Wù wàngwǒ - Forget me not [Ronin&CopperTellurium]

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    • Wù wàngwǒ - Forget me not [Ronin&CopperTellurium]

      First Chapter: Clouds 烏雲

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      Jiāolóng Zhū


      Der Regen verwandelte die Geräusche der Stadt in ein weißes Rauschen. Wenige Menschen hielten sich in den Straßen auf, nur einige verloren Seelen wanderten umher, doch selbst diese bemühten sich der Nässe zu entfliehen. Eine Figur stach jedoch heraus: ein junger Mann, seine Schritte ruhig, sein Gang entspannt. Als würde ihm das Wetter nichts anhaben. Er hatte eine Hände in seinen Taschen vergraben - eine unfreundlich, ablehnende Haltung. Neben ihm jedoch war ein zierlivhes Tapsen zu hören. Es war ein kleiner Shiba Inu, welcher offensichtlich zu ihm gehörte. Der kleine Hund lief ohne Leine, hatte jedoch einen kleinen Regenmantel an um die Feuchtigkeit abzuhalten.
      Der Mann kam zum Stehen. Vor ihm tat sich das Fenster eines unscheinbaren Kiosks auf. Der Besitzer könnte nicht stereotypischer sein - in die Jahren gekommen, rauchend, nicht sonderlich freundlich. Dennoch zeigte er ein Lächeln, als er mit einem :"Arthur, schön dich zu sehen!", begrüßt wurde. Der Jüngere reichte ihm die Hand. Mit einem Seufzen stand er auf und erwiderte die Geste, bevor er in den Regalen neben sich ein paar Sachen zusammen suchte. Seine Griffe waren automatisiert - anscheinend kaufte der Hundebesitzer hier des öfteren ein. "Ich frage mich wirklich warum du hier noch einkaufst, Bursche.", bemerkte er mit rostiger Stimme, seinen Kopf schüttelnd. Der Junge grinste. "Ich halte nichts von Supermärkten. Außerdem hast du meinen liebsten Tabak.", erwiderte er nur und nahm die Sachen entgegen. Dann legte er das benötigte Geld auf den Tresen und machte sich wieder auf den Weg. Schnell war seine Silhouette in den strömenden Tränen des Himmels verschwunden.




      Seine Kleider waren durchnässt als er durch die bereits geöffnete Haustür trat. Im Flur konnte er einige Kartons entdecken - sie waren sehr ordentlich gestapelt und zur Seite gestellt. Ob wohl jemand neues eingezogen war? Jin erinnerte sich daran etwas gehört zu haben, doch er interessierte sich generell nicht all zu sehr für seine Nachbarn. Sie waren schließlich alle gleich; spießig, aber nicht genügend Geld um dies richtig auszuleben.
      "Komm Miko.", kam es ruhig aus seinem Mund, während die Hündin interessiert die Pakete inspizierte. Als sie jedoch bemerkte, wie Jiāolóng die Treppen hinauf stieg, folgte sie diesem schnell. Ein sanftes Lächeln zeichnete sich auf dem Gesicht des Mannes ab. Er liebte seine Partnerin und war froh ein solch loyales Wesen um sich haben zu können.
      Das Apartment welches er bewohnte, befand sich im obersten Stockwerk. Er war nicht sportlich und so war sein Atem schwer, als er vor seiner Haustür stand. Schnell war die Tür geöffnet, er trat er hinein und kümmerte sich dann liebevoll um seine Hundedame. Ein Handtuch bedruckt mit pinken Pfoten sollte als Werkzeug dienen, das Fell wieder trocken zu bekommen. Zuvor befreite er Miko natürlich von ihrem Mantel. Als alles erledigt war, suchte er in einer hängenden Jacke nach einem Feuerzeug.
      Er trat erneut durch die Haustür und stand nun im Flur mit einer Zigarette in seinem Mundwinkel. Er war ein offener Flur mit Überdachung. Eigentlich zog Jin es vor in seiner Wohnung zu rauchen, aber nach mehrmaliger Beschwerde seines Vermieters musste er dies nun unterlassen. Er hatte keine Lust auf einen erneuten Umzug.
      Die Zigarette war schnell entzündet und so stand er nun am Gelände lehnend vor seiner Tür. In Gedanken versunken starrte er in den Himmel. Schon oft hatte er sich gefragt, ob er in diesem Moment glücklich war. Beschweren konnte er sich nicht. Auch wenn viele Personen argumentieren würden, seine Art zu leben war nicht gesund. Doch was war schon gesund? Ständig streiteten sich die Geister. Und im Endeffekt würde man eh sterben, warum also nicht das Leben genießen, wo man noch jung ist.
      Plötzlich bemerkte der Künstler nur wie etwas warmes über seine Lippen tropfte. Natürlich musste es erneut passieren. "Fuck!", rief er nur laut heraus und hielt seine Hand unter die Nase, damit das Blut nicht seine Kleidung beschmutzte. Dennoch blieb er noch draußen, denn er musste schließlich seine Zigarette zu Ende rauchen. Das Nasenbluten war ihm schon lange egal geworden, auch wenn ihm seine Mutter geraten hatte zum Arzt zu gehen. Doch er traute diesen Leuten nicht sonderlich..


      @CopperTellurium

      Vorstellung
      If the door of perception were cleansed every thing would appear to a man as it is,
      Infinte.
      -William Blake

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    • Rachel Meadows

      "Ein tolles Wetter zum Umziehen", kam es der schwer atmenden Blondine über die rosigen Lippen, während sie sich mit ihren zierlichen Händen auf einem der Umzugskartons in ihrer neuen Wohnung abstützte. Ihr Blick galt dem verregnetem Fenster, welches das triste Gewitter in all seiner Pracht darstellte. Besonders da noch nicht viel im Weg stand, um den Blick aufs Fenster zu verbergen. Wenigstens hatte ihre Schwester Chelsea ihr geholfen alle Kisten in den Eingangsflur des Hauses zu bringen und mit ihr zusammen zumindest die Möbel hochgetragen. Die Beiden hatten kein Wort darüber verloren, dass es weder eine gute Entscheidung gewesen war ausgerechnet in eine Wohnung im obersten Stock zu ziehen, als auch, dass es nicht schlau von den beiden Frauen gewesen ist, die Hilfe ihrer Eltern abzulehnen. Chelsea wollte ihrer kleinen Schwester weiß machen, dass diese auch ganz selbständig klar kommen würde. Nun stand sie aber alleine in dem Chaos aus gefüllten Pappkartons, die alle in ihrer ordentlichen Handschrift mit dessen Inhalten bezeichnet waren, dabei stand der Großteil noch unten am Anfang der ewigen Treppenstufen. Natürlich kam ihrer Schwester etwas dazwischen, weswegen der restliche Umzug an ihr hängen geblieben ist.

      Tief atmete die Blondine ein. Es war ihre Entscheidung gewesen, da musste sie nun durch. Langsam richtete sich ihr zierlicher Körper auf und sie stützte die Hände in die Hüfte. Es gehörte definitiv nicht zu Rachels Stärken positiv zu bleiben, nur wenn sie sich vor anderen befand, war sie der Sonnenschein, welcher selbst so einen verregneten Tag noch retten konnte. Nun allein gelassen hatte sie ihre Bedenken, ob sie das Ganze überhaupt hinbekommen würde.
      Ein lauter Ausruf riss die junge Frau aus den verzweifelnden Gedanken, wie sie die ganzen restlichen Kisten alleine hochtragen würde. Mit behutsamen Schritten schlich sie vorsichtig zur Haustür. Rachel wollte eigentlich nicht viel mit den neuen Nachbarn zu tun haben. Sie war nicht darauf bedacht neue Bekanntschaften zu machen, ihre Schwester reichte ihr als Freundin. Doch befand sich offensichtlich jemand anderes auf dem Flur. Nur um sich zu vergewissern, ob diese Person sich weiterhin dort aufhielt, zog sie langsam ihre Tür einen kopfbreiten Spalt auf und schob ihren blonden Haarschopf nach vorne. Ihre blauen Augen blickten sich skeptisch um, als sie plötzlich den jungen Mann eine Tür weiter am Gelände lehnend fand. Natürlich traf sie auf jemanden, der ihre hilfsbereite Seite hervorlocken würde.

      "Alles in Ordnung?", fragte sie aufgrund des offensichtlichen Nasenblutens, doch bevor sie die Antwort abwarten konnte, verschwand ihr puppenhaftes Gesicht wieder in der neuen Wohnung. Zumindest Taschentücher könnte sie ihm ja anbieten, danach würde sie sich einfach schnell mit ihrem Umzug aus einer Konversation rausreden. Die schlanke Blondine huschte zu ihrer Handtasche, denn wie jede Frau hatte sie natürlich eine Packung der nützlichen Tücher bei sich. Kurz kramte sie in der roten Tasche und es brauchte einen Augenblick, bis sie in dem wohlgehüteten Chaos den gesuchten Gegenstand fand. Mit einer Plastikpackung in der Hand ging sie wieder auf die Tür zu. Dieses Mal betrat sie auch den offenen Flur und machte einen Schritt auf den Schwarzhaarigen zu, während sie ihm die Taschentücher mit einem weit ausgestreckten Arm hinhielt. "Das sollte vielleicht helfen", meinte sie bemitleidenden Lächeln auf den Lippen und betrachtete dabei das Blut, welches von seiner Nase hinab auf seine Hand lief. Obwohl sie ihm mit dieser Geste entgegen kam, hielt die junge Blondine ihren Abstand zu ihm.
      Einen Schritt weit entfernt betrachtete sie seine durchnässte Kleidung, das markante Gesicht und die schwarzen Haare, welche an den Seiten kurz rasiert waren. Das verwischte Blut im Gesicht und an den Händen gab dem Fremden erst recht das Aussehen eines Typen, mit dem man sich nicht anlegen wollte. Das kam Rachel wohl gerade recht, welche mit den hellen Haaren und dem mädchenhaften Outfit - bestehend aus einem weißen Trägertop mit Spitzendetails und einer hellen Highwaist-Jeans zusammen mit einem dunkelroten, lockersitzenen Cardigan - einen völligen Kontrast zu dem Schwarzhaarigen darstellte. Dennoch fragte die junge Frau über das Plätschern des lauten Regens hinweg: "Kann ich dir noch irgendwas bringen?"
    • Jiāolóng Zhū

      Vor seinen Augen tänzelte der Rauch einige Momente, bevor er mit dem Grau des Himmels verschmolz. Der nur zu bekannte Geruch des Blutes stieg seine Nase hinauf, seine Finger waren benetzt und sein Blick genervt. Dennoch hörte er wie jemand hinter ihm die Tür öffnete - er vermutete sein Nachbar der sich über den Rauch beschweren würde. Der Klang einer fragilen weiblichen Stimme passte allerdings nicht zu dieser Vermutung und so wandte er sich nur verwirrt um, doch die Tür war dann bereits geschlossen. Sich wundernd was die Frau genau vor hatte zog er erneut and seinem Glimmstängel. Für einige Sekunde brannten sein Lungen auf, doch er genoss den kurzen Rausch der darauf folgte, trotz der roten Flüssigkeit welche noch immer sein Gesicht benetzte.
      Bereits wenige Augenblicke später kam die Unbekannte zurück, in der Hand ein Päckchen mit Taschentüchern. Natürlich, sie wollte wohl nur nett sein. Nachdem der junge Mann dankend eines entnommen hatte, hielt er es sich unter die Nase um die Blutung zu stoppen. Auch wenn er wusste, dass es nicht wirklich helfen würde, empfand er es dennoch als aufmerksame Geste.
      Jin betrachtete die ihm unbekannte Person nun ausgiebig. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen, als er begann sie von ihren Schuhe bis hin zu ihrem Gesicht zu studieren : Junge Frau, Anfang 20, gepflegtes Äußeres und Sinn für Mode. Ihr Ausdruck war freundlich, doch als Jiāolóng sich entsinnte hatte er diese Person noch nie in diesem Gebäude gesehen. Musste wohl die neue Nachbarin sein. Knapp antwortete der Dunkelhaarige:"Danke, passt schon.", als er das voll gesogene Tuch zusammen faltete. Vorsichtig tastete er mit seinen gezeichneten Händen den Bereich um die Nase ab, doch anscheinend hatte die Blutung bereits gestoppt. Nur einige Reste blieben zurück, doch augenscheinlich schien er sich nicht weiter darum zu kümmern. Er drückte seine Zigarette aus und verstaute die Überbleibsel in seinem Aschenbecher, welcher auf der kleinen Fensterbank seines Fenster untergebracht war. Er war überfüllt, viele Stummel ragten in verschiedene Richtungen heraus.
      Seine hellen Augen huschten über den zierlichen Körper der Dame. Objektiv gesehen war sie wirklich schön anzusehen, auch wenn seine Kategorie Frauen meist deutlich.. ausgefallener war. Es hielt ihn jedoch nicht davon ab das Bild vor sich genießen zu können. Normalerweise war er kein Freund von Smalltalk, doch etwas an dieser Person hatte sein Interesse geweckt, denn trotz ihrer Normalität schien sie etwas an sich zu haben, was sie anders machte. "Bist neu hier oder? Hab dich noch nie gesehen.". Seine Stimme klang interessiert, doch das exzessive Rauchen hatte sie leicht kratzig werden lassen. Im Gegensatz zu seinem zum Ausdruck gebrachten Interesse blieb seine Mimik jedoch kühl. Seine Körpersprache trug auch nicht sonderlich dazu bei, denn er vergrub wie gewohnt seine Hände in der großen Tasche seines Pullovers.
      Jin dachte über viele Dinge nach während er die Unbekannte betrachtete. Mit großer Wahrscheinlichkeit war dieses blonde Mädchen von seinem Aussehen abgeschreckt, würde die nächstbeste Ausrede finden um das Gespräch zu beenden. Nicht, dass er besonders scharf darauf war sie besser kennen zu lernen - oder vielleicht doch ein wenig, aber er machte sich nicht große Hoffnungen. Über die Jahre hatte er nur ein gewisses Gespür für das Verhalten anderer entwickelt. Insbesondere für das von Frauen, schließlich waren diese seine Zielgruppe.
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      Infinte.
      -William Blake

    • Rachel Meadows

      Fast schon fürsorglich betrachtete sie den Schwarzhaarigen dabei, die bereits nachlassende Blutung mit dem Taschentuch zu stoppen. Mittlerweile hatte sie die schmalen Arme vor der Brust verschränkt, die restlichen Taschentücher hielt sie in der Hand, bereit ihm notfalls noch welche zu geben. Dafür, dass es sich um Nasenbluten handelte, nahm er es jedoch ziemlich gelassen. Mit vernarbten Knöcheln fasste er sich um die Nase, bevor er das befleckte Taschentuch wegnahm und einige Stellen unachtsam blutig ließ. Passierte ihm das häufiger oder hatte er generell eine gleichgültige Einstellung gegenüber dem Leben? Angesichts des voll gefüllten Aschenbechers, in welchem er seine Zigarette ausdrückte, vermutete Rachel eher letzteres. Dazu kam seine gleichgültige Miene, die den freundlichen Gesichtsausdruck der Blondine nicht erwiderte. Doch war es nicht ihre Aufgabe sich um die Einstellung anderer Menschen zu kümmern.

      Es brauchte einen Moment, mittlerweile hatte die junge Frau aber ihr offenherziges Lächeln auf, was ihr half nach außen hin das von ihr gewünschte Bild eines glücklichen Mädchens darzustellen. Dieses schenkte sie ihm, obwohl das Aussehen ihres Gegenübers zugegebenermaßen abschreckend auf sie wirkte. Je mehr sie ihn mit den kristallblauen Augen betrachten konnte, umso genauer wusste sie, dass ihr weiterhin nicht der Sinn nach neuen Bekanntschaften stand. Statt ihm dieses stets fortbestehende Gefühl mitzuteilen, hielt sie ihm stattdessen ihre filigrane Hand mit rot lackierten Nägeln entgegen. War das eine gute Idee angesichts dessen, was ihm gerade passiert war? Darüber dachte sie garnicht zu viel nach, sie wollte nur einen höflichen Eindruck machen.
      "Ja, ich bin gerade dabei meine Umzugskartons in die Wohnung zu befördern", erklärte sie als Antwort auf seine Frage hin, bevor sie hinzufügte: "Ich bin Rachel, wie heißt du?" Sie war vielleicht einen halben Schritt näher auf ihn zugekommen, doch sprach alles an ihm dafür, dass er selbst Abstand halten wollte.
      Die zuvor blutigen Hände hatte er in seinem Pullover versteckt und seine hellen Augen musterten sie von oben bis unten aus einem abschätzenden, als auch kalten, Gesichtsausdruck heraus. Eventuell war er einfach genauso wenig davon angetan neue Leute kennen zu lernen, wie die Blondine selbst, welchen Grund auch immer das bei ihm hatte. Dann musste sie sich zumindest bei einem Nachbarn keine Gedanken mehr machen ob sie die Person kannte und vergessen hat, wie sie sich verhalten sollte und besonders musste sie sich dann nicht mehr bemühen die Fassade der problemlosen Rachel aufrecht zu erhalten. Diese ermöglichte der jungen Frau zwar selbst jemandem wie dem schwarzhaarigen Fremden urteilslos entgegen zu treten, aber was brachte das Ganze, wenn sie sich nach paar Tagen sowieso nicht mehr daran erinnern würde?

      Innerlich seufzte Rachel auf. Würde sie noch auf viele andere Nachbarn treffen, die sie in ein Gespräch verwickeln wollten? Würde sie diese Anfälle irgendwann in den Griff kriegen? Sie wollte ja niemanden verletzen, weswegen sie überhaupt diese Eigenart entwickelt hat, aber eigentlich kam sie lieber alleine zurecht. Außer wenn es sich um das Rumschleppen von gefüllten Pappkartons hielt, das war wohl eine Situation wo sie gerne mal eine Bekanntschaft für hätte.
      "Du wohnst direkt neben an?", führte sie schließlich trotz all ihrer widersprüchlichen Gedanken den Smalltalk mit einem Lächeln fort und deutete auf den Aschenbecher, in welchem sich unzählige Zigarettenstummel angesammelt hatten. Vielleicht war es wirklich besser, wenn er nichts von ihr erwartete, denn ihn würde sie, ob sie wollte oder nicht, bestimmt öfter im Flur antreffen.
    • Jiāolóng Zhū


      Seine rechte Augenbraue erhob sich unglaubwürdig. Anscheinend hatte die Blondine sich tatsächlich vorgenommen die Kartons eigenhändig in ihre neue Wohnung zu befördern, was ihn doch amüsierte. Ihre Statur war schmal und ihre verschränkten Arme verliehen ihrem Profil auch nicht mehr Sportlichkeit. Doch er konnte auch verstehen, wenn man nicht genügend finanzielle Mittel hatte, sich professionelle Hilfe zu leisten, sodass einem nichts andere übrig blieb, als den gesamten Hausstand selbst zu transportieren. Auch er war des öfteren dieser Misere ausgesetzt, denn der junge Mann war nicht der Vorzeige-Mieter. Der Eigentümer dieser Wohnungen schien jedoch um einiges gelassener zu sein, auch wenn er sein Rauchen nach draußen verlegen hatte müssen.
      Die junge Frau stellte sich vor und selbst auf dem Gesicht des zuvor kühlen Mann zeigte sich eine Andeutung eines Lächelns - sein rechter Mundwinkel hatte sich leicht aufwärts bewegt. Dennoch betrachtete er die ausgestreckte Hand skeptisch. Offensichtlich wollte sie ihr best erzogenes Verhalten an den Tag legen, trotz des Wissens, dass er sich gerade sein blutverschmiertes Gesicht gesäubert hatte. Jin konnte nicht verhindern, das ihn dies zum Schmunzeln brachte. "Jiāolóng. Falls das zu schwer ist, kannste mich auch Jin nennen.", erwiderte seine rauchige Stimme mit der Voraussicht, dass sie Schwierigkeiten haben würde seinen Name richtig auszusprechen. War schließlich nicht gängig in diesem Kontinent.
      Langsam zog er seine Hand aus seiner Komfortzone und umgreifte ihre sanfte und fragile Hand so vorsichtig wie es ihm möglich war. Wollte sie schließlich nicht zerbrechen. Ihre Haut war das komplette Gegenteil zu seiner: sanft, warm und gut gepflegt. Seine fühlte sich nur kalt, nass und vernarbt an; die Narben waren ein Mahnmal an seine Vergangenheit, auch wenn diese ihn noch immer einholte. Nur einige Sekunden verweilte er in dieser Position bevor er seine deutlich größere Hand zurück zog und wieder an ihren ursprünglichen Platz brachte

      Jins Gefühle waren gemischt. Einerseits hatte er tatsächlich ein Interesse für Rachel entwickelt, auch wenn dies wohl nur aufgrund ihres Aussehens war, doch andererseits wollte er Kontakte zu knüpfen vermeiden. So waren Menschen für ihn alle sehr gleich. Schon immer hatten sie ihn angesehen, ihn behandelt, wie einen Kriminellen. Sein Gesicht war markant und hatte sehr dunkle Züge, weshalb er nicht normal behandelt wurde auch wenn er sich dieses Aussehen nicht ausgesucht hatte. Warum sollte also die Frau, die so unschuldig und freundlich tat, anders sein? In seinen Augen war die blonde Frau wie die anderen, er konnte es an ihrer Körpersprache ablesen. Obwohl er ihr zusprechen musste, dass sie sich wenigstens vorgestellt hatte, trotz des merkwürdigen ersten Eindrucks.
      "Ja genau. Wenn dich was stören sollte, kannste klingeln.". Den Kopf zu seiner Tür bewegend legte er seine Schultern zurück. Viel zu oft hatte er Dinge an den Kopf werfen lassen von den verschiedensten Nachbarn, weshalb er direkt in die Offensive ging und diese Tiraden einfach einsteckte. Sie würde ihn wohl nicht direkt anschreien, doch sie wirkte viel zu elitär um nicht auch genervt von seinen unnormalen Eigenschaften zu sein.

      Bevor das Gespräch jedoch weiter in eine unangenehm unpersönliche Richtung verlief, hörte man ein Bellen auf der anderen Seite von Jiāolóngs Tür. Sein Ausdruck wurde augenblicklich sanft und freundlich, denn anscheinend hatte er Gefühle für diese kleine Wesen übrig. Miko schien sich zu beschweren, da ihr Herrchen länger vor der Tür stand, als sie es gewohnt war. Zudem hatte sie noch kein Abendessen erhalten. "Glaube da ist jemand hungrig.". Er wartete nicht lange bevor er seinen Schlüsselbund heraus suchte und sich in Richtung seiner Tür begab. Nur im Augenwinkel beobachtete er das Verhalten der neuen Nachbarin, bis das Schloss endlich entriegelt war. Dort begrüßte ihn die aufgeregte Miko mit einem hundetypischen Schwanzwedeln und er beugte sich hinunter zu der kleinen Dame. Zum ersten Mal zeigte er wirklich Freude, denn er liebte diese Wesen über alles; wohl auch deutlich mehr als sich selbst.
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      -William Blake

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    • Rachel Meadows

      Ein skeptischer Blick huschte über sein Gesicht. Na klar, die junge Frau sah eher schmächtig und zerbrechlich aus. Diese Menge an Kartons alleine in das oberste Stockwerk zu befördern war wohl ziemlich unmöglich, dennoch saß sie nun in dieser Situation fest. Zwar versuchte ihr gutmütiger Verstand bei dieser Herausforderung an ihrer unabhängige Selbstständigkeit fest zu halten, aber überkamen sie langsam immer mehr Zweifel. War es eventuell doch angebracht nach Hilfe zu fragen? Nein, im schlimmsten aller Notfälle würde sie eben warten, bis Chelsea zurückkam - wann auch immer das sein würde.
      Zu ihrer Überraschung zeigte sich aber noch ein Ausdruck, abseits seiner Skepsis, in dem markanten Gesicht. Vielleicht lag es einfach an dem trüben Wetter, aber wenn sich Rachel nicht täuschte, hatte sie den abweisenden Mann zumindest zu einem amüsierten Schmunzeln gebracht. Etwas erstaunt blickten ihre blauen Augen ihm daraufhin entgegen, aufgrund seiner Antwort. Die Blondine versuchte garnicht erst seinen vollen Namen zu wiederholen, lediglich in ihren Gedanken klang der Name Jiāolóng in seiner rauchigen Stimme nach. "Wird wohl bei Jin bleiben", entgegnete ihm die junge Frau, selbst ein wenig amüsiert, denn ihr gegenüber wusste wohl genauso gut wie sie, dass sie sich damit blamiert hätte, seine Aussprache nachzuahmen.

      Die zierliche Hand wurde von einer vernarbten Pranke umschlossen, welche versuchte so sanft wie möglich mit der zerbrechlichen Frau umzugehen. Kalt und rau fühlte sich die Haut von Jin an, überall zeichneten sich Narben. Manche älter als die anderen, aber bestätigten sie alle das "Badboy"-Image, welches er wortwörtlich verkörperte. Bevor die Blondine die verheilten Wunden näher betrachten konnte, zog er seine Hand wieder zurück in den vor Blicken abschirmenden Pullover. Rachel konnte es ihm nicht verübeln, wahrscheinlich war er genauso von Vorurteilen betroffen, wie stets an den Fersen der jungen Frau die Worte "schusseliges Dummerchen" und "verpeilte Blondine" hafteten. Vielleicht bildete sie sich deswegen ein, mit dem Schwarzhaarigen ein wenig sympathisieren zu können - im Endeffekt würde sie aber sowieso nicht viel mit ihm zu tun haben und beim nächsten Anfall schon wieder von dieser Empathie vergessen haben.
      Diesem Gedanken folgend verschränkte Rachel wieder die schmächtigen Arme vor ihrer Brust. Dieses Mal nicht nur als defensive Haltung, sondern hauptsächlich weil durch das Ungewitter eine kalte Brise durch den offenen Flur zog. Der Wind wirbelte die kurzen, blonden Strähnen aus ihrer perfekten Form, worauf die junge Frau reflexartig darauf reagierte indem sie sich die seidigen Haare hinter die Ohren strich. "Werd ich machen", antwortete sie mit einem einvernehmlichen Nicken, woraufhin sie hinzufügte: "Sollte ich mit etwas stören, dann kannst du ebenfalls Bescheid geben." Zwar war sie eine angenehme Mieterin, zumindest konnte sie das von sich selbst behaupten, aber vielleicht würden sich irgendwelche störenden Verhaltensweisen entwickeln, dadurch das sie nun alleine lebte.

      Ein lebhaftes Bellen unterbrach das kurze Schweigen der Beiden und schlagartig wandelte sich die ganze Mimik des jungen Mannes. Aus dem kalt blickenden Jin, wurde für sie ein neuer Fremder, der sanft wie ein Engel zu seiner Haustür sah. Dieser unschuldige Gesichtsausdruck galt wohl dem quirligen Wesen, welches sich in jener Wohnung befand. Rachel konnte sich nicht verkneifen, ihren neuen Nachbarn mit einem interessierten Lächeln dabei zu beobachten, wie er seinen klirrenden Schlüsselbund rausholte und ohne Verzögerung die Türe öffnete.

      Neugierig ragte der blonde Haarschopf hinter dem knienden Schwarzhaarigen hervor und betrachte mit einem erfreut den kleinen Shiba Inu, der aufgeregt mit dem Schwanz hin und her wedelte. Sie selbst konnte Tiere gut leiden, aber hatten ihre Eltern ihr immer wieder eingeredet, dass wenn sie sich nicht mal um sich selbst kümmern konnte, wie wollte sie dann die Verantwortung für ein anderes Wesen tragen? Tatsächlich hatte die Blondine Angst davor, einmal dann etwas bezüglich des Haustieres zu vergessen und jetzt wo sie auch noch alleine lebte, konnte niemand kontrollieren ob sie sich gewissenhaft darum kümmerte. Vielleicht war die strikte Art ihrer Eltern tatsächlich besser für Rachel gewesen - von diesen Gedanken wollte sie sich aber gerade nicht einnehmen lassen.
      "Ein Junge oder ein Mädchen?", fragte sie ihren neuen Nachbarn und kniete sich ungefragt neben ihm hin, wobei sie dieses Mal auf jegliche Distanz zu ihm verzichtete. Wie sie ihm gerade ihre zierliche Hand hingehalten hatte, machte sie es nun auch bei dem aufgeregten Hund, damit er sie ebenfalls kennen lernen konnte. Im Gegensatz zu der Kleidung des Schwarzhaarigen, war das Fell der unbekannten Hündin nicht durchnässt, vielleicht war er bisher nicht dazu gekommen mit ihr zu spazieren. Das Wetter lud auch nicht sonderlich dazu ein, denn die graue Wolkendecke zog sich zu einer dunklen Masse zusammen, aus der mittlerweile der Regen unbarmherzig auf die Überdachung des Flurs prasselte.
    • Jiāolóng Zhū

      Liebevoll glitten die großen Hände des Älteren über das seidige Fell der Hundedame. Diese schien die Liebkosungen zu genießen, denn ihr Schwanz wedelte schnell, als würde sie versuchen einen Wettbewerb zu gewinnen. Als der junge Mann jedoch eine Wärme neben sich spürte, glitten seine Augen zu dieser Quelle und entdeckten seine neue Nachbarin Rachel. Anscheinend waren ihr vorheriges Misstrauen abgefallen bei dem Anblick des niedlichen Wesens. Jin konnte es gut verstehen und er empfand es auch nicht als zu unangenehm, denn er hatte genügend Kleidung über seinem Körper um ungewollte Annäherungen zu vermeiden.
      Während Miko sich dazu entschied die Unbekannte zu begrüßen, schob der Schwarzhaarige seine Kapuze nun vollständig seinen Kopf hinab. Die Nässe des Stoffes war ein wenig unangenehm geworden. Darunter kam der Rest seines Kopfes zum Vorschein, die Haut schimmerte in einem blassen Ton aufgrund der gräulichen Lichtstrahlen. Sein Körper wandte sich nun auch in Richtung der Dame, denn er beobachtete wie seine Hündin Kontakte mit dieser knüpfte. Diese sprang aufgeregt hoch und stellte ihre weichen Tatzen auf dem Knie der zierlichen Frau ab und sie genauer zu inspizieren. Anscheinend mochte der canine Freund die Nachbarin, denn oft war sie in den ersten Momenten misstrauisch, doch davon war in dieser Begegnung nichts zu sehen. Vielleicht war sie doch andersartiger als sie im ersten Moment durchscheinen ließ. Ihr Aussehen war so unschuldig, so genormt, doch irgendetwas in dem Bild weiste einen Fehler aus. Und diese Tatsache weckte ein Interesse in Jiāolóng. Selten hatte sich jemand außerhalb seiner Schubladen bewegt. Er selbst hatte sich diesem einfachen, denkfaulen Mustern unterlegen - seine Gesicht strahlte einen Schläger aus, zu welchem er letzten Endes auch geworden war.
      Ein rares Lächeln zierte seine trockenen Lippen. Er konnte nicht bestimmen woher diese Freude kam; mit großer Wahrscheinlichkeit war er lediglich froh seine Hundedame so aufgeschlossen und zufrieden zu sehen. "Miko. Eine richtige Dame.", kam es schließlich von ihm und seine Hände verließen ihr Versteck. Diese Begebung hatte ihn aufgeschlossener werden lassen, er fühlte sich deutlich wohler im Gegensatz zum Anfang.

      Während die beiden Erwachsenen sich mit dem lebhaften Wesen vor ihm beschäftigten, blieb die Tür zum sonst so gehüteten Zimmers offen. Neben einigen kolorierten Spielzeugen, als auch dem Regenmantel und dem pinken Tuch für den Hund, war der Rest des Gebäudes unpersönlich, kalt. Ein Spiegel seiner Persönlichkeit. Dennoch konnte man deutlich erkennen, wie sehr er seinen kleine Begleiter schätzte. Deutlich mehr als sich selbst.
      Mit deutlich freundlicherer Stimme, fragte er :" Du magst also Hunde?", obwohl man seinen rauchigen Unterton dennoch heraus hören konnte. Schon oft hatte Jin Menschen angetroffen die nicht mit den caninen Lebewesen anfangen konnten, weshalb es in doch erfreute einen anscheinenden Tierliebhaber direkt neben sich zu wissen. Er versuchte das Gespräch, welches er vorher versucht hatte zu vermeiden, fort zu setzen indem er hinzu fügte :" Sie mag dich. Und das obwohl sie Fremde sonst nicht ausstehen kann.". Die hellen Augen des Mannes betrachteten die Blondine aufmerksam, als wollte er wissen, was genau es war,dass sie anders machte. Denn selbst Miko stimmt ihm in dieser Hinsicht zu.
      Nach einiger Zeit wandte sich die junge Hündin wieder ihrem Besitzer zu und forderte seine Aufmerksamkeit ein. Schmunzelnd kraulte er den Hund an ihrer Lieblingsstelle, dem Nacken. Genießend stellte Miko so die Ohren auf und, auch wenn Hunde nicht Lächeln konnten, so sah ihr Gesichtsausdruck doch sehr zufrieden aus. Was würde er bloß ohne dieses Wesen sein?
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      -William Blake

    • Rachel Meadows

      Die zierliche Blondine ignorierte die Kälte, welche von seiner kalten, klammen Kleidung ausging. Stattdessen konzentrierte sie sich auf das fröhliche Fellknäul, welches weiterhin aufgeregt mit dem Schwanz wedelte. Ohne Scheu stellte die Hündin ihre Pfoten an Rachels Knien auf und ließ sich von der jungen Frau streicheln. Das hellgemusterte Fell war genauso weich und gepflegt, wie es auf den ersten Blick hin diesen Eindruck gemacht hatte. Während sie sich zunächst rantastete und dementsprechend dem Shiba Inu vorsichtig über den Kopf streichelte, glitt ihr Blick kurz zu dem Mann neben sich. Trotz der blassen Haut, machte er allein ohne die Kapuze einen viel freundlicheren Eindruck. Sein Gesicht trug wie seine Hände die Merkmale von häufigen Auseinandersetzungen. Ein seltsamer Kontrast solch einen Typen mit einer solche Hingabe für sein Haustier zu sehen. Ein guter Mensch konnte er schließlich nicht sein, wenn er sich immer wieder in Schlägereien verwickeln ließ, oder?

      Das Lächeln auf seinen Lippen überzeugte Rachel jedoch fast vom Gegenteil. Die Hündin, deren Namen sie gerade erfahren hatte, verlangte nach weiteren liebevollen Streicheleinheiten, weswegen sie sich von diesem ungewohnten Anblick trennte und stattdessen die blauen Augen auf Miko richtete. Diese schien ihren Blick mit den dunklen Knopfaugen zu erwidern, als sie mit einem ehrlichen Lächeln sagte: "Miko? Klingt tatsächlich nach einer hübschen Dame." Das Tier hatte sich für die Blondine, besonders wegen der quirligen Art, völlig in den Vordergrund gedrängt, wodurch ihr eigentlich die kahle Wohnungseinrichtung nicht aufgefallen wäre. Doch stachen ihr der kontrastreiche Miniatur-Regenmantel in Hundegröße und das rosane Handtuch ins Auge, das mit den drauf gedruckten Pfotenabdrücken sicherlich ebenfalls für seine Begleiterin gedacht war.
      Mit seiner rauchigen Stimme gewann er wieder die Aufmerksamkeit der schmunzelnden Blondine zurück. Offensichtlich kümmerte er sich wirklich gut um sie - irgendwie passte das überhaupt nicht zu dem Bild des gleichgültigen Schwarzhaarigen, welches sie sich zunächst über ihn gemacht hatte. Selbst sein kühler Ton hatte sich bei dem Anblick der kleinen Hündin geändert, was ihn plötzlich trotz seines düsteren Aussehens sympathischer wirken ließ. Eine merkwürdige Szene, die sich hier abspielte. Die hübsche Blondine kniend neben dem gefährlich wirkendem jungen Mann, die sich zusammen freundlich über Hunde unterhielten. Das war eine Erinnerung, die Rachel am liebsten für immer in ihrem Kopf behalten wollte.

      "Ich mag Tiere generell, hab mir immer ein Haustier gewünscht", antwortete sie ihm offen auf seine Frage, wobei sie weiterhin darauf bedacht war die Konversation oberflächlich zu halten. Am liebsten hätte sie jemanden davon erzählt wie ihre Eltern sie in jeder ihrer Entscheidungen unterdrückt hatten. Aber egal wie sehr sie sich wünschte mit jemandem ein Band der Freundschaft zu knüpfen und bestimmte Momente in ihren Gedanken festzuhalten - sie konnte das alles nicht selbst beeinflussen. Das alles spiegelte sich in den kristallklaren Augen der Blondine wieder, welche dennoch darauf bedacht war ihre tristen Gedanken hinter einer selbstgezogenen Mauer und einem Lächeln zu verbergen. Kurz biss sich Rachel auf die Unterlippe, bevor sie besagtes Lächeln wieder im puppenhaften Gesicht trug. Letztendlich war sie auch nur ein Mensch und manchmal fiel es selbst ihr schwer, ihre psychischen Laster zu verbergen. Gerade deswegen hatte sie doch vorgehabt eigentlich vorgehabt sich lediglich um ihren Umzug zu kümmern, nicht auf Konversationen einzugehen und eine gewisse Distanz zu bewahren. Nun spürte sie die nasse Kleidung ihres Nachbarns an dem dünnen Stoff ihrer Jeans und würde am liebsten einfach weiterreden, ohne die Angst davor zu haben diese ganze Begegnung wieder entfällt.
      Überrascht glitt ihr Blick wieder zu dem Schwarzhaarigen an ihrer Seite, kämpfte wieder um ihre Aufmerksamkeit gegen ihre eignen Gedanken an. Immerhin eine, die mich von Anfang an leiden und die ich mit meiner Vergesslichkeit nicht verletzen kann, dachte Rachel bei seinen Worten und trotz dieser trüben Ansicht zierten ihre Lippen ein ehrliches Lächeln. "Ich kann sie auch leiden", antwortete die Blondine und musste für einen Augenblick schmunzeln, denn sie konnte die Hündin nicht nur gut ausstehen, sondern mochte sie es schließlich selbst auch nicht Fremden zu begegnen.

      Doch wurde das mittlerweile angenehme Gespräch von einem Vibrieren in Rachels Hosentasche unterbrochen. Sofort zog sie das störende Handy raus und richtete dabei ihren schmalen Körper auf. "Ja?", meldete sie sich auf den Anruf und als Antwort hörte sie ihre gestresst klingende Schwester. Mit einer Hand in die Hüfte gestemmt, blickte sie zu der kleinen Miko runter, welche sie am liebsten weiter streicheln wollte. Stattdessen erklärte Chelsea ihr aber, dass sie länger bei der Arbeit bleiben musste, also würde notgedrungen tatsächlich der restliche Umzug allein an der kurzhaarigen Blondine hängen bleiben. Jene fuhr sich nun nur mit einem Seufzen durchs Gesicht, bevor sie mit verständnisvollem Ton antwortete: "Schon gut, keine Sorge."
      Nichts war gut daran und tatsächlich machte sich Rachel Gedanken, wie sie das ganze ohne den Backup Plan 'Große Schwester' hinkriegen würde. Aber ihr das zu sagen kam für Rachel nicht in Frage - stattdessen blickte sie mit einem betrübten Lächeln auf den Boden, während sie Chelsea ein weiteres Mal bestätigte: "Ich krieg das hin." Das war wohl das Einzige, was die Blondine am anderen Ende der Leitung hören wollte, um guten Gewissens weiter arbeiten zu können. Dementsprechend legte sie auf und das Handy der jungen Frau landete wieder in der engen Hosentasche.

      "Ich glaube ich muss mich wohl wieder an meine Kartons machen", kam es schließlich von Rachel gegenüber dem Schwarzhaarigen. Trotz dieser Worte bewegte sich ihr zierlicher Körper keinen Schritt weg, weder von ihm noch von seiner kleinen Begleiterin. Es war sicherlich nur ihr Neid darauf, dass er einen Hund als Haustier besaß, als das Interesse daran doch eine neue Bekanntschaft zu machen. Jedenfalls redete sich das die Blondine ein, die erfolglos versuchte sich endlich Richtung Treppen zu bewegen.

      (Zusatz für die liebe Iota: Und dann war er schwanger, von dem anderen Typen, ein Uke.)
    • Jiāolóng Zhū


      Bei der Aussage nickte er zustimmend, denn er konnte den Drang nachvollziehen, ein solches Wesen in seinem Leben haben zu wollen. Ein kleines Wesen voller Leben und Liebe, welche eine bedingungslose Hingabe zugestand; so etwas hatte ein Mensch kaum verdient. Und doch konnte sich Jin zu den glücklichen Zählen eine solche Herzenswärme spüren zu können. Es erfüllte selbst sein dunkles Inneres mit Wärme. Obwohl er bestreiten würde, dass er diese Gefühle verdiente, konnte er es dennoch genießen. Und er war egoistisch genug sich ein solches Wesen ins Leben zu bringen um genau diese Bedürfnisse zu stillen. Etwas was andere Menschen niemals könnten, zumindest war er davon überzeugt.
      Der junge Mann merkte erst jetzt wie viele Gefühle er nach außen gelassen hatte und bekam den Drang seine Kapuze wieder über sein Haupt zu ziehen. Er war eine Person, die seine Gefühlswelt nicht anderen offenbart, wurde es jedoch zu intim konnte er sich zurück ziehen - in seine Taschen, seinen großen Pullover, alles was seinen Körper von dieser Wärme abschirmte. Dennoch wehrte er sich gegen dieses Begehren, auch wenn er deshalb fast schon nervös seine Hände zusammen faltete. Seine Augen richteten sich zu Boden, als er bereits ein vibrieren vernahm. Sein Kopf legte sich ein wenig zur Seite wie der eines Hundes, denn er wunderte sich, was die Konsequenz dieser Aktion nun war. Die Blonde Frau griff schnell in ihre Tasche um ihr Telefon zu beantworten.

      Ihre Körpersprache änderte sich, sie schien nicht mehr so aufgeschlossen wie in der Interaktion mit Miko zuvor. Ihre Arme in die Hüften gestemmt redete sie in die technologische Errungenschaft hinein. Jiāolóng konnte nur die eine Seite des Gesprächs hören, doch das alleine verriet ihm schon unheimlich viel. Er konnte natürlich nur vermuten, aber wenn er raten musste, war es wohl jemand der etwas versprochen hatte, doch auch unbekannten Gründen absagte. Ein Freund? Ihr fester Freund? Über diese Möglichkeit hatte er noch nicht nachgedacht, doch sie kam wohl in Frage. Ein junge Frau in ihrem Alter mit ihrem Aussehen hatte viele Chancen einen 'normalen' Partner an ihrer Seite zu haben.
      Als sie das Smartphone wieder in der Tasche verstaute, schien sie ein wenig niedergeschlagen, genervt. Jin konnte nicht vermeiden ein wenig Empathie zu fühlen, auch wenn er sofort diese Unannehmlichkeiten versuchte zu unterdrücken. Nicht dass er noch mit dieser Fremden sympathisierte.

      Die letzte Aussage ließ den Älteren sich wieder aufrichten und erneut zog er seine Augenbrauen hoch. Doch sie musste es wohl tun, ansonsten würden die Pakete im schlimmsten Fall sogar wegkommen. Den Nachbarn hier war nicht zu vertrauen.
      Dennoch blieb sie stehen. Ihre Motivation ragte nicht gerade durch die Decke und er erkannte den innerlichen Kampf, sich endlich zu etwas zu zwingen, was man lieber aufgeschoben hätte. Jin seufzte nur kurz auf und hasste sich selbst bereits für die nächste Aussage. "Brauchst Hilfe?". Weshalb hatte er diesen Satz ausgesprochen? Was erhoffte er sich davon seiner Nachbarin zu helfen? Ihrem Aussehen zu urteilen würde er sowieso nicht bei ihr landen können. Was war also in seinem Kopf schief gelaufen mit einem Mal so freundlich zu sein. Wieder unterdrückte er den Drang sich unter seine Kapuze zu verstecken. Wenn es möglich wäre, würde er sich komplett in seiner Kleidung einschließen. "Ich hab eh nichts zu tun.", fügte er hinzu und sah zu Miko welche aufgeregt bellte. Sie würde wohl oder übel auf das Essen warten müssen. Doch als Jin sich in Rachels Richtung bewegte, folgte sie ihm bereits aufgeregt. "Seh es einfach als.. Willkommen oder sowas.". Nein, diese Aussage gab ihm sein hart erabeitetes Image auch nicht zurück, womöglich machte es die gesamte Situation deutlich schlimmer. Nach der ganzen Aktion müsste er sich wohl erst einmal fern halten, damit sich die junge Frau nicht irgendwelche Hoffnungen machte, gute Nachbarn zu werden.

      (Aufgrund dieser plötzlichen Wendung, machte er einen Antrag)
      If the door of perception were cleansed every thing would appear to a man as it is,
      Infinte.
      -William Blake

    • Rachel Meadows

      Ihre sonst strahlenden blauen Augen hatten plötzlich die selbe trübe Farbe angenommen, wie die des deprimierenden Gewitterhimmels. Es hatte seine Nachteile sich so zu isolieren und einen dieser spürte die junge Frau gerade besonders. Es gab keine Person abseits ihrer Schwester, mit der sie in der letzten Zeit derart viele Wörter ausgetauscht hatte, wie mit diesem Fremden. Eigentlich etwas, was sie vermeiden wollte - doch konnte sie sich so viel vormachen wie sie wollte, manchmal fühlte auch sie sich alleine. Dazu kam Rachel keine andere Person in den Kopf, die sie vielleicht um Hilfe fragen könnte. Ihre Schwester hatte ihr gerade abgesagt und ihren Eltern wollte sie weiterhin stur beweisen, dass sie eine gewisse Selbstständigkeit besaß. Eine aufkommende Niedergeschlagenheit schwellte in ihr an, aber nichts, was sie nicht stumm runterschlucken und hinter einem einfachen Lächeln verbergen konnte. Vielleicht war das nicht der gesündeste Umgang mit sowas. Eventuell sollte sie äußern was sie dachte, aber mittlerweile war es zu einem von Bequemlichkeit geprägten Verhaltensmuster für sie geworden.

      Warum ließ sich ihr antrainiertes Handeln, dann gerade nicht in die Tat umsetzen? Verzweifelt versuchte sich die Blondine hinter ihrer Fassade zusammen zu reißen und wenigstens den Eindruck hinterlassen, dass sie mit all dem klar kam. Es gab kein Grund einen Fremden in ihre innere Gefühlswelt einzuladen und wenn auch nur, damit er sich selbst seinen Teil denken konnte. Aber anscheinend tat der Schwarzhaarige dies ganz von alleine, denn er erkannte ihre offensichtliche Laune. diese ließ sich auch nur schwer vor seinen Augen verstecken, denn hatte sich ihre Körpersprache wieder in die anfängliche defensive Haltung gekehrt.
      Überrascht sah die Blondine zu Jin und ihre blauen Augen hellten sich wieder auf. War es fair so ein Angebot anzunehmen, wenn sie wusste, dass sie beim nächsten Anfall vielleicht wieder davon vergessen haben könnte? Bestimmt nicht, weswegen es erst recht gegen ihre Art, Distanz zu wahren, sprach. "Du.. musst mir nicht helfen, ich komm zurecht.", kam es ihr notgedrungen über die Lippen. Dabei verschränkte sie abermals ihre zierlichen Arme vor der Brust, als hätte jemand das bisher Geschehene zurückgespult. Rachel hatte einen regelrechten Kampf mit sich aus zu tragen, ihn auf Abstand zu halten. Nicht nur weil sie sich mit seiner kleinen Begleiterin angefreundet hatte, sondern weil sie zugegebenermaßen auch auf die Hilfe des Schwarzhaarigen angewiesen war. Oder hatte sie tatsächlich Interesse eine Freundschaft zu schließen? Die Blondine beantwortete sich diese Frage selbst mit einem innerlichen Kopfschütteln. Sie sollte es besser wissen. Sie konnte nicht einfach so ihre festgefahrenen Prinzipien aufgeben. Nur jemand der sturer als sie war, konnte wohl dafür sorgen.

      Ihre dickköpfige Art beweiste sich auch gerade, als sie dem jungen Mann erwiderte: "Sollte Miko aber nicht gerade was zu essen bekommen?" Das Aufbellen der Hündin sah sie als Zustimmung ihrerseits, anstatt, dass sie die Meinung ihres Besitzers unterstützte. Dieser kam trotz ihrer Widerworte auf die hilfsbedürftige Blondine zu, welche langsam und zögerlich ihre abwehrende Haltung ihm gegenüber wieder verlor. Ungewiss blickte sie ihm in das von feuchten Haarsträhnen umrahmte Gesicht, das trotz seiner hilfsbereiten Worte darum bemüht war einen kalten und bedingungslosen Eindruck zu geben. Sie wich seinem Blick aus, sah stattdessen zu Miko hinab. Gerade hatte sie diese noch als Argument benutzt, aber war die hellgemusterte Hündin dem Schwarzhaarigen einfach fröhlich gefolgt. Anscheinend stimmte sie doch ihrem Besitzer zu, anstatt ihr. Nun war es Rachel, die zwar mit einem zaghaften Lächeln auf den Lippen, aber nervösen Händen ihm gegenüber stand.

      "Ich werd mich dafür revanchieren", gab sie schließlich zögerlich nach und ihre Augen richteten sich wieder auf den jungen Mann vor ihr. Hoffentlich werde ich mich überhaupt daran erinnern, dachte sich die Blondine trostlos, deren Gedanken sich nun nur noch darum drehten, wie sie sich bei ihm für seine Hilfe bedanken konnte. Half er ihr überhaupt, weil er das wollte, oder weil er sich dazu genötigt gefühlt hatte? Schließlich vermittelte die schmächtige Frau das Bild eines hilfsbedürftigen Wesens. Diese Frage konnte sie nicht mit ihren eigenen Gedanken beantworten. Sie konnte nicht einmal spekulieren. Deswegen betrachtete sie eindringlich das Gesicht des düster aussehenden Schwarzhaarigen, doch weder in seinem gleichgültigen Ausdruck, noch in den hellen Augen, war die Antwort geschrieben, die sie suchte.
      Spielte es überhaupt eine Rolle? Aus irgendeinem Grund tat er es und danach würden sie wahrscheinlich nichts mehr miteinander zu tun haben, außer ein belangloses "Hallo" auf dem Flur auszutauschen.

      Laut atmete sie aus, schob alle Gedanken zur Seite, lediglich auf das Bild bedacht, welches sie für ihn abgab. Das einer hübschen, jungen Blondine, die abseits eines katastrophal geplanten Umzugs keine Probleme hatte. Mittlerweile ließ sich ihr Körper endlich dazu veranlassen zaghaft die wenigen Schritte in Richtung Treppe zu machen. Kurz sahen ihre blauen Augen über ihre schmale Schulter, nur um sicher zu gehen, dass er sein Hilfsangebot ernst meinte und ihr nach unten folgte. Chelsea hatte mit Rachel bereits mehrere Umzugskartons nach oben gebracht, bevor sie gegangen war. Dementsprechend waren nicht mehr allzu viele übrig geblieben - aber genug um für die Zwei ein gewisses Maß an Arbeit zu bereiten.
      "Es tut mir leid, dass ich dich da reinziehe", versuchte sie wieder ein Gespräch ins Rollen zu bringen. Zwar wurde ihr Schweigen stets von dem schüttendem Regen untermalt, aber kam es Rachel doch merkwürdig vor zu schweigen. Irgendwie konnte sie sich mit dem Schwarzhaarigen nicht zurecht finden. Sollte sie lieber schweigen oder gegen ihren Willen eine persönlichere Konversation, als Small Talk es zuließ, betreiben? Offensichtlich entschied sich die junge Frau für Letzteres. "Eigentlich wollte meine Schwester mir helfen, aber sie meinte gerade, dass sie länger arbeiten muss", setzte sie an das eben Gesagte an, was die Information enthielt, mit wem sie gerade worüber telefoniert hatte.

      Für einen Augenblick sah sie erneut zu dem Schwarzhaarigen. Tatsächlich machte sie sich gerade Gedanken darüber, was er sich dabei dachte. Würde er tatsächlich einen Moment in seinem Kopf dazu aufwenden, zu überlegen, warum sie nicht irgendwelche Freunde zur Hilfe bat? Schließlich besaß sie solche in der Realität nicht und wie bei den Nachbarn, war sie darauf bedacht sich keine zu machen. Oder kümmerte es ihn überhaupt nicht was die Blondine vor sich hin erzählte? Rachel hatte seit längerem keine neue Bekanntschaft mehr gemacht, aber noch seltener, als solche Gegebenheiten in ihrem Leben, war es, dass sie sich auch noch jene Art von Gedanken machen musste.
    • Jiāolóng Zhū


      Jin zuckte mit den Schultern, seinen Blick auf das kleine Lebewesen gerichtet über welches sie sprachen. Doch dieses hatte einen eigenen Kopf und war sehr motiviert mehr Zeit mit der Fremden zu verbringen. Bevor der Schwarzhaarige zu ihrer Aussage Stellung beziehen konnte, lief die junge Hündin bereits in das Treppenhaus. Geduldig hechelnd saß sie nun vor den Stufen sich wundernd weshalb die Menschen so lange brauchten. "Denke sie hat gerade anderes im Kopf als essen.", kommentierte er dann und konnte selbst das Lächeln kaum zurück halten bei dem Anblick seiner freudig strahlenden Miko. Nur wenige Augenblicke später bewegte sich auch Rachel in diese Richtung, auch wenn ihr Zögern deutlich sichtbar. Er schloss daraus dass sie wohl nicht wirklich motiviert war, doch er konnte es ihr nicht wirklich verübeln. Auch der junge Mann war kein Freund von solchen Aktivitäten, insbesondere wenn man gezwungen war diese ohne die richtige Gesellschaft zu verüben. Zu oft hate er diesen Umzugstress hinter sich bringen müssen, immer alleine. War es vielleicht genau dieser Grund der ihn zu veranlasste, über seinen eigenen Schatten zu springen und einer Fremden zu helfen, welche in ihm nicht mehr sah, als einen Nachbarn mit dem man sich wohl besser nicht anlegen sollte? Er konnte nicht sagen, ob dies bereits die Antwort für sein Verhalten war, doch jetzt wo er bereits zugestimmt hatte, war es schwer einen Rückzieher zu machen. Wenn Jiāolóng eins war, dann ein Mann seiner Worte - egal wie lächerlich seine Versprechungen gewesen waren, hatte er sie immer eingehalten.


      Schweigend folgte er der Frau, seine Hände noch immer in seiner schützenden Tasche vergraben. Erst jetzt merkte er wirklich wie durchnässt seine Kleidung doch war, denn die Zeit, die er an der frischen Luft verbracht hatte, hatte sich summiert und seine Haut erreichte einen unangenehm kühlen Punkt, was ihn leicht frieren ließ. Doch ganze im Gegensatz zu dem Blondchen war ein kein Freund davon seine Probleme offen zu legen, weshalb er lediglich die Zähne zusammen biss. Es konnte schließlich nicht so lange dauern diese Boxen nach oben zu bringen. Danach würde er sich direkt eine warme Dusche gönnen, neben dem Essen vom gestrigen Abend; Thai-Curry aus der Dose.
      Seine Planung wurden von der zierlichen Stimme seiner Nachbarin unterbrochen welche es anscheinen für eine gute Idee hielt ein wenig Smalltalk zu betreiben. Nun, es würde wohl vielen Menschen so gehen, doch Jin war kein Freund solcher Konformitäten. Mit sich rangend nicht wieder in seiner kalten Kleidung zu verschwinden ließ er jedoch diese Konversation zu. Kann ja nicht schaden.., schlich ihm der Gedanken durch den Kopf und seine hellen Augen erwiderten höflich ihren Blick.
      Seine rechte Augenbraue zuckte kurz bei ihren Worten, denn er konnte nicht nachvollziehen, weshalb sie der Meinung war ihm etwas zu Schulden. Der Schwarzhaarige hatte für diese Leistung nicht um Geld gebeten. Anscheinend auch eines dieser Gepflogenheiten von denen er nicht mehr übrig hatte als Verachtung. Erstaunlich wie die Gedanken der Masse eine so einnehmen konnten, dass man sich gezwungen fühlte selbst solche Dinge zu fühlen. "Schon gut, du hast mir deine Taschentücher gegeben.", wehrte er ihr Angebot nur ab, denn nach diesem Tag sollten sie wieder Fremde werden. Er hatte keine Problem die Rolle des nervigen Nachbarn dafür einzunehmen, wenn es ihr helfen würde ihn distanziert zu behandeln. Auch wenn er nicht bestreiten konnte, dass es sich doch komisch anfühlen würde, mit einem Mal ganz anders auf eine Person zu zugehen. Doch wenigstens konnte er versuchen genug Distanz aufzubauen, damit sie nicht als Freunde endeten. Von solchen Beziehungen hielt er sowieso nicht viel.


      Verächtlich schnaubte der fast schon Erwachsene nur, bei dem Versuch Rachels sich für diese Umstände zu entschuldigen. Es war schließlich nicht ihre Schuld, dass sein Gehirn dort für einen Moment ausgesetzt hatte und er tatsächlich für eine Sekunde Mitleid empfunden hatte. "Musst du nicht. Ich hab gefragt, also passt schon.". Sanfter als sonst war seine Stimme, als er diese Worte ausgesprochen hatte, weshalb er den Blick abwendete. Er versuchte sein bestes sich wieder zu fangen, als seine Nachbarin bereits ihre Schwester erwähnte. Seine Fassade zerfiel ein wenig mehr, war er doch so überzeigt gewesen, es hatte sich um ihren Partner gehandelt. Jin musste sich wohl eingestehen, dass er nicht immer so gut darin war, andere Menschen wie ein Buch zu lesen. Dennoch konnte er daraus schließen, dass die Beziehung zu ihrer Schwester wohl sehr eng war. Einen Luxus den der Schwarzhaarige nie erleben konnte. Natürlich liebte er seine Mutter, doch spürte er immer wenn sie sprachen die Woge der Enttäuschung, was ihn immer kühler hatte werden lassen. Trotz seiner eigenen Gefühl beschloss er jedoch zu antworten :"Das ja Mist, dass sie nicht kommen kann. Aber ich hatte mich eh gewundert wie du die Boxen alleine nach oben tragen willst.", während ein neckendes Grinsen auf seinem Gesicht auftauchte. Natürlich war er eine kühler und kontrollierter Typ, doch den Spaß einer Provokation konnte er dennoch nicht sein lassen. Er war gespannt wie die unschuldig wirkende Frau auf seine Aussage reagieren würde.


      Unten angekommen schnupperte Miko bereits interessiert an den Kartons und Jin beschloss sch ein Bild über die Lage zu verschaffen. Die beiden müssten wohl ein paar Mal die Treppen hinauf laufen, was seine misshandelten Lungen nicht erfreute. Doch ließ er sich davon nichts anmerken und holte seine blassen und kalten Hände aus seiner Tasche hervor. Fordernd hielt er diese vor sich, während er erklärte :"Gib mir einfach die schwerste Pakete.". Wenn es um solche Sachen ging, war er wohl nach wie vor ein 'typischer' Mann, denn aus nicht genau zu bestimmenden Gründen wollte er sich ein wenig beweisen. Deshalb erwähnte der Schwarzhaarige auch nicht, wie kalt ihm inzwischen geworden war, sondern ließ sich nichts von der Lage anmerken und wollte einfach schnell die Boxen herauf befördern um endlich duschen zu gehen.
      If the door of perception were cleansed every thing would appear to a man as it is,
      Infinte.
      -William Blake

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    • Rachel Meadows

      Miko war wohl die Motivierteste von den Dreien. Die kleine Hündin machte es ihnen vor und eilte bereits animiert die Treppen runter - was würde Rachel nur dafür geben ebenfalls ein Stück dieser Begeisterung abhaben zu können. Stattdessen schleppte sie sich den selben Weg entlang, mit dem jungen Mann, der ihr dicht folgte. Zwar hatte sie keine Widerworte mehr geboten, dass sie sich immer noch revanchieren wollte, aber spukte ihr diese Gedanke weiterhin im Kopf herum. Wenn es auch nur eine Kleinigkeit war, irgendetwas würde sich Rachel ausdenken. Sie musste sich nur später daran erinnern und auf einem Post-It notieren, wie sie es mit anderen Sachen auch tat. Bereits jetzt befanden sich im Türrahmen ihres Wohnzimmers mehrere rosane Klebezettel mit Dingen, die sie nicht vergessen sollte zu erledigen. Sich bei ihrem Nachbarn zu revanchieren sollte nun dazu kommen.
      Vielleicht würde sie ja einfach etwas für Miko besorgen, so wie sie den Schwarzhaarigen bisher einschätzen konnte, würde er sich mehr über ein Geschenk für seine Begleiterin freuen, als wenn es eins für ihn selbst war. Ihre Augen verfolgten die hellgemusterte Hündin, welche fröhlich vor ihnen entlanglief und weit vor ihnen unten am Ende der Treppen ankam. Ein ehrliches Lächeln erschien in ihrem Gesicht, sowohl wegen dem merkwürdigen Versuch der Beiden ein Gespräch miteinander zu führen, als auch wegen dem aufmunternden, kleinen Wesen, welches die Zwei interessiert betrachtete. Der Tag hatte wohl doch ein paar gute Momente für die Blondine bereit gehalten, wäre nur zu schön, wenn sich Rachel auch noch in einer Woche daran erinnern könnte. Langsam erhoffte sie sich das. Nicht um eine neue Bekanntschaft zu machen oder eine gute Nachbarschaft zu bilde. Einfach nur, weil sie solche Erinnerungen im Kopf behalten wollte. Wahrscheinlich dachte sie sich das in vielen Augenblicken, aber änderte das dennoch nichts an der tristen Realität.

      Die männliche Stimme hinter ihr hielt Rachel davon ab, sich weiter mit ihren Gedanken zu beschäftigen. Er war bestimmt nicht der beste Gesprächspartner, aber das war sie sicherlich auch nicht. Plötzlich fing der kühle Schwarzhaarige damit an die junge Frau zu necken, anstatt ihr ein gewisses Maß an Mitgefühl zuteil kommen zu lassen. "Tzz.. So schwach bin ich garnicht, ich würde das auch allein' hinkriegen.", antwortete sie selbstsicher und verspielt verschränkten sich ihre zierlichen Arme, während sie unten angekommen nach der letzten Treppenstufe ihren schmalen Körper dem jungen Mann zuwendete. Ihre Haltung und ihr Gesichtsausdruck ähnelte einem beleidigtem Kind, mit den aufgeplusterten Wangen und dem kleinen Schmollmund. Doch als sie sein provokantes Grinsen erblickte, konnte die Blondine sich nicht davor retten kurz amüsiert aufzulachen. So ein selbstgefälliges Lächeln im Gesicht stand ihm durchaus besser, als die Fassade eines kaltherzigen Schlägers. Zufälligerweise würde es wohl auch besser zu seiner Hingabe gegenüber der kleinen Hündin und seiner offensichtlich hilfsbereiten Art passen. Vielleicht hatte sie den Schwarzhaarigen aufgrund seines Aussehens ein wenig falsch eingeschätzt und er würde eventuell eine nette Bekanntschaft abgeben - für jemand anderen als die Blondine, welche gerade noch kichernd ihm gegenüber gestanden ist.

      Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete sie nun Jin, bevor sie ihm auf sein Verlangen, nach den schwersten Kartons, jetzt selbst in einem neckenden Unterton antwortet: "So gemein wie du gerade warst, hast du nichts anderes verdient!" Amüsiert ging sie auf eine Umzugskiste zu, auf welcher in großen Druckbuchstaben "Geschirr" geschrieben stand. Natürlich passend zu der mädchenhaften Blondine in ordentlicher Handschrift. Jenen Pappkarton hob die schmächtige Frau an und drückte sie ihm in die kalten Hände. Nur einen Herzschlag lang spürte sie die ausgekühlte Haut auf ihrer, doch veranlasste es sie dem markanten Mann wieder in die hellen Augen zu sehen.
      "Ist dir nicht kalt?", erkundigte sie sich sicherheitshalber bei ihm und ahmte den Schwarzhaarigen damit nach, eine Augenbraue fragend hochzuziehen. Sie hatten schließlich noch ein wenig mit den Umzugskisten zu tun und obwohl Rachel bemüht war ihren Abstand zu wahren, so konnte die junge Frau es nicht einfach schweigend hinnehmen, wenn er jetzt wegen ihr neben der körperlichen Anstrengung auch noch frieren musste.

      Während sie auf seine Antwort wartetet, beugte sich die Blondine erneut runter, um einen weiteren Karton in die lackierten Hände zu nehmen. Dieser war deutlich leichter als jener in den Armen von Jin, aber schwer genug, um die hübsche Frau direkt dazu zu veranlassen schwerer zu atmen. Mit ein paar blonden Strähnen, die ihr ins schmale Gesicht hingen, blickte sie zu dem Schwarzhaarigen auf.


      (Und sie lebten glücklich, bis ans Ende ihrer Tage.)
    • Jiāolóng Zhū

      Zum Glück sprang seine Nachbarin auf seine Provokation an, denn sonst wäre es zugegebenermaßen ein wenig enttäuschend für den Mann ausgegangen. Seine goldenen Iriden hafteten an seinem Gegenüber und sie so amüsiert und natürlich zu sehen, ließ ihn ein wenig nachdenklich werden. Natürlich hatte er anfangs bereits ihre objektives gutes Aussehen erkannt, doch jetzt wo er sie so beleidigt sah, empfand er sie selbst deutlich attraktiver. Ihr vorheriges gefälschtes Lächeln hatte eine deutliche Mauer gezogen, welche Jin nicht als interessant wahr genommen hatte, da dies mit den meisten normalen Frauen in seiner Gegenwart passierte. So war er in dessen Augen nach wie vor der Schlägertyp. Doch ihr herzliches Lachen ließ ihn die Dame mit ein wenig anderen Augen betrachten. "Das glaube ich dir aufs Wort.", erwiderte der Schwarzhaarige ohne dabei die provokante Art abzulegen. Er mochte solche Dinge, es war für ihn eine zuverlässige Methode die Grenzen seiner Mitmenschen austesten. Ein kleiner Tanz, bei dem beide Parteien langsam immer mehr von ihrer Persönlichkeit preis gaben, ohne sich selbst darüber im Klaren zu sein. Weshalb er sich auf diese Spiel einließ war ihm selbst nicht bewusst. Wahrscheinlich genoss selbst Jiāolóng den sozialen Austausch zwischen Menschen - auch wenn sich diese Bedürfnis auf das Minimalste beschränkte.

      Ein scharfes Seufzen entfuhr dem blassen Körper des Mannes, als die Blondine ihm den schweren Karton in die Hand drückte. Dennoch ließ er sich nichts weiter davon anmerken, auch wenn das Gewicht des Geschirrs zugegebenermaßen wirklich an seinen Armen zerrte. Zwar wirkte er gefährlich auf die meisten Menschen, doch er war nicht sonderlich durchtrainiert, obwohl er wusste, wie er seinen Körper in den richtigen Momenten einzusetzen hatte. Aber pure Muskelmasse war nicht sein Ding, er kämpfte lieber mit Verstand. Auch wenn letzterer ihm nicht dabei unterstützen konnte, die Box nach oben zu transportieren. "Klar bin es auch gewohnt, lass es ruhig raus.", kommentierte er ihre Aussage und verdrehte die Augen, bevor sein rechter Mundwinkel sich erneut zu einem frechen Grinsen anhob. Schon lange war es her, seitdem er eine solche Palette an Gefühle offen legte. Anscheinend war die Blondine doch spezieller, als anfangs angenommen. Sie war in der Lage seinem Gesicht Ausdruck zu verleihen.
      Jin schüttelte nur verneinend den Kopf, und seine Mimik verwandelte sich wieder in kühle Maske, welches er normalerweise immer zum Schutz auferlegt hatte. Er war kein Freund davon, wenn Menschen sich um ihn sorgten - inbesondere nicht Fremde. Außerdem würde er ihr wohl kaum seine Gefühlslage offenbaren, so schwach war er dann auch nicht. "Passt schon. Würde mich an deiner Stelle eher um die Kartons Gedanken machen.".

      Normalerweise hätte er seine hellen Augen bereits abgewandt, da er sein Innerstes ungern offenbarte, insbesondere bei diesen offensichtlichen Lügen, doch ihr Gesicht hatte seine Aufmerksamkeit eingefangen. Vorher so perfekt, so zeigte sie jetzt doch Schwächen. Und genau diese fand der Mann interessant. Er wollte Dinge sehen mit Charakter, Ecken und Kanten. Diese wenigen Strähnen welche sich auf ihrer Frisur lösten, ließen sie deutlich verspielter wirken. Ihm war bewusst, dass dieser Look nicht geplant war, doch genau diese Tatsache machte sie.. ansprechender. Er schüttelte den Kopf und machte sich dann auf die Treppen nach oben zu erklimmen.Verwirrte Gedanken solcher Art sollte er wohl in Zukunft vermeiden, es würde den betroffenen Parteien schließlich nicht gut tun. Objektiv betrachtet spielte er sowieso nicht in ihrer Liga, da sollten er solche naiven Versuche lieber gleich sein lassen. Gefühle würden ihm eh nichts bringen, außer Schmerzen.

      Schwer atmend stellte er die Box vor ihrer Haustür ab, denn diese war noch verschlossen. Zusätzlich würde er sich nicht wohl dabei fühlen derartig in ihre Privatsphäre einzudringen. Jin dachte von sich selbst immer als eine Art von sozialem Vampir. Lud man diesen zu sich über die Türschwelle ein, holte man sich das Unheil ins Haus. Unvermeidbar würden die Bewohner leiden und mit seiner dunklen Art würde er den Spaß der Leute rauben. War also besser wenn er nicht mehr Interaktion mit Rachels Wohnung hatte, als das gelegentliche vorbei Huschen, wenn er wieder zu seiner Mutter musste.
      Die immer schlimmer werdende Kälte kroch trotz der Verdrängung seinen Hals hoch, als er spürte, wie seine Nase begann zu kitzeln. Kein gutes Zeichen, denn Niesen bedeutete für ihn immer auch Nasenbluten. Zum Glück wurde er nicht oft krank, doch wenn er es jemals war, dann war es die Hölle.
      So sehr er es jedoch zu unterdrücken versuchte, so kräftiger kam der Nieser heraus. Zum Glück hatte er schnell genug seine Armbeuge schützend vor sein Gesicht positioniert. Genervt seufzend merkte er bereits wie das Blut heraus gelaufen kam. Seine Augen suchten die Blondine, welche gerade die letzten Stufen in das oberste Stockwerk nahm. "Vielleicht sollte ich mich doch schnell umziehen.. und so wie du aussiehst würde dir eine Jacke auch nicht schaden.", bemerkte er nur und wunderte sich selbst um seine plötzliche Fürsorge, auch wenn seine Worte dies nicht sofort suggerierten. Die Hand unter seiner Nase haltend pfiff er, damit Miko wieder zu ihm kam, denn diese hatte die ganze Zeit um die Nachbarin herum getänzelt. "Ich.. bin gleich wieder da keine Sorge.". Warum er es für nötig gehalten hatte diese Wort auszusprechen wusste er selbst nicht, aber er wollte sie wohl auch nicht so lange warten lassen.

      Es vergingen einige Minuten bis der Schwarzhaariger zurück war. Offensichtlich waren seine Haare noch feucht, doch er schien diese wenigstens mit einem Tuch ein wenig behandelte zu haben. Kleidungstechnisch trug er nun eine Jeans, ein weißes T-shirt und ein rot-kariertes Hemd. Eigentlich Sachen, die er zum Ausgehen trug, doch er hatte gerade keine Hoodies mehr, und so hatte er sich damit abgefunden.
      Die Kartons waren bereits verschwunden. Wahrscheinlich hatte Rachel diese bereits in ihre Zimmer gebracht. Er wartete geduldig bis die Blondine zurück war.





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      Infinte.
      -William Blake

    • Rachel Meadows

      Seine provokante Art machte etwas mit ihr. Die Blondine fühlte sich dadurch vielleicht ein wenig williger für eine Konversation, auch wenn es ihr lediglich für diesen Moment Spaß machen würde. "Fordere mich bloß nicht heraus!", drohte sie ihm mit einem ernsten Gesichtsausdruck - mit ihrer kleinen Körpergröße sah sie wohl gerade aus wie ein kampflustiger Chihuahua. Vorlaut, aber eigentlich ganz zahm und scheu. Und anscheinend verstanden die beiden Nachbarn sich ganz gut auf dieser Ebene von Kommunikation. Sie konnten sich gegenseitig ein wenig ärgern und jedes weitere Grinsen auf seinen Lippen schenkte der Blondine ein weiteres amüsiertes Lachen.
      Doch etwas stimmte an dem Ganzen nicht und es zeigte sich auch schnell, warum Rachel dieses Gefühl hatte. Die verspielten Neckereien wurden plötzlich von seiner eiskalten Mimik ersetzt, auf die sie vorerst getroffen war. Als hätte das triste Regenwetter über die beiden wieder die Überhand gewonnen, so hatten sie beide nun ihre Mauern wieder hochgezogen.
      Hatte sie sich aber auch tatsächlich eingebildet, dass sich eventuell doch eine Bekanntschaft aus diesem schicksalshaften Treffen bilden könnte? Obwohl sie sonst so düstere Gedanken hatte, brachte dieser Mann wohl doch die Optimistin in ihr hervor. Dieses Gefühl konnte sie auch nicht loswerden, denn bevor er ihr den Rücken kehrte, blickte er ihr in die kristallklaren Augen und verriet sich somit selbst. Die Blondine folgte ihm die Treppen aufwärts und verkniff sich ihn darauf anzusprechen. Vielleicht hatte sie sich auch einfach etwas auf seinen interessierten Blick eingebildet und würde sich jetzt blamieren, wenn sie es bei ihm ansprach. Es wahr wahrscheinlich nur der plötzlich aufkommende Sturm an Optimismus in ihr, der ihr etwas vortäuschte. Wieder dem Schweigen verfallen, lief sie ihm mit wenigen Schritten Abstand hinterher.

      Bedacht auf die kleine Hündin zu achten, welche verwunderlicher Weise nah an ihrer Seite blieb, wechselten ihre saphirblauen Pupillen zwischen dem Antlitz des drahtigen Schwarzhaarigen und der hellgemusterten Miko. Ihr Blick glitt immer wieder an dem schweren Karton in ihren Händen vorbei, um sicher zu gehen, dass sie auch ordentlich auf der nächsten Treppenstufe auftrat, dabei huschte öfters der fröhlich wedelnde Schwanz des aufgeregten Fellknäuls durch ihr Blickfeld. Rachel konnte sich ihr ehrliches Lächeln nicht verkneifen - Miko war wohl der heimliche Schlüssel zu ihrer Mauer. Zu sehr hatte sie jetzt bereits das Tier in ihr Herz geschlossen und am Liebsten würde sie die Hündin einfach zu sich mitnehmen. Vielleicht war es tatsächlich an der Zeit für die Blondine, sich selbst einen tierischen Begleiter zu besorgen. Doch redete sie sich diesen Gedanken aufgrund ihrer Krankheit direkt wieder aus.
      Sie konnte sich nicht einmal um sich selbst kümmern, wie sollte sie dann für ein anderes Lebewesen Sorge tragen? Ihre inneren Stimmen waren deutlich von den Worten ihrer überfürsorglichen Eltern geprägt, mittlerweile dachte sie genauso wie diese. Durch das Lächeln auf ihren Lippen entfloh ihr ein leises Seufzen. Nicht nur der Anstrengung wegen, sondern auch, weil sie wie immer ihre Wünsche und Träume aufgeben musste.

      Ein plötzliches Niesen brachte das zierliche Mädchen mit dem schweren Karton beladen auf einer der obersten Treppenstufen leicht zum Schwanken, doch konnte sie sich im Gleichgewicht halten. Ihr Herz raste, während sie fragend zu Jin aufblickte und dabei mit schneller Atmung versuchte die losen Haarsträhnen aus ihrem Gesicht zu pusten. Irritiert sah sie lediglich zu, wie der junge Mann sich den Arm unter die Nase hielt und dabei in den Stoff seines nassen Hoodies erklärte, dass er sich umziehen will. Nun wusste sie zumindest ihm war tatsächlich kalt und sie hatte mit ihrer Vermutung recht behalten. Egal wie sehr er versucht hatte dies hinter seiner Mauer zu verstecken. Doch nun nur noch mit seiner breiten Hand unter der Nase, verstand sie was zu der Kälte dazu kam. Seine Fürsorge ihr gegenüber erwiderte sie, indem sie ihn fragte: "Brauchst du ein Taschen...tuch?" Mitten im Satz war er schon in seine Wohnung verschwunden, zusammen mit der kleinen Hündin, die sofort auf sein Pfeifen reagiert hatte.

      Obwohl sie ihm gegenüber aufgrund seines Nasenblutens Mitleid empfand, konnte sich die Blondine ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen, während sie den Zweien hinterher sah. Kopfschüttelnd stellte sie den Karton auf dem schmutzigen Boden ab, um ihre eigene Wohnungstür aufzuschließen und schob mit all der Körperkraft, die sie mit ihrem zierlichen Körper aufbringen konnte, angestrengt beide Umzugskisten auf einmal in den schmalen Flur, wobei sie mit den Pappkartons nun die Tür offen hielt. Kurz sah Rachel sich um, denn sein Vorschlag eine Jacke anzuziehen war garkeine schlechte Idee. Mittlerweile hatte die zierliche Frau angefangen ihre laufende Nase immer wieder hochzuziehen, doch versteckte sich ihre wärmere Kleidung wohl in einer der weiteren Kisten. Tief atmete sie aus, bevor sie mit den Händen in die Hüfte gestemmt wieder auf den Flur trat und den Schwarzhaarigen in seinem neuen Outfit erblickte.
      Er trug kein Hoodie mehr, der seine Kontur verbarg. Stattdessen ein einfaches, weißes Shirt und drüber ein kariertes Hemd, welches sich farblich zu ihrem eigenen Cardigan abstimmte. "Das steht dir viel besser, als dein Hoodie", rutschte es ihr raus, bevor sie überhaupt darüber nachdachte. Sofort hielt sie sich ihre zierliche Hand vor den Mund und blickte ihn verlegen zwischen den wirren, blonden Strähnen an. "Entschuldige", kam es ihr hinter der Hand über die Lippen. Wie kam sie überhaupt auf die Idee so locker mit ihm zu reden, als würde sie sich bei ihm wohlfühlen und mit ihm befreundet sein? Vielleicht bin ich ja wirklich nur ein blondes Dummerchen, dachte sich Rachel, während sie versuchte ihre Verlegenheit zu überspielen, indem sie einfach das Thema wechselte.

      "Irgendwo in einem der Kartons müssen wohl meine Jacken sein", erklärte sie mit einem gewissen Stottern, als brillanten Einfall ihn von ihrem merkwürdigen Kompliment abzulenken. Während sie sprach, musste sie bereits erneut schniefen, was sie jedoch versuchte zu unterdrücken. Stattdessen ging sie ihm voraus auf die Treppen zu. "Je schneller wir alle Kisten oben haben, umso weniger muss ich frieren", meinte die schmächtige Frau, welche mittlerweile aufgrund des aufziehenden Windes wieder die Arme verschränkte, und traute sich garnicht ihm ihren Blick über die Schulter zu widmen. Sicherlich war er gerade wieder amüsiert am Grinsen und machte sich darüber lustig, wie verlegen sie geworden war.
    • Jiāolóng Zhū

      Nach wenigen Augenblicken konnte Jin das typische Geräusch einer sich öffnenden Tür vernehmen. Aus eben jenem nun geöffneten Durchgang trat die junge Frau, offensichtlich nicht für die aufkommenden Kälte gewappnet. Bevor sie einige Worte austauschen konnten, herrschte Stille, in welcher die Blondine den Größeren musterte. Natürlich war dieser der Wechsel seines Kleidungsstils nicht entgangen. Kurze Zeit später beschloss die Blondine auf diese mit einem sogar recht freundlichen Kommentar zu reagieren. Komplett unerwartet traf Jiāolóngs diese Kompliment und man konnte ihm deutlich die Ungläubigkeit, aber auch eine Spur von Scham ansehen. Normalerweise hätte er sich nun unter einer seiner Kapuzen versteckt, so wollte er doch vor der Frau keine Schwäche zeigen, doch dies war ihm nicht möglich und man konnte sein Unbehagen spüren. Er hoffte wirklich sie hatte nicht bemerkt. Weshalb musste sie ihn auch in einem unaufmerksamen Moment erwischen? Sonst war der Schwarzhaarige gelassen, selbst die größten Beleidigungen brachten ihn nicht so durcheinander, wie diese einfache aber ehrliche Kompliment.
      Um weiteren Schaden an seinem Ego zu vermindern, räusperte er sich kurz, damit seine Maske sich wieder fangen konnte. "D-danke..", erwiderte er nur kleinlaut, denn er hatte es für nötig gehalten wenigstens höflich in einer solch misslichen Lage zu bleiben. Würde sowieso nichts bringen, zu versuchen, sein Image wieder her zu stellen. Im Endeffekt war diese ganze Interaktion seine Gedanken nicht wert, so würden sie sich alsbald lediglich als Nachbarn behandeln.

      Seinen goldenen Augen entging es nicht, wie die zierlich Rachel immer mehr mit der schleichenden Kälte zu kämpfen hatte. Auch ihre Aussage bestätigte diese Theorie, doch anscheinend hatte sie nicht weit genug gedacht, sich eine Jacke beiseite zu legen. Nun vielleicht war ihr Umzug auch stressig gewesen und.. warum versuchte er eine Erklärung für ihr Verhalten zu finden? Der größere Mann konnte ihr doch auch einfach das Attribut dämlich zuschreiben. Und dennoch wollte ihm dies nicht so recht gelingen, denn es fühlte sich nicht richtig an, eine Dame in einer misslichen Lage negativ zu betiteln. Wenigstens ein kleines bisschen Gentleman lebte noch in ihm.
      So beobachtete er nur eine junge Frau in Nöten, welche trotz der schwierigen Lage versuchte stark und unabhängig zu wirken. Solch ein Verhalten war schon süß, das musste selbst Jin zugeben.
      Seufzend drehte er sich um und lief zurück zu seiner Wohnung. Nachdem er die Tür geöffnet hatte kam Miku bereits hinaus gestürmt und tänzelte erneut um Rachel herum. Es hatte wohl keinen Zweck diese nun erneut einfangen zu müssen. Die Hündin würde schon kein Hindernis sein, sie wusste schließlich, wie sie sich um Menschen herum verhalten musste.

      Mit einem Kleidungsstück in der Hand holte er die unterkühlte Frau ein und legte dieser kommentarlos die leicht gewärmte Jacke auf ihren Kopf. Es war eine leicht gefütterte Kunstlederjacke, welche von dem misstrauischen Nachbarn selbst stammte. "Die will ich aber wieder haben!.", kam es dann aus seinem Mund, ein leichtes Grinsen konnte er dabei jedoch nicht mehr verbergen. Er kannte die Angewohnheiten einiger weiblicher Personen die Kleidung von Männer zu sammeln, nur weil diese ihnen Helfen wollten. Zum Glück tat er solche Dinge selten, weshalb er noch keines seiner Kleidungsstücke jemals verloren hatte. Und er hoffte es würde dabei bleiben.
      "Doch für jetzt kannst du sie behalten. Umzug mir Erkältung ist schließlich beschissen. Denk nächstes Mal einfach an deine eigene!". Jin war nicht geschickt darin, seine Fürsorge in Worten auszudrücken, doch man konnte spüren, dass es nur helfen wollte.Besonders sein freches Lächeln brachte dies zum Ausdruck. Und die Tatsache, dass es sich um seine liebste Jacke handelte. Er hätte ihr zwar eine andere Jacke gegeben, doch keine dieser war warm genug.
      Weshalb machte er sich überhaupt so viele Gedanken um die Fremde..
      Ohne lange auf eine Reaktion zu warten lief er bereits mit seiner kleinen vierbeinigen Gefährtin nach unten,um den schwersten Karton heraus zu suchen. Schnell hatte er diesen lokalisiert und hob ihn kurzerhand hoch um ihn die Treppen hinauf zu befördern. Doch er wartete noch bis die Blondine unten ankam, denn er wollte nicht, dass sie sich auf der schmalen Treppe in die Quere kamen.
      If the door of perception were cleansed every thing would appear to a man as it is,
      Infinte.
      -William Blake

    • Rachel Meadows

      Sie hörte wie die Schritte des Schwarzhaarigen hinter ihr umdrehten und zurück zu den beiden Wohnungstüren schritt. Irritiert drehte sich die Blondine wieder in seine Richtung, die zierlichen Arme vor dem zitternden Körper verschränkt und den Kopf schief gelegt sah sie zu, wie Miko wieder energisch auf sie zu gestürmt kam und ihr groß gewachsener Besitzer stattdessen in seiner Wohnung verschwand. Hatte er etwa was vergessen? Wahrscheinlich, denn er wirkte nicht so, als hätte er es sich nun plötzlich anders überlegt und würde die Blondine die restlichen Kartons alleine hochtragen lassen wollen. Aber da die kleine Gefährtin in Hundeform ihr wieder voraus eilte, ließ sich Rachel davon überzeugen, dem kleinen Fellknäul die rauen Treppe hinab zu folgen. Da tauchten auch wieder die bekannten Schritte hinter ihr auf. Kurz kam darauf der frierenden Frau ein erleichtertes Seufzen über die geschminkten Lippen. Obwohl sie wusste, das er sie ziemlich wahrscheinlich nicht hängen lassen würde, hatte sie doch in ihrem tiefsten Innersten diese irrationale Angst davor gehabt. Gut, dass das nicht der Fall war.

      Ihre blaue Augen waren auf die Hündin gerichtet, welche sie damit, das sie die Treppe runter um ihre Füße herum tänzelte, wieder auf andere Gedanken bringen konnte. Sie konnte dieses liebenswürdige Tier wirklich nur beneiden, bei dieser Kälte und dem verregnetem Wetter so positiv und verspielt zu wirken. Sowas könnte Rachel wirklich auch in ihrem tristem Leben gebrauchen. Genauso wie jemand, der nach ihren ganzen Bedürfnissen Ausschau hielt, wie es, zu ihrer Überraschung, gerade in diesem Moment Jin tat.
      Sofort umgab sie die Wärme und der Geruch des Mannes, durch die Kunstlederjacke, die er ihr auflegte. Der blonde Haarschopf ging völlig unter in der zu großen Jacke und nahm es ihr die wohl bedachte Silhouette ihre Outfits. Mit großen Augen und einer beschämenden Röte im Gesicht blickte sie den grinsenden Schwarzhaarigen verwirrt an, der tatsächlich für sie zurück in seine Wohnung geeilt war. Trotz seiner ungeschickten Wortwahl konnte er seine Fürsorge für die junge Frau nicht verstecken, welche mit diesen positiven Empfindungen komplett überfordert zum Halt kam.
      "D.. Danke", murmelte sie, weiterhin überrascht über seine aufmerksame Reaktion, die ihn zusammen mit seinem frechen Grinsen nur sympathischer machte. Nun war sie es, die sich völlig kleinlaut räuspern musste, um ihre bereits verloren gegangene Maske verzweifelt wiederzuerhalten. Langsam zog sie sich die Jacke vom Kopf runter, so dass das gefütterte Kunstleder wie vorgesehen auf ihren Schultern ruhte. Damit sie es leichter haben würde die Kartons zu tragen, steckte sie beide Arme durch die für sie übergroßen Ärmel des aufgewärmten Kleidungsstück. Sie konnte nicht vermeiden den angenehmen Duft, der an dem Innenfutter der Jacke hing, wahrzunehmen, während sie langsam ihm hinterher die Treppen runter schritt. Gegen ihrer Erwartung nahm sie nicht den Geruch von Rauch wahr, der sich normalerweise schnell an Kleidung festhing. Stattdessen war es lediglich Jin, den sie an der Jacke riechen konnte und solche Sinneseindrücke hatten viel mehr Halt in ihrem Gedächtnis als einfache Erinnerungen.
      Doch gleichzeitig musste sich die Blondine, egal wie überwältigt sie von so einer einfachen Aktion war, an die bittere Realität erinnern. Nämlich, das sie nicht auf eine Freundschaft aus sein sollte. Die Hilfe akzeptieren und danach wieder für sich sein - das sollte ihr Ziel bleiben.

      Mit rot verfärbten Wangen, sowie blonden Strähnen im Gesicht, kam sie unten bei ihm und den übrig gebliebenen Kartons an. Sie konnte ihm kaum in die Augen schauen, während sie leise sagte: "Ich geb sie dir wieder zurück, versprochen." Dabei musste sie sich fast schon zu diesen Worten zwingen. Rachel hatte nie die Erfahrung gemacht wie andere Frauen, sich die Kleidungsstücke ihres Freunds zu stibitzen, aber in diesem Moment konnte sie nachvollziehen, wieso dies immer wieder vorkam. Nur war er lediglich ein Fremder. Zwar wollte sie sich insgeheim vielleicht an die Begegnung mit ihm erinnern können, aber würde selbst ein Kleidungsstück das nicht schaffen. Wahrscheinlicher war, das sie einen Anfall hatte und Jin nach paar Tagen schlecht gelaunt bei ihr auftauchte, weil er seine Jacke noch immer nicht wieder bekommen hatte. Sie wollte ihm für seine Hilfsbereitschaft danken und sie nicht ausnutzen.
      Und trotz dieser Gedanken, lag ein breites Lächeln auf ihren Lippen, welches sie selbst nicht einmal bemerkte. Diesen kurzen Moment von Zuneigung konnte die Blondine wohl einfach genießen, auch wenn er ihr nicht lange erhalten bleiben würde.

      Sie betrachtete den Schwarzhaarigen, der mit seiner Jacke nicht nur ihren unterkühlten Körper aufgewärmt hatte, wie er bereits mit einem Karton zwischen den Händen schon dabei war die vielen Treppen erneut zu erklimmen. Die zierliche Frau suchte sich ebenfalls einen der nun nur noch wenigen Pappkisten aus, mit welchem sie dem jungen Mann hinterher eilte.
      "Du kannst den Karton einfach in der Wohnung abstellen!", leitete sie ihn von hinten an, nachdem sie sich langsam wieder gefangen hatte. Immerhin musste sie sich heute nicht Gedanken machen das ihre Wohnung unordentlich aussehen konnte, denn abseits von weißen Holzmöbeln, ein paar Umzugskartons und ihren pinken Notizzetteln überall, mit allem woran sie sich erinnern musste, war noch nichts in den Räumen verteilt. Mit angestrengten Schritten versuchte sie bei seinem Tempo mitzuhalten, während Miko den beiden wieder einmal voller Elan vorausgeeilt und schon oben angekommen war. Dieser Anblick würde der Blondine hoffentlich noch einige Male ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
    • Jiāolóng Zhū




      So viele gute Taten wie er an diesem Tag vollbracht hatte war Jins Soll für diese Woche sicherlich bereits überschritten. Nicht nur half er einer komplett fremden Frau beim Umzug, sondern gab er ihr noch seine liebste Jacke damit sie nicht frieren würde. Ersteres konnte er noch auf den Drang eines Selbstbeweises schieben, so war er schließlich ein Mann und diese testosterongesteuerten Wesen zeigten gerne wie stark sie doch waren. Auch wenn er wirklich fernab von einem männlichen und durchtrainierten Körper war. Doch ihr das wärmende Kleidungsstück anzubieten? Das war eine Situation wie sie sich nur in Filmen zutrug.
      Als die junge Frau ihm jedoch ein verlegenes 'Danke' schenkte, waren diese Gedanken auch schon aus seinem Kopf gestrichen und durch ein paar emotional verwirrende Wort wie 'süß' und 'schön' ersetzt worden. Was tat ihm die Frau da gerade bloß an? Komplett entwaffnet konnte er selbst nicht verhindern leicht zu erröten und gerade bei seiner blassen Haut war diese Veränderung leicht zu erspähen. Deshalb lief er die Treppen schnell hinab und versuchte seine Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen. Denn wenn es so weiter ging war er nach kurzer Zeit emotional viel zu verletzlich und offenbarte einer Fremden, welche er aufgrund der Wohnungssituation sicherlich noch öfter begegnen würde, seine Gefühle. So etwas durfte nicht passieren, so sympatisch er die Frau auch fand.


      Unten angekommen nahm er einen der Kartons in die Hand und blickte kurz zu Miko um sicher zu stellen, dass es ihr noch gut ging. Die Hundedame schien wirklich Spaß dabei zu haben die Treppen hoch und runter zu laufen. Nun, sie musste schließlich auch keine Pakete tragen.
      Jin hatte es also geschafft seine Maske wieder auf zu setzen und seine Miene war recht kühl, jedoch nahm Rachel das Gespräch wieder auf. Um nicht zu viel von seiner Gefühlswelt preis zu geben nahm Jin schon die ersten Treppenstufen bevor er antwortete. "Ich nehme dich beim Wort! Für heute kannst du sie aber erstmal behalten..", erwiderte der junge Mann und sein Ton war dabei nicht eingefroren wie sonst auch, weshalb er die Treppen nach oben schnellte, nur im Hintergrund wahrnehmend wie die Frau ihm erlaubte die Box in die Wohnung abzustellen. Das war die Einladung die der Vampir brauchte um über die Türschwelle treten zu können.


      Oben angekommen ging der Schwarzhaarige der Aufforderung der Blonden nach, welche noch mit Miko die Treppenstufen erklomm. Vorsichtig wich er den Kisten aus um dann seine Box an einer freien Stelle abzulegen. Zwar wollte Jin es nicht zugeben, jedoch war er schon nach diesen zwei Boxen ein wenig erschöpft. Da Rauchen tat seiner Kondition wirklich keinen Gefallen.
      Er streckte seinen Rücken für einen Moment und atmete tief ein. Dabei analysierte er die fremde Wohnung welche er gerade betreten hatte. Noch war dieser Ort sehr unpersönlich, aber das würde sich wohl mit dem auspacken der Kisten ändern. Was ihm allerdings schon auffiel war das leicht vorherrschende Chaos. Natürlich konnte es der Stress sein und der Zeitmangel, sodass die Blondine nicht allzu viel Zeit daran verschwendet alles komplett ordentlich zu halten, aber diese kleinen Indizien ließen Jin wundern, ob sie nicht doch ein bisschen schusselig war. Als er dann weiter darüber nachdachte fielen ihm eine Menge kleiner pinker Details überall im Raum verstreut auf. Kleine Sticky Notes. Eigentlich hielt sich Jiāolóng zurück, denn es ging ihn schließlich nichts an wie die junge Frau ihr leben lebte. Doch seine Neugier hatte überhand genommen und so näherte er sich einem der Papiere. Er schmunzelte nachdem er die Wort aufgenommen hatte, denn es bestätigte seine Theorie über Rachel.
      In dem Moment vernahm er jedoch Schritte und wich zurück, kurz bevor seine Nachbarin ihre Wohnung betrat. Jin musste sich zusammen reißen diese nicht anzustarren und so widmete er seinem Blick Miko. "Zum Glück ist nicht mehr allzu viel unten..", bemerkte er dann beiläufig und gab seiner caninen Begleiterin ein paar liebevolle Streicheleinheiten. Diese war jedoch viel zu beschäftigt damit die Umgebung genauer zu inspizieren und so musste sich Jin doch wieder Rachel zuwenden. "Ich denke wir müssen noch zweimal laufen und dann sollten wir fertig sein.", stellte er fest und sah hinauf zu der Fremden, sein Blick zwar kühl, aber nicht annähernd so kalt wie anfangs.
      If the door of perception were cleansed every thing would appear to a man as it is,
      Infinte.
      -William Blake