hemdkragen im Kleiderschrank.
      Am darauffolgenden Morgen dann setzte er sich ins Taxi znd fuhr diesem neuen Abschnitt seines Lebens entgegen.

      Die Stadt war wirklich klein. Zwischen einer Ansammlung von Häusern, die sich an eine Hauptstraße reihten und sich dann ein bisschen verteilten um Platz für die geoßen Gärten zu machen, lagen Hektar an Feldern. Manchmal waren da Pferde, manchmal Kühe, sogar ein paar Schafe und Ziegen. Hier draußen erinnerte alles an die alten Westernfilme. Rick mochte es. Zeitgleich vermisste er aber auch das Grau seiner Heimat.
      Das Taxi ließ ihn vor der alten Kirche raus. Im Gegensatz zu den Kirchen, die er gewohnt war, handelte es sich hier nicht um ein architektonisches Meisterwerk aus Stein 6nd Marmor. Stattdessen sah er sich einem instabil wirkenden Gebilde aus Holz gegenüber, dessen weiße Farbe sich bereits verabschiedete. Sofort fühlte sich Rick in allem bestätigt, was er über solche Orte wusste. Er nahm sich eine Sekunde, um diese Gedanken zu verscheuchen, dann sah er sich sein neues Domizil von innen an.
      Nichts besonderes, bloß ein paar alte Kirchenbänke, eine kleine Bühne mit aeinem Rednerpult. Hier war ursprünglich einmal Liebe zum Detail hineingeflossen, aber davon war kaum noch etwas übrig geblieben.
      "Form folgt Funktion", murmelte Rick, während er durch den großen Raum wanderte.
      Vor seinem inneren Auge bildeten sich bereits neue Details. Angeblich war diese Gemeine sehr motiviert, was ihren Glauben anging. Rick würde sich also auf deren Hilfe besinnen, um diese Kirche wieder flott zu machen. Ein richtiges kleines Projekt für ihn. Das war genau das richtige, nachdem er sich jetzt nicht mehr auf seine Weihe vorbereiten musste. Rick war einer dieser Menschen, die immer etwas zu tun brauchten, sonst drehten sie durch.
      Schritt eins war klar: sauber machen. Die Staubschicht auf den Bänken war praktisch eine Beleidigung. Genauso wie die alten, getrockneten Spuren von schlammigen Stiefeln.
      Rick suchte sich die Wohnung, die Teil der Kirche war und jetzt sein neues Zuhause war. Er stellte seine Sachen schnell ab, dann durchsuchte er den Rest der Kirche. Die Abstellkammer war schnell gefunden und schon stand er mit einem Besen auf der kleinen Trwppe vor der großen Tüe und kehrte das Holz, um den Staub und den sand loszuwerden. Die Sonne war nicht zu aggressiv, es war ja aber auch erst elf Uhr. Er würde heute noch nach einem Lebensmittelgeschäft Ausschau halten müssen, wenn er etwas essen wollte. Die Liste wurde immer länger. Aber nach Stunden auf der Rückbank eines Autos wollte er erstmal ein bisschen herumlaufen und Blut in seine Beine bekommen.
      Während er in der Vormittagssonne seine neue Kirche fegte und die weitläufige Grasfläcze betrachtete, die zum Grundsrück gehörte, da wusste er, dass er da war, wo er sein sollte. Keine negativen Gedanken, eine unbestimmte Zukunft und ein vielversprechendes neues Projekt. Rick wusste, dass Glück eine temporäre Angelegenheit war und man jeden Tag dafür arbeiten musste. Aber jetzt, heute, da war er glücklich.


    • Ash stand in einiger Entfernung vor der Kirche und neuen Heimat seines Projekts. Wenn er es wollte, dann fiel er den Menschen nicht mehr auf als eine Ameise, andererseits konnte er die Aufmerksamkeit aller auch in einer Sekunde auf sich ziehen. Selbst in dieser Nachahmung eines menschlichen Körpers, die er angezogen hatte wie ein Kostüm.
      Es dauerte nicht lange bis das Objekt seiner Begierde aus einem Taxi stieg und die Kirche betrat, die Ash blendete als ob er direkt in die Sonne starren würde. Obwohl diese Kirche alt und schäbig war, schien der Glauben der Bevölkerung in diesem Gebiet sie besonders stark mit Licht zu füllen, das bedeutete für Ash aber nur noch mehr Spaß. Wer auch immer die Seele dieses Menschen vor ihm gerettet hatte, der würde am Ende mit den Seelen all derer zahlen, die Ash während seiner selbstauferlegten Mission traf. Und das für die Seele eines Mannes, der den ersten seiner Morde ganz ohne den Dämon Asmodeus begangen hatte.
      Und für die Frechheit, nach all der Zeit die Rick mit Ash - wenn auch unwissentlich - verbracht hatte, ausgerechnet ein Priester zu werden, dafür würde Ash diesen Mann auch noch einmal zusätzlich bestrafen. Er blickte mit Freude einer langen Zeit mit Rick entgegen, in der er seine Seele Stück für Stück zurückerobern würde, bis nichts Gutes mehr in ihm blieb. Und wenn ein Dämon der so lange lebte wie Ash von einer langen Zeit sprach, dann meinte er eine lange, lange Zeit.


      Der Dämon sah dem Priester noch ein wenig zu, dieser verschwand für ein Weilchen und kam dann wieder, um anzufangen die Kirche auf Vordermann zu bringen. Ash hatte sich genug an seinen Fantasien bezüglich dem was er mit diesem Mann anstellen würde gewidmet und setzte sich langsam in Bewegung, um zum ersten Mal mit dem jungen Priester zu sprechen. Er war schon lange nicht mehr in eine menschliche Form geschlüpft, aber diese Seele brauchte mehr als nur ein leises Flüstern um sie wieder zu dem werden zu lassen, was sie einmal war. Ash würde alle Geschütze auffahren und alle Schwachstellen eines menschlichen Herzens ausnutzen müssen um überhaupt wieder Zugang zu diesem Menschen bekommen zu können. Es war als hinge ein riesiges Vorhängeschloss aus purem Licht vor Ricks Seele, aber das würde Ash nicht lange aufhalten können.

      - Freundschaft-

      Es gibt Allernächste, die bringen ins Verderben,
      und es gibt Freunde, die hangen fester an als ein Bruder.



      Ash stapfte auf die Kirche zu und verzog die Mundwinkel. Er hatte diese Gebäude noch nie verstanden und wenn es schon irgendetwas für Gott sein sollte, warum gab er sich dann mit so einem schäbigen Ding zufrieden? Die großen Kathedralen waren bis auf das blendende Leuchten wenigstens hübsch, aber das hier galt ja schon fast einer Beleidigung. Aber was wusste Ash schon, womöglich war er auch nur voreingenommen und zur Zeit ein wenig angepisst, dass jemand seine Seele gestohlen hatte.
      Kurz bevor er allerdings in die Sichtweite des Menschen geriet, setzte Ash ein freundliches Lächeln auf und winkte sobald der Priester aufsah. Ein paar Schritte weiter und er stand vor dem zugeknöpften Mann und begrüßte ihn in der Stadt.
      "Guten Tag! Uns wurde schon gesagt, dass ein neuer Priester kommt. Willkommen!", lächelte Ash aufrichtig. Er hatte hier schon einige Vorbereitungen getroffen. Er hatte eine Bleibe, ein paar 'Freunde' und der Rest dieses kleines Dörfchens kannte ihn ebenfalls bereits. Seit einem Monat war er nun hier und baute sich eine Geschichte zusammen, die er ausspielen konnte, um an den Priester heran zu kommen. Alles Low-Profile natürlich, er brauchte niemanden der hier herum schnüffelte, egal ob Mensch oder nicht. Ash streckte dem Mann lächelnd die Hand entgegen um ihn zu begrüßen.
    • Rick sah sich schon jeden Montag hier stehend, den Besen in der Hand. Die Auffahrt war nicht befedtigt und jedes Auto, jeder Schritt würde den Kies aufwirbeln und die Stufen hinauf in die Kirche tragen. Aber das war in Ordnung. Ein bisschen Beständigkeit tat jedem gut.
      Während er den Dreck der vergangenen Wochen beseitigte, überprüfte er auf die Schaniere der alten Tür und einige der Bretter, die unter seinem eigenen Gewicht bereits ein wenig nachgaben. Er machte sich eine gedankliche Notiz, die Stützbalken zu überprüfen. Das letzte, was er brquchen konnte, war dass das Dach während der Messe einstürzte. Auf ihn wartete einiges an Arbeit...
      Als er hörte, wie jemand den Kiesweg entlang kam, hob er den Blick. Vor ihm stand ein Mann in etwa seinem Alter. Für einen Augenblick fragte er sich, was so jemand an einem Ort wie diesen machte. Er wirkte eher wie jemand, der in der Großstadt lebte. Aber irgendwie passte er auch hier her. Noch dazu hatte er etwas an sich, dass ein Gefühl der Vertrautheit in ihm weckte. Verwirrend.
      "Guten Tag! Uns wurde schon gesagt, dass ein neuer Priester kommt. Willkommen!"
      Rick lächelte freundlich, lehnte den Besen an die Wand und schüttelte den Mann die Hand.
      "Danke. Ich shatte nicht damit gerechnet, dass soch tatsächlich jemand für meine Ankunft interessiert", erwiderte er, "Rick Warren, übrigens. Freut mich, Sie kennen zu lernen."


    • Als Ricks Hand die von Ash berührte fühlte es sich an, als würde sein Körper ihn regelrecht abstoßen. Für einen niederen Dämon wäre das vielleicht sogar ein Problem gewesen. Nicht für ihn, ein seltsames Kribbeln war das Einzige, das noch in seiner Hand nachhallte. Vielleicht war er auch nur diesen Körper noch nicht gewohnt, denn wie konnte es sein, dass dieser Mann ihm so Fremd war, als ob er ihn nicht jahrelang begleitet hätte wie ein Schatten. Er antwortete etwas verzögert.
      "Oh machen Sie sich keine Sorge. Die Gemeinde ist sehr freundlich und sie freuen sich auch bestimmt über etwas frischen Wind. Als ich hier ankam hat man mir nach etwa einer Stunde schon Kuchen vorbei gebracht."
      Das war nicht mal gelogen. Nachdem Ash mit falscher Identität hier her gekommen war und sich ein kleines, süßes Häuschen zugelegt hatte, da hatte es wirklich nach einer Stunde an der Tür geläutet. Und er hatte tatsächlich Kuchen bekommen. Er aß selten, aber die Menschen wussten schon was sie da taten. Die unendliche Freundlichkeit hier war allerdings zum Kotzen.
      "Naja, dann viel Erfolg hier. Falls sie etwas brauchen, sagen Sies einfach, ich habe einen kleinen Werkzeugladen in der Stadt.", damit wollte Ash sich vorerst verabschieden. Er wollte nicht aufdringlich sein und es brachte auch nichts, sich in Ricks Leben zu drängen, er musste ihn selbst herein lassen. Der Laden existierte wirklich, hauptsächlich um mit allen möglichen Leuten hier in Kontakt zu kommen, er hatte auch schon das ein oder andere Haus betreten um etwas zu reparieren. Er kannte jetzt schon genügend Geheimnisse um hier ordentlich Chaos stiften zu können, die Leute erzählten nicht nur ihrem Friseur allerhand. Vorerst begnügte Ash sich aber damit abzuwarten.
    • Rick war nicht zwangsläufig einer von diesen Priestern, die an Zeichen Gottes glaubten. Dafür war er zu pragmatisch. Aber dass dieser Mann ausgerechnet einen Werkzeugladen hatte... Er schmunzelte anhand dieses kosmischen Zufalls.
      "Dann werden wir uns wohl noch öfter sehen", antwortete er, " Die Kirche hier kann ein paar Ausbesserungen vertragen."
      Um seine Worte unterstreichen trat er auf eines der Bretter, das gefährlich nachgab. Das war wirklich eine Gefährdung der Öffentlichkeit.
      Es war klar,dass der Mann nur kurz hatte Hallo sagen wollen. Wahrscheinlich machte er gerade Mittagspause und wollte schnell weiter.
      "Auf bald dann", verabschiedete Rick den Handwerker und griff wieder nach seinem Besen.
      Freundliche Menschen, draußen auf dem Land. Es war wirklich so, wie er sich die Sache vorgestellt hatte. Jetzt hatte Rick noch eine Woche Zeit, alles ein bisschen aufzuhübschen und Bekannschaften zu schließen, ehe seine erste Messe anstand. Schreiben musste er sie nicht mehr. Aus lauter Langeweile hatte er sie auf dem Weg hier her geschrieben.

      Rick fegte gleich die ganze Kirche durch. Danach entfernte er zumindest den oberflächlichen Staub von den Bänken, bevor sein Magen so laut knurrte, dass er sich doch auf den Weg in die Stadt machte. Er würde viel laufen, so viel stand fest. Vielleicht sollte er sich ein Fahrrad oder sowas beschaffen. In Chicago hatte er immer die Hochbahn genommen, aber an sowas war hier draußen gar nicht zu denken.
      In der Stadt fand er ein kleines Diner, in das er sich setzte. Der Handwerker von vorhin hatte recht gehabt: hier waren wirklich alle sehr freundlich. Erst erkannten die Anwesenden ihn nur als einen Neuankömmling, doch dann dämmerte es einigen, dass sie einen neuen Priester erwarteten. Kurz darauf war er bereits zum Essen eingeladen worden und saß mit gleich vier Männern aus dem Ort an einem Tisch. Viele versicherten ihm, dass sie am Sonntag zur Messe kommen würden.
      Während er aß, verfolgte Rick mehrere Gespräche der Anwesenden, die voller Eifer ein BBQ für nach der Messe organisierten. Die Herzlichkeit der Menschen hier erwärmte sein Herz. Und bevor er gehen konnte, drückte ihm jemand einen Kuchen in die Hand.

      Den Rest des Tages verbrachte Rick damit, die Kirche zu putzen. Unter der dicken Dreckschicht verbargen sich tiefe Wunden, die das Gebäude über die Jahre davon getragen hatte. Sein Tagesplan für den Dienstag beinhaltete also als erstes eine kleine Einkaufstour durch einen Lebensmittelladen und einen Handwerkerladen. Wahrscheinlich würde er zweimal gehen, die Kirche war wichtiger.
      Nach stundenlanger, gerechter Arbeit, kam Rick endlich dazu, sich ein bisschen in der kleinen Wohnung breit zu machen. Nur eine Stunde später fiel er jedoch wie ein nasser Sack ins Bett. Er würde richtige Arbeiterhände haben, wenn er hier fertig war. Seine zarten Buchhalterhände würden sich sicherlich beschweren.


    • Ash lächelte dem Priester noch einmal zu als würde er sich einfach nur freuen, einen neuen besten Kunden zu haben. Dann schlenderte er davon und zurück in seinen Laden. Er rechnete heute nicht mehr mit Rick und auch sonst nicht mit viel Arbeit. Ein paar Kunden hatte er, die etwas kauften und wieder verschwanden. Natürlich nicht ohne ein wenig Smalltalk mit Ash zu führen. Er hatte nichts dagegen, er war gut darin zu lesen, was Menschen hören wollten, sonst hätte er sie ja niemals so gut beeinflussen können. Er hörte natürlich auch von dem neuen Priester, der so nett aussah, aber auch so jung. Er würde frischen Wind in die Kirche bringen, er war unerfahren, ganz schön süß,... es gab viele Meinungen und Ash legte keinen Wert auf eine Einzige. Er wusste wer Rick in Wahrheit war, er kannte ihn und er würde ihn zurück holen.

      Am nächsten Tag machte Ash den Laden früh auf, er rechnete damit, dass Rick immer noch ein Frühaufsteher war. Der Dämon musste sagen, dass er dem Job eines Buchhalters genauso wenig abgewinnen konnte, wie dem eines Priesters, aber es konnte ja nicht jede Seele perfekt sein. Und abgesehen von seiner Berufswahl war sie es ja gewesen. Wo war nur der Drang hin der Rick zu seinen Taten geführt hatte? Zorn war nur eine Ausrede gewesen, da lag etwas tiefer in ihm, das nicht von Ash hervorgerufen wurde.
      Ash blickte auf als die kleine Glocke über der Tür läutete. Er lehnte auf seinem Tresen, stützte den Kopf auf und sah zur Tür. War Rick hier? Er klang schon fast wie ein Mensch wenn er so dachte.
      Der Laden war in einem alten Haus errichtet worden, keine Neonröhren zur Beleuchtung oder dergleichen, da war Ash vielleicht altmodisch, aber er mochte dieses weiße Licht nicht. Stattdessen war der Boden aus Holz geblieben und die elektrischen Lampen verströmten ein gemütliches Licht. Auch seine Regale waren nicht aus Metall an denen die Werkzeuge hingen, er fand so hatte auch alles einen gewissen ländlichen Charme.
    • Es zahlte sich aus, ein Frühaufsteher zu sein, wenn man Teil der Kriche war. Trotz der Erschöpfung, die ihn noch am Vorabend überkommen hatte, stand Rick bereits um sechs auf. Er gönnte sich den Kuchen zum Frühstück, den er gestern bekommen hatte, dann ging er den Tag an. Als erstes packte er fertig aus und hängte schnell alles ans Internet, was ans Internet musste. Das war schnell getan, es folgte eine sehr lange To-Do-List für die Woche, die er dann aufteilte in Dinge, die er heute würden erledigen wollen. Nachdem er das Ausmaß der Schäden an der Kirche gesehen hatte, war er sich sicher, dass er das ohne Hilfe keinesfalls hinbekommen würde. Wie passend, dass er den örtlichen Handwerker schon kennengelernt hatte.

      Gegen halb neun fand Rick den kleinen Laden. Er hatte eine Liste angefertigt mit den Dingen, die repariert werden mussten. Im Idealfall würde er den Besitzer dazu kriegen, selbst ein Auge auf alles zu werfen. Ein geübter Blick würde sicherlich mehr entdecken.
      "Guten Morgen", grüßte er, "ich hoffe, es ist noch nicht zu früh, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen?"


    • Es war Rick. Ash richtete sich auf und schenkte dem Priester ein freundliches Lächeln. "Morgenstund hat Gold im Mund", zitierte er und blickte auf die Liste in Ricks Hand. "Dann zeigen sie mal her was Sie brauchen." Er nahm die Liste entgegen und warf einen kurzen Blick darauf. Werkzeuge und ein wenig Holz, nichts worauf er nicht vorbereitet wäre. Er wusste, dass dir Kirche einiges an Arbeit brauchte und er konnte das alles reparieren. Er hatte einen gesamten Tempel gebaut, eine kleine Kirche war kein Problem. Es war zwar ironisch, dass ein Dämon eine Kirche reparierte, aber was tat man nicht alles für eine Seele wie Ricks. Die Arbeit würde eine perfekte Gelegenheit sein, etwas über Rick zu erfahren. Vielleicht erzählte er ihm sogar warum er ausgerechnet Priester werden musste, aber er dachte schon wieder zu weit voraus.
      "Das ist eine Menge. Aber ich sollte alles hier haben. Kommen Sie auch alleine klar?", fragte er und ging schon um den Tresen herum, um ein paar Sachen aus den Regalen einzusammeln.
    • Rick hatte eine Sache in seinen Jahren bei der Kirche nicht aus seinem Kopf kriegen können: den Buchhalter. Teil seines vier zu gut bezahlten Jobs war es gewesen, das Einkommen von Läden wie diesem zu maximieren, wenn er sie nicht gerade in größere Konzerne eingliedern sollte. Es wunderte ihn also nicht, als sein Hirn sofort sie ineffizienten Stellen ausmachte und ihm Verbesserungsvorschläge durch den Kopf schossen. Was er allerdings in den letzten drei Jahren gelernt hatte war, wie er diese Gedanken zum Schweigen bringen konnte. Das war nicht mehr seine Aufgabe.
      Stattdessen reichte er dem Ladenbesitzer die Lister der nötigen Reperaturen.
      "Ich sollte das meiste allein hinbekommen, aber bei einigen Dingen würde ich ein geübtes Auge zu schätzen wissen. Ich will nicht, dass irgendjemand von einer Kirche angegriffen wird."
      Ein leises, vielleicht etwas unsicheres Kichern folgte. Es gab einen Grund, warum Rick all die Jahre lieber mit Zahlen als mit Menschen verbracht hatte. Vielleicht auch mehr als einen.
      "Das Gebäude scheint nicht mehr allzu gut in Schuss zu sein. Sie erledigen nicht zufällig auch Malerarbeiten mit wetterresistenter Farbe?"


    • "Von einer Kirche angegriffen?", wiederholte Ash grinsend, dieses Mal war es sogar ein ehrliches. "Das ist eine seltsame Wortwahl, aber gefällt mir. Keine Sorge, ich kann so ziemlich alles reparieren, bauen und auch streichen, sofern der Preis stimmt...nichts für ungut." Ash konnte Rick sogar eine Kopie des Deckengemäldes der sixtinischen Kapelle auf seine Decke malen, gut eine Miniaturversion, die Kirche war ein wenig klein dafür. Als ob ein einfacher Mensch damals das Gemälde alleine gemalt hätte... vor Allem so ein eingebildeter, fauler Trottel. Er war kein Künstler gewesen, aber zuzusehen wie er sich selbst zerstörte war amüsant gewesen.
      "Ansehen mach ich umsonst. Dann kann ich Ihnen sagen was Sie auf jeden Fall ausbessern sollten und was ich verlangen würde. Und weil ich nicht glaube, dass die Kirche hier Unmengen an Geld hat, gebe ich Ihnen sogar einen Rabatt, wenn Sie etwas mithelfen. Hört sich das gut an?" Ash sah auf die Uhr, die über der Eingangstür hing, als wüsste er nicht, dass er heute sowieso nichts vorhatte. "Ich hätte jetzt ein wenig Zeit."
    • Rick hob die Hand und schüttelte den Kopf.
      "Ehrliche Arbeit muss auch ehrlich bezahlt werden. Ich erwarte nicht, dass Sie eine ganze Kirche reparieren, ohne entsprechend entlohnt zu werden."
      Sein kleines Buchhalterherz würde das gar nicht zulassen. Für die Steuererklärung wäre das praktisch Selbstmord. Und seine kirchliche Ausbildung in Nächstenliebe ging nur so weit.
      "Es ist schon überaus nett von Ihnen, sich die Situation überhaupt anzusehen. Ich weiß nicht, wie hilfreich ich sein werde, aber ich habe vor zu helfen, ja."
      Rick war wieder einmal beeindruckt, wie hilfsbereit die Menschen hier waren, als der Handwerker einfach so bereit war, sich die Kirche anzusehen. Er hatte damit gerechnet, dass er vielleicht nach Ladenschluss vorbeischauen würde oder sie vielleicht sogar einen Termin ausmachen würden.


    • Ash musterte Rick, war er netter als früher? Er war netter als früher. Nicht, dass er ein Arsch gewesen war, aber das hier war einfach diese typische... geistliche Nettigkeit, hatte wohl was mit dem 'guten' im Menschen zu tun oder so ähnlich. Aber so viel 'Gutes' wie in dieser Gegend, hatte wohl selbst der Priester nicht erwartet.
      "Sie kommen aus der Stadt richtig? Sieht man Ihnen an, nicht dass ich selbst schon lange hier draußen wäre. Viele wohnen hier nicht, oder machen gern selbst alles, also habe ich tatsächlich viel Zeit. Und wenn jemand was aus dem Laden braucht, dann spricht sich schnell herum wo ich gerade etwas repariere und dann kommen sie eben vorbei und wir machen uns aus, wann sie ihr Zeug holen können. Das hat sich hier schnell eingespielt." Ash wusste natürlich woher Rick kam, aber dennoch sah man es ihm wirklich an, dass er noch nie so weit draußen am Land gelebt hatte. Und Urlaub gab es da auch nicht. Ash zog ein paar Dinge über das Lesegerät an der Kasse, ein ordentlicher Hammer, eine Zange, Nägel und was sonst so auf Ricks Einkaufsliste gestanden hatte. Was man für den Anfang eben so brauchte und in der Kirche nicht mehr vorhanden war. Dann packte er alles ein, verwahrte die Rechnung, trat um den Tresen herum und drückte Rick die Tüte in die Hand.
      "Das Zeug rechne ich in die Gesamtrechnung ein, also behalten Sie Ihr Geld vorerst. Ich schätze bei Ihnen brauche ich mir keine Sorgen um Vertrauen machen." Für einen Moment sah er Rick direkt in die Augen. Es war nicht nur eine Redensart, wenn man sagte, dass die Augen das Tor zur Seele eines Menschen waren. Dann wandte er sich zur Tür und drehte sich noch einmal um. "Na kommen Sie schon. Ich hab zwar wenig zu tun, aber so wenig auch wieder nicht."
    • "Was soll ich sagen? Geboren und aufgewachsen in Chicago zwischen Wolkenkratzern, Pizza und Regen."
      Rick war sich durchaus bewusst, wie ungeschickt er wirken musste. Er war es schliecht nicht gewohnt, dass es hier weger Menschenmengen noch Lieferdienste gab. Sein Leben lang war da immer dieses Hintergrundrauschen der Stadt gewesen. 6nd gestern? Da hatte ihm die Stille beinahe Angst eingejagt. Aber das Landleben hatte auch seine schönen Seiten, wie er gestern festgestellt hatte: Zum ersten Mal in seinem Leben hatte er echte Sterne gesehen. Bilder waren nichts gegen die Wirklichkeit. Es war ein so atemberaubender Anblick gewesen, dass Rick sich darin bestätigt glaubte, hier richtig zu sein. Zumindest für den Augenblick.
      "Na kommen Sie schon. Ich hab zwar wenig zu tun, aber so wenig auch wieder nicht."
      Rick sah auf. Er war wohl in seinen Gedanken ein wenig verloren gegangen.
      Das Lächeln kehrte auf sein Gesicht zurück, als er sich die Werkzeuge schnappte und dem Ladenbesitzer folgte.
      "Sie haben sich nie vorgestellt", bemerkte er, "Ich kann Sie ja schlecht 'den Handwerker' nennen. Es sei denn natürlich, Sie sind einer dieser Superhelden."


    • Rick stellte fest, dass Ash sich noch nicht vorgestellt hatte, was richtig war. Er lachte leise und sah den Priester an der ihm aus der Tür folgte. Während Ash zusperrte, antwortete er ihm: "Und meine Superkraft ist es Waschmaschinen und Treppengeländer zu reparieren, oder wie?" Wenn er wüsste... "Nennen Sie mich Ash."
      Die Tür war abgeschlossen und zusammen machten sie sich auf den Weg zur Kirche, dort konnte Ash dann so tun, als hätte er die Kirche nicht schon vorher begutachtet. Bei dem Zustand hatte er nicht einmal nachhelfen müssen, tatsächlich hatte ihn das eher auf die Idee für ein Alter Ego 'Ash den Handwerker' gebracht. Auf dem Weg nutzte der Dämon allerdings die Zeit Rick noch ein wenig auszufragen.
      "Chicago also. Erzählen Sie mal, war nie dort. Was werden Sie am Meisten vermissen?" Die vielen Menschen? Die Möglichkeit in der Masse unterzutauchen? Die Einfachheit einen Mord zu vertuschen? Wohl eher nicht...
    • "Pizza. Definitiv die Pizza. Es gibt nichts besseres, als eine fettige Pizza aus einem kleinen Restaurant unter der Hochbahn. Ich kann froh sein, einen so guten Stoffwechsel zu haben, sonst würde ich aussehen wie jeder dritte Amerikaner. Es gab Zeiten, da hab ich mich beinahe ausschließlich davon ernährt. Ich quatsche schon wieder zu viel, entschuldigung. Mein Mentor hat mich immer wieder ermahnt, mehr zuzuhören."
      Rick schüttelte den Kopf, während er besagten Mentor in seinem Kopf sah, wie er ihm einmal mehr diesen Vortrag hielt.
      "Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Chicago ist furchtbar. Das Wetter ist zum Schreien, die Menschen unfreundlich und alles ist voller Dreck. Chicagonist eine Stadt,in der man nur leben kann, wenn man dort geboren wurde. Ansonsten kann man es nur für ein oder zwei Wochen Urlaub ertragen."


    • "Hm, ich gehöre wohl auch zu den Glücklichen.", lächelte Ash den Stoffwechsel betreffend und sah an seiner menschlichen Form herab. Er konnte sich aussuchen wie er aussah, sofern es seine Fantasie zuließ. In seiner natürlichen Form aß er nur Seelen und die machten nicht fett.
      "Sie müssen sich nicht dafür entschuldigen, dass Sie meine Fragen beantworten. Wenn ich es nicht wissen wollte, dann würde ich auch nicht fragen. Hier passiert nicht viel, also führen sie ruhig Monologe, stört mich nicht. Ich schätze im Beichtstuhl sollten Sie sich aber an die Ermahnung Ihres Mentors halten." Ein Scherz, aber Ash war sehr interessiert an diesem... Mentor. Was für ein Mensch hatte Rick zu... dem hier gemacht? Nett... zu nett, geduldig... zu geduldig, kein Mörder mehr. Er verschloss sich vor dem, der er wirklich war, wieso?
      "Ich glaube Menschen die in großen Massen auf kleinem Raum leben sind ganz allgemein unfreundlich, das liegt nicht an Chicago. Oder hier draußen verstecken die Leute einfach nur besser, wenn sie einen absolut nicht leiden können. Dafür gibt es verdammt viel Tratsch, auch nicht gerade nett. Naja, Sie werden schon noch sehen. Erzählen Sie lieber von Ihrem Mentor. Yoda Vibe? Oder doch eher Obi Wan?"
    • Rick kicherte leise.
      "Ich würde eher Meister Splinter von den Nija Turtles sagen. Geduldig, steinalt, knallhart. Ein guter Lehrer eben. Ist noch ein richtiger Gläubiger, keiner von diesen Leuten, die in der Kirche Karriere machen wollen. Hat mich aufgegabelt, als es mir überhaupt nicht gut ging. Wenn ich auch nur ansatzweise so sein kann wie er, dann habe ich Großes erreicht."
      Wobei nicht einmal dieser Mann, der ihm näher war als seine Eltern es je waren, Ricks Geheimnisse kannte. Niemand kannte jede Seite von Rick. Niemand durfte je alle sehen.
      "Aber genug von mir. Was ist mit Ihnen? Woher kommen Sie? Und was hat Sie hinaus aufs Land getrieben?"


    • Guter Lehrer, richtiger Gläubiger...? Wenn Ash es nicht besser gewusst hätte, hätte er seine Gefühlslage als eifersüchtig beschrieben. Das war allerdings gar nicht sein Zuständigkeitsbereich und warum sollte er eifersüchtig auf einen Menschen sein? Das machte keinen Sinn, abgesehen davon, holte er sich Ricks Seele bald genug zurück.
      Ash wusste, dass mehr Fragerei nur dazu führte, dass Rick misstrauisch wurde, oder den Dämon für einen verdammt neugierigen Handwerker hielt, also stieg er auf den Themenwechsel des Priesters ein und beschloss die Wahrheit zu sagen... so halbwegs.
      "Ich komme aus dem Süden, dem tiefsten Süden sozusagen. Hatte dort einen Freund, wir sind durch dick und dünn gegangen, mehrere Jahre, es war etwas Besonderes... naja. Ich... musste verreisen, als ich zurück kam, war er weg. Scheinbar hatte er einen Typen kennen gelernt und... von mir wollte er nichts mehr wissen. Jetzt bin ich hier. War vielleicht kindisch alles stehen und liegen zu lassen, aber es war nötig für mich."
    • "Klingt nicht nach einem besonders guten Freund", erwiderte Rick, "Vielleicht ist es ein bisschen radikal, gleich ganz zu verschwinden. Aber ich bin der fesren Überzeugung, dass es etwas Reinigendes an sich hat, das zu tun. Ich selbst habe es getan. Ursprünglich war ich Buchhalter, können Sie das glauben? Manchmal führen solche Ereignisse dazu, dass man seine wahre Berufung entdeckt. Als Buchhalter war ich konstant genervt, meine Arbeit langweilte mich, ich war leicht reizbar. Und dann fand ich meinen Weg zum Glauben. Nicht einmal Gott, ob Sie mir das glauben oder nicht. Aber jetzt fühle ich mich freier als je zuvor. So frei, dass ich als eingefleischter Stadtjunge raus aufs Land ziehe."
      Rick schüttelte den Kopf, als er sich selbst dabei ertappte, wie er den Priester von der Kette ließ.
      "Verzeihung. Sie haben nicht um einen priesterlichen Rat gebeten. Mehr zuhören, weniger quatschen, da haben wir's wieder."


    • "Er war mehr als ein Freund.", erklärte Ash mit einem Lächeln, dessen Interpretation er dem Priester überließ. Aber es stimmte, eine Seele wie Ricks hatte er lange nicht gesehen...Er war etwas Besonderes.
      Der Dämon hörte zu wie Rick von seiner Vergangenheit als Buchhalter erzählte und wie er zum Glauben gefunden hatte. Aber er war mehr gewesen als gelangweilt, genervt und reizbar, soviel mehr. Rick klang als hätte er sich völlig verloren, wer war dieser Mann der da vor ihm stand? Jetzt sollte er frei sein? Gepresst in das Bild, das Gott von seinen Spielzeugen haben wollte, gepresst in eine gesellschaftliche Norm, ohne jeden Freiraum? Wo sollte das Freiheit sein? Ash hätte dem Buchhalter damals helfen sollen sich gänzlich zu befreien, er dachte damals Rick würde den Rest alleine schaffen, hatte er aber nicht.
      "Frei, ja? Haben Sie nicht ein ganzes Buch, das Ihnen vorschreibt wie Sie leben sollen?", fragte Ash nach einer kurzen Gedankenpause, er konnte sich diese Frage nicht verkneifen und er hatte nie verstanden, wie man sich so sehr in etwas hineinzwängen lassen konnte.