The truth of insanity [Asuna & Xenovia]

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    • The truth of insanity [Asuna & Xenovia]


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      Langsam zog ich meinen Zeigefinger von der Stirn des Mannes mir gegenüber, neben dem ich in die Hocke gegangen war, zurück und richtete mich auf. Ich blickte von oben herab auf den toten Mann, der zusammengesunken an der steinernen Wand einer Seitenstraße lehnte. Es war früher Abend, die Laternen waren noch nicht einmal angegangen. Der Regen, der seit dem Morgen die Stadt überflutete, hatte den Mantel des Mannes völlig durchnässt. Ich spürte kein Mitleid. Für Einfühlsamkeit war in meiner Existenz kein Platz. Ich kannte ihn nur wenige Minuten vorher, in denen ich ein kleines Gespräch mit ihm geführt hatte. Der Mann war obdachlos und krank gewesen, sein Tod nur zwangsläufig. Ich war seine Erlösung gewesen, die ihn vor Leid und Qual bewahrt hatte. Aus der Ferne drangen bereits Sirenen durch das Rauschen des Regens. Die Frau, die etliche Meter entfernt um die Hausecke stand und uns anstarrte, hatte vermutlich die Polizei gerufen. Mir sollte es egal sein. Ich war lediglich meiner Aufgabe nachgekommen.
      Wenigen Minuten später strömten Polizisten in die Gasse herein, die Waffen direkt im Anschlag. Amüsiert grinste ich und hob demonstrativ die Hände in die Luft als Friedenszeichen. Man würde mir nicht nachweisen können, dass ich den Tod dieses Penners zu verschulden hatte. Ich kannte das Spiel und die Polizisten im Allgemeinen bereits. Doch diese Beamten verfuhren zu meinem Erstaunen etwas anders. Scheinbar hatten sie schon schlechte Erfahrungen machen müssen, denn sie gingen mich grob an, rissen mir die Hände auf den Rücken und legten mir Handschellen an. Natürlich wehrte ich mich nicht weil ich davon ausging, spätestens nach einem Tag wieder freigelassen zu werden. Wer konnte schon ahnen, dass die dämlichen Beamten meinten, mich in die Psychatrie einweisen zu müssen? Langsam bereute ich es doch, mit dem Körper eines jungen Mädchens gesegnet worden zu sein.

      .....



      Das alles war nun ein halbes Jahr her. Seitdem hatte man Mortem in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen und war nicht imstande dazu gewesen, sie zu entlassen. Auf der einen Seite lag das daran, dass man keinerlei Familie mit ihr in Verbindung bringen konnte, noch wollte man eine mental scheinbar instabile Person entlassen. So war man gezwungen, sie in der Einrichtung zu behalten, bis man sie ruhigen Gewissens entlassen konnte. Nur war es dazu noch immer nicht gekommen.
      Etliche Therapeuten versuchten, dem Mädchen die Flausen aus dem Kopf zu treiben. Niemand drang zu ihr durch was dazu führte, dass man den Raum nur noch mit einem Kopfschütteln verließ. Man konnte sie nicht einmal mit den anderen Patienten in einem Raum lassen, ohne dass sie eine Panik auslöste. Was auch immer sie sagen mochte, es verstörte die restlichen Menschen in ihren Grundfesten.
      Es gab sogar einige Mitarbeiter der Einrichtung, die offenkundig bezweifelten, dass dieses Mädchen sponn oder log. Wie sollte eine geistig verwirrte Person in der Lage sein, adequat auf Umstandsveränderungen zu reagieren und wirklich haarklein ihre Geschichte komplett wiederzugeben? Ohne Vorbehalt erzählte sie jedem, dass sie die Reinkarnation des Todes sei - und deswegen schleunigst aus der Einrichtung entlassen werden müsste. Sie habe etwas Wichtiges zu erledigen, und das könne sie nicht von hier. Auffällig war jedoch, dass Mortem weder zu Gewalt noch zu anderen Ausflüchen griff. Doch in den letzten Wochen spürte man vermehrt, dass ihr Verdruß wuchs. Einmal hatte sie dank eines Azubis es fast geschafft, aus der Einrichtung zu verschwinden. Seit diesem Tag saß sie hinter verschlossener Tür und wurde nur noch von bekanntem Personal besucht. Ihr Leben glich fortan einem Einsiedlerkrebs, den man effektiv von sozialen Kontakten distanziert hatte.
      Tag für Tag saß sie in ihrem pastellgelben Zimmer und starrte aus den abgeschlossenen Fenstern hinaus ins Freie. Die Zimmer waren allesamt nur spärlich bis kaum eingerichtet mit einem einfachen Bett, das Mortem ordentlich machte, und einer kleinen Sitzgruppe, bestehend aus einem kleinen viereckigen Holztisch und zwei sich gegenüberstehenden Stühlen. Auf einem saß gerade das Mädchen mit dem schwarzen Meer aus Haar und starrte in unbekannte Weiten.
      Ihr Kopf bewegte sich unmerklich, als sie das Kratzen des Schlüssels an der geräuschhemmenden Tür hörte. Es musste sich um Besuch handeln, da der späte Nachmittag nicht den Stunden entsprach, in denen man ihr Essen brachte. Seelenruhig wartete sie ab, bis die Tür eilig wieder zugezogen und abgeschlossen wurde. Es glich ein wenig wie eine Raubtierfütterung.
      "Ich dachte eigentlich, dass ich die Mühen aller Therapeuten ausgeschöpft hatte", bemerkte sie, nachdem die völlige Stille den Raum erfüllt hatte.
      Mortem rutschte auf dem Stuhl herum bis sie ihre Unterarme auf der Rückenlehne verschränken und den Mann mustern konnte, der eingetreten war. Schlauerweise hatte man ihr keinen Jüngling vorgesetzt. Stattdessen erblickte sie einen Mann um die dreißig mit einem markanten Gesicht, das perfekt zu dem kurz stehengelassenem Bart passte. Seine dunklen Haare wirkten gewollt zerzaust und sein Hemd unterstrich seine seriöse Haltung. Er schien alles andere als ein Amateur zu sein. Mortems Blick schien kurz an ihm vorbei zu huschen ehe sie ihre grünen Augen wieder ihm widmete.
      "Vielleicht besitzen Sie etwas mehr Verstand als die Anderen. Ich habe da draußen etwas zu erledigen und würde es begrüßen, wenn Sie mich hinauslassen. Ach und falls man es Ihnen noch nicht gesagt hat", machte sie eine Pause und stand endlich von diesem nüchternen Stuhl auf, wodurch sie nun in ihrer zierlichen Gestalt vor ihrem Besucher stand, "Meine Name lautet Mortem - der Tod." Sie streckte ihm die Hand aus, ein dezentes Lächeln umspielte dabei ihre blassen Lippen.

      @Xenovia



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ein neuer Tag brach an, genauso wie ein neuer Auftrag für Anthony. Der Anruf von einer geschlossenen Psychiatrie ließ sein Smartphone vibrieren, was den Mann auch letztlich wach werden ließ. Genervt von dem Telefonat, bei dem er auch bereits gefühlt hunderte Male vorgewarnt wurde, erhob er sich aus seinem Bett und machte sich für die Arbeit fertig. Es war zwar bereits schon Mittag gewesen, doch zu der Psychiatrie zu der er fahren musste, würde die Fahrt etwa zwei Stunden andauern. Besonders war der Fall alle Mal, denn eine junge Frau ohne wirkliche Identität, Familie, oder hinterlegen Akten, war genau das Richtige für ihn gewesen. So empfand er es zumindest und würde dies auch früher, oder später herausfinden. Die Haare leicht zurecht gelegt und das frische Hemd in die Jeans gesteckt, machte er sich aus seiner bescheidenen Wohnung auf zu seinem Auto. Ohne etwas getrunken, oder gegessen zu haben fuhr er auch nun schon los, nahm sich einen Kaugummi in den Mund und machte sich bereits jetzt schon Gedanken zu seiner neuen Patientin. Laut den kurz gefassten Angaben, war sie ein ganz schön harter Brocken, zu dem noch niemand durchgerungen war. Was machten all die Personen vor ihm nur anders? Unterhielten sie sich in der falschen Tonlage? Brachten sie unangenehme Wörter ins Gespräch, oder woran lag es, dass er mittlerweile öfters zu solch Fällen gerufen wurde? Meist konnte er es sich nicht erklären, doch das Gefühl, dass dieser Fall mit der jungen Frau nicht so schnell erledigt wäre, ließ ihn nicht in Ruhe. Während der Fahrt führte er noch einige wichtige Telefonate, für den späteren Verlauf und stellte dabei schon einige Punkte sicher. Nach den etwa zwei Stunden Fahrzeit die er hatte, parkte er nicht weit von der Psychiatrie entfernt und laß sich bevor er ausstieg, noch einmal die nicht gerade große Akte seiner wohl neuen 'Patientin' durch. Nachdem Lesen verstaute er die Akte im Handschuhfach und stieg dann auch schon aus. Mit seinen langen Beinen bahnte er sich den Weg zum Gebäude, durch den relativ leeren und beinahe schon toten Bürgersteig. Als würde keiner hier vorbeigehen wollen, so fühlte es sich zumindest für Anthony an. Die tristen Glastüren am Eingang öffnete er in einem Ruck, als er nun vor den nächsten Türen stand, die jedoch geschlossenen und abgeriegelt waren. Sicherheit stand nun einmal anscheinend an erster Stelle, nicht ohnehin stand auch in der Akte der jungen Dame, dass sie bereits einen Versuch der Flucht getätigt hatte. Sein dünner Zeigefinger betätigte den Anmeldeschalter, der an der Theke ein kleines Signal gab, dass jemand dort stand. Ein Ton erklang bei dem Mann, woraufhin eine weibliche Stimme, die offensichtlich von der Emfpangsdame stammte, zu hören war. "Name und Anliegen?" Knappe Gespräche waren mittlerweile bei solch Einrichtungen zur Gewohnheit geworden. "Anthony Silver. Ich habe den Auftrag bekommen mich um Frau Mortem zu kümmern. Den Fall habe ich heute von einen ihrer Kollegen übermittelt bekommen.", gab er nur mit einem leisen Seufzen zurück und schon ertönte ein vibrierendes Geräusch, woraufhin er die Tür vor sich öffnen konnte. Seine lauten Schritte hallten gefühlt durch die gesamte Einrichtung, den Weg dabei zur Anmeldung eingeschlagen. "Würde mich bitte jemand zu ihr führen? Ich würde mir gerne so schnell wie möglich ein Bild von ihr machen und dann werden wir weiter sehen.", kam es mit einem freundlichen Lächeln seinerseits, zu der etwas üppigen Dame hinter der Anmeldung. Kurz funkte diese auch ohne weitere Worte einen ihrer Kollegen an, von denen dann auch jemand nach kurzer Zeit eintraf. "Wenn ich recht der Annahme bin, muss ich sie zu unserem kleinen Problemkind bringen?", sprach die Angestellte fast schon herablassenden, als wäre sie nicht besonders von der Eingewiesenen begeistert. "Im groben und ganzen haben sie Recht, doch nennen sie meine Patientin noch einmal ein Problemkind, werde ich dies melden. Ich hoffe meine Worte haben sich bei Ihnen eingeprägt und nun führen Sie mich bitte zu ihr.", meinte er ohne dabei gereizt zu klingen, viel mehr blieb er professionell. Eingeschnappt drehte sich die Angestellte um und öffnete den geschlossenen Bereich, in dem sich die einzelnen Zimmer der Eingewiesenen befanden. Seine Schritte folgten der Dame leise und nach nicht all zu langer Zeit, kamen sie dann auch schon vor der entsprechenden Tür an, hinter der sich das Zimmer von Mortem befand. Zögerlich schloss die Dame mit ihrem Schlüssel die etwas schwere Tür auf, nur um den Mann vor sich in den Raum zu schieben und direkt die Tür wieder zu versperren. Merkwürdiges Personal, hatten sie denn wirklich schon diese Frau, in diesem Zimmer aufgegeben?
      Die Worte von Mortem ließen seine Aufmerksamkeit auf sie lenken, wobei er auch den Blick nun in ihre Richtung warf. "Sagen wir es mal so, ich bin nun für Sie zuständig. Ich beurteile Ihre Funktionalität, ob Sie noch in der Gesellschaft eingegliedert werden können.", erklärte er und ging dabei zwei Schritte etwas mehr in den Raum hinein. Sein Blickt musterte ihre Statur nun ebenso, wobei ihre schwarzen Haare zu dieser bleichen Haut, ihn am meistens ins Auge fielen. Jedoch war das vorerst einer der ersten Sachen die ihm auffielen und es würden aber wohl noch mehr folgen. Ihren nächsten Worten schenkte er immer noch Gehör, wobei er nun gespannt zu ihr sah, als sie sich von dem Stuhl erhob und auch letztlich vor ihm stand. Ein sanftes Lächeln zierte seine Lippen, wobei er die Hand zu ihr reichte und ihre dann schüttelte. "Anthony Silver, mein Name und so weiß ich auch, dass ich mehr Verstand als meine Vorgänger besitze, sonst stünde ich nicht vor Ihnen.", gab er zurück und das Lächeln schwand von seinen Lippen, nachdem er seine Hand wieder zurückzog. Labil wirkte die Frau nicht, doch musste er sich noch ein besseres Bild von ihr machen. Eine kleine Begrüßung machte immerhin nicht die Persönlichkeit und die Verhaltensweisen eines Menschen aus. "Ihr Name steht in der Akte, genauso wie, dass sie keinen weiteren Namen besitzen. Allgemein weiß niemand etwas über sie, was einigen Personen unangenehme Sorgen bereitet. Aber nichtsdestotrotz würde ich Sie nun mitnehmen, ihrer Erledigung werden Sie zwar nicht nachgehen können, doch kommen sie vorerst raus aus diesem Loch und gehen in die offene Psychiatrie. Etwas Anderes konnte ich auf die Schnelle nicht organisieren.", meinte er mit musterndem Blick und hielt sich stets zurück an den Augen zu reiben, denn müde war er noch alle Mal gewesen. Die Nacht hatte er nicht viel Schlaf bekommen und der Anruf am Mittag hatte ihn zu sehr aus diesem gerissen. "Nehmen Sie mit was Sie benötigen, ich warte draußen.", fügte er noch hinzu und wandte sich von ihr ab. Kurz Klopfte er an der Tür, woraufhin die Angestellte diese öffnete, doch erneut zusperren ließ er sie nicht. Lange hätte Mortem nicht Zeit gehabt Anthony zu folgen, also gab es auch keinen Grund sie wie in Tier in einem Käfig, für jede Sekunde einzusperren.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • Als sich die Tür hinter Anthony schloss und das übliche Klicken des Schlosses ausblieb, hatte Mortem sich kein Stück gerührt. Noch immer musterte sie die Tür und beinahe wirkte es so, als wäre sie sich unschlüssig. Dann jedoch zuckte ein abruptes Lächeln über ihr Gesicht. Als man sie hier eingebuchtet hatte, besaß Mortem keinerlei Eigentum. Alles, was sie an ihrem Leib getragen hatte, war eine übel mitgespielte Bluejeans, einen fleckigen weißen Rundhalspulli mit einem passablen dunkelbraunen Anorak darüber und abgewetzte Sneakers. Alles hatte sie aus einem Altkleidercontainer entwendet und sich nicht sonderlich die Mühe gemacht, zur Reinigung zu gehen. Bis zu dem Moment, in dem sie in die Geschlossene eingewiesen wurde, war das Mädchen quasi obdachlos gewesen.
      Folglich kehrte sie dem Zimmer mit besagter Kleidung und sonst nichts den Rücken. Immerhin war ihr Diebesgut gereinigt worden und sah nun nicht mehr ganz so schäbig aus. Allerdings ließ sie es sich nicht nehmen, der Angestellte, die sie mit Argwohn musterte, ein freundliches Grinsen zu schenken. "Ich sagte doch, dass Sie mich bald loswerden."
      Die Hände tief in den Taschen ihres Anoraks vergraben folgte Mortem Anthony, um vorerst gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Man musste ihr nicht sagen, dass er ihre Geschichte nicht glauben und es eher als einen psychologischen Defekt ansehen würde. Deshalb widersprach sie nicht, als er sie aufforderte, ihm Folge zu leisten. Sie würde noch früh genug die Möglichkeit haben, wieder auf die Straßen zu ziehen. Wo auch immer er sie hinbringen mochte - dort war es nicht so abgesichert wie hier, dessen war sie sich sicher.
      Dann, endlich, nach Monaten des Stillstandes setzte Mortem einen Fuß auf den Boden von offenem Terrain. Sie spürte den Wind, der ihre Haare zerwühlte und verharrte einen Moment, die Augen geschlossen. Diese Haltung behielt sie für ein paar Sekunden bei bis sich wieder in Bewegung setzte.
      "Also, wo soll es hingehen? Ich hoffe, wir müssen Richtung Norden, denn das wäre zumindest meine Richtung. Ich bin sowieso gespannt, wie es jetzt weitergehen soll. In all meinen Leben auf Erden hatte man mir noch nie einen Therapeuten zugewiesen. Sagen Sie mir nicht, dass ich jetzt feste Termine oder dergleichen vereinbaren muss. Dafür habe ich keine Zeit, ich bin leider schwer beschäftigt", sagte sie schließlich während sie sich umsah um etwas zu entdecken, an dem sie sich orientieren konnte.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Dass sie nicht viel Eigentum besaß war für ihn verständlich, doch dass sie nichts der Gleichen besaß, was sie hätte mitnehmen können, war nun doch etwas verwunderlich. Die Meisten besaßen zumindest ein Buch, was sie nach ihrer Entlassung hätten mitnehmen können, was bei ihr wohl nicht der Fall war. An der Wand außerhalb des Zimmers angelehnt, wartete er nun auf seinen neuen 'Schützling', während ihn diese Angestellte gefühlt anstarrte, als sei er ein Irrer. Eine normale Person war er seines Erachtens gewiss nicht, dafür stimmte sein Beruf und der Umgang, den er hegte schon gar nicht. Seine Patienten zuvor veränderten ihn ein kleines Stück, eventuell sogar ein Großes, doch er konnte es nicht deuten. Familie die ihn darauf hinwies oder Freunde, wenn er sich zu sehr veränderte, wenn er sich zu sehr in einen Patienten mit seiner Zeit verannte, besaß er nicht. Oft genug opferte er gesamte Nächte, morgendliche Hygiene, oder vergaß zu essen und zu trinken, wenn er sich versuchte in seinen Patienten hineinzuversetzen. In die Lage, Gedanken und Verhaltensweisen, denn all dies interessierte ihn und so einfach würde er bei keinem seiner Schützlinge aufgeben.
      Endlich kam sie dann auch aus dem Zimmer heraus, wobei er zuerst in aller Ruhe die Situation zwischen ihr und der Angestellten betrachtete. Jedoch schritt er im nächsten Moment ein, als die Dame auf Mortem einen Schritt zu gehen wollte, als wolle sie ihr in irgendeiner Hinsicht verbal drohen. "Wir wollen doch alle hier professionell bleiben, nicht?", sprach er mit ernster Stimmlage, nachdem er seinen Arm zwischen der Frau und Mortem erhob, sodass sie keine Möglichkeit hätte an sie heranzukommen. Ein einfaches 'Tze' von der Dame folgte nun nur noch, woraufhin Anthony leicht seinen Kopf schüttelte und sich mit Mortem den Weg aus der geschlossenen Psychiatrie heraus bahnte. Die Papiere zur Entlassung waren bereits alle unterschrieben, weshalb die Dame am Empfang die Tür entriegelt hatte und somit den Beiden ihre - in Anführungszeichen - Freiheit gewehrte.
      Die wenigen Sekunden im Winde zu stehen, ließ er sie ohne weiteres machen, denn nur zu gut wusste er wie es sich nach langer Zeit anfühlte, mal wieder an der frischen Luft zu sein. Zwar war es nicht so eine lange Zeit für ihn gewesen wie bei ihr und doch genoss er es jedes Mal, wenn er nach langer Zeit einfach entspannt kurz den Wind in seinen Haaren und auf seiner Haut genießen konnte.
      Jedoch warfen ihre Worte ihn leicht aus seinen Gedanken, da er ihr seine vollste Aufmerksamkeit schenken wollte und somit auch sein Gehör. Ein leichtes Schmunzeln konnte er nun aber doch nicht zurückhalten, denn so klangen ihre Worte beim ersten Vernehmen recht amüsant. "Nein, ich denke es geht nicht in Richtung Norden. Sie kommen vorerst in eine offene Psychiatrie, etwa eine halbe Stunde von hier entfernt, wo ich Ihnen mindestens einmal am Tag einen Besuch abstatten werde.", beantworte er ihre erste Frage und fuhr danach fort. "Feste Termine müssen Sie gewiss nicht vereinbaren, dürfte ich jedoch in Erfahrung bringen, was Sie in den Norden treibt? Vorallem warum Sie sagten: 'In all meinen Leben auf Erden' und noch dazu, was Sie denn so schwer beschäftigt sein lässt?" Verwirrt klangen seine Worte gewiss nicht, viel mehr interessiet. Kurz deutete er in die Richtung seines Autos, woraufhin er sich mit ihr zu diesem auf den Weg machte. Kurz vor dem Wagen angekommen, ging er mit Mortem auf die Beifahrerseite und öffnete ihr die Tür. "Wenn ich bitten darf.", folgten seine Worte gelassen, mit dem kleinen Wunsch, dass sie sich ohne Widerworte setzen würde.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • Rein äußerlich spielte sich kaum eine Regung in Mortems Gesicht ab, während sie in Wahrheit abwägte, was und wieviel sie dem Mann wohl mitteilen mochte. Als er ihr die Wagentür aufmachte und sie zum Einsteigen aufforderte, folgte sie ohne Gegenwehr seinen Worten. Doch erst, nachdem sie beide angeschnallt waren und sich der Wagen langsam in Bewegung setzte, fing sie an zu sprechen: "Sicherlich wurde Ihnen angetragen, was ich damals beim Verhör gesagt habe. Ein Stück dessen kann ich nur wiederholen: Ich bin der Tod. Ich bin unendlich und immer dar. Meine Hülle hier ist vergänglich, sterblich, weshalb ich immer wieder in einer anderen Erscheinung auf Erden wandele. Ich bin auf der Suche nach etwas - jemanden."
      Sie warf Anthony einen Seitenblick zu nur um festzustellen, dass seine Miene völlig ausdruckslos war.
      "Sie kennen doch das Sprichwort Wo Licht ist, ist auch Schatten ? Folglich besitze auch ich ein Gegenstück, und nach diesem Suche ich. Vita ist genau wie ich mit einer sterblichen Hülle ausgestattet und wir suchen uns seit Anbeginn der Zeit. Wir vernehmen eine grobe Richtung, wo sich der jeweils andere zur Zeit aufhält und deswegen muss ich in den Norden", fuhr sie fort, gefolgt von einem weiteren Blick nachdem sie geendet hatte.
      Im Gegensatz zu den meisten Menschen zeigte Anthony kaum Ansatzpunkte, aus denen Mortem hätte Rückschlüsse ziehen können. Möglicherweise war er auch einfach nur gut in seinem Job, sodass sie ihn nur auf dem falschen Fuß erwischen müsste. Dass er ihr die Information gegeben hatte, jeden Tag in dieser ominösen EInrichtung aufzutauchen, war nicht unbedingt das, was sie sich gewünscht hatte. Sobald sich ihr die Möglichkeit eröffnete zu türmen, wäre sie raus aus der Einrichtung und auf dem Weg Richtung Norden. Doch jetzt beschloss sie, vorerst Stillschweigen zu bewahren. Sie wollte keine unnötige Zeit mit Menschen verschwenden, die ihr nicht weiterhelfen konnten sondern sie vielmehr einbuchten wollten.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Kaum eine Sekunde ließ er sie aus seinen Augen. Zu seinem Glück stieg sie in den Wagen hinein, ohne jegliche Gegenwehr. Immerhin therapierte er schon ganz andere Personen, die auch schon etwas mehr zu Handgreiflichkeiten tendierten. Auf die andere Seite des Wagens gegangen, nachdem er die Tür bei Mortem schloss, setzte er sich auf den Fahrerplatz, steckte den Schlüssel hinein und begann langsam loszufahren. Auf ihre Worte hin, ging er ganz locker und doch ernst ein, wobei ein so manch Anderer, wohl ihre Aussagen komplett ins Lächerliche gezogen hätte: "Der Tod also. Warum verweilt der Tod auf Erden und dann auch noch in einer sterblichen Hülle?" Die ersten weiteren Fragen gestellt, verzog sich bei ihm keineswegs die Miene, während er fuhr. "Selbstverständlich kenne ich dieses Sprichwort. Und so besitzen Sie also ein Gegenstück, hier auf Erden? Wenn Sie diese/n Vita suchen und in Richtung des Nordens schreiten würden, merken Sie dann auch, falls Sie näher kommen, bei einer genaueren Position, wo sich diese gesuchte Person befindet?", fragte er ganz in Ruhe weiter, mit dem Blick dabei stets auf die Fahrbahn gerichtet. Nicht allzu lange müssten die Beiden noch fahren, da relativ wenig Verkehr auf den Straßen los war und ihr Ziel auch nicht sehr weit entfernt, von ihrem Startpunkt aus war. "Wie wäre es, wenn ich Ihnen ein akzeptables Angebot unterbreite?", fing er kurz an zu sprechen, wobei er aber doch nur kurz für sich selbst Inne hielt, als auf eine Antwort ihrerseits zu warten. "Morgen würde ich mit Ihnen in Richtung des Nordens fahren, vorausgesetzt Sie benehmen sich bis zu diesem Zeitpunkt. Das bedeutet grob gesagt, keine Fluchtversuche, einen freundlichen Umgang mit dem Personal, keine Person belästigen und Sie müssen Ihre Mahlzeiten zu sich nehmen." 'Ausflüge' könnte man immerhin ohne Weiteres, mit seinen Schützlingen ausführen. Auch wenn es Mortem mehr in die Arme spielen sollte, so würde Anthony hoffentlich mehr Einblick bekommen. Noch traute er ihr kein Stück, sowie ihrer Geschichte, doch durfte er all dies nicht außer Acht lassen. Er müsse der Sache nachgehen, so absurd wie diese Erzählung auch klang.
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    • Mortem machte ein langgezogenes Geräusch, das sich beinahe wie ein Summen anhörte. Ganz offensichtlich überlegte sie, wie sie ihre Erklärung für Menschen am besten formulieren sollte. "Wissen Sie denn, warum sie existieren? Alles Lebende sucht nach einem Sinn, aber keiner wagt es lange zu hinterfragen, warum es sie eigentlich gibt. Das würde auf Dauer Wahnsinn erzeugen, meinen Sie nicht? Wäre ich in einer unsterblichen Hülle, dann könnte man mich stigmatisieren und eindeutig ausfindig machen. Stellen Sie sich mal vor, Sie hätten die gesamte Menschheit gegen sich nur weil sie über das Ende ihrer Zeit bestimmen könnten."
      Sie betonte das letzte Wort bestimmt, um zu verdeutlichen, dass sie rein theoretisch dazu imstande sein mochte. Was allerdings noch lange nicht bedeutete, dass sie diese Macht auch nutzte.
      "Man könnte sagen, ich würde wie die Motte ins Licht fliegen. Sobald ich Vita sehe, werde ich es wissen. Aber bis dahin ist es nur das Verfolgen einer Intuition", beantwortete Mortem die nächste Frage so sachlich neutral, als sei es das Normalste auf Erden.
      Aufmerksam ließ sie ihren Blick schweifen, um kleine Details wahrzunehmen. Das Auto war frei von jeglicher Deko, die etwas über seinen Besitzer preisgeben konnten. Es wirkte so nüchtern wie sie Anthony als erstes auch eingeschätzt hatte.
      Als er ihr unerwartet ein Angebot unterbreitete, richtete sie ihre grünen Augen auf ihren Fahrer. Eigentlich starrte sie ihn regelrecht an, als ob sie nur daraus erahnen könnte, was seine Absichten sein mochten. Sie schwieg sogar noch über Anthonys Satzende hinaus weiter, da sie vermutlich die Bedingungen überprüfte. Dann nickte sie schließlich und richtete den Blick wieder nach vorne.
      "Abgemacht. Sofern nicht Jemandes Uhr abläuft werde ich versuchen, in Ihrem Ermessen nett zu den anderen Menschen zu sein."
      Stetig und unaufhörlich befühlte Mortem ihre Fingerspitzen als einziges Indiz, dass sie nicht völlig regungslos im Wagen sitzen konnte. Es war eine buchstäbliche Veranschaulichung, dass es sie in den Fingerspitzen juckte. Wenn sie so richtig darüber nachdachte, dann wusste sie gar nicht mehr, seit wann sie Vita überhaupt verfolgte. Oder woher der Reiz ursprünglich kam. Vielleicht würde sie sich auch einfach nur einen Spaß daraus machen, diesen Mann, den man auf sie angesetzt hatte, ein bisschen durch den Wolf zu drehen.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Stets blickte Anthony konzentriert auf die Fahrbahn, währenddessen schenkte er aber der jungen Frau beinahe komplett sein Gehör. "Ja, dies würde bestimmt auf Dauer für Wahnsinn sorgen. Doch erlauben Sie mir noch eine Frage. Sie meinten gerade, dass Sie über das Ende Ihrer Zeit bestimmen könnten, warum tun Sie es denn dann nicht? Beziehungsweise, bei welchen Menschen würden Sie dies denn tun?", er sprach tatsächlich so, als wäre es ein vollkommen normales Gespräch. Als wäre alles realistisch und befindet sich im Bereich des Möglichen. "Ich denke ich verstehe, vielen Dank für die Erklärung.", gab er mit einem sanften Lächeln zurück, wandte jedoch aber nicht eine Sekunde seinen Blick von der Straße ab. Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte er etwas, dass Mortem anscheinend nach Details, oder etwas Interessantem in seinem Auto suchte, jedoch vergebens. Dies war einer der Gründe, warum Anthony nichts privates in seinem Auto hielt, immerhin bräuchten seine Schützlinge nichts über ihn wissen. Bis auf seinen Namen und dass er ihre jetzige nächste Anlaufstelle, für egal was sei, brauchten sie am Anfang nichts zu wissen. "Wie gütig von Ihnen, dann werde ich auch Ihr gutes Verhalten zu belohnen wissen.", gab er kurz nickend zurück, ehe er zum Parken ansetzte, da sie endlich vor dem Zielgebäude ankamen. Schnell den Wagen zum Stillstand gebracht, sah er dann auch nun schon zu Mortem rüber. "Wir sind angekommen. Warten Sie kurz.", meinte er kurz zu ihr, da er schon im nächsten Moment aus dem Auto stieg und zur Beifahrerseite ging, sowie die Tür für die junge Frau öffnete. "Wenn ich bitten darf.", fügte er noch hinzu, wobei er den Blick nicht von ihr abwandte. Noch hegte Anthony noch keineswegs Vertrauen gegenüber ihr, denn das müsse sie sich noch verdienen. Zusammen mit Mortem folgte er dann dem Weg in das Gebäude hinein, wo er dann zur Anmeldung schritt und der Dame hinter der Theke das angemeldete Anliegen geschildert hatte. Kurzerhand wurde ihm dann auch schon eine Tasche mit Pflegeutensilien, sowie passende Kleidung übergeben. Eine hellgraue Jogginghose, ein weißes T-Shirt, dazu ein hellgrauer Pulli und passende Hausschuhe. Die Farbauswahl der Anstalt war zwar etwas... leblos, aber immerhin befand sich alles in der Größe, der jungen Frau. "Vielen Dank.", fing er kurz an zu sprechen, ehe er zu Mortem sah und mit seinem Kopf nickte. "Dann lass uns mal dein Zimmer aufsuchen.", fügte er dann noch hinzu und begann zu gehen. Nach kurzer Zeit kamen sie dann auch schon endlich vor der Tür an, hinter dem sich das zugehörige Zimmer von Mortem befand.
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    • Anstandshalber schwieg Mortem die gesamte Zeit über bis sie beide vor ihrem Zimmer standen. Ohne zu fragen entwand sie Anthony die Tasche und legte sie auf dem Bett ab, nachdem sie eingetreten war. Schlimmer als das hässliche Gelb in der Geschlossenen konnte es nicht werden. Allerdings scherte sie sich sowieso nicht sonderlich um Farbtöne und Geschmäcker. Das hier war nichts anderes als ein temporärer Zwischenstopp.
      Mortem bedeutete ihrem Begleiter mit einem Fingerzeig, die Tür zu schließen. Als er tat wie geheißen, griff sie seine Frage von vorhim im Auto wieder auf: "Es ist nicht meine Aufgabe, wie ein mordendes Ungetüm meine Schneisen zu schlagen. Stellen Sie sich vor, über jedem Lebewesen schwebt eine nur für mich sichtbare Uhr. Auf der kann ich sehen, wie lange jemand noch zu leben hat und was die Todesursache ist. Diese Uhr kann ich willentlich auf Null drehen - aber nie aus Dutdünken. Es muss einen triftigen Grund geben, sollte ich dies nutzen wollen. Das Gleiche gilt für Vita. Vita kann die Lebenszeit verlängern und sogar gewähren. Aber wir sind bei Weitem nicht das, was ihr als Gott bezeichnet. Für uns gibt es weder Gut noch Böse. Wir behandeln Mörder ebenbürtig mit Säuglingen. Aber angenommen, ich komme durch Zufall an einen Verunglückten vorbei, der unfassbare Qualen leidet und dessen Uhr nur noch wenige Minuten hat.... Das wäre ein Fall, wo ich die Uhr auf Null drehe. Genauso wie es bei dem Obdachlosen in der Straße damals der Fall war."
      Während sie seelenruhig erzählte, hatte sie schon die Tasche geöffnet und die Kleidungsstücke herausgeholt. Ohne mit der Wimper zu zucken kletterte sie aus ihrer Jeans, die sie zur Seite legte, um in die Jogginghose zu schlüpfen. Kurz darauf folgte der Pulli. Ganz offensichtlich kannte Mortem kein Schamgefühl oder es interessierte sie schlichtweg nicht. Generell sah es so aus, als wäre sie sich ihrem Körper nicht wirklich bewusst.
      Dann drehte sie sich urplötzlich um und musterte Anthony eingehend. "Kommen Sie nicht auf die Idee und fragen mich, wie lange Sie noch haben. Darauf bekommen Sie keine Antwort. Wir greifen nicht in Fatums Lauf ein und wenn ich Ihnen sage, wodurch Sie sterben, könnten Sie eventuell noch etwas unternehmen."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Vor ihrem neuem Zimmer angekommen, ließ er sie die Tasche aus der Hand nehmen, sowie in die Räumlichkeiten eintreten. Als sie darauf deutete, dass Anthony die Tür schließen sollte, tat er dies direkt und ließ diese leise ins Schloss fallen. Endlich begann sie dann auch wieder zu sprechen und antworte auf die vorhin gestellte Frage. Leicht verzog er, während sie dies so leichtfertig erzählt die Miene, jedoch ließ er sich nicht beirren und schloss keine Möglichkeiten hierbei aus. Es klang zwar absolut absurd, doch war es für Mortem allem Anschein nach die Realität und lügen tat sie auch nicht. "Gehen wir davon aus, diese Erzählungen entspricht der Wahrheit, so verstehe ich den Sinn Ihrer Aufgabe, doch was hat es mit der von Vita auf sich? Welchen Grund benötigt sie, um von einer Person die Lebensdauer zu verlängern, oder ihm gar diese zu gewähren?", erkundigte er sich interessiert, blickte jedoch etwas irritiert drein, als sie einfach so begann sich umzuziehen. Kopfschüttelnd drehte er sich um, sodass er mit dem Rücken zu ihr stand und sie nicht, während sie sich umzog, eines Blickes würdigen musste. "Besitzten Sie allgemein kein Schamgefühl, oder zählt dies nur, weil dieser Körper nur eine Hülle für Sie darstellt?", fragte er nun doch nach, obwohl er sich diese Frage selbst ersparen wollte. Die nächsten Worte von ihr folgten, woraufhin er sich wieder umdrehte, da sie auch den Anschein machte, dass sie fertig umgezogen war. "Nein, auf diese Idee komme ich nicht und ich besitze auch nicht die Absicht, Sie danach zu fragen. Doch wie können Sie jetzt schon sehen, an was ich sterben werde? Wenn sich die Todesursache doch stets ändern kann? Oder steht eine solange fest, bis die nächst Wahrscheinlichere eintreffen kann, oder wird?", dass er diese Unterhaltung tatsächlich führte war irgendwie beklemmend, da es etwas völlig anders war. Sie war vollig anders, als seine gesamten 'Schützlinge' zuvor und genau das machte sie so interessant. Zu gut war die Entscheidung gewesen sich ihrem Fall anzunehmen, denn so schien dies noch ganz andere Dimension anzunehmen, als sich jeder hätte erahnen können. "Besitzen Sie irgendwelche Wünsche, was Ihre Mahlzeiten betrifft? Denn das Mittagessen ist bereits vorüber, doch könnte ich Ihnen noch eine warme Mahlzeit organisieren, wenn Sie das möchten.", meinte er zuvorkommend, während er kurz auf seine Armbanduhr sah, um die Uhrzeit zu überprüfen.
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    • "Wir arbeiten sozusagen gegen Fatums Einfluss. Die ursprüngliche Uhr, die jedes Lebewesen zum Zeitpunkt seiner Geburt erhält, entzieht sich unserem Einfluss. Um es in den Worten der Menschen auszudrücken: Fatum ist ein Sadist par excellence. Das Schicksal ist unausweichlich, aber durch Vita und mich veränderbar. Vita kann beispielsweise einem Paar, das zeugungsunfähig ist, ein Kind schenken. So etwas gilt bei euch als Wunder, Vita löst nur die am wenigsten wahrscheinliche Situation aus. Auch wenn es unter uns kein Gut und Böse gibt - ihr Menschen würdet Vita ohne zögern in die eine und mich in die andere Kategorie einordnen. Dabei ist Fatum der eigentliche Drahtzieher."
      Entgegen einer normalen Haltung stand Mortem aufrecht da, die Arme hingen schlaff zu beiden Seiten hinab. Zwar sah man es ihr nicht an, aber ihre Hülle signalisierte ihr, dass man nun entweder die Arme verschränken oder zumindest in die Hüfte stemmen sollte. Als fiele ihr dies nun auf, entschied sie sich für ersteres.
      "Das hier ist immer noch nur ein temporärer Aufenthalt. Dieser Körper ist nichts anderes als ein Gefäß, das schon mal gestorben und dessen Seele weitergegangen war. Ich achte nur darauf, seine Balance wie in einem Uhrwerk aufrechtzuerhalten", erklärte sie weiter.
      Ihr war natürlich bewusst, dass etliche ihrer Handlungen entgegen dem gingen, was für Menschen üblich war. Sie versuchte sich möglichst ähnlich zu verhalten, nur schien ihr das nicht immer zu gelingen. Manchmal machte sie auch einfach keinen Hehl daraus, dass ihr ein gewisses Maß an Empathie zu fehlen schien.
      Wenn sie allerdings eines für sicher wusste, dann dass Menschen furchtbar neugierige und wissbegierige Wesen waren. Darüber hinaus stand nur noch ihre Gier und Arroganz. Mortem war sich bewusst, dass Anthony zum größten Teil diese Fragen stellte, weil es sein Beruf war. Aber sie hörte aus seinen Fragen, wie er sie manchmal betonte und kurze Pausen zum Denken einlegte, dass er bei Weitem nicht so desinteressiert war, wie es vielleicht den EIndruck machte.
      Folglich ließ sie ihn reden bis er das Thema wechselte und einen Blick auf seine Uhr riskierte. Mortem setzte sich urplötzlich in Bewegung und hielt so knapp vor ihrem Aufpasser, dass sie nur durch eine Handbreite getrennt waren. Sie musste ein Stückchen aufsehen, da der Mann natürlich größer war als sie. Ihre Mundwinkel zuckten, als ein seltsam unpassendes Lächeln sich andeutete und sie ihre rechte Hand hob. Mit dem Zeigefinger malte sie in der Luft neben seinem Kopf eine imaginäre Uhr. "Hier befindet sich Ihre verbleibende Lebenszeit", flüster sie und malte dann neben der Uhr eine Kasten in die Luft, "und hier steht die Todesursache. Ich kann Ihnen allerdings versichern, dass dort nicht Eines natürlichen Todes gestorben steht. Wir wissen nicht, wer diese Ursache festlegt, aber Fatum kann sie verändern. Das würde sowohl Vita als auch ich sehen."
      Als sich ihre Hand senkte, glitt sie über Anthonys Schulter wie ein Stück Seide abwärts über seine Brust ehe sich der Kontakt verlor und ihr Arm reglos neben ihr baumelte. So leblos der Arm wirkte - umso lebendiger und facettenreicher waren ihre smaragdgrünen Augen, mit denen sie die seinen fixierte.
      "Solange niemand von uns Dreien einwirkt, werden Sie durch die Fügung gelenkt schnurrstracks auf Ihren im Geburtsrecht gegebenen Tod zusteuern. Wir können durch Taten oder Hinweise diese Entscheidung wandeln. Allerdings nicht mehr als einmal. Vita kann meine Entscheidungen und ich Vitas nicht revidieren", sprach sie weiter, hielt für eine Sekunde inne und fuhr dann fort, "Sollte ich Ihnen die Möglichkeit geben, Ihre Fügung zu ändern, wird sich die Todesursache ändern - nur weiß niemand, in welche. Wollen Sie ein bisschen Glücksspiel betreiben und sehen, ob Sie vielleicht doch einen natürlichen und friedvollen Tod bekommen?"



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Aufmerksam hatte er während der interessanten Erzählung zugehört, wobei er etwas seine Arme vor der Brust verschränkte. "Ich denke ich verstehe es, doch um ein Beispiel für Vita zu nehmen, wie merkt sie es denn, oder merkt sie es überhaupt, wenn eine Frau zeugungsunfähig sein sollte? Vor allem Fatum, wie das Schicksal? Wenn Fatum der eigentliche Drahtzieher ist, warum existieren dann Sie und Vita überhaupt? Warum muss am Fatum denn noch herumgeschraubt werden, wenn dieses doch endgültig sein sollte?", fragte er nun weiter interessiert nach, während er den Blick keine Sekunde lang von ihr abwandte. Natürlich gab es grausame Schicksale, wovon viele Personen auf dieser Welt betroffen waren, doch warum musste man dieses denn ändern? Immerhin konnten sie bestimmt nicht allen Hilfe leisten, oder gar alle von ihrem schlimmen Schicksal befreien. Mortems Körpersprache behielt er stets im Blick, da er keineswegs etwas übersehen wollte, was ihm hätte hilfreich sein können. Als steckte sie tatsächlich in einem Körper, von dem sie nicht wirklich wusste, was sie mit diesem hätte anfangen sollen. Doch viel ihr anscheinend nun selbst die nicht gerade normale Haltung des Körpers auf, da sie nun die Arme vor sich verschränkte. "Wann trifft der Zeitpunkt denn ein, wo Sie sich eine neue Hülle aussuchen, oder sogar in eine hineingesteckt werden? Passiert dies per Zufall, oder mit einer beabsichtigten Auswahl?", Fragen über Fragen türmten sich in Anthony's Kopf und jede von Ihnen wollte er beantwortet haben. Natürlich gehörte dies auch zu seinem Beruf, jedoch müsste er sich gewiss nicht die Mühe machen und jedes einzelne Detail in seinem Kopf auseinander pflücken, denn das war gerade was er ohne ein Wort zu sagen tat. Jedoch setzte sich Mortem nun unheimlich nahe zu Anthony in Bewegung, was ihn den Rücken gegen die Tür drücken ließ, doch verzog er nicht mal für einen Moment seine Mimik. Schlecht dürfte er Angst, oder sonstiges vor seiner Patientin zeigen. Kurz sah er zu ihrer Hand die sie gen Höhe hob und schenkte ihr dann noch aufmerksamer sein Gehör. "Na, welch angenehme Neuigkeiten. Wie kommt es allerdings, dass Sie mir doch noch eine nennenswerte Information zwecks meines Todes genannt haben?", hakte er nun doch nach, da er keinerlei Frage dazu gestellt hatte, was sie zu einer solchen Antwort hätte bringen können. Im nächsten Moment bildete sich auf seinem gesamten Körper eine Gänsehaut, als ihre Hand seine Brust hinab strich, doch hörte sie direkt danach mit der Berührung auf, bevor er noch sein Wort erhoben hatte. Handgreiflich würde er zwar niemals werden, also nicht gegenüber seinen Patienten, das hieß aber nicht, dass er sich alles gefallen lassen würde. Musternd blickte er dann in ihre doch schönen grünen Augen, wobei er die Farbe allein als angenehm und schön für Augen empfand, da er sie so selten zu Gesicht bekam. "Inwiefern denn Glücksspiel? Wenn Sie mir das erläutern, könnten wir dies gerne versuchen.", ging er auf ihre Worte ein, nachdem sie zu Ende gesprochen hatte, ehe er nochmals auf seine Armbanduhr sah. Wenn sie ihm nun ein gutes Angebot unterbreiten würde, wie man dieses Glücksspiel wie sie es nannte durchziehen würde, dann wäre er gewillt seine normale Arbeitszeit zu überziehen.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • Es bedurfte nur die vage Andeutung von Interesse seitens Anthony damit ein nahezu animalisches Grinsen in Mortems Gesicht erschien. Umgehend machte sie auf dem Absatz kehrt, um sich neben die Tasche auf die Bettkante zu setzen. Die Beine hatte sie ausgestellt, die Ellbogen auf ihre Oberschenkel gestützt und Kopf auf den beiden Handflächen abgestützt.
      "Wissen Sie, wenn mir eines augefallen ist, dann dass Menschen unfassbar gierig sind. Man bekommt sie wahnsinnig leicht manipuliert sofern man weiß, womit man sie locken kann. Deswegen nein - ich werde Ihnen nichts weiteres zu Ihrem Tod sagen. Ich sehe da einfach keinen Grund."
      Zugegebenermaßen war sie etwas enttäuscht, dass er sofort auf ihre Einladung eingegangen war. Auf der anderen Seite ahnte sie jedoch, dass dies nicht unbedingt nur seiner Neugierde geschuldet war. Nicht umsonst hatte man ihn zu ihr geschickt, um die angeblich Unheilbare zu kurieren. Dies ihn wissen zu lassen empfand Mortem jedoch als unnötig, wenn nicht sogar gefährlich. Innerhalb der kurzen Zeit konnte sie unmöglich die wahre Tiefe des Geistes eines gefestigten Menschens greifen und sie ermahnte sich, keine kurzfristigen Rückschlüsse zu ziehen.
      "Sehe ich das richtig, dass wir etwas zu essen bestellen? Ich glaube nicht, dass ich so noch einmal vor die Tür gehen darf,oder?", hakte sie plötzlich nach, als sei nichts gewesen. Ihr Finger deutete auf seine Armbanduhr. "Nahrung für diesen Körper gegen Antworten auf Ihre Fragen von zuvor. Was halten Sie davon?"
      Mortem richtete sich aus ihrer gekrümmten Haltung auf und holte sich eine schwarze Haarsträhne nach vorne, die sie nun ganz teenylike zwischen ihren Fingerspitzen zwirbelte. "Dieser Körper ist sterblich, haben Sie das bereits vergessen? Wenn ihm gewaltsam Leid angetan wird, stirbt er und setzt mich frei. Die nächstbeste Hülle wird dann mein. Wäre ich in der Lage auszusuchen, dann wäre ich mit Vorurteilen behaftet - und das darf natürlich nicht sein. Ich hab gehört, man soll wunderbar asiatisches Essen bestellen können?"
      Der Wechsel der Thematiken war eine ihrer Stärken. Sie sprang dermaßen schnell zwischen gedanklichen Routen, dass das Folgen manchmal schwierig war.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Jede ihrer Bewegungen musterte er und ließ Mortem keineswegs auch nur eine Sekunde aus seinen Augen. Keinen Moment wollte er verpassen, denn jede noch so wahrscheinlich unbedeutende Kleinigkeit, könnte sich als wichtige Information herausstellen, weshalb er stets auf der Hut sein musste. "Man könnte es auch als neugierig bezeichnen, da ich Sie nicht eine Sekunde lang dazu gedrängt habe, mir auf meine Fragen zu antworten, oder empfinden Sie da etwas anders?", seine Stimme klang sehr bestimmt, als wollte er nicht unbedingt Gefühle mit in dieses Gespräch hineinfließen lassen, was zu eventuellen Komplikationen führen könnte. Mit reiner Neugier hatten seine Fragen und die Zustimmung zu ihrer Einladung es aber nicht zu tun, da es sich nun einmal um seine Arbeit handelte, die er erfolgreich vollführen wollte. Da war Desinteresse ziemlich fehl am Platz, wobei sich Anthony auch nicht auf jedes dahergelaufenes Angebot stürzte, sondern die ihm zu Verfügung stehenden Möglichkeiten durchgeht. "Richtig erkannt, heute ist es dafür zu spät, um mit Ihnen noch einmal, direkt am ersten Tag, nach Draußen zu gehen.", entgegnete Anthony lediglich mit einem zustimmenden Nicken, als er dann auf die Deutung Mortem's achtete, die auf seine Armbanduhr wies. "Dann schießen Sie mal mit ihren Antworten los und ich bestelle schon einmal etwas zu Essen, wobei ich dann nur noch wissen müsste, was genau Ihnen zum Essen vorschwebt.", ruhig wie eh und je, kamen seine Worte auf Ihre geflogen, woraufhin er bereits sein Handy aus der Hosentasche herausholte, es allerdings noch keines Blickes würdigte.
      Woher wohl nun dieses teenylike Verhalten herkam? Anthony konnte ihre Verhaltensmuster noch nicht genau zuordnen, aber dafür hätte er noch einiges an Zeit, welche er in vollsten Zügen ausnutzen würde. "Nein, das habe ich nicht bereits vergessen, doch haben Sie meine Frage damit beantwortet. So hat es mich lediglich interessiert, wann Sie in eine neue Hülle geraten.", sanft begann er nach ihrem Themenwechsel zu lächeln, ehe er dann seinen Blick auf das Handy warf, dieses entsperrte und eine App öffnete. "Asiatisch dann also? Irgendetwas spezielles?", hakte er nach, woraufhin Anthony noch einmal zu Mortem sah.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • "Stehen die Asiaten nicht so furchtbar auf gebranete Nudeln oder sowas in der Richtung? Das passt schon", erwiderte Mortem mit abwinkender Geste. Offensichtlich war sie gedanklich schon wieder ganz woanders.
      Im nächsten Augenblick hatten sich ihre Augen wieder auf Anthony gerichtet, wobei man bereits sah, dass sie irgendetwas zu planen schien.
      "Sie haben doch bestimmt einen gesonderten Schlüssel für diese Lokalität, richtig? Wären Sie so gütig ihn mir einmal zu leihen? Oder holen Sie bitte einfach mal den Schlüsselbund hervor", bat sie und wartete ab, bis er tat wie geheißen.
      Sie ließ ihn die Schlüssel am Bund etwas auseinanderfächern bis sie auf den Schlüssel am Bund deutete, der noch am meisten glänzte. "Den würde ich mir einmal kurz leihen, wenn's geht."
      So schnell wie sie Anthony den Schlüssel abgenommen hatte, nachdem er ihn vom Ring gefriemelt hatte, so schnell war sie auch wieder an dem Bett. Dort legte sie den Schlüssel ab und zischte kurz, als ihr auffiel, dass sie etwas vergessen hatte. Hinten im Raum war eine kleine Tür, die höchstwahrscheinlich in ein Badezimmer führte. Dort verschwand sie kurerhand und kehrte mit einem Gästehandtuch wieder zurück. Dann nahm sie wieder Platz auf dem Bett, breitete das Handtuch auf ihre Oberschenkeln aus und legte ihren linken Unterarm darauf ab.
      "Vielleicht ist es sinnvoll wenn ich Ihnen zeige, dass dies nichts anderes als eine geliehene Hülle ist", fing Mortem an zu erklären, nahm sich den Schlüssel mit der rechten Hand und begann, in schnellen, kräftigen Zügen auf ihrem Unterarm zu sägen. Schnell taten sich die ersten klaffenden Risse in ihrer Haut auf. "Ich verspüre nämlich keinen Schmerz. Sie könnten mir ein Bein abhacken und ich würde es nicht merken. Würde ich Schmerz verspüren, wäre ich ja einfach zu manipulieren und zu bedrohen, nicht wahr?"
      Sie sagte das in absolut ruhigem Tonfall, als säße sie gerade auf einem Picknicktuch draußen auf einer grünen Wiese. Unterdessen hatten sich die Risse in Abgründe verwandelt, aus denen das Blut wie aus kleinen Wasserquellen drang und über die Ränder ihren Arm hinunterlief. Das war auch der Grund, warum sie sich das Handtuch unterlegte hatte. Sie wusste wie schockiert Menschen auf Blutspuren in der Regel reagierten. Nachdem sie ihrer Meinung nach ihre Erläuterung beendet hatte, wickelte sie sich das Handtuch um den Arm und wischte den Schlüssel daran ab.
      "Ich kann ihn gerne gleich noch abwaschen, falls Sie das ekelig finden."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Ja tun sie, dann werde ich Ihnen so etwas in die Richtung bestellen.", gab er nur als knappe Bestätigung zurück, wandte aber seinen Blick nicht von ihr ab. Es würde noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen Mortem zu verstehen und ihre Verhaltensmuster zu analysieren, sodass sie sogar eventuell bald wieder auf freiem Fuß herumlaufen kann. Im nächsten Moment bat Sie dann aber auch schon nach dem gesonderten Schlüssel der im überreicht wurde, oder allgemein nach seinem Schlüsselbund, was sich Anthony vorerst nicht wirklich erklären konnte. Ohne Widerworte tat er was sie ihm sagte, machte den Schlüssel von dem Ring ab und schon befand sich dieser in den Händen der Frau. Warum sollte Anthony sie auch aufhalten, wenn dies eine sehr gute Gelegenheit war Mortem weiter bei ihren Handlungen zu beobachten? Doch die nächsten Handlungen von ihr ließen ihn deutlich die Stirn runzeln, ehe er beinahe schon zu ihr stürmte, als sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre Haut mit dem Schlüssel aufriss. "Aufhören... Sie dürfen sich nicht selbst Schaden zufügen, sonst können Sie es sich gleich mit einer Entlassung aus dieser Einrichtung abschminken.", meine Anthony unmissverständlich, nahm Mortem ohne weitere Worte den Schlüssel aus der Hand und machte sich in dem Raum zu einem Erste-Hilfe-Kasten auf. Auch wenn es eine nicht gerade schlechte Demonstration war Anthony zu zeigen, dass es sich bei diesem Körper nur um eine Hülle handelte, so könnte sie mit solch einem Verhalten für große Probleme, für die Beiden, sorgen. "Mich dafür zu bedanken ist etwas unangemessen, dennoch war es interessant mit anzusehen, dass Ihr nicht einmal mit der Wimper gezuckt habt.", sprach der Dunkelhaarige vor sich her, als er den Kasten endlich aufgeschlossen hatte, alle nötigen Verbandsmittel mit sich nahm und sich kurzerhand kniend vor Mortem wieder fand. "Nicht bewegen.", beinahe komplett ruhig meinte Anthony dies zu ihr, ehe er das Handtuch von ihren Wunden nahm und sofort damit begann sie vernünftig zu verarzten. Nicht allzu lange benötige er für eine sorgfältige Verarztung ihres Arms, woraufhin er den entstandenen Müll entsorgte und das Handtuch unter seinen Arm klemmte. "Nicht nötig, keine Sorge. Ich werde ihn gleich selbst reinigen.", mit diesen Worten ließ er den Schlüssel in seiner Hosentasche verschwinden und holte daraufhin sein Handy raus. Mit wenigen Berührungen auf dem Display bestellte er für die Beiden dann auch schon jeweils eine Portion zu Essen. "In etwa einer halben Stunde sollte unser Essen eintreffen, gib es etwas worüber Ihr noch sprechen möchtet?"
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • Sogar Mortem war es klar, dass solche Handlungen in der Öffentlichkeit gewisse Konsequenzen nach sich zogen. Allerdings tat sie es nicht aus Fahrlässigkeit. Sie wusste ganz genau, dass nichts von dem hier nach Draußen gelangen würde. Und vermutlich müsste sie Anthony dies einfach noch einmal verdeutlichen.
      Interessant war allerdings ihr Gesichtsausdruck, als er vor ihr kniete und ihren geschundenen Arm so gut es ging versorgte. Wohl wissend, dass sie sich für einen Moment nicht darum kümmern musste, welche Sprache ihre Mimik sprach, wurde ihr Ausdruck von einer unendlichen Schwere erdrückt. Sie sah auf den Menschen vor sich hinab wodurch der Eindruck entstand, dass sie sich kilometerweit von ihm entfernt befand. Also könne sie ihn niemals erreichen, als wäre sie ein einem völlig anderem Ort. Für einen winzingen Moment sah es so als, als litt sie purer Seelenpein.
      Doch sobald Anthony fertig war und sich erhob, um den Abfall zu entsorgen, wechselte Mortems Miene blitzschnell. Da war nun wieder dieser leicht herausfordernde und irgendwie seltsam abwesende Blick in ihren Augen, mit dem er sie kennengelernt hatte. Auf die Frage hin, ob sie noch etwas besprechen wollte, schoss sie direkt drauf los: "Können Sie das Siezen lassen? Das klingt schrecklich in meinen Ohren."
      Sanft fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über ihren Arm und die Verbände, die ihren dünnen Arm in den einer Mumie verwandelt hatten. Urplötzlich schoss eine Momentaufnahme durch ihren Geist, die sie zusammenfahren ließ. Ein Ächzen entwich ihr, als sie sich die Schläfen rieb und sich kurz darauf wieder aufrichtete. Sie hatte gerade eine Erinnerungen erlebt, die sie nicht klar zuordnen konnte. Gehörte sie dem Körper oder tatsächlich Mortem? Es war ihr unmöglich festzulegen, wie alt diese Erinnerung sein mochte. Klar war nur, dass es diesem Körper widerfahren war und scheinbar ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein mochte. Wunderbar, dachte Mortem, jetzt leidet dieser Körper auch noch unter Flashbacks oder was?
      "Ich plane nicht, solche Aktionen in der Öffentlichkeit zu wiederholen. Mir ist schon aufgefallen, dass die Menschen solche Handlungen nicht als geistig gesund einstufen", sprach Mortem weiter um sich von den letzten Resten der stechenden Kopfschmerzen freizumachen, "zumal ich Ihre Zeit nicht länger als nötig in Anspruch nehmen möchte. Ich werde hier eh nicht sonderlich lange verweilen, würde ich meinen."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Ihr suizidales Verhalten würde Anthony wohl vorerst nicht melden, da Mortem ihm offensichtlich nur eine Demonstration liefern wollte, als ihr eigenes Leben zu beenden. Während er ihren Arm sorgfälltig verartzete blickte er ausnahmsweise keine Sekunde lang in ihr Gesicht, da er sich keinerlei Fehler bei der Verarztung erlauben wollte, sonst würde die Wunde ununterbrochen weiter bluten. "Wenn dies das Einzige ist, was du gerade möchtest, dann wird es wohl kein Problem darstellen.", sofort setzte er ihre Anfrage natürlich um, denn einen Grund sie daraufhin weiter zu siezen hatte Anthony nicht. Das Handy ebenfalls wieder in seiner Hosentasche verstaut, blickte er wieder zu Mortem und bekam mit, wie ihr Körper plötzlich zusammenfuhr. "Ist alles in Ordnung?", kam es sofort von ihm herausgeschossen, doch lag dies nicht an ihrer Wunde, die sie sich eben zugefügt hatte, denn immerhin konnte sie ja laut ihrer Aussage und Demonstration keine Schmerzen spüren. Jedoch achtete er dann auch schon auf ihre nächsten Worte und nickte sachte mit seinem Kopf. "Besser ist es auch, ansonsten wirst du wohl gar nicht mehr aus solchen Anstalten herauskommen. Von daher sei dir auch nicht so sicher, dass du nicht mehr sonderlich lange verweilen wirst." Ernst klangen Anthonys Worte gewiss, immerhin war dies kein einfaches Spiel, aus welchem sich Mortem schlingen konnte, ohne, dass ihr auch nur ein weiteres Haar gekrümmt wird. Oft hatte er selbst es schon mit Personen zu tun, die der festen Überzeugung, sowie Meinung waren, dass sie nicht mehr lange in diesen Anstalten weilen würden und die Meisten von Ihnen hatten sich stets getäuscht. Traurig mit anzusehen war es zwar, allerdings gab es meist keine andere Möglichkeit, um einen die Realität vor Augen zu führen. "Dürfte ich denn wissen, was genau dich so sicher macht, dass du nicht mehr lange hier sein wirst?", stellte er dann doch seine Frage nach kurzem Bedenken und blickt dabei Mortem interessiert in ihr Gesicht, während er auf eine Antwort wartet. Ob Mortems Worte der Wahrheit entsprechen würden, oder ob es herbeigezauberte Lügen sein würden, all das konnte Anthony noch nicht wirklich voraussehen. Doch hatte er zumindest noch, zum jetzigen Zeitpunkt, noch einiges an Zeit vor sich, die er mit Mortem verbringen würde und welche er nutzt um sie kennenzulernen.
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”
    • Es war ein stummes Mimikspiel, dass die junge Frau nun zeigte, als ihr Blick zunächst für ein paar Sekunden auf der Fensterscheibe verweilte, nur um sich dann auf Anthony zu fokussieren. Auch dies tat Mortem ein paar Sekunden bevor sie auf die ihr gestellte Frage antwortete: "Ich glaube, ihr Menschen nennt es eine Art Gefühl, eine Art Vorahnung. Selbst wenn ich es wollte - es stünde mir nicht zu, sesshaft zu werden. Es ist so, als fehle mir ein entscheidender Teil meines Ichs, um vollständig zu sein. Ich weiß, dass es da draußen irgendwo ist. Und dieses Gefühl treibt mich weiter mit der Gewissheit auf meinen Schultern, nirgends festzustecken."
      Das alles floss wie selbstverständlich aus ihrem Mund. Nicht ein Funken Zweifel schwangen in ihren Worten mit, es schien beinahe so, als sei es das, auf dem ihr Wesen basierte. Es war eine winzige Bewegung ihrer Augen, die verriet, dass sie den Mann ihr gegenüber nicht mehr völlig im Fokus hatte.
      "Ich spüre keine Schmerz - das ist nicht normal. Es gibt keine Daten über diesen Körper - auch nicht normal. Für alle anderen rede ich wirres Zeug - ebenso wenig normal. Meine ganze Existenz scheint anormal zu sein und für gewöhnlich stoßen Menschen genau das ab, was sich ihnen als nicht greifbar offenbahrt. Natürlich kann euer Geist es nicht erfassen, wenn der Tod euch gegenüber steht. Das, was das Letzte sein wird, das ihr sehen dürftet. Es gibt doch etliche Berichte über Nahtoderfahrungen, die mehr oder weniger abstrakte Dinge schilderten. Was ist denn, wenn die Seele ein Bild projeziert? Sollte es mich so auf dieser Erde in dieser Form, so müsste mich doch irgendjemand erkennen, oder nicht?"
      Eine rein hypothetische Fragestellung. Zum jetzigen Zeitpunkt wollte Mortem Anthony nur als Beschäftigung beibehalten. Sie besaß keine Moral, keinen Anstand um sich an Dinge wie Versprechen zu halten. Allerdings mangelte es ihr nicht zwangsläufig an dem notwendigen Verständnis, um ihre aktuelle Lage zu reflektieren. Selbst wenn sie noch in dieser Nacht türmte, müsste sie sich zunächst orientieren. Und da sie nicht nur diesem Therapeuten sondern auch der ansässigen Polizei bekannt war, würde eine Flucht durch Nacht und Nebel nur einen milden Erfolg erzielen können. Sie würde Anthony schon davon überzeugen müssen, dass sie der leibhaftige Tod war.
      Und das würde zwangsläufig nur gelingen, wenn sie ihm zeigte, wie sie eine Uhr auf Null drehte.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Mortems Erzählungen glichen einem musikalischen Werk, von dem Anthony seine Ohren nicht lassen konnte, wobei seine Augen stets auf die junge Dame fixiert waren, damit ihm kein Moment ihrer Mimik entgeht. Als sie es begann wie eine Vorahnung zu beschreiben, wirkte er für einen Moment interessierter, wobei er es jetzt schon bereute seinen Notizblock nicht mitgenommen zu haben, wobei das einige seiner Schützlinge als durchaus störend empfanden, wenn man ohne Probleme etwas über sie auf ein Blatt Papier schrieb. Gewiss konnten sie Einblick auf diese gekritzelten Notizen fordern, jedoch fassten die Meisten nicht den Mut dazu auf, überhaupt diese Frage zu stellen.
      "Ich denke, dass deine Beschreibung es gut genug trifft, wobei diese Abnormalitäten noch um einen Deut interessanter sind.", fing Anthony an auf ihre Worte hin zu sprechen und blickte dabei für einen Moment noch einmal auf ihren verletzten Arm. "Es wäre durchaus schlüssig, wenn dich jemand mit einer Nahtoderfahrung wieder erkennen würde, falls sie denn tatsächlich, dich, den Tod vor Augen sahen.", ein Anderer hätte womöglich diese Worte nicht so gelassen über die Lippen bekommen, da es für das menschliche Denken keinen Sinn ergab, dass der Tod, mit einem menschlichen Körper, hier auf der Erde wandert. Ein leises Magenknurren folgte, als Stille einkehrte, ehe Anthony entschuldigend drein blickte. Jedoch wurde bereits nach einer kurzen Zeit an der Zimmertür geklopft und nach ihm gebeten, woraufhin er sich sofort zu der Person hinter der Tür wandte und ihr Anliegen klärte. "Vielen Dank.", war es nur noch von Anthony zu hören, der das bestellte Essen in seinen Händen hielt und damit zu dem kleinen Tisch in diesem Zimmer ging, bei dem sich zwei Stühle befanden. "Lass uns Essen, bevor es kalt wird.", meinte er mit einem freundlichen Lächeln auf seinen Lippen, ehe er das Essen abgestellt hatte und Platz nahm. All die Verpackung entfernt, nahm Anthony sich das beigelegte Besteck und setzte zum Essen an. "Guten Appetit."
      “Never be afraid to be kicked in the teeth. Let the blood and the bruises define your legacy.”