Kirai - Epigenetics

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    • Kirai - Epigenetics


      Machina, 29 Jahre
      Salzig. So schmeckte also die Freiheit. Welch Ironie, hat er sich doch früher stets von diesem Gewürz ferngehalten, es veranlasste das Gesicht bei zu gehaltvoller Menge nur eines entgleisenden Gesichtsausdrucks voller Verzerrungen. Und jetzt. War es der Schlüssel zur Selbstbestimmung.
      Lider überschattet von Dunkelheit. Ohren lauschten dem gleichmäßigen Rauschen sanft plätschender Wellen.
      Ruhe.
      Frieden.
      Die Erinnerung an seinen letzten Aufenthalt... So verschwommen. So unvollständig. Das Puzzle würde sich nie wieder in seinem Ganzen zusammenfügen. Aber... Er war zurückgekommen. Noch einmal durften die Augen des Schwarzhaarigen sich in der Wärme zärtlicher Strahlen baden, während hastig nähernde Schritte gänzlich ihre Verzweiflung empor strahlen ließem.
      Angst.
      Glück.
      Tränen.
      Am Ort des baldigen Frieden. Seines Friedens. Am Horizont tauchte das Colour aschefarbener Augen auf, und die Leere, mit der sie gefüllt waren, war der Spiegel all seines Schmerzes.
      Ein ungläubiges Kopfschütteln. Flehend gespannte Fäuste.
      Machina nickte lächelnd. "Mein Kapitel ist nun zuende."
      "..."
      "Ich werde es... abschließen. Fallen um fliegen zu können... Hahaha... Schon seltsam, warst du es doch, der damals meinte, es wäre so viel leichter loszulassen, wenn die Menschen, die man selbst liebt, einen hassen."
      Langsam wandte der junge Mann sein Haupt, drehte der Klippe den Rücken zu. Alles schien so... langsam zu vergehen. Kostbar. Achtsam.
      Selbst die klaffende Wunde schien vom Tempo der Zeit beeinflusst worden, bahnte sich das Blut nur noch sickernd einen Weg aus dem durchtränkten Stoff.
      "Verfrühter... Sommerregen, hm?" wisperte sein Freund kaum hörbar.
      "Es sind... Doch keine Wolken...- Oh."
      Unzählig kleine Diamanten begannen die grauen Augen mit ihrem funkelndem Tanz zu erhellen, wie Licht, dass sich schimmernd auf der Wasseroberfläche reflektierte.
      Und dann schloss Machina die Augen.
      "Fullfilled Desire."
      "..."
      "White. Das solltest du... noch unbedingt wissen: SIE hat dich sehr lieb gehabt." trug der Wind seine flüsternden Worte hinfort, dort, wo sie Gehör fanden. Dann glitt er hinab.
      Hinab zum Himmel
      "MACHINAAA!"
      Vor Fassungslosigkeit erstarrte Augen war das Letzte, was seine Erinnerung prägte. Mit einem versöhnlichem Lächeln.
      Doch nun konnte er die Flügel spreizen.
      Fliegen.
      Was blieb, war nur Körper, den die Wellen zu verschlingen vermochten.
      Seine Seele... flog heim.
      Verzeih mir....

      ~ 13 years ago ~




      Machina:
      Kräuselnd blies eine unsichtbar gespitzte Lippe, vom Amüsement tänzelndes Phyllom amüsiert kichernd, die wehrlosen Blätter in ihrem sonderbar nach Regen schmeckenden Lüftlein gen Freiheit. Unterlegener Wille. Machina beschlich plötzlich das Gefühl gehässigen Lachens. Er lachte. Der Wind. Über die Machtlosigkeit toten Laubs, dessen reine Kapitulation er mit seinem Spiel strafte; Stumm ließen sie sich im Takt stiller Musik durch eisige Lüfte zerren. Selten verblasste das Blattwerk in den endlosen Weiten des Horizonts, verschluckt vom grellen Schein glühender Sonnenstrahlen, manchmal streiften sie sanft seinen Smoking, nahezu zaghaft, aber oft genug wurden sie einfach achtlos zu Boden gedrückt. Weggeworfen. Wie ein Tier, dass die Eltern dem Kind zu Weihnachten schenkten- es so lange toll war, bis das Interesse endgültig Langerweile wich und das neue "Spiel" allmählich alt, wenn nicht sogar lästig wurde. Wo blieb die Spaltung des Unterschieds? Gab es überhaupt eine? Deklarierte man seine Wenigkeit nicht auch als Zeitvertreib? Er... definierte sich doch nur als nützliches "Spielzeug", sollten "sie" tatsächlich mal Verwendung für ihn finden. Und nach Gebrauch wurde er genauso lieblos fortgestoßen, wie es der Wind gleichmaßen tat. Eine kurzweilige Ablenkung.
      Eskalation daheim schien wohl oder übel sich vom Standard suboptimalem Usus überzeugt zu haben- und Machina wünschte sich in dem Moment nichts sehnlicher, als der Gedanke an einen vergleichsweise harmlos beendeten Streit. Ohne Schläge. Tritte. Nach ihm fliegenden Gegenständen. Groll verzerrtem Aufschrei... Ja. Tatsächlich. Er hatte sich an den Schmerz gewöhnen können. Ihn ausblenden. In jenen Sekunden. Irgendwo in ein dunkles, mit kalten Mauern betoniertes Fleckchen seines Bewusstseins kriechend. Käfig.
      Dieser dumpfe, stechende Schmerz... Der, der den Körper des jungen Mannes so gnadenlos durchströmte und doch nirgends lokalisierbar war. Ein Gefühl der Leere... Überfüllt mit bitterer Verzweiflung. Eine Sehnsucht, deren Ferne nicht zu greifen war. Die Augen mit feuchtem Glanz überzogen, haftete der Blick des Verlorenen starr auf die hereinbrechenden Wellen, die mit ihrer Kraft den Eindruck vermittelten, sie wollen die über Jahrtausend geformte Felsformation mit ihren wässrigen Reißzähnen durchbohren.
      Bald würde der Weg enden. Die Klippe. Und sein... Leben. Ohnehin verbraucht und wertlos. Wozu also...?
      HEY. Was gedenkst du da tun zu wollen? säuselte es ihm wortlos entgegen, "Ich weiß es nicht..." hauchte Machina resigniert, die Iriden vom Vorhang der Dunkelheit langsam überdeckend. Jemand wartet auf dich. "Nein." Vehement den Kopf schüttelnd wischte er rasch mit dem Handrücken über schimmernd heiße Spuren, die einsam salzig ähnlicher Regentropfen seine Wange hinunterglitten. Wer würde schon auf ihn warten WOLLEN? White? Bestimmt nicht- nur weil seine fraktale Psyche sich an dieser dämlichen Ideologie zweier Seelenverwantder Brüder verbiss, um gar irgendeinen Halt zu finden, damit er überleben konnte. Innerlich. Klammernd. Schluchzend. Er war seiner doch... unwürdig. White genoss bestimmt gerade den Aufstieg in unbegrenzte Möglichkeit freier Entscheidungen. Er besaß alles. WIRKLICH ALLES. Ansehen. Akzeptanz. Stolz. Talent. Geld. Autos. Viele Freunde. Sogar eine eigene Villa. Zuzüglich Bediensteten. Weshalb... sollte er ihn also missen? Einen Niemand. Einen schlechten Schüler.
      Ja. Die Pfütze des Selbstmitleids genoss gerade die suhlende Aufmerksamkeit des Jugendlichen. Und? Interessiert niemand. Seinen Vater nicht. White nicht. Ihn nicht. Eine grau bemalte Wolke schob ihr von Eiskristallen Ansammelndes Dasein vor den runden, gleißenden Ball und unterwarf das Land eines finstren, lichtverbannenen Schatten. Geh zurück. Nun geh schon. Stimmen im Wind. Die Flüstern, wenn sein Erinnern Gestalt annimmt. Nur ein kurzer Augenblick. Ein Moment voller Wärme. Liebevoll sanfte Hände, beschworen aus Erinnerung guter alter Zeiten, ließen sich auf den schmalen Schultern eines verlassenen Kindes nieder. Nun geh schon "Aber..." Weg. Ein kurzer Blick über die Schultern hatte die Täuschung rigoros zerstört. Fort. Für immer. Sich dem Glauben hingeben, sein Bruder würde aus dem Jenseits auf derart abstruse Weise mit ihm interagieren. Lächerlich.
      Zwischen Daumen und Zeigefinger windend ließ Machina eine rote Rose um die eigenen Achse kreisen. Im Kontrast des schwarzen Anzuges wirkte sie beinahe wie ein blutender Wehmutstropfen gefallener Soldaten. Und sie fiel. Glitt hinab. Schwebend. Elegant. Wortlos... Verschluckt durch unsagbare Kraft mächtiger Naturgewalten. Fort. Für immer. Das Rauschen an rauen Fels klaffende Wellen verstummte, je weiter ihn seine Schritte in die Nähe der Stadt führten. Selbst wenn der strömende Regen den Stoff samtenem Schwarz durchtränkte, so verwischte er doch die Spuren würziger Tränen.

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    • White
      Geschmeidig eleganten Schrittes, die Kontur dynamisch spielender Muskeln sich dezent an feudal ummantelte Kleidung schmiegend, wanderten die Lider des jungen Mannes wie in verschleierten Nebel der Trance durch die Menge. Bilder glitten hinein, rauschten ohne Beachtung vorbei, standen vor dem Spiegel ihrerselbst- verzerrt und fahl. Jedes einzelne Individuum seiner Gäste mochte sich noch so prunkvoll in ihren seidig glänzenden Stoff winden, ein höflich, doch kühles Lächeln schenken, unter einer schmutzigen Fassade von Neid, Gehässigkeit und Missgunst. All diese in jeder Fibrille verankernde Oberflächlichkeit der Besucher füllte den Raum, als wäre Täuschung das einzige Attribut, was den Menschen wahrhaftig zugeschrieben werden konnte. Hohle Phrasen. Leere Floskeln. Bla bla bla... Er war es so leid. So gelangweilt. Das Gerede klang nach geübter Diplomatie, ein Hauch Kritik voll Ironie und zwischen den Zeilen stimulierte wild und ungeniert die Phantasie. Reizend. Ihre Denkweise schien sich eklatant von ihren Handlungen zu unterscheiden. Ambivalenz? Oder tendenziell neigende Diskrepanz? Göttlich. Umkreisten die eisernen Ketten ihren freien Willen, zogen sich fester zum Wohle ihres privilegierten Stands, die Untätigkeit zu wahren. Wenn die Vernunft einen so starken Zugang zur eigentlich präferierten Intention besaß, warum töteten sie ihn dann nicht?
      Waren sie sich ihres Untergangs etwa nicht bewusst? Hm. Bemitleidenswerte indoktrinierte Masse. Wieder ein Händedruck. Abermals ein versucht wohlwollendes Lächeln, gescheitert durch die Ehrlichkeit hasserfüllter Pupillen, gefolgt von geheuchelten Gratulationen. Eine blass gehauchte rosande Lippe, aus welcher sich kalt vertönt das Wort "Danke" formte. So viele Menschen. Inflationäre Möglichkeiten zur Interaktion, beinahe der Gefahr von Reizüberflutung ausgesetzt. Das Interesse des Introvertierten verwehte, ehe er den Gedanken begonnen hatte. Sein Befinden gleich einer Eisscholle, welche als einzige zurückblieb, derweil alle restlichen mit dem tiefen Blau des Wassers verschmolzen und mit einer Zugehörigkeit gesegnet wurden. Und er... Trieb einsam weiter. Natürlich hatte seine Mutter ein Fest für diesen "besonderen" Anlass verordnet, dessen Investition sie hätte ebenso für eine Urlaubsreise nach Südafrika nutzen können. Er besaß ja lediglich eine recht überschaubare Überstundenzahl von 18 Jahren. Usus. Die Fingerspitzen des jungen Mannes wanderten feinfühlig über das fein geschliffene Weinglas, umschlossen vorsichtig den Stil, während der Bauch schwungvoll mit dem blassroten Inhalt befüllt wurde. Eine Note Bouquet erfüllte die Luft mit herben Aroma. Langsam schmiegten sich seine Lippen auf leicht verdickten Rand, bevor die rötliche Spirituose gegen seine Zähne stieß, durch die schmalen Lücken hindurchglitt und genüsslich den Gaumen mit Küssen übersäte. Sogar des Schluckes geschmackvoller Genuss war abenteuerlicher als diese von humanoiden Ratten kontaminierte Feier. Nun. Alleine der Empfang erfolgte kaum nach der Norm eines strengen Zeremoniells, warum also- wenn es doch SEINE Feier war- war es ihm verwehrt geblieben, eigenst die Gäste einzuladen? Ach. Richtig. Deshalb. Vermutlich hätte ein Jeder dann nur einen leeren Saal vorgefunden. Wie schade.
      "Wieso muss ich mich immer um dieses geistige Fragment kümmern?! Vergiss es!" Wäre diese Person kein Jäger, sondern ein Kirai gewesen, wäre ihr vermutlich eine Druckwelle entsprungen, so laut und unverfrorenen zerriss jene Empörung die gellende Heiterkeit.
      Zaghaft trat White wenige Meter vor. Herrlich. Die Gestalt, welche das Zerebrum des jungen Mannes erfasste und reflexartig den Befehl eines süffisanten Grinsen an seine Mundwinkel aussandte, erweckte eine nicht gänzlich unbekannte Erinnerung in den Tiefen seines Unterbewusstseins. Die Arme hinter dem Rücken leicht verwinkelt, neigte er das Haupt neugierig gen Stimme. "Verzeihung? Bist du... Nicht der Jäger namens Genesis?" "Ja. Und?" Aha. Ein wenig exaltiert der junge Mann. Protzig und hitzköpfig. Ein interessanter Zeitvertreib. "Bitte halte dich an die Etikette. Und veranstalte keinen "Blödsinn." "Hmm... Muss ich dir gratulieren?" "Nein." "Dann wäre die erste "blödsinnige" Tat schon mal torpediert." Schien, als hätten diese kleinen, unbedachten Worte des Gegenübers ein unerwartetes suggestives Angebot geformt und der Umstand, dass White dieses als sehr lukrativ betrachtete, ließ die Dunkelheit wie ein sich immer brachial aufbäumender Schatten im Meer in seinen Augen erheben. Trotz unerbittlich bemühter Indoktrination der Elemente autoritärer Erziehung in einen jungen Verstand, effizierte Provokation nicht unüblich längst verschlossene Emotionen, deren jahrelange Unterdrückung sich manchmal zu einem wahren Sturm entfachten. "Deine Erzeuger schienen gerne experimentiert zu haben... Leider bist du dabei fürchterlich schiefgegangen, Verräter." schnurrte das angehende Oberhaupt leise, der Unterton gänzlich verwebt in Hohn und beißender Arroganz. "Was? Was hast du gesagt?!" Die Attacke verbaler kataklystischer Klauen hatte sich direkt in das ohnehin blutende Herz des jungen Brünetten gebohrt, und damit vermochte White's Intention einen Volltreffer zu landen mit Erfolg gekrönt. Wut verzerrte Augen entblößten die nackte Wahrheit - ein von menschenhand gezüchtetes Monster ragte vor ihm auf. Naja. Zumindest auf geistiger Basis. Physisch glich dieser Jugendliche eher dem Körperbau von Machina. Kind.
      Die eben noch vorhandene Option durch den Verstand gesteuerte Maßnahmen ergreifen zu können wich schlagartig der Verselbstständigung des Ausschaltens jeglicher Selbstbeherrschung. Zornig verkrampfte Hände klammerten ihre Nägel vor der unkompensierten Qual inneren Schmerzes verzweifelt am Kragen des Vorsitzenden und White verspürte eine unversehens sengende Hitze, wie sie sich des edlen verwobenen Stoffs annahm, bis hin zur Haut vorfraß. "Gen! Hör auf! Er ist es nicht wert." Das Stimmchen, so weich und klar eilte unbeirrten Schrittes auf ihren Schützling zu, löste mit liebevollem Griff seine Hand. Hieß, sein Gegenüber besann sich tatsächlich eines Besseren. Hm. Das Glück schien ihm hold. Ganz zu seinen eigenen Ungunsten. Noch ein paar beruhigende Worte an das gescheiterte Experiment, dann traf ihr Blick den seinen- Und er hätte schwören können, dass er sich den grellen, tödlichen Blitz darin nicht einbildet hatte. "Einfach armselig." zischte das Täubchen verächtlich, ehe das sie auf dem Absatz kehrt machte, den jungen Mann keines Blickes mehr würdigte. "Genesis?" erhob White abermals das Wort, spiegelte sich Gen's Antlitz voll verletztem Stolz und beraubter Würde im Zauber grauer, undurchsichtiger Augen, "Pass auf dich auf..." bemerkte er zynisch. "Verdammter arroganter Bastard!" Spielchen. Schon so lange misste er die Freude... Eine einzigartig innere Spannung kombiniert vom aufregenden Kribbeln, das den ganzen Körper durchflutete, wie es nur eine kühne Tat von hohem verbundenen Risiko zu bewirken vermochte. Nur knapp hatte sein neuer Feind das Ziel verfehlt; der Feuerball schlug die Zähne gefräßig in die Kapitell der anthrazitfarbene Säule. Nun. White wäre nicht White, war er dem Angriff doch so leichtfüßig tänzelnd ausgewichen, gleich eines Schmetterlings schwebend in den wiegenden Lüftchen des Windes. "Na na na. Mit Feuer spielt man nicht. Du könntest damit...-" seine Stimme verdunkelte sich, "jemanden verletzen." "WHITE-Archer Léonce! Genug! Jetzt!" Glück, wurde sämtlichen Lautsprechern bislang der Dienst verwehrt, sonst wären die Boxen vermutlich implodiert- "Oh. Verzeiht, Frau Mama. Ja. Ihr habt Recht. Mein Gebaren war unverzeihlich. Ich bitte vielmals um Entschuldigung." Zwar, die Verneigung würde seine Schuld nicht begleichen können. Aber es zollte Respekt- den dieser Abschaum eines Reagenzglas entsprungener Fehlschlag keineswegs verdiente.
      Seufzend trat White auf den Balkon. Erfrischend kühler Wind wog die pulverweiß schimmernden Haare im unbekannten Rhythmus stummer Melodie. Wortlos flogen die Iriden einer einsamen fechtenden Klinge gen Himmel. Das Couleur aschefarbener Augen, deren Grenzendlosigkeit nicht einmal der flammende Himmelskörper erfassen und zu erhellen vermochte, richtend über die Untiefen der sozialen Fairness.
      Feuer und Eis. Gemeißelt in lebendiges Fleisch.
      Eisiges Temperament, gefroren in geistiges Leben;
      Emporflammende Kampflust militanter Gesinnung.
      Bekannt als: White-Archer Léonce.
      Ich werde euch... den ewigen Frieden bringen. Jedes einzelne Herz wird... dem Untergang geweiht.


    • Der Tipp, den sie vor einigen Tagen durch einen Glücksfall erhalten hatte, führte die junge Jägerin in einen städtischen Vorort. An ihr zogen immer gleiche Einfamilienhäuser vorbei, die wohl in der Absicht erbaut worden waren den eher unbeliebten Wohnort aufzuwerten.Die strahlend weissen Fassaden standen im Kontrast zu den leeren, finsteren Fenstern. Alle Bemühungen der Stadtraumplanung schienen umsonst gewesen zu sein. Die Einfamilienhäuser, welche sich schier endlos aneinander zu reihen schienen, standen allesamt leer. Rojin bog in der nächsten Quergasse rechts ab. Nach kurzer Zeit verschwanden die lieblosen Einfamilienhäuser endlich und an ihre Stelle traten trostlose Reihenhäuser aus Beton, denen in den vergangenen Jahren augenscheinlich kaum Pflege zuteil worden war. Endlich erreichte sie den ehemaligen Dorfplatz, wo sie ihr Motorrad abstellte. Für eine Minute stand sie auf dem verlassen Platz, die Hand auf den Rücksitz gelegt. Dann richtete sie ihren schwarzen Rollkragen, strich die Falten des dünnen Pullovers weg. Während Roji ihre braune Lederjacke öffnete, liess sie ihren Blick stoisch über den Dorfplatz gleiten. Keine Spur eines annähernd menschlichen Wesens.
      Die Dunkelhaarige drehte sich auf dem Absatz um und schritt zielstrebig auf eine kaum erleuchtete Zwischengasse zu. Und tatsächlich, keine 3 Blocks weiter eröffnete sich ein Park, von wo nahezu feierliche Stimmen ertönten. Rojin blieb am Ecken des letzten Gebäudes stehen und lehnte sich seitlich an die Mauer. Vor ihr spielte sich das nahezu erwartete Spektakel ab. Nur tarnte er sich heute als Reisezirkus. Mit schief gelegtem Kopf betrachtete Roji all die bunt bestrichenen Waggons, die unzähligen Girlanden und die Menschen die sich unter ihnen tummelten. Ein kaum merkliches Lächeln huschte wie ein Schatten über ihr Gesicht. Die Liebe zum Detail, was seine Tarnung anbelangte, blieb unbezweifelbar. Und sich zusätzlich immerzu gerade solch vermeintlich auffällige Tarnungen auszusuchen und doch immer ungeschoren davon gekommen zu sein… Wie auch immer dieser Mann hiess oder aussah, er stellte einen ehrenwerten Feind dar.
      Es konnte nur noch wenige Minuten dauern bis er seine Ware auf den kleinen, ganz im Ambiente eines Zirkus gehaltenen, Podeste führen würde. Also wartete sie. Wartete darauf den Mann zu sehen, den sie noch heute ausschalten wollte. Wollte erfahren nach welchem Gesicht die gesamte Jägergesellschaft seit einem Monate überhaupt Ausschau hielt. Dafür musste sie jedoch näher ans Geschehen, raus aus dem Schatten der Molketgasse. Innert weniger Schritte erreichte sie die Rückseite eines Wagens, vor welchem eine Kiste stand, mit deren Hilfe Roji sich eine bessere Übersicht verschaffen konnte. Endlich war es soweit. Drei Kirais mit Ketten um Hals, Handgelenke und Füsse wurden auf die Podeste geführt. In diesem Moment spürte die Jägerin ein Vibrieren an ihrem Oberschenkel. Automatisch liess sie ihre Hand in einer der unzähligen Taschen ihrer Cargohosen verschwinden und zog ihr Handy hervor. Sie überflog die Nachricht kaum. Doch der darin genannte Namen liess sie in ihrem Vorhaben das Gerät wieder wegzulegen dennoch innehalten. Lestrade… Die Dunkelhaarige stieg zähneknirschend von der Kiste runter und lehnte sich mit dem Rücken an den Zirkuswagen. ‚Dein Vermieter lässt Grüsse von Lestrade an dich ausrichten… ich hab dein Kleid. Bis gleich.‘ Langsam liess sie das Mobiltelefon in die Hosentasche gleiten, während die Zirkusmusik im Hintergrund sie fröhlich zu verspotten schien. Das brachte ihre Mission total durcheinander. Abermals stieg die junge Frau auf die Kiste und erspähte einen Blick auf den Grund ihrer Anwesenheit. Schlaksig, grossgewachsen, eine Neigung zu theatralischer Gestik… aber er trug eine Maske. Natürlich. Damit hätte sie rechnen sollen. Einer, der wenigen Nachteilen keiner Jägerorganisation anzugehören; Problem der Informationsbeschaffung…
      Wieder das vertraute Vibrieren am Oberschenkel. Rojin verzog das Gesicht verärgert. Ohne grosse Eile zog sie ihre Pistolen heraus und setzte auf jede je einen Schalldämpfer. Ein leises Seufzen ehe sie ohne eine Sekunde zu Zögern drei Schüsse abgab. Ohne mit der Wimper zu zucken verstaute sie ihre Waffen wieder und kehrte dem Reisezirkus ungerührt den Rücken zu. Die allgemeine Verwirrung und der Tumult, der ausbrach nachdem die drei Kirais allesamt tot zusammen sanken, verschafften der Dunkelhaarigen genug Zeit, um unbemerkt zum Dorfplatz zurückzukehren. Dort angelangt schwang sie sich auf ihr Motorrad und fuhr los in die Richtung aus welcher sie vor keiner Viertelstunde erst hergekommen war.


      Vor einem Hochhaus relativ zentral in der Stadt gelegen parkte sie schliesslich. Auf den paar Metern zum Hauseingang zog sie ihren Bakerboy Hut ab und strich sich mit der einen Hand durch die langen Haare, während sie mit der anderen in dutzenden Hosentaschen den Schlüssel suchte. Doch noch bevor sie ihn gefunden hatte, ertönte ein Summen. Lewin hatte sich also schon Eintritt zu ihrer Wohnung verschafft.

      Sobald Rojin die kleine Wohnung betrat, stand ihr ein mittelgrosser, breitgrinsender, blonder Kerl gegenüber. „Was wollte Lestrade?“, fragte sie knapp, während sie an ihm vorbei in ihr Zimmer ging. „Das fragst du noch?“, erwiderte Lewin, der ihr folgte und dessen Grinsen dabei immerhin für einen Moment verflog. Schweigend zog sie ihre Jacke aus. „Du kannst es dir nicht leisten in irgendeiner Weise Misstrauen zu erwecken, Roji.“, hörte sie ihn eindringlich sagen, während sie die Jacke über eine Stuhllehne hängte. In diesem Punkt hatte Lewin wohl Recht. Es war keine zwei Monate her, dass Lestrade ihr einen Platz in jeglichen Zeitungen verschaffen hatte. ‚Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?‘ - Eine grässliche Schlagzeile. Offenbar war nicht genug los in der Stadt, so dass die Journalisten auf alte, vermeintlich abgeschlossene Themen zurückgriffen. „Na gut.. ich werde das schwarze Klei-„ „Nein.“, unterbrach Lewin sie schroffer als sie es von ihm gewohnt war. Etwas überrascht drehte sie sich zu ihrem alten Schulfreund um. „Unmöglich. Wen möchtest du denn beerdigen?“, der Blonde verschränkte kopfschüttelnd die Arme. Rojin zog eine Augenbraue hoch. Da gäbe es doch sicher einige Kandidaten… Dies sprach sie aber nicht aus, denn ihr war klar, dass jeder Widerstand zwecklos war. Ausserdem mochte sie sich nicht wieder in eine Diskussion über die Vorteile einer pazifistischen Haltung verwickeln lassen. Lewin fühlte sich offensichtlich ganz in seinem Element. Begeistert über die Gelegenheit sein modisches Flair ganz unverhofft mit in diese Freundschaft einbringen zu können, zog ihr Kumpel strahlend ein blutrotes Kleid hervor. Viel zu auffällig! Er bewegte sich langsam auf sie zu, wie auf ein bissiges Tier und legte ihr das Kleid in einer sachten Bewegung über den Arm. „Keine Widerrede. Und noch was..“, besänftigte er sie, während er nach etwas in seiner Jackentasche suchte. Eine Sekunde später beförderte er eine Packung Zigaretten ans Tageslicht. Roji sah ihn verdutzt an. „Ich rauche eigentlich nicht…“, erinnerte sie ihn zaghaft. Lewin lachte leise. „Ja, aber du möchtest eigentlich auch nicht zu dieser Jägerversammlung. Und deshalb… Rauchen ist ein geschickter Vorwand zwar offiziell an einem Anlass teilzunehmen, sich dabei aber gleichzeitig eben diesem Anlass so fern wie möglich aufzuhalten.“, erklärte er verschmitzt und zwinkerte.


      Rojin traf etwas verspätet vor dem festlich geschmückten Gebäude ein. Ein erster Blick auf die Fassade des mächtigen Gebäudes, liess sie erschauern. Sie wünschte Lewin würde mit seinen Annahmen falsch liegen. Doch Lestrade würde ihr wohl kaum glauben, dass sie einer solch bedeutsamen Jägerversammlung fernblieb, nur weil sie sich ungerne unter Menschen begab. Weil sie deren Bemerkungen scheute oder weil sie lieber einem nahezu geisterhaften Händlergenie nachjagte. Nein, in ihrem Fall würde ein Nicht-Erscheinen nahelegen ihre gesamte Überzeugung als Jägerin in Frage zu stellen. ‚Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?‘, hallte es in ihrem Kopf wider, bevor sie ein letztes Mal tief durchatmete ehe sie den Weg zum Eingang beschritt. Sie rief sich Lewins Abschiedsworte in Gedanken hervor; „Du brauchst ja nicht zwingend jetzt ihr Vertrauen gewinnen, aber auf keinen Fall darfst du Misstrauen erwecken. Diesen Gefallen willst du diesem dreckigen Bluthund nicht machen… Kann doch nicht so schwer sein.“ Rojin stieg die gewundene Treppe empor, wobei ihr Handgelenk kurz ihren Oberschenkel streifte. Dort hatte sie eine ihrer Pistolen befestigt. Immerhin etwas, dass sich in diesem Moment an sie schmiegte und sich nicht wie eine Verkleidung anfühlte. Lewin hatte sie sicherlich ganz bezaubernd eingekleidet, aber wohl darin fühlte sie sich deswegen noch lange nicht. Aber wahrscheinlich lag dieses ungute Gefühl nicht einzig in ihrer Aufmachung begründet.

      Als die junge Jägerin schliesslich den Festsaal erreichte, hatte sich das angehende Oberhaupt der Jägerorganisation bereits zurückgezogen. Das war ihr ganz recht. So blieb für Rojin nur Integra, die sie des Anstands wegen unumgänglich grüssen musste. Gleich danach zog sie sich aber mit einem Glas Wein zurück, stand etwas abseits der anderen Gäste, während sie ihren Blick über deren Köpfe schweifen liess. Ihre Fingerspitzen zuckten leicht, ansonsten sah man ihr ihr Unbehagen kaum an. Stoisch beobachtete die Dunkelhaarige die vielen Gäste, sich gleichzeitig wünschend etwas mehr wie sie zu sein und doch auch mit einer gewissen Verachtung dafür was sie mit ihren Privilegien schlussendlich anstellten.
    • How long will this peaceful life last?

      Drop

      Drop

      Drop
      Faye
      Faye's lange Ohren zuckten, als die Tautropfen des frühen morgens anstatt in dem kleinen Bach neben ihr auf ihrer Nase weichen schwarzen Nase landeten. Es war bedeutend abgekühlt worden in der Nacht, jedoch hatte sie das dicke Fell warm gehalten. Eigentlich war es ziemlich fahrlässig von ihr in ihrer Hirschgestalt schlafen zu gehen, so schätzte es sie im Nachhinein ein. Immerhin leuchtete sie und gerade jetzt in der Dämmerung zwischen den dunkelgrünen Büschen und Bäumen war sie doch recht auffällig. Andererseits war es um einiges angenehmer, wenn sie wie ein Waldtier im Wald lebte, als ein Mensch. Zwar war ihr dann nämlich nicht kalt, aber sie war um einiges verletzbarer.
      Seufzend stand sie auf, streckte ihre vier steifen Beine, bevor sie sich wieder zurück verwandelte. Ihre Hörner auf ihrem Kopf taten ein wenig weh, wie als hätte sie sich gerade den Kopf gestoßen, doch Faye kümmerte sich recht wenig darum, als sie sich auf ihre allmorgendliche Route begab. Diese bestand daraus den Wald ein wenig abzugehen, sich um die Tiere um sie herum zu erkundigen und natürlich um eventuelle Jägerfährten so schnell wie möglich wahr nehmen zu können. Nicht selten hatte sie Fußspuren von großen schweren Schuhen in dem saftigen Moos gefunden. Solange es nur einzelne waren würde sie sich nicht allzu viele Gedanken machen. Mit einzelnen Jägern konnte sie fertig werden, sei es durch Flucht oder durch einen Kampf. Eine Gruppe allerdings sah da ganz anders aus. Ungerne erinnerte sie sich daran zurück, wie sie so in die Ecke gedrängt wurde, dass sie ihre gesamte Kraft entfalten musste.
      Kopf schüttelnd ließ sie diese unschönen Gedanken bei dem kleinen Fluss, den sie gerade überquert hatte. Auch in ihrer Menschenform war es mittlerweile ein leichtes mit einem Satz an das andere Ufer zu kommen. Für weniger geübte Augen war es, als würden ihre eigenen Spuren im Fluss verloren gehen, so wie sie es geplant hatte.
      Faye hatte lange Zeit gehabt um die Methoden der Jäger zu studieren und sie sich selber anzueignen. Es konnte sie niemand finden, wenn sie immer ein paar Schritte voran war. Also tat sie gut daran ihre Fährten zu verwischen, in der Form zu wechseln und falsche Pfade platt zu trampeln.
      "..." Sie streifte durch dickeres Gehölz, ein Teil des Waldes, der eher weniger von Jägern besucht wurde. Warum konnte sie sich weniger erklären, aber vielleicht hatten viele Jäger auch einfach Respekt vor den Tieren des Waldes und den Gefahren, die sie mit sich brachten? Faye kletterte geschickt über die umgefallenen Baumstämme, welche schon lange von unzähligen Kleintieren als ihre neue Heimat erobert wurden. Je dunkler es wurde, desto heller strahlte ihre blasse weiß-blaue Haut, leuchtete nicht nur ihr den Weg sondern auch den Hasen und Eichhörnchen, die sich ihr angeschlossen hatten.

      Wie so oft in der letzten Zeit verbrachte sie ihre Zeit damit, auf der versteckten Lichtung, welche hinter dem Wirrwarr an Bäumen lag, mit den Tieren zu spielen. Kaum war sie am Ende des Dickichts angekommen, so wurde sie auch schon gleich von warmen Sonnenstrahlen begrüßt, welche auf ein wohliges Gefühl auf ihrer kalten Haut hinterließen. Zum ersten Mal heute lächelte sie ein wenig, als sie sah, wie schön es immer wieder war die Lichtung zu beobachten. Wie als hätte noch kein Mensch jemals hier gelebt blühten unzählige Blumen in den aufregendsten Farben. In der Mitte der Blumenwiese lag ein kleiner See, welcher erstaunlich viel Wasser für die Jahreszeit enthielt. Vorsichtig, darauf bedacht die fragilen Blüten nicht zu zerstören machte sie sich auf den Weg an das Ufer, wo sie sich auf einen kleinen Fleck setzte, der nicht bewachsen war. Sobald sie sich setzte hüpfte auch schon der erste Hase in ihren Schoß und genoss die schlanken Finger, die sein Fell nun durchkämmten.
      Oft hatte sie auch Blumenkränze für jegliche Tiere geflochten, aus purer Langeweile natürlich. Denn auch wenn sie momentan ein recht friedliches Leben führte, so war es nicht nur fragil, sondern eben ein wenig ...einsam. Wann hatte sie eigentlich das letzte Mal mit irgendwem gesprochen? Konnte sie überhaupt noch ihre Stimme nutzen? Noch einmal schüttelte sie den Kopf um die trüben Gedanken los zu werden. Faye hielt nichts davon sich über so deprimierende Dinge zu viele Gedanken zu machen. Sie war jahrelang alleine gewesen, hätte sie sich in Pessimismus gewälzt so wäre sie vermutlich schon längst verrückt geworden!

      Nach einer Weile, in der sie für sich und für ein paar andere Tiere wieder einmal kunstvolle Blumenkronen geflochten hatte, trat sie ihren Rückweg an. Diesmal allerdings war ihr Ziel nicht ihr kleiner Schlafplatz, sondern eine andere kleine Lichtung, die viel dunkler war, als jene, die sie gerade zurück ließ. Faye wusste, dass der Frieden, den sie gerade genoss, nicht in Beton gemeißelt war. Viel zu oft hatte sie schon um all die Bewohner des Waldes bangen müssen, jagten nicht nur Jäger die Kirai sondern andere Menschen auch wildes Tier. Zählte sie sich überhaupt noch zu den Menschen? Kurz sah sie an sich herunter, das kurze weiße Kleid, welches sie aus Baumwolle selber genäht hatte, war das einzige menschliche, was sie gerade besaß. War sie wirklich noch ein Mensch?
      Wieder einmal schüttelte sie den Kopf, es war unsinnig sich darüber Gedanken zu machen. Sicherlich waren nicht alle Menschen schlecht, doch wenn man sie fragte waren Menschen mehr Monster als die Tiere. Nun, vielleicht war sie wohl doch ein Monster. Wie ein dunkler Schatten wich ihre so freundliche und friedliche Mimik und ein finsterer Blick erschien.
      Vor ihr lagen Waffen. Nicht nur irgendwelche rostigen Schwerter sondern Waffen der Jäger, die versucht hatten die Kirai zu bezwingen. Bis jetzt hatte sie, wenn sie gekämpft hatte noch keinen Kampf verloren und so sah diese Lichtung auch aus. Aus Respekt hatte sie die Waffen sortiert und von dem Blut bereinigt welches noch an einigen geklebt hatte, jedoch wusste sie bis heute nicht was sie mit ihnen anstellen sollte. Entsorgen irgendwo konnte sie nicht, es gab keine Schlucht, wo sie die Waffen rein werfen konnte und das Risiko, dass jemand anderes die Waffen entdeckte wollte sie auch nicht eingehen. Sie hasste den Anblick der schimmernden Klingen und den Geruch von bearbeiteten Eisen gepaart mit getrocknetem Blut. Zögerlich nahm sie eines der Breitschwerter in die Hand. Es lag schwer, fast schon zu schwer in ihrer Hand. Kurz erinnerte sie sich daran zurück, wie der große protzige Mann versucht hatte ihren Kopf abzuschlagen, woraufhin ein Schauer ihr kalt den Rücken herunter lief. Zwei Wölfe waren damals dabei um ihr Leben gekommen im Versuch die Kirai vor der Bedrohung zu schützen.
      Bitter warf sie das Schwert mit aller Wucht wieder zu den anderen und rümpfte die Nase. Wenn sie wenigstens irgendetwas mit diesen Waffen anfangen könnte. Sie war zu klein und zu schwach für die meisten von ihnen, zumal sie nicht wirklich gerne gegen andere kämpfte, doch bei der Notwendigkeit hätte sie eine gute Waffe wirklich befürworten können. Vielleicht irgendwann... vielleicht irgendwann würde sie sich an die Sense dort herantrauen, die ihr so ein nostalgisches Gefühl gab.
      Jedoch nicht heute. Nicht jetzt, nicht wenn es nicht absolut notwendig war. Denn wovor sie noch mehr Angst hatte als einer Horde von Jägern war nichts anderes als ihre grobe Idee von ihrem früheren Leben.


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    • Lùcio
      Winzig kleine Hände, kaum größer als die Blüte einer zarten Orchidee, gruben sich in das matt schwarz/blau gefärbte Fell des Wolfes. Kindliches Lachen quellend voller Freude hauchte der Atmosphäre eine sorglose Friedfertigkeit zu. Trotz des Regens schien das runde Gesicht des Mädchens die Sonne als Konkurrent erkoren haben, strahlend und sommerlich mild ließ sie ihre Gesichtszüge dynamisch unter all den verschiedenen Grimassen tanzen. Er verstand es bis heute nicht. Konnte es nicht verstehen.
      Dieser komische Wagen... Mit blitzendem Blau, einer ohrenbetäubenden Lautstärke, welche gedroht hatte, sein Trommelfell zu zerbersten... Aggressiv waren sie hineingestürmt, die Männer in den seltsamen Uniformen. Die Angst eines vor Schmerz triefenden Aufschreis hatte sich tief in ihre Augen gebrannt, während die Männer sie unsanft hinaus bugsierten. Seine "Ziehmama", wie sie sich selbst immer genannt hatte. Befehl: Aus! ...Platz, Lùcio. Warte hier. Ich komme bald zurück. Aber er hatte sie nie wieder gesehen. Sie war nie zurückgekommen. 6 Jahre. Bei eisigem Schnee, stürmischem Regen, tosendem Gewitter. Er hatte immer über ihr Eigentum gewacht. Doch die Menschen, die an jenem Tag das Gelände betraten und es als das ihre deklarierten, hatten ihn fortgejagt. Schon lange war der exquisite Duft ihrer Haut dem Gestank feuchter Wände und erstickenden Schimmelpilzbefall gewichen. Ja. Er würde sie nie wiedersehen. Aber ihr Vermächtnis... Es zierte seit je her den schlanken Hals des jungen Mannes.
      Das kleine Mädchen streckte quietschend ihre Finger nach dem eigentlich von Instinkten geleiteten Tier aus, und wäre er ein ganz normaler Wolf gewesen, hätte er unter Umständen sogar Verwendung für die naturgefeilten Zähne gefunden. Die Ohren neugierig nach vorne gerichtet, streckte Lùcio seine Gliedmaßen empor, erhob vorsichtig die rechte Pfote und spürte, wie sich das kleine Händchen zärtlich an seine Ballen schmiegte. Highfive. Ein Kommando, das selbst die haarlosen Affen des Öfteren praktizierten, wenn sie sich in Gruppen trafen und ihrem Jugendlichem Zusammenhalt lautstark Ausdruck verleihen wollten. "MARIE!" Panik spaltete den Frieden, verursacht durch eine verzweifelte Stimme, deren Klang so entsetzt war, dass der Regen schon bald darauf mit salzigen Tropfen verschmolz. "Albert! D-da sitzt ein Wolf in unserem Garten! Er wird Marie fressen!" Bäh. Menschenfleisch. Ranzig. Sauer. Eklig. Absolut abwegig, ihre Idee. Zumal es ihm keineswegs nach Kost belangte, hatte er sich bereits an dem saftigen Fleische eines Hasens bedient. Schlagartig übermannte Wut und Angst die eben noch so konstant schwelgende Harmonie ihrer Laune, völlig unkalkulierbar für den unreifen Verstand eines jungen, naiven Kirai, ehe ein dunkler Schatten an die Schwelle zwischen Macht und Ohnmacht trat. "Verschwinde!" Wieso denn? Fragend blickten die dunklen Augen des Wolfes hinauf in eine diffuse Mischung aus Angst, Zorn und Starre. Ich passe auf. Weinend lief das Kind in die schützende Arme des Papas, unverstanden und herausgerissen aus einer Welt voller Urvertrauen und Liebe. "Birte! Ruf sofort den Jägerverband an!" Völlig hysterisch. Übertrieben. Melodramatisch. Menschen. "Es kann nicht sein, dass die Wölfe zuweilen ohne jegliche Angst sich den Menschen nähern. Gott, was da hätte passieren können! Der Vorfall soll unverzüglich geprüft werden. Nicht, dass wir durch Untätigkeit verklagt werden, sollte es morgen einen tödlich geendeten Vorfall gegeben haben. Gott oh Gott." Für einen Bruchteil merklicher Sekunden grellte ein helles Licht auf, dann wurde die Tür schwungvoll ins Schloss gekracht. "Mit Foto werden sie ihn leichter ausfindig machen können. Hast du schon Bescheid gegeben?"


      Ein gelangweilter Seufzer entwich den Lippen einer langen Schnauze. Gut. Ging er eben wieder. Leichtfüßig stießen sich die kräftigen Hinterbeine vom Gras ab, nur um kurz darauf gleitend den Boden ihr Eigen nennen zu dürfen. Die Gassen waren leer. Menschen mochten den Regen nicht. Dicht gemeißelte Mauern erweckten den Eindruck, als fürchteten sie sich vor der hereinbrechenden Nacht. Alles Licht würde sie hungrig aufsaugen, der Dunkelheit ihren Schatten in jedes von Strahlen verseuchten Eckchen aufbäumen lassen und Kreaturen finsterem Ursprungs zu neuem Leben verhelfen. Lautlos trabte Lùcio über kaltes, rutschiges Pflasterstein. Nur eine einzelne, in schwarze gehüllte Person fiel ihm auf. Unspektakulär.
      Silhouetten mächtiger Baumkronen thronten am Himmel auf. Sein Zuhause. Ihr Reich. Der Geruch frischen Moos umstreifte seine Nase, mit einem seltsamen Beigeschmack von harziger Rinde. Frisch aufgekratzt. Es dauerte nicht lange, da wurde sein Sinnesorgan für Gerüche zuordnende Auskünfte einer inflationären Invasion sämtlicher Blumendüfte unterzogen. Vermutlich hatte sie wieder hübsche Blumenkränze geflochten. Die Nase schnüffelnd am Boden hängend, erhaschte der Kirai schlussendlich doch ihre von frischer Berg,- und Blumenduft getarnte Fährte. Das Unterholz knarrte, als wolle es eine Beschwerde wegen Ruhestörung aufgeben. Zu seinem Überraschung führte der Weg jedoch nicht in den gänzlich geschützten Bereich des Waldes, sondern zum "Waffenhort", wie Luc die Lichtung heimlich getauft hatte. Die Kleine "Elfe" verweilte ruhig an eben jenem Ort, den sie so ungern besuchte. Freudig schnellte der Wolf voran, begrüßte das junge Mädchen mit einem vielleicht etwas zu überambitionierten Sprung, ließ schwanzwedelnd seinen "Waschlappen" über ihr Gesicht gleiten und schmiegte den Kopf an ihre Handfläche. HeyHey. Bin wieder da! Eine wohl etwas zu ruppige Art der Begrüßung, und obwohl sie die Zähigkeit in ihrer reinsten Form personifizierte, vergaß der Rüde manchmal, dass sie trotz ihrer einflussreichen Ausstrahlung einen recht zierlichen Körperbau genoss. Zu diesem Zeitpunkt vermochte der Kirai noch nicht zu ahnen, welch schicksalhaftes Rad er mit seinem zufälligen Besuch des Menschenmädchens in Bewegung gebracht hatte.
    • Osore

      Osore stiff durch die Wildnis, noch immer kamen ihm die Bilder seiner toten Familie. Das Blut, welches unnötig vergossen wurde und die Qual, die er durchleiden musste. Seine Familie und auch er waren Kirai, die man schnell als solche erkennen konnte, das geliebte Ziel der Jäger. Er hasste die Jäger, er verstand dessen Ansichten, deren Intention einfach nicht.
      Was brachte es ihnen, wenn sie uns jagen? Was haben wir ihnen getan? Dass alles nur damit sie ruhig schlafen konnten, keine Angst mehr vor "Monstern" haben mussten, die es nicht gab? Sie müssen doch irgendwann erkennen, dass wir nichts anderes wollen, wir wollen doch auch nur unseren Frieden, unsere Freiheit. Wir könnten zusammen mit ihnen leben, so verschieden sind wir nicht. Doch mit diesen Ansichten sind sie die Monster und ich lasse es nicht mehr zu, dass noch einer meiner Art unnötig stirbt. Ich werde den Frieden bringen!
      Diese Gedanken schossen ihm immer und immer wieder durch den Kopf.
      Er sah für normale Menschen mit seiner zwei Meter Körpergröße, den Muskelbergen und vor allem den scharfen Klauen und Zähnen angsteinflössend aus, doch er würde nie ohne Grund einen Menschen angreifen.
      Die Menschen sehen uns noch als reine Tiere, doch wir sind genau so schlau, wenn nicht sogar intelligenter als sie.
      Dass vergessen sie oft und bekommen Angst.

      Osore hielt an einem kleinen Bach mitten im Wald an.
      Er kämmte seine weiße Mähne mit seinen Klauen zurück und sah zwischen den Blättern Richtung Himmel und Sonne.
      "Wir könnten es so schön haben, es gibt genug Platz für uns alle. Wir könnten alle diese Freiheit genießen, würde es nur endlich aufhören."
      Seine Stimme war kräftig und strahlte vor Kraft und Mut.
      Er hatte trotz oder besser gesagt, genau wegen den Schmerzen und des Leides ein sicheres Auftreten, er strahlte nur so vor Überzeugung und man sah ihm seinen starken Willen an.
      Ich muss stark sein, ich muss das hier beenden, für meine Familie und für alle Kirai!
      Ich muss für sie stark sein, Trauer bringt nichts, es verändert nichts.
      Ich muss stark bleiben!

      Er trug einen schwarzen Mantel, eine schwarze Hose und ein Schutz an seinen Handrücken, der vor allem seine Schläge verstärken sollte. Zudem sah man noch Bandagen an seinen Unterarmen und seinem Bauch. Er passte sich damit schon an, er wollte zeigen, dass er kein wildes Tier war, dass ein Zusammenleben möglich war, vor allem, wenn die meisten Kirai eh in der Wildnis blieben und die Menschen in deren Städte.
      Es gibt so viele Möglichkeiten und Wege und sie wählten den mit dem Meisten Leid und Schmerz, da frage ich mich immer, wer die wilden Tiere sind.
      Osore versuchte es zu verstehen, doch konnte es einfach nicht. Es war einfach dumm, zumindest aus seiner Sicht.

      Er bäugte sich langsam zum Wasser und betrachtete sein Spiegelbild, er nickte sich zu und war sicher, dass er dies, sein Ziel, schaffen wird. Er wusch sich etwas das Gesicht und trank dann über dem Bach geneigt mit seiner rauen Zunge von dem Wasser.
      Er war zum Teil tierisch, doch genauso hatte er auch menschliche Teile in sich, etwas was die Welt langsam, nach ihm, verstehen musste.
      Osore denkt - "Osore spricht"
    • Sieben Uhr Morgens
      Lärm. Immer dieser Lärm. Verschlafen drückt er sein Kissen ins Gesicht. Doch es nützte nichts. Sein Wecker schalte und gab unmissverständlich zu verstehen, dess es Zeit war aufzustehen. Wiederstrebend tat er es dann auch. Mürrisch haute er auf die Aus-Taste des nervenden Stücks Edelstahl und steigt aus dem warmen Bettlacken. Ein lautes Gähnen und das Knacken von Gelenken ertönt. Mit Schwung springt er von der Bettkante hoch und verschwindet ins Bad. Die kalten Fließen aus Granit treiben ihn an sich zu beeilen. So dauert es nicht lange bis er unter einer warmen Dusche steht. Entspannt kommt er nach einer viertel Stunde unter dem heißen Wasser hervor, sich mit einem Handtuch abtrocknend, geht er zurück in sein Schlafzimmer. Einen letzten Blick auf sein Bett werfend kommt er vor seinen Kleiderschrank aus Eichenholz zu stehen. Kaum das Vorhängeschloss geöffnet gleiten die Schranktüren von selbst nach außen und geben den Inhalt preis. Im großen Fach, welches die gesamte Hinterwand des Schrankes fasst war seine Kleidung ordentlich sortiert gestapelt. In den Fächern auf den Innenseiten der Türen hingegen waren Halterungen für Sturmgewehre oder Präzisionsgewehre. Einige dieser Halterungen waren auch mit entsprechenden Waffen bestückt. Auch ein in Leder gebundenes Buch und eine gläserne Schachtel mit Patronen stehen hier. Aus der Gewohnheit heraus lässt er seine kybernetisch eingebaute Schusswaffe aus seinem Handgelenk klappen. Wie jeden Morgen lädt er die Patronen ein das eingebaute Magazin. Eine tödliche Kugel, eine Betäubungskugel. Immer im Wechsel drückt er die sechs Patronen in seinen halb organischen Arm. Nun wechselte er sein Handtuch gegen seine Alltagskleidung. Ein schlichtes kurzärmliges Shirt, eine alte schwarze Multifunktionshose und ein Paar Stiefel mit Stahlkappen und dicker Gummisohle waren seine Wahl. Gekleidet und bewaffnet schließt er den Schrank und verlässt sein Schlafzimmer mit angehörigen Bad. Hinter seiner Zimmertür, welche sich mit einem Klicken verschließt, ist ein mit hellem Akazien Holz verkleideter Gang. Links und rechts befinden sich die Zimmertüren zu Gästezimmern. Diese Etage war augenscheinlich zwar identisch mit der darunterliegenden ersten Etage, war aber inoffiziell die Etage auf welcher er Kirai beherbergte. Grund dafür war die dicke Stahltür welche sich nur mit dem Tätigen eines versteckten Mechanismus, welcher sich im Türrahmen verbarg, öffnete. Somit war der Schutz seiner besonderen Gäste gewährleistet.

      Er schreitet den Gang an den Großteils leeren Zimmern vorbei zur metallischen Wendeltreppe. Er folgt ihr bis zu ihrem Fuße in den offenen Saal, welcher Abends vorwiegend als Tanz oder Stehfläche für Gruppengespräche diente. Zwar gab es auch Sitzplätze an den runden Glastischen am Rand des Raumes, doch meistens setzten sich seine Gäste nicht. Ihm war es egal und er verstand es auch. Kaum jemand blieb lange zum essen. Die meisten tranken nur einen oder zwei Cocktails.
      Und dies brachte ihm sein meistes Geld, sowie seine morgendliche Arbeit. Sich ein Tablett vom Tresen holend sammelt er die quer im Raum stehenden Gläser ein und bringt sie in die Küche zum Abwasch. "Dann in die nächste Runde.." Murmelt er vor sich hin und beginnt von Hand abzuwaschen.
      Dr. Jackll, war ein Wohltäter.
      Mr. Hyde, ein Monster.

      Beide lebten in einer Gestalt und waren doch nicht eins.
      Beide dachten sie wären im Recht, doch sprachen beide Lügen.
      Beide verleugneten den Anderen und damit sich selbst.
      Dies hat sie innerlich verbrannt du nun steh ich an ihrem gemeinsamen Grab.
      Ich nehme euch beide auf und werde eure Fortsetzung sein.

      Und nun frage ich euch.
      Wenn wollt ihr sehen?
      Den guten Narren oder das Monster, welches das Gute in sich verleugnete?
    • Alice

      "Papa ist wieder so gemein, Alice! Ich will auch mit den anderen Kindern spielen! Warum darf ich nicht nach draußen?!" Wie so oft hörte Alice dem kleinen Mädchen zu, wie es sich über ihr grausames Schicksal beschwerte. Marina, das hübsche blasse Kind mit den dunkelbraunen lockigen Haaren und den großen grünen Augen war schon immer kränklich gewesen, anfällig gegenüber den Krankheiten, die draußen herum schwirrten. So zumindest hatte sie es verstanden. Deshalb war es eine Seltenheit, wenn Marina draußen mit den anderen in ihrem Alter spielen durfte oder generell überhaupt aus dem Haus treten durfte. In ihrer einsamen Gefangenschaft hatte ihr Vater Alice gefunden und ihr gegeben. In der Hinsicht waren die beiden wohl sehr ähnlich.
      "Dein Vater möchte bestimmt nur das Beste für dich." Alice piepsige Stimme klang hell in dem dunklen Raum, der voll gefüllt mit jeglichen Kuscheltieren und Spielzeugen war. Vorsichtig griff sie mit ihren zarten Händen nach den Gitterstäben, die sie selber gefangen hielten und steckte ihren Kopf zwischen eine der Lücken. "Irgendwann wirst du bestimmt wieder gesund und dann kannst du so viel mit den anderen spielen wie du willst!" voller Optimismus und Aufrichtigkeit strahlte die Kirai das Mädchen an, den einzigen Menschen, den sie wohl jemals Freund nennen würde. "Danke Alice!" Marina lächelte ebenfalls und griff nach dem Käfig, welcher gerade so groß war, dass sie ihn ohne Probleme auf ihren Schoß nehmen konnte. "Danke, dass du meine Freundin bist. Ich verspreche dir, irgendwann wenn ich nicht mehr gefangen bin lasse ich dich auch frei!"


      "...." Mit leeren Augen starrte sie in die Ferne, nicht sicher wo sie sich gerade befand, was eigentlich passiert war. Rot. Hitze, Schreie, das knistern von Feuer hallten in ihren Ohren wieder doch Alice war sich nicht sicher wie sie das alles zuordnen sollte.
      Was war passiert? Wie kam sie hier her? Wo war sie überhaupt? Vollkommen aufgelöst starrte sie auf die Wasseroberfläche, welche glitzernd ihr eigenes Spiegelbild wieder gab. Sie sah schrecklich aus, verbrannte Haarspitzen, überall Ruß und Dreck, zerfetzte Klamotten. Seufzend ließ sie ihre blasse Hand in das Wasser gleiten und spürte, wie angenehm das Kühle Nass ihre Hand umfloss. Kurzerhand stand sie auf und glitt sogleich komplett in den kleinen See. Dass ihre weißblauen Flügel dabei nass wurden war nebensächlich, denn erst jetzt bemerkte sie, dass ihre gesamte Haut brannte wie ein tosendes Feuer. So schnell wie der Schmerz allerdings gekommen war, so schnell war er auch wieder weg, weshalb Alice wohlig aufatmete und nach oben in den Sternenhimmel sah. Wann war denn Nacht geworden? "A...ahhh?" wie so oft fühlte sie den Drang zu singen, doch als sie versuchte ihre Stimmbänder zu benutzen kam plötzlicher Schmerz. Hustend hielt sie sich ihren Hals, versuchte sich zwanghaft zu beruhigen. Kleine Tränen bildeten sich in ihren vor Schmerz zusammen gekniffenen Augen. Wieso?


      Keuchend lag sie am Rand des Sees und starrte in den Himmel. Ihre Flügel hinderten sie nur gering, so wie sie einfach nur auf dem Rücken vor sich hin vegetierte. Alice war mittlerweile kaum dazu Imstande einen klaren Gedanken zu fassen. Sie war wieder geschrumpft, war wohl für ein ungeübtes Auge nahezu unsichtbar in dem hohen Gras, doch das bekam sie nur am Rande weh. Wie lange lag sie jetzt schon regungslos da? Die Blondhaarige wagte gar nicht mehr noch viel zu atmen, als sie dem Himmel dabei zusah, wie er langsam von schwarz auf grau, dann in ein leuchtendes rot und letztendlich in ein strahlendes blau überging. War es wirklich schon der nächste Tag geworden?


      Faye

      Sie hatte den Wolf gar nicht gehört, so sehr war sie in ihren düsteren Gedanken verloren gewesen. Umso plötzlicher war der spaßige Angriff des großen Tieres, der sie fast umgeschmissen hatte. Mit Mühe hielt sie sich auf den Beinen nur um direkt danach von einer großen langen nassen Zunge abgeschleckt zu werden. Bäh. Etwas angewidert wischte sie sich zumindest den Sabber aus dem Gesicht und schmierte den Rest unverzüglich an dem Wolf selbst ab. Selber Schuld. Dennoch freute sie sich, dass ihr Freund wieder da war, hielt er sie doch so oft davon ab in ihren eigenen Gedanken zu verweilen. Lächelnd begrüßte sie ihn, indem sie das weiche Fell hinter seinen großen Ohren kraulte. Ohne noch einen Blick nach hinten zu werfen trat sie den Rückweg an, zu ihrem eigentlichen zu Hause mit ihm an ihrer Seite.
      Normalerweise würde sie mit ihm reden, doch die beiden kommunizierten auch ohne Worte. Wie ein Tierinstinkt wusste sie, was ihr Freund dachte und sie vermutete einfach, dass es umgekehrt genauso war. Da es dem Wolf anscheinend zu langsam ging saß sie mit einem kurzen Satz auf und ließ sich einfach durch den Wald tragen. Dabei war er vermutlich noch trittsicherer und noch schneller als sie in ihrer Hirschform!


      ♪♫•*¨*•.¸¸사랑햡니다¸¸.•*¨*•♫♪

    • Die Frau mit den Schwarzen Haaren biss die Zähne zusammen, um den Schmerz zu unterdrücken. Verfluchter Bastard. Was war passiert? Vor kurzen ist ein älterer Mann auf sie zugekommen. Er war der Älteste aus einem sehr einfachen Bauerndorf. Sie hatten ein Problem mit einer Bande, welche ihnen das Leben schwer machen. Sie schafften es, dass sie den Zehnten aufbringen konnten und selbst noch davon leben konnten. Doch seit diese Bande da ist, wird es immer schlimmer und die Wachen haben sie nur ausgelacht. Also mussten sie sich selbst helfen und sie haben zusammengelegt und Zalphira gesucht.

      Flashback:

      „Miss Zalphira. Das ist alles was wir haben. Mehr können wir Euch nicht bieten.“ Die Frau mit den schwarzen Haaren und dem Zweihänder auf dem Rücken winkte ab. „Ihr arbeitet hart für Euer Überleben. Ich helfe Euch und sie werden Euch nicht mehr belästigen. Behaltet das Gold. Ihr braucht es dringender als ich.“ Und das stimmte auch. Und sie hat beschlossen, dass diese Bande ihre ewige Ruhe kennen lernen werden. Stahl auf Stahl und Blut wird fließen. Wer hart arbeitende Menschen oder Kirai um ihre hart erarbeitenden Früchte bringt, indem er sie erpresst oder bedroht, den kann Zalphira einfach nicht vergeben. Sie selbst kennt nur den Kampf und das Leben als Einsiedlerin und Söldnerin. Sie kümmert sich um die Probleme, um die sich solche Leute nicht so einfach kümmern können. Sei es nun wilde Tiere oder Banden. Sie kümmert sich darum, aber Zalphira nimmt nicht jeden Auftrag an. Sie sucht sich die Auftraggeber aus. Und nicht jeder, der ihr eine Menge Gold bietet, den nimmt sie auch. Sie sucht sich die Auftraggeber sorgfältig aus und wenn sie einen Auftrag angenommen hat, dann führt sie diesen auch zu Ende. Und so nickte sie dem Mann zu. Sie schob das Gold dem Mann zurück. Sie wird es kostenlos machen. „Die Gerechtigkeit wird obsiegen. Egal, wie diese aussehen mag.“ Und ein aufmunterndes Lächeln. Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ das Haus vom Dorfältesten. Man hatte ihr gesagt, in welcher Richtung die Bande geflohen ist und so ging sie in diese Richtung. Sie kannte sich in der Natur aus und so fand sie die Spur. Sie führte immer weiter in den Wald hinein. Es war ihr egal, wieviel Lärm sie macht. Sollen sie merken, dass Zalphira ihnen auf der Spur ist. Da. Eine Hütte. Eine einfache Holzhütte und davor ein Feuer, wo ein Mann stand. Mit Schild und Axt. Langsam zog sie ihr großes Schwert von ihrem Rücken. Ihr Weg führte sie direkt an das Feuer. Dass die Wache von ihrem Auftreten nicht begeistert ist, das weiß sie selbst und wäre auch nicht begeistert, wenn plötzlich jemand bei ihrer Hütte auftauchen würde. Doch sie sah in die Augen von dem Mann. Ein Söldner. Sie schwang ihre Waffe. Ein Tritt in seinen Magen und sie rammte die Klinge durch den Hals von dem Söldner. „Ruhe in Frieden.“ Langsam zog sie die Klinge aus dem Hals von dem Mann. Und dann ging es weiter. Sie trat die Tür von der Hütte ein und tötete die Männer, die dort lebten. Es war ein kurzer und sehr blutiger Kampf gewesen. Aber sie wurde getroffen. Und sie fand noch die Reste von dem, was die Bande dem Dorf abgenommen hatte. Nahm es mit und setzte die Hütte in Brand. Doch die Schmerzen ertrug sie. Das Dorf sollte die Sachen wiederbekommen. Sie brauchen diese für sich und können ein verletztes Mischblut nicht gebrauchen.

      Gegenwart:

      Der Abschied ging schnell von statten. Die Verletzung hatte sie versteckt gehabt und ist in den Wald verschwunden. Auf der Suche nach einem Bach oder kleinen See. Und den hatte sie gefunden. Erst wusch sie sich das Blut von dem Gesicht. Dann zog sie sich aus und ging in das kalte Wasser. Sie merkte, wie das Wasser den Dreck und das Blut von ihrem Körper wusch. Und als sie auftauchte, breitete sie ihre großen schwarzen Schwingen aus. Genoss die Sonne auf ihren Nackten Körper und ihren Flügeln. Sie genoss die Ruhe und wusste nicht, dass ein anderer Kirai ebenfalls an diesem Bach ist. Ihre Augen sind geschlossen und doch ist ewige Ruhe bei ihr in der Nähe. Wie sie diese Ruhe genoss.



      Die Familie Takamachi

      Niedlich *Q* Niedlich *Q* Niedlich *Q*


    • White

      Ein Kitzeln taktvoller Schwingungen ließ ihn je gewahr werden, dass seine Anschauung hinsichtlich des kapitalistischen Stroms abermals abgeirrt ist, hatte er sich doch in einem ganzen Brei diffuser Gedanken verloren. Willkommene Abwechslung. Umgehend lag das elektronische Rechteck mit aufleuchtendem Display in den Händen des angehenden Oberlords. Die Schilderung des Falls hörte sich nach einem dankbaren Vorwand an, die Zeremonie für einen "guten" Zweck unverzüglich zu verlassen. Gerade als sich der Blick des Mannes suchend durch die Menge bahnte, schob sich unlängst ein (ungewollt) deklarierter Titelstar durch die Türe. Paradox, enthielt doch jeder zweite Jäger ihre Geschichte im Gedächtnis, Herkunft und Vergangenheit ebenso populär wie ein zig mal durchgelesenes Kinderbuch, an dessen Stellen ein trainiertes Auge wahrhaftig sporadisch zwischen den Zeilen getarnte Doppelmoral zu enthüllen vermochte. Es ist mir ein Fest... signalisierte er die unscheinbare Anwesenheit des Opfers ungerechter medialer Erpressung mit einem süffisanten Lächeln. Bevor er dem grauen Mäuschen seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen mochte, genoss Höhere Priorität vorerst die Rekrutierung eines weiteren, ganz besonders herzlichen Mitglieds.
      "Können wir BITTE gehen?!" "Wohin denn?" "WEG!" Bluthochdruck. War es dieser Krankheit eigentlich mit fortwährendem Auftreten möglich, das rote Plasma irgendwann aus diversen Körperöffnungen fließen zu lassen? Wohl kaum. Sonst wäre der verkommene Gewebhaufen sicherlich längst verschieden. Der kleine, in einen Friseuraufenthalt scheinbar zu wenig investierte Halbwüchsige, welcher eher den Eindruck vermittelte, als würden sich um seinen Arsch noch Windeln zieren, hob entgeistert den Kopf, wie das angehende Oberhaupt siegessicheren Schrittes auf die Gruppe zutrat. "Boah double fuck...!" "Mitnichten ersinnt sich meine Wenigkeit daran, windeltragende Babies eingeladen zu haben." quittierte White die Anmerkung trocken, waren im Unterton unterdessen latent spürbar mörderische Tendenzen enthalten. "Nun zu dir, Genesis Shizury." fuhr er unbeirrt fort, "Ich biete dir einen lukrativen Vorschlag an: Da Fräulein Mutter scheinbar ein großes Interesse an ihrem künstlich erzeugten Sohn hegt, Gott segne sein armseliges Dasein, und es wirklich eine Schande wäre, die Gene, deren Erbgut auch ich teile, derart primitiv zu beschmutzen, obliegt es mir, dich mir zu beweisen zu müssen. Schließ dich mir an und töte einen Kirai. Andernfalls... Werde ich diese Haltung als Verweigerung und damit als Verrat deines geschworenen Eids UND unserer Familie werten, "Bruder". "Du könntest mir ein neues Leben als normaler Mensch anbieten- ich würde es ablehnen, solange ein Motiv wie das deine dahinterschwirrt." spuckte Genesis die Worte ostentativ abfällig vor seine Füße, "Und keine Sorge: Ich möchte nicht mit einem unterirdischen Wesen wie dir gleichgestellt werden."
      Unterirdisch?
      "Reno...Hol bitte die Tabletten..."
      "A-alright!"
      Warum provozierte die Kameradin eine potenzielle Angriffsfläche für ihren Schützling? Legte die Worte freizügig auf Pfeile, die sie brennend in gekränkte Gewissheit herab regnen ließ? Der Effekt war subtil kalkuliert. Denn der arme Teufel, der diese Pillen kaum ablehnen konnte, sich aber ihrer Wirkung, dem Zwang bewusst schien, war damit unfehlbar ruiniert. Monster.
      Offenkundig war White nicht im Stande, Gen's Respekt in irgendeiner Weise mobilisieren zu können, und im Schwarz dunkler Pupillen schien ein Umriss gekreuzter Klingen das Urteil des jungen Mann bereits entschieden. Die kräftigen Finger schlossen sich nahezu verselbstständigt um den schmächtigen Hals kindlichen Chemas. Zappelnd erinnerte er an einen an der Angel hängenden Fisch, wie er den Körper windend in der Luft rekelte, nach Luft krächzend. "Wenn der Gott den König eines Besuches beehrt, sollten jene Worte bedächtig und wohlwissend selektiert und adäquat aneinander gegliedert sein... Ich toleriere ein derart insolentes Verhalten nicht! Und vermag meine Klinge deine Dunkelheit zum Leuchten bringen, dann bist du des Todes. Unsere nächste Zusammenkunft wird ein Erlös für deine Qual. Versprochen. Und jetzt, empfehle dich, närrischer Fehler!" Achtlos ließ White sein Opfer plump zu Boden fallen. Hatte ein Hustenfall nur darauf gewartet, den Brünetten zusätzlich mit perfide erstickenden Methoden eines Reizes zu quälen, so schien er tatsächlich Meister seines Werks. Welch genussvolle Laute.
      Ohne den Hinterbliebenen, deren Gesichtsentgleisung sich in eine voll Schock perplexe Mimik äußern müsste, noch eines Blickes zu würdigen, verließ White die geradezu lächerliche Aufführung des Brünetten. Was für ein... erbärmliches Theater. Seufzend erhaschten seine Finger den Stil gläsernen Feinschliffs, schwenkte er den Spätburgunder unter kreisender Bewegung beinahe erzürnt im Bauche des Glases. Ein beißender Schmerz durchzuckte die grenzenlosen Untiefen verdrängter Tatsachen. All die Jahre... Gekämpft. Unterdrückt. Verschlossen. Die Schwelle zwischen Macht und Ohnmacht. So schmal. Gebrechlich... Wie hatte sie es wagen...sie sich erdreisten können... Ichiré ein misslungenes Stück Experiment vorzuziehen?! Warum galt ihre Zuneigung diesem verdammten...!
      Ach. Ihm wollte es egal sein. Sollte es nicht annähend kümmern. Auch wenn es nur kalte Liebe, ein Mittel zum Zweck war, hatte er sich doch wenigstens an Erfolgen und Ruhm trösten können. Ein Segen, dem Können eigener Fertigkeit zu vertrauen. Aber Ichiré... Immer verzweifelt lechzend nach Liebe und Aufmerksamkeit, wurde er doch stets achtlos weggestoßen. Zu schwach, unbeholfen, gebrechlich, um je in den Status eines richtigen Léonce aufgenommen zu werden. Neben seinem durch Exzellenz und erstklassiger Leistung strahlenden Bruder war sein Dasein quasi inkommensurabel. Wertlos. Und obwohl White ihn so geliebt, verteidigt und jede freie Minute die ihm gewährt wurde, um den kleinen Zwillingsruder gekümmert hatte... Spürte er eines Tages, dass sein Spiegelbild von Neid verschlungen, den Hass wie eine Salve tödlicher Flüche in das Herz des älteren Bruder stach. "Immer nur du! Mich will niemand! Mich nimmt niemand wahr! Keinen würde es interessieren, wenn ich tot wäre!" "Doch, mich! Ich will nicht, dass du gehst! Wir sind doch Brüder!" "Nein! Wir sind keine Brüder mehr! Ich will dich nicht als Bruder...! Ich... ich HASSE DICH!"
      Ja. Er erinnerte sich an diesen Schmerz. Diesen Verlust... Und es tat weh. Immer. Eine Person, die der Ferne zugeschrieben war, und doch nicht weiter abgelegener als seine Sehnsucht wieder vereint zu sein. 3 Tage. 3 Tage nach ihrem Streit, der die kleine Seele eines jungen Kindes, dessen Verstand kaum imstande war, die prädestinierte Bürde seines Status' zu begreifen, mit einem Meißel bestehend aus Worten verächtlich den Rissen gläsernen Spiegelbilds zu zerschlagen vermochte, verschwand Ichiré. Die Selbstvorwürfe zerfraßen den kleinen Jungen, der so verzweifelt versuchte, jedweige Möglichkeit zu mobilisieren, um sein Abbild zu lokalisieren. Es hatte niemanden interessiert. Wirklich keinen. Es war, als wäre Ichiré eine reine Illusion gewesen- ein erträumter Bruder. Ein Geist... Der White seit Anbeginn seiner Geburt begleiten tat. ...als hätte es ihn nie gegeben. "Frau Mama, Herr Papa! Bitte gebt mir meinen Bruder zurück! Ich will Ichiré wiederhaben, bitte! Es ist meine Schuld dass er weglief! Bitte MAMA PAPA! Holt ihn zurück!" Die kleinen Hände klammerten sich vor Erschütterung jämmerlichem Schluchzens fest an die fahle Bluse mütterlicher Figur, während das flehende Stimmchen kläglich unter dem Verlust schützender Geborgenheit versuchte ruhig aufzuatmen, mit rot geschwollenen, wässrig durchtränkten Augen zaghaft aufblickend in das Gesicht zweier mächtiger Person, deren Aufmerksamkeit sonst lediglich Zeit für interne und externe Verhandlungen fand. Nie hatten seine Iriden in derart vereistes Gelände geblickt. Wie ein entfachter Klingensturm toste das Unverständnis in ihren Pupillen. Richter über freien Willen. Und das Urteil fiel. Die kurzzeitige Dunkelheit splittete das Puzzle eindeutiger Gefühle, klarer Gedanken. Zitternd, völlig perplex ließ White die Fingerspitzen über den brennenden Abdruck streifen. Schock schnürte seine Luftröhre zu, kein einziger Laut floh mehr über die ungehemmt aufzuckenen Lippen. Stumm. "Du hast keinen Bruder! Du hast nie einen gehabt!" "White-Archer, wir sind enttäuscht. Dein Gebaren ziert sich für einen Léonce keineswegs. Ich bin recht in der Annahme, dass wir deinen Unterrichten über Etikette und diplomatische Gepflogenheit intensivieren sollten. Für heute heute Nacht wirst du deinen Schlaf im Verlies ersuchen müssen, bis du über dein Verhalten nachgedacht, und zur Besinnung gekommen bist."
      Wie lange hatte White dafür gekämpft, die Qualen mit seichtem Licht wieder weichen zu lassen. Es ohne Schatten genießen zu können. Gestalten tanzender Zeitgenossen verbogen sich in der Verzerrung schmalen Glases, tauchten ihre windenden Fassaden in mattes Rot. Er hasste sie. Alle. Und noch mehr hasste er sich selbst. Dafür, dass es ihn noch immer verletzte, wenn Frau Mama mit stolz geschwellter Brust über Genesis, dem zweiten, tollen Sohn sprach. Dabei Ichiré, ihren ECHTEN zweiten Sohn rigoros verriet. Und ihn. Widerlich. Er würde Gen niemals akzeptieren. Und ihr niemals vergeben. Der Riss grub sich lautlos weiter durch das Bild rot getönter Masken, fraß sich vor bis zum Kern aller Stabilität, bis er dem Druck schließlich überdrüssig war und klirrend zerberste. "Ah scheiße...!" Zwar war es nicht so, als befand er den Schmerz als äußerst unangenehm. Nur eine zuzügliche Kompensation, jedoch vor dem Hintergrund dieses recht überfüllten Zeremoniells unpassend. Hach... Dieses bisschen Blut. Diese... paar Scherben. Scharf und türkisch. Um den Dreck würden sich die Bediensteten kümmern. Nur leider um den falschen "Müll". Knurrend schritt das Oberhaupt auf den Ausgang zu. Weg. Einfach fort. Doch... Mitnichten ohne Begleitung. Selbstverständlich dürfte sich nur das weibliche Geschlecht, sorgfältig selektiert und auserkoren an seiner glanzvollen Seite wissen. "Es ist mir ein Fest, Rojin Xezal Garcìa." hielt der junge Mann inne, musterte eines Lippen umschmeichelndem Grinsen den verirrten Nachtfalter. Sie wirkte tatsächlich wie ein Rotes Ordensband, in ihrem Kleid, dass den Kontrast zwischen weißer Haut und Onyx schwarzem Haar perfekt in einer kunstvoll adretten Frau vereinte, ummantelt eines purpurnen Stoffs. Als hätte jemand den schlummernden Falter geweckt, dort ein Licht entfacht, wo es eigentlich keines hätte geben dürfen, verschreckt und neugierig zugleich ruhend an einer Scheibe, stand sie da. "Wenn Sie nicht zur der Sorte Frau gehören, die einem neu ernannten Oberhaupt leere Floskeln und hohle Anerkennung erweisen möchte, um die Gelegenheit zusätzlicher Informationsbeschaffung und Unterstützung des eigenen Egos zu nutzen, - und ich bin sicher darum geht es- schlage ich vor, dass sie ihre reizende Wenigkeit nach draußen empfehlen und ihre Daseinsberechtigung woanders erlangen." bemerkte der Jäger müde, er war es schlichtweg überdrüssig. "Und ich verfüge... über einen solchen Ort, wo Ihre Gegenwart adäquat geschätzt wird." schloss er wispernd hinzu, den Arm bereits behutsam über die grazile Schulter der jungen Dame gelegt. "Sie gehören nicht in eine Welt, in der die dekadente Masse tatsächlich im Begriff ist, sich der Differenzierung Entwicklungswirklichkeit moralischer Urteilsfähigkeit, entgegen jeglicher pazifistischer Haltung, zu erwehren. Es wäre bedauerlich um Ihr Dahinscheiden." Bestimmt, jedoch mit wertschätzender Sorgfalt geleitete das Oberhaupt den Nachtfalter hinfort, in die Schwärze nächtlicher Furchtsamkeit. Spiel. Satz. Sieg. In der Ferne erhellte ein orangefarbenes Licht die Dunkelheit für einen Bruchteil eines Wimpernschlags, ehe sie an einen makellos weißen Lamborghini Gallardo Superleggera herantraten. "Bitte, nehmen Sie Platz." forderte er apodiktisch auf, neigte das Haupt mit einer leichten Verbeugung und ließ die Tür schließlich sanft ins Schloss fallen. "Anschnallen. Ihre Wenigkeit vermag doch nicht, bei diesem heißen Ritt sich einer potenziellen Gefahr fliegend überwindende Schwerkraft auszuzsetzen?" Der Motor heulte mit einem scheinbar erfreuten Jaulen auf. "Och, Rojin. Jetzt blicken Sie nicht so argwöhnisch drein. Lehnen Sie sich entspannt zurück. Genießen Sie die Fahrt. Ich beiße nicht. Ich knabber nur." Eines Zwinkerns unausgesprochener Gedanke untermalte White die Worte mit einer Note hauchender Erotik. Die Umrisse einer ganzen Landschaft verschwammen in vorbeihuschende Streifen, für das Gehirn kaum mehr zuordenbare Konturen glichen einem Gewirr aus Farben. Bis zur angebenden Adresse des Auftragsgebers bedurfte es kaum 20 Minuten- fast schon zu schade, würde ihrer Zweisamkeit somit je ein schnelles Ende unterlaufen. Zwar hielt das nun offiziell ernannte Oberhaupt die Geschwindigkeit konstant ohne über das erlaubte Tempolimit zu treten, die Distanz würde dennoch mit jedem Meter weichen. Und leider nicht die ihre. "Bedauerlicherweise bin ich bisher noch nicht in den Genuss gekommen, mich Ihrer Schlagzeile anzunehmen, ich frage mich bloß... Wen gedenken Sie zum Narren halten zu wollen? Das Volk oder... Sich selbst?" Idiot. Sicherlich der perfekte Start in einen unweigerlich zum Scheitern verurteilten Flirt. "Sicherlich, Erklären und Verstehen können beliebig der Interpretation des Individuums überlassen werden, werden wir doch alle.-"
      Die Bremsen schrien unter dem Blocken nahezu panisch auf, als die Front des PKw's plötzlich mit einem lauten Krachen einen Schatten erfasste. Die Erschütterung riss das Gefährt schleudernd in den Gegenverkehr - wie gut, befand sich zur Zeit kein weiteres Verkehrsmittel auf der Straße. Abwärts In einem trockenen Graben hängend kam es dann endlich zum Stehen. "Was...?! Wo kam denn dieses Vieh her? Mein Wagen verdammt..." bedauerte er, ehe dem jungen Mann die Beifahrerin einzufallen fiel. "Verzeihung! Geht es Ihnen gut?" Roji schien über die Priorität, die er seinem Gefährt zuteilwerden ließ, kaum begeistert. "Es tut mir leid, ich veranlasse unverzüglich einen Chauffeur, der Ihre Wenigkeit nach Hause bringt, sofern Sie keinerlei Bedarf eines Krankenhausaufenthals verspüren." Murrend erhob White seine Massen aus der Türe, ließ den Blick suchend über die Fläche schweifen. "Mist... Ein Tier wäre akzeptabel... Ein Mensch... Hrhrhrhr.... Allenfalls müsste ich die Leiche..." Und während er im Kopfe bereits die Beseitigung der Leiche durchfochtete, zog eine Silhouette am Wegesrand den Blick des jungen Mannes auf sich. Die Ähnlichkeit einer humanoiden Gestalt erschien mit jedem Schritt abwegiger. Im Gegenteil. Beim Nähertreten schmolzen sich die Umrisse zu einem blau/schwarzen Fellknäuel zusammen. Überrascht hielt er inne. "Na sieh mal einer an! Wen haben wir denn hier?" Schwer zu glauben, dass diese Begegnung wirklich als reiner Zufall deklariert werden sollte. Der Wolf, welcher ohnehin anhand der Übergröße leicht zu identifizieren, und kürzlich erst als Gesuch in Auftrag gegeben wurde, verweilte regungslos auf gebetteten Moos. Blut tröpfelte lautlos zwischen dem Weiß spitzer Reißzähne heraus, als könnte die sickernde Flüssigkeit kaum erwarten, den am Leben erhaltenen Kreislauf des Körpers zu verlassen. "Tja. Damit wäre der Auftrag... Wohl erledigt. Schade, du hättest ein verdammtes gutes Exemplar in meiner Sammlung abgegeben. Oder als Haustier. Hahaha..." Die Ohren des Tieres zuckten für einen Moment lang unkoordiniert. Na.Wollte er ihm das Dahinsiechen gebrochener Knochen, gequetschter innerer Organe oder womöglich gerissener Gefäße zumindest ersparen.

    • Lùcio

      ...Wo spross nun der Ursprung dieses Gefühls? Wie entstand jener Prozess, der die Bilder an eine Freundschaft so verwirrend in Nebel einer undefinierbaren Sehnsucht tauchte? Woher Kenntnis nehmen, Vergleiche ziehen, wenn er all die Empfindung niemals würde zuordnen können? Begreifen... Eine Suche deren Ziel ins Ungewisse führte, sich gerade mal des Umrisses einer Vorstellung bekleiden konnte. Und eigentlich nicht mal das. Er genoss keinesfalls die Option grober Ideen. Stumpfe Eindrücke. Vollendete Tatsachen. Intuitiv? Und obwohl das innere Chaos ein Strudel seltsamer Emotionen entfachte, hinuntersog, nur um sie schlussendlich noch intensiver an die Oberfläche seines Bewusstseins zu spülen, verbiss sich Lùcio in eine Jagd gestaltlosem Verständnis'. Er wollte die Worte verstehen lernen! Musste... Das Antlitz bestehend aus flüchtiger, halb verblasster Erinnerung hauchte der Zeit eine schmerzliche Note zu. Zeitreisen durch bloße geistige Rückführung von Evokation der Lieblingsfragmente. Wie ein... Verfrühter Herbstregen...
      Der Euphorie untertan, streckte Lùcio dem Hüter des Waldes freudig die Nase entgegen, wie ihre zierlichen Finger sich sanft um seine Ohren schmiegten. Vermutlich hätte jeder beliebe Forscher mit dem Schimmern des Freudekleks seiner Augen eine ganze Galaxie erhellen können. Vorsichtig ließ der Wolf den Rücken gen Boden senken und wartete, bis das Mädchen ihr Gleichgewicht errungen hatte, balancierte schließlich leichtfüßig durch das Unterholz. Ehe sein Spürsinn ihn hätte darüber alarmieren können, verspürte Luc die Präsenz zweier Fremde in unmittelbarer Nähe. Ich nehme die Anwesenheit zweier neuer Besucher wahr. Ich weiß nicht, ob gut oder schlecht. unterrichtete er Faye beiläufig. Vielleicht hatte sie sie aber auch schon selbst vernommen. Keine abwegige Idee, sich ein Bild jener Neuankömmlinge zu verschaffen, entstammten sie schließlich ein und der selben Rasse, wurde ihnen der Segen freien Willens zuteil- im Gegensatz zu allen normalen Tieren, welche sich überwiegend blind auf ihre Instinkte verlassen mussten. Folglich bedurften sie besonderen Schutz. Die genaue Lokalisation des Aufenthalts der Kirai vermochte er nicht zu bestimmen, nur anhand der Intensität ihrer Präsenzstärke würde er sie vielleicht ermitteln können. Und derzeit wirkte es tatsächlich so, als hätten beide in der Nähe des Polarbirkenzeisig-Bach innegehalten. Überprüfen?
      Ohne auch nur auf den Ansatz einer Antwort zu warten, verschwand das eben noch durch die Sträucher windende Tier von der Stelle. Ziel? Die Asche erstarrte graue Baumrinde. In menschlicher Sprache auch "Asphalt" bekannt. Für ihn war es schlichtweg graue, harte Rinde. Und seit dieser kurze Pfad den angrenzenden Wald teilte, hatte er es auch als "Zentrum" zur Orientierung auserkoren. Von dort aus würde er den Aufenthaltsort vermeintlich leichter ausfindig machen können.
      Davongetragen vom Aufgrellen gleißenden Lichts, wirbelten zwei Körper durch schwüle Nachtluft, getaucht in Strahlen einer verfrühten Morgendsonne, die den Tau, kuschelnd am Erzeugnis der Natur, aufschimmern ließ wie ein Meer millionen winziger Kristalle. Er spürte, wie Kälte den warmen Platz von Faye einnahm, als sich ihr Körper löste, irgendwohin getragen wurde, in eine andere, richtungslose Ferne, und er selbst hinabglitt, auf harten Untergrund geschleudert, während sich die raue Masse durch Fell und Haut fraß. Noch nie hatte Lùcio das Knacken des Unterholzes derart inflationär wahrgenommen. Noch nie war ihm die Dunkelheit so hell vorgekommen. Durchzuckt von Blitzen, irgendwie ein wirres Gemisch aus... Farben flimmernden Pastell. Gab es einen Ort, der nie in den Genuss einer aufgehenden Sonne kam?
      Betäubt. Handlungsunfähig. Die Vorhänge seiner Pupillen wollten sich nicht mehr aufziehen lassen. Irgendwie... Seltsam. Zeit verlor ihre Bedeutung. Raum seinen Wert. Irgendwo jenseits seiner Dimension um hertreibend, drang eine Stimme von weit her zu ihm. Oder... Schwebte sein Körper gar nicht? Fühlte es nur so an?
      Ein Lachen. Doch. Allmählich schienen seine Sinne ihre Funktion aufzunehmen. Flackernd erhoben sich blinzelnd die Lider des Wolfes. Zwar, die Gestalt glich eher einem unter Wellen treibenden unscharfen Bild, und doch genügte dieser kaum merkliche Eindruck, um sich einen Überblick zu verschaffen. Unkontrolliert zuckten seine Ohren auf. Er würde ihn töten. Sollten sich die Hände dieses seltsamen Pommes-rot-weiß eingekleideten Typens an ihm vergreifen wollen. Doch irgendetwas schien seine Aufmerksamkeit abzulenken.

      Faye!!
      "Ach du kriegst die Tür nicht zu... Ein kleines Mädchen." Fass sie... nicht an! "Rojin! Meines Erachtens nach dürfte der heutige Tag sich als recht ertragreich erwiesen zu haben, scheinen uns doch gleich zwei Kirai in.... die Front gekracht zu sein." Was für eine hässliche Lache. Er wollte spielen? Ja? ER würde mit ihm spielen. "Vielleicht sollten Sie sich Ihr Gut mal ansehen. Ich bin gerne bereit, zu teilen." Dein Fleisch. Das ist alles, was sich gleich teilen wird. Und obwohl Luc nicht im Geringsten zu sagen vermochte, ob sein Körper überhaupt noch reagierte, ließ er seine Instinkte handeln. Trotz nicht vernehmbarer, aber dennoch vorhandener Schmerzen, richtete sich das Tier auf, den Brüchen eigentlich erlegen, gelang es ihm zumindest halb, die Hinterpfoten so abzustoßen, dass er sich auf den Jäger würde stürzen, und ihm seine Zähne in den Hals schlagen können.


    • Rojin hatte sich mit ihrem Glas Wein zur Fensterfassade gestellt, nachdem sie der Anblick der ganzen Besucherschaft tödlich zu langweilen begann. Den Blick auf die weite Landschaft gerichtet, kehrten ihre Gedanken zurück zu dem kleinen Vorort. In der Spiegelung der Scheiben verwandelte sich ihr Gesicht in die Maske des Händlers, die sie sich klar und deutlich eingeprägt hatte. In der Dunkelheit schwebend grinste sie die schwarz-goldene Narrenmaske an, die Glöckchen baumelten an den vielen Zipfeln. In diesem Moment vernahm die Dunkelhaarige Schritte hinter sich und drehte sich von der Fensterscheibe ab. Der Jäger, der sich zu ihr gesellte, kannte sie noch von einer anderen Jägerversammlung zu der Lewin sie überredet hatte. Der Namen war ihr entfallen, aber sie wusste noch bis ins kleinste Detail warum sie auf diese Bekanntschaft liebend gerne verzichtet hätte. „Was für eine Überraschung dich hier zu sehen, hast dich verlaufen?“, vernahm sie seine krächzende Stimme. Rojin zwang sich zu einem kleinen Lächeln. „Machen Sie sich keine Sorgen, mein Orientierungssinn funktioniert einwandfrei.“, antwortete sie, wobei sie den Kopf leicht neigte. Ihr Blick huschte zurück zum Fenster. Jetzt wäre doch ein guter Zeitpunkt sich von der Gesellschaft zu entfernen ohne das Fest zu verlassen. „Mir scheint du verfügst über keinen einzigen Sinn..“, knurrte der unfreundliche Geselle und trat näher, bevor er in einem nahezu sachlichen Ton hinzufügte: „Weisst du, ich züchte Hunde. Auf den ersten Blick erkenne ich, welche verdorben sind. Und ich sage dir, wenn beim Muttertier der Wurm drin ist, so ist es bei ihren Welpen nicht anders. Dieser Hunde… entledigt man sich besser.“ Dabei musterte er sie abschätzig, in etwa wie einen dreckigen Köter. Roji nippte scheinbar ungerührt an ihrem Glas, bevor sie überzeugend interessiert fragte welche Rasse Hunde er denn züchtete. Innerlich verachtete sie den Kerl. Dass er es wagte sie mit seinen widerlich abgerichteten Schäferhunden zu vergleichen. Ohnehin, bedeutete ein Vergleich zu einem Tier doch nahezu die Gleichsetzung mit einem Kirai. Der Jäger verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln, als glaubte er sie hätte seine Andeutungen nicht verstanden.
      Glücklicherweise wurde er in diesem Moment von einem Kameraden begrüsst, was Rojin nutzte, um sich von ihm zu entfernen. Ihr Ziel: der Balkon. Doch ehe sie dort angelangte schob sich eine hochgewachsene Gestalt in ihren Weg. Die junge Jägerin hielt inne und neigte den Kopf zu einer seichten Verbeugung. „Die Freude ist ganz meinerseits, Sir.“, antwortete sie dem neuernannten Oberhaupt mit einem herzlichen Tonfall, die Überzeugungskraft dieser Herzlichkeit wurde aber zunichte gemacht durch den fast sehnsüchtigen Blick, den sie durch die Scheibe auf den verlassenen Balkon warf. Bei seinen Worten legte sie den Kopf schief, doch bevor sie ihm antworten konnte, bedeutete er ihr auch schon ihm zu folgen. Wahrscheinlich erwartete er auch gar keine Antwort. Für Informationsbeschaffung und die Aufwertung ihres Egos? Dass hier irgendjemand Informationen mit ihr teilen würde, wäre ihr nicht im Traum in den Sinn gekommen. Und eine Aufwertung ihres Egos fände sie hier wohl kaum. Augenscheinlich war sie ja wie ein kränklicher Welpe, den man im Brunnen ertränken sollte… Diese Information war bisher die einzige, die sie diesem Abend entnommen hatte.
      Als Rojin erkannte, dass sie Richtung Ausgang zugingen, schnappte sie sich rasch ihre Jacke. Nicht weil sie fürchtete zu frieren, vielmehr weil sich in ihrer Jacke die Weste mit ihrer gesamten Kampfausrüstung befand. Sie erreichten alsbald Whites Auto, in welches die Dunkelhaarige zaghaft einstieg. Eigentlich sah sie keinen Anlass, der sie in diese Situation geführt hatte. Und sie wusste auch nicht wohin die Fahrt ging. Vielleicht zum nächstbesten Brunnen? Sie setzte gerade dazu an zu fragen wohin die Fahrt denn ginge, als er befahl sich anzuschnallen. Schweigend befolgte sie die Aufforderung, betrachtete den neuernannten Oberhaupt dabei jedoch skeptisch aus dem Augenwinkel. White schien der Argwohn in ihren nahezu schwarzen Augen nicht entgangen zu sein. Knabbern? Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. Versuchte er sie..? Sie schüttelte kaum merklich den Kopf, während sie ihr Kleid richtete. Trotzdem erinnerte es sie an die Sonntage in der Kirche, bevor jedem Kirchenbesucher klar wurde wessen Tochter sie war und ganz urplötzlich keiner mehr mit ihr sprach. Ausser Lewin.
      White riss sie mit seinen Worten bezüglich ihrer Schlagzeile aus den Gedanken. „Oh, das macht mir nichts aus.“, sagte sie leise, wobei sich für einen kurzen Augenblick ein Lächeln auf ihren Lippen abzeichnete, dann fügte sie hinzu: „Aber als neuernannter Oberhaupt sollten Sie sich da nicht… über die Leute informieren in deren Gesellschaft Sie sich begeben?“ Wer weiss, vielleicht schlugen ja ihre hässlichen, verräterischen Gene durch… so wie bei den Schäferhunden. Narr? Wieder schweiften ihre Gedanken beinahe ab. „Ich habe mit Narren nichts am Hut, dafür fehlt mir jeglicher Sinn für Humor.“, erwiderte sie trocken. Auf solche Fragen ging sie schon lange nicht mehr ein. Eine scheinbare Antwort, ein scheinbares Missverständnis…
      In diesem Augenblick traf etwas Gewichtiges auf die Schutzscheibe und warf Rojin nach vorn. Gut hatte sie sich angeschnallt. Innert Sekunden verschwand ihr stoisch schwarzer Blick. Sie suchte die dunkle Umgebung aus dem Wagen mit erhellten Augen ab, erkannte den Wolf. Auf die Nachfrage ob es ihr gut ginge, winkte sie nur knapp ab. Während White bereits ausgestiegen war, streifte Rojin die hochhackigen Schuhe ab und packte ihre Weste. Von draussen hörte sie Whites Stimme, die sie aufforderte zu kommen. Barfuss trat sie auf den Asphalt, die linke Hand auf dem Rücken, wo ihr Dolch horizontal an der Weste befestigt war. In der anderen hielt sie eine Pistole. Ihr Blick glitt von White zu dem kleinen Mädchen, das offenbar noch regungslos weiter weg am Waldrand lag und dann zurück zu White. Rojin hob die Pistole blitzartig als sie eine Bewegung des Wolfes bemerkte. Ebenso schnell liess sie den Arm aber wieder sinken, denn White stünde in ihrer Schussbahn und ihn zu verletzen konnte sie sich, wegen Lestrade, nicht leisten. Ohne zu zögern sprang sie, ihren Dolch zückend, zwischen ihn und den Wolf, der zum Sprung ansetzte. Dabei stiess sie White, der abgelenkt gewesen schien, etwas weg. Keine Sekunde zu früh. Die Fangzähne des Wolfes versenkten sich in ihrer Schulter, statt in Whites. Daraufhin stach die Dunkelhaarige den Dolch bis zum Knauf in den Rücken des Wolfes und nutzte den Augenblick des Schmerzes ihn von sich zu treten. An ihrer Schulter klaffte eine tiefe Bisswunde, das Blut floss unaufhaltsam ihrem Arm entlang und in ihr Decoltée. Ein stechender Schmerz zog durch ihre linke Seite. Noch während Roji vor Schmerz rot sah, schnitt sie mit dem blutigen Dolch in ihr langes Kleid, ehe sie es auf Höhe der Oberschenkelmitte abriss. Lewin würde es ihr verzeihen müssen, aber anders konnte sie unmöglich kämpfen. Die Dunkelhaarige richtete sich wieder auf und hob die Rechte, bereit mit der Pistole abzufeuern.
      Ihre Aufmerksamkeit richtete sich einzig auf den Wolf, während sie das Mädchen beinahe vergessen hatte. Und White… Diese Situation bestätigte sie einzig und allein darin, dass sie kein Teamplayer war.
    • Osore

      Er trank und trank und als er seinen Durst gelöscht hatte, richtete er sich langsam auf, er wollte sich in der Beuge schon strecken und recken, seine muskulösen Arme zum Himmel richten und seine Gelenke Entlastung schenken, doch er erstarrte. Er verharrte noch in dieser Postion einen Augenblick. Schreck stand auf seinem Gesicht, die scharfen Zähne waren gebleckt und seine Haare stellten sich auf, alle die seinen gesamten Körper zierten und seine prachtvolle Mähne, außerdem spannten sich alle Muskeln an, vor allem die in seinem Gesicht und ließen ihn eine fruchterregende Fratze formen.
      Seine Augen waren auf den Grund seiner Emotion gerichtet. Er konnte es nicht glauben, es machte ihn rasent.
      Sein Blick war auf ein junge Frau gerichtet, sie war relativ klein und lag keuchend etwas entfernt von Osore.
      Wer ist sie? Warum liegt sie da? Und was ist ihr geschehen?
      Es waren die ersten Fragen, die in seinem Kopf kamen, doch es waren die Bilder, die ihn solche Rage verspüren ließen. Er sah dort nicht die junge, kleine Frau liegen, sondern seine kleine Schwester, sie lag dort wie sie vor vielen Jahren, er sah sie wieder sterben und fragte sich Warum?

      Schnell riss er sich aus seiner Verharrung. Seine Haare legten sich wieder an, seine Zähne versteckten sich wieder und seine Muskeln und sein Gesicht lockerten sich wieder. Dann ging er großen Schrittes auf die junge Frau zu. Er wollte ihr helfen, fragen, warum sie dort war, gucken wer sie war und die eine Frage, die zudem groß über diese Frau stand beantworten.
      War sie eine Kirai? Haben die Jäger wieder zugeschlagen?
      Es war wichtig für ihn, er wollte diese Monster, diese Einstellung auslöschen, er wollte kein Leid mehr sehen. Doch es lag scheinbar wieder vor ihm. Das Leid, was die Menschen mit ihrer Angst uns antaten. Er sah zu der Frau, für ihn lag dort aber seine Schwester, deswegen hegte er er keine Zweifel, dass dieser Vorfall gegen Kirai gerichtet war.

      So lehnte er sich leicht über die Frau, wahrte aber eine kleinen Abstand, um sie nicht zu verschrecken oder Panik auszulösen.
      "Hallo? Gute Frau? Wie geht es Ihnen?"
      Seine Stimme war tief, mächtig, so wie man es sich für einen Löwen vorstellte, man hörte seine Kraft heraus, doch mit ihr schwang auch Mitleid, Ruhe und wohlwollen, er wollte ihr zeigen, dass sie keine Angst haben musste und er nur helfen wollte.
      Er stand über ihr und lächelte leicht, sein Mund hielt er dabei geschlossen, damit er seine Zähne nicht bleckte und ihr Angst einjagte. Man sah, dass sein Lächeln ernst gemeint und es rein war. Er wollte ihr wahrhaftig helfen, was wohl daran lag, dass er in ihr seine Schwester sah und er sie nun retten wollte, damals schaffte er es ja nicht und dass machte ihn immer noch zu schaffen.

      Kurz ging er von der jungen Frau weg und füllte einen ledernden Trinkschlauch mit dem Wasser des Sees und ging dann direkt wieder schnell zu ihr. Er hielt ihn ihr hin und setzte sich mit einem interessierten Blick neben ihr.
      "Ich bin übrigends Osore."
      Osore denkt - "Osore spricht"

    • NPC

      "Hvis døden tok noe fra deg, gi det tilbake...?" Zurückgeben? Leben, das dem Ursprung entsprang und zu diesem unweigerlich zurückkehrte, hatte er ihm übergeben MÜSSEN. Das war keine Frage. Sondern eine vollendete Tatsache gewesen. Und vielleicht würde es den Verlust relativieren, könne er den Schmerz genauso weichen lassen wie das Ich selbst. "Håper vi ser deg igjen snart..." Aber. Noch nicht. Nicht jetzt. Nicht heute. Nicht morgen. Suchte er in den Worten nach Vergebung? Lächerlich. Der untrüglichen Wahrheit würde das Attribut der Unfehlbarkeit zugeschrieben werden und folglich, dass Vergebung auch nur eine innere Selbstmanipulation war. Methodik des Aushaltbaren fand im Geiste immer Verwendung. Ausreden. Rechtfertigung. Gleichgültigkeit. Geständnis. Was ist deine Methode?
      Die Fassade monumentaler architektonischer Meisterwerke verschlang sein Antlitz im Schatten altertümlichen Weltbilds, während die Schritte des Mannes langsam das Steintreppenhaus hinaufglitten, wie ein Spieler, welcher sich des Ruhmes frenetischen Applaus' im Licht des Sieges bereits sicher schien. Schmiedeeisengeländerdocken wanden sich bis zum Eingang einer aus Holz angefertigten Türe, der Eingang, der in den Rachen voller Perfidität und temporärem Nutzen führte, die sich der Besitzer wohl kaum hätte bewusst sein können, waren die Fäden doch schon vor langer Zeit gespannt worden. Identität und Herkunft wurden unmittelbar dem Tanz der Marionetten unterzogen. Zwei kolossal korinthische Säulen ragten aus dem Gemäuer hervor, galante Faszien stellten einen Hauptbestandteil der Konstruktion zwischen dem Abakus und dem Fries dar, derweil die spiralförmige Einrollung am Kapitell als Volute untermalen sollte. Der Zahnschnitt glich einer antiken und ornamentierten Dachkonstruktion aus Urzeiten Griechenlands. Sein Zuhause. Die Vorstellung, die auf den Mauern positionierten Wasserspeier würdigten ihren alten rechtmäßigen Eigentümer mit einer stummen Begrüßung und quittierten das Dasein eines gehässigen Lachens an die jetzigen Besitzer, hatte er sich nicht erwehren können. Bedauerlich, würde er nun all die Menschen töten, und die schöne Villa (wieder) in einen ruinösen Zustand bringen müssen. Hach... Dank an das zuverlässige Signifikant der Léonce, alles Historische als Zeichen ihres Machtbesitzes an sich reißen zu wollen. Konkretisiert: Integra. Dennoch paradox, die Zeremonie als Unauffälligkeit trivialen Usus deklarieren zu wollen, hatte sie als Oberhaupt feierlich den Anlass nahezu ubiquitär bekanntgegeben. Nein. Das war ostentativ. Schlichtweg verhöhnt. Ihn. White. Ichiré. Violet. Waynine. Rinoa... Jeden einzelnen verraten und skrupellos hintergangen. Ein Fehler. Sie würde die wahre Tragweite ihres Handels schon bald verstehen, und bereuen lernen. Unausweichlich. Nur unter dem Aspekt... Würden und mussten so viele Menschen ihr Leben opfern. Ja. Unausweichlich.
      Zaghaft wanderten die Iriden des Exekutor zum Vorbau der Front des Gebäudes. Fast aus der Erwartung alter Erinnerungen heraus, die Silhouette einer jungen Frau würde sich zwischen purpurnen Vorhängen hervorschieben, ihm sanft eines freudigen Winken begrüßen, durchfuhr den Mann ein seichtes Kribbeln, durchwog die Glieder einer schmerzvollen Sehnsucht in der Wiege gebrochener Liebe. Immer war ihr Umriss bei Ankunft seiner Wenigkeit hinter gläsernen Fassaden räumlicher Träume erschienen. Geisterhaft edel. 12 Jahre... Seit er das letzte Mal vor diesem Gebäude stand.

      "Willkommen zurück, Renjiro." erfüllte das liebliches Stimmchen die viel zu große Empfangshalle, ehe am Fuße der Treppe eine junge Dame ihre zierliche Gestalt im Schein eines weißen Kleids die Stufen hinunter tänzeln ließ. "Takk... Unnskyld, jeg..." "Ren, du weißt, dass ich kein Norwegisch kann." unterbrach sie ihn gespielt schmollend, während ihre schmalen Fingerspitzen seine Wangen liebevoll hinabglitten, und vorsichtig am blassrosa Hauch weicher Lippen innehielten. "And I do apologize again for the fact that I really can't speak german." wisperte der Kriegsgenosse nahe ihrem Ohr und zog sie behutsam an seine Brust, um schließlich die Arme schützend wie ein Schild um die Taille seiner Frau zu legen. "Jänfalls neid gud." fügte er grinsend hinzu. "You're a little weirdo." erinnerte sie ihn kichernd. "
      Hmm... Hey. We’re all a little weird. And life is a little weird. And when we find someone whose weirdness is compatible with ours, we join up with them and fall into mutually satisfying weirdness and - call it love - true love." "Soll das heißen, ich bin ein Spinner? Schöne Umschreibung, mir dies so mitzuteilen, verrückter Lieblingsmensch." besiegelte sie ihre Zuneigung eines heißblütigen Kusses, die Lider geschlossen, um den Genuß in all seiner Gänze so intensiv wie möglich auf sich wirken lassen zu können. Diese warme und entspannte Nähe galt als Rarität aller Stunden, die sie miteinander verbringen konnten. Zu selten vermochte er die mondlichtfahle Haut Rinoa's, die sich so grazil um ihr Fleisch wand, sein Eigen zu nennen, mit zärtlichen Berührungen der Leidenschaft hinzugeben und die Bürde nur für ein paar Stunden vergessen zu dürfen. "Wouldn't you like to see your son?" Je wurde der angehende Film von nackten Leib und erotischer Atmosphäre durchströmt von hauchenden Worten unterbrochen, hatte sie ihn so unsanft zurück in die Realität, aus seinen Gedanken gerissen. Das Wort "Sohn" ließ den jungen Mann unweigerlich zusammenzucken. Wie konnte sie überhaupt verantworten, dass blutbefleckte Hände ein solch unschuldiges Wesen nur mit bloßer Berührung schänden würden können? "Hva meg angår, så tror jeg... Ehh... I'm not sure if I..." "Hrhrhr... C'mon, follow me. Idiot." Kopfschüttelnd ließ sie ihre Finger über die Spitzen seines Haares streichen, ehe die junge Mutter das Haupt abwandte und ihn, scheinbar voller Erwartung, hinter sich herzog. Sie betraten einen kleinen Raum, die Tapeten mit kindlichen Mustern bestickt, hell und fröhlich wirkend, der gesamte Teppich aus samtweichen Lammfell, ein Ehebett mit überdimensionierter Größe, und daneben... Ein Kinderbetthimmel mit roter Schleife. Mehr unbeholfen als aufmunternd lächelte Renjiro seine Frau an. Irgendwie... fürchtete er sich ein wenig davor, dieses kleine Wunder in den Armen zu halten, gar ansehen zu dürfen. Warum war ein Monster imstande, ein so reines Geschöpf zu zeugen? "Man würde gar nicht vermuten, dass ein eiskalter, geschäftiger Auftragskiller Angst vor einem so hilflosen Zwergchen hat." lachte die junge Frau auf, ein amüsiertes Lächeln umschmeichelte derweil ihre Lippen. Ohne ein weiteres Wort schob sie den Schleier beiseite, umfasste dieses kleine Bündel Mensch und schmiegte ihn stolz an ihre Brust. Es bedarf keiner Diskussion, ob seine Hände jemals die Unschuld des Sohn's würde weichen lassen. Rinoa hatte es längst akzeptiert. Seufzend ließ er sich auf das Bett hinabsinken, beide Ellenbogen auf Bein und Knie stützend, die Hände stumm ineinandergefaltet. "Take a look, Ren. Er hat deine Augen geerbt. Grün und blau. Sie sind... wunderschön." Nahzu schwebend glitt sie heran, obwohl ihr Schatten für ihn gerade nicht bedrohlicher hätte wirken können. Widerwillig bahnte der Schlächter seinen Augen den Weg in das winzige, rundliche Gesicht des Babys, dessen Wangen zwei speckige Hügel zu bilden schienen. Ein Schmunzeln entwich seiner Kehle. "Yeah, he's adorable... Innocent." Und trotzdem... Er wünschte, sein Sohn wäre zu einem anderen Zeitpunkt geboren worden. "How long are you staying here?" "...Only until tomorrow." "How long...-" "3 months." Kummer ließ Rinoa's Gesicht wie eine graue Wolke, welche sich vor die Sonne schob und ihren Schatten über das gesamte Land ausdehnte, verdunkeln. "3 Monate..." wiederholte sie tonlos, kehrte ihm dabei den Rücken zu und trat an die Fensterfront. Eine bedrückende Stille verbiss sich in der Luft, umwehte ihre Stimmung mit der Einsamkeit strauchelnder Melancholie. Die Fenster wurden geöffnet. Glaubte Rinoa, die schlechte Schwingung würde so mit der Ruhe des Schnees ausgetauscht? "Renjiro, nur durch die Frucht unserer Liebe konnte ein neues Leben die Schönheit dieser Erde erblicken. Und das Glück... Hat einen Namen. Es ist dein Sohn! Bitte, ich möchte, dass dieses Kind sein Leben frei und ohne Zwang führen kann. Es soll nicht unter Kontrolle der Léonce stehen, so wie wir ihre Marionetten sind." wandte sich das junge Fräulein flehend um, drückte das Kind vehement an ihr Leib, während der Wind die feuerroten Haare im Rhythmus lautloser Melodie auftanzen ließ, umwirbelt von gebrechlich kristallenen Blumen aus Eis. Himmelblaue Augen funkelten ihn mit einer Mischung aus Verzweiflung und Unverständnis an. In dem Moment glich Rinoa einem Ozean, auf dessen Oberfläche ein Meer aus Flammen loderte, das jede herabfallende Flocke unbarmherzig verschlang. "It's the last one. Promise." "Du bist so selbstsüchtig, Ren... All der Schmerz, all die Angst um dich würde endlich ein Ende nehmen, wenn du dich deiner Ketten entledigst... All das Leid, was du... den Familien, Angehörigen, Freunden, Eltern brachtest und bringen wirst... Mir antust... Würde damit bedeutungslos, und beendet werden." "I'll come back soon, and then we can live together. Forever." Kein Ton entfloh der Kehle einer verzweifelten, viel zu jungen Seele. Nur ihre Augen fingen den Glanz feuchter Tränen ein. Konnten Sünden denn jemals vergeben werden? Stumm erhob die menschliche Sense ihre Glieder, schritt auf die mütterliche Fürsorge in Person zu. Wie ein verletzt wirkendes Kind schien sie, als Renjiro seine Arme um ihren Körper schloss, die beiden sorgsam an sich zog. "I love you, Rinoa."


      Er hatte sie nie wieder gesehen. Das Feuer hatte ihr und das Leben seines Sohnes gefräßig verzehrt. Niemand hatte ihm Bescheid gegeben. Wie angewurzelt hatte er vor der geschwärzten Ruine gestanden. Leer. "Diese Mitteilung hätte dich während deines Auftrags nur aus dem Konzept gebracht, Renjiro. Solche Gefühle sind störend und unbrauchbar." war Integras Erklärung gewesen. Er hätte sie damals für diese Aussage einfach umbringen sollen. Stattdessen aber hatte er sich geschworen, Integra nie wieder zu sehen. Der gesamten Familie Léonce den Rücken ein für alle mal zu kehren. Und heute, 12 Jahre später, würde er das Ende vom Anfang einläuten. Vendetta.
      Die Schuppen auf dem Gesicht des Mannes würden sein Erscheinungsbild je nach Individuum verändern, Ausnahme die Augen, welche zusätzlich mit einer Sonnenbrille verdeckt mussten. Eyecatcher. Ein wirklich unangenehmes Merkmal. Das Pulver im Fläschchen sicher verwahrt, tauchte er in die Menge ein. "Guten Abend, gnädiges Fräulein." "Was für ein alter Knacker..." "Suchen Sie für heute eine Begleitung, edler Herr?" "Wie wäre es mit einer Einladung in eine unvergessliche Nacht, werte Dame?" Derartige Begrüßung zogen sich durch seinen gesamten Aufenthalt dieses Festes, bis er sichergestellt hatte, dass White und Ichiré nirgends lokalisierbar waren. Selbst die versteckten Räume hinter Bücherregalen, Vitrinen oder Waffentresoren beherbergten keinerlei Leute. Zwar, erreichte die Dosierung des schwarzen Wassers gerade einmal das Volumen eines Sandkorns. Und dennoch schien es sich gefühlt durch seine gesamte Netzhaut zu fressen, während sein Blick durch die Wände fiel. Nein. Weder der Schleim, noch die Sporen, das Blut oder die rostigen Hautfetzen würden heute in seinem Organismus Verwendung finden müssen. 4 Nebenwirkungen weniger. Das Pulver aus dem Fläschchen sorgfältig verteilt, schien seine Mission somit abgeschlossen. Kein einziges Wort hatte Renjiro auf diesem Zeremoniell verloren. Viel zu gefährlich. seine Stimme, das Einzige, was er derzeit nicht zu verändern vermochte, anhand mangelnder Mittel. Aufgebrauchter Mittel. Ärgerlich, würden ihm dadurch wichtige Information verwehrt. Ein Page öffnete ihm die Türe zum Ausgang. Den Jungen eines freundlichen Nickens würdigend, trat der Mann hinaus in die verspätete Morgenluft. Der Wald bedachte Renjiro schon bald des Schutzes dicker Baumstämme und dichtem Blätterdach. 3... Bereuen 2... Beten 1... Vergeben. Ein Schnipsen erklang. Die darauffolgende Erschütterung des Bodens hätte ihn fast von den Füßen gerissen. Die Explosion war um einiges Intensiver, als kalkuliert. Finally. Ob das Ergebnis allerdings ertragreich wäre... Und wenn es nur diese eine Person, die, höchst abwegig, zu Tode gekommen ist. Allein die Vorstellung ließ jede Fibrille seines Körpers mit Genugtuung durchströmen.

      Ever Are you the Anthem of my Heart...?

    • Machina


      Wohin? Wohin mit einer Zukunft, die keinen Abnehmer würde finden können? Niemand WOLLTE? Machina schlenderte unentwegt außerhalb der Norm - und die einzige Erkenntnis, welche er dem Leben bis jetzt hatte entnehmen können, war die, dass er für die gesamte Gesellschaft nur einen marginalen Stellenwert aufwies. Menschen wie er... Wurden unablässig pauschalisiert. Im Rahmen der Stigmatisierung wurden ihm häufig genug Attribute wie das Indolentsein oder die Ausnutzung des Staates an den Kopf geworfen. Dabei befand er sich selbst im Prozess der Instrumentalisierung durch das Staatsgebiet seines Vaters- das einzige Regiment, das seinem Wissen nach mehr Macht ausübte als das Hoheitsgebiet jemals hätte gänzlich innehaben können. Und was konnte eine Regierung chronisch am Besten? Richtig. Im Stich lassen. Resigniert blickte der einsame Fechter über die Schulter. Nur einen merklichen Wimpernschlag zog sich die rote Linie wie ein führender Faden durch die Gassen, dorthin, wo der Weg unlängst eigentlich enden hätte sollen. Nein. Er würde nicht zurückgehen. Nicht heute. Vielleicht... Ein anderes Mal. Zuhause... Bedarf er sich sowieso noch mit dem Haushalt verlustieren, war dieser am Vortag wegen emotionalen Wutausbrüchen des Erzeugers liegen geblieben; kein Bestreben, sich als Fokus dieses Jähzorns anzubieten.
      "Hey, Spackina!" Im Laufe der Jahre hatte er neben der zwanghaft erlernten Fähigkeit die Intensität von Schmerz zu dezimieren, auch gleichzeitig die Gabe entwickelt, unnötige Geräusche und Personen auszublenden. Und in diesem Falle vereinten sich diese zwei Komponenten in ganze 5 Minderwertigkeitskomplexe unterlegene Individuen. "Wo willst du denn hin? Das hat vorhin ordentlich gebumbst mann, wir dachten schon, dein Vater hätte dich endlich in die Luft gejagt." Gehässiges Gelächter begann, an seinem Selbstwertgefühl zu nagen. Haltet doch einfach die Fresse und geht sterben. Dachte er, während sich die Hände des Jugendlichen zu Fäusten ballten. Die Truppe alter, nerviger Schulgenossen fand das Abblitzen ihres Kommentars und seine Ignoranz scheinbar alles andere als legitim und die schlussfolgernde Konsequenz gestaltete das Bedrängen eines Beutetiers, dessen Geduld erwartungsvoll auf die Probe gestellt werden sollte. Sie lechzten nach der "richtigen" Reaktion, welche ihnen die nötige Angriffsfläche bot. Es oblag Machi mitnichten, sich auf ein solches... nicht vorhandenes Niveau herablassen zu müssen. "Du bist so'n richtiges Opfer ey. Bei dir würden sie das Schild "Verschmutzte Fahrbahn" sofort entfernen, wenn du die Straße verlassen hast." Mittlerweile hatten sie ihn umstellt. Ohne Konfrontation könne er der Runde wohl nicht entgehen. Sie forderten ihn tatsächlich heraus. Seine Würde. Seinen Stolz. Welche Würde? Welcher Stolz? Eine Stimme, die selbst laute Musik niemals zu übertonen hätte vermocht. Sie fand ihre Geburt weit im Verborgenen und war doch so laut, als stünde sie als Mensch materialisiert hinter ihm. "Habt ihr keine anderen Hobbies?" erwiderte Machina vorsätzlich gelangweilt. "Hat jemand gesagt, Mülltonne öffne dich?" "Pf. Ihr seid einfach nur erbärmlich." Mit den Worten wandte sich das graue Vögelchen ab - erlangte den Mut, sich dem Versuch hinzugeben, einen Weg durch gekreuzte Arme, standhafte Füße und provokanten Widerwillen zu bahnen. "Lasst mich in Ruhe verdammt!" knurrte er barsch, die Aussicht auf Erfolg und Einsehen kläglich gering wie die Tatsache sicher schien, des Spiels höhnischer Freude feiger Zynisten untertan zu sein, als der Blondschopf ihn grob zurück, in die Hände eines von Sadismus ergötztem Leidenschaftler stieß. Der Funktion eines Balls gleichgesetzt, wurde er pendelnd zwischen gefühlten tausend Armen hin und her geschubst. Die Hypothese, Menschen seien tief im Kern egoistisch und einfach... verdorben bedurfte keiner weiteren Bestätigung mehr. Die ganze Welt war einfach nur scheiße! ...Und seine bemaß sich lediglich auf eine Kleinstadt mit ein paar Hektar Wald. Der massive Aufprall weicher Gliedmaßen auf hartem Gestein erschütterte sämtliche Extremitäten des Halbwüchsigen und er hätte nicht einmal versichern können, ob das Knacken auch wirklich seinem Körper entstammte oder schlichtweg eingebildet gewesen war. Weh tat es trotzdem. "Ohhh, bist du etwa hingefallen? Hast du dir Aua Aua gemacht?" Dieses sardonische Gekicher... Er hasste es! Er hasste sie! Er hasste seinen Vater! Er hasste ALLES! "Ich will ja nix sagen, aber Müll gehört nunmal zu Dreck! Und Dreck findet man meistens am Boden!" Sein Vater hatte ihm vor langer Zeit einmal fauchend nahegelegt, dass die Sicherung bald draußen sei. Zwar hatte er den Sinn damals nicht wirklich nachvollziehen können. Aber er glaubte, ihn in diesem Moment verstanden zu haben. Mechanisch ließ Machi die Finger zum Griff des Klappmessers gleiten, trotz der Gewissheit, dass solch vermeintliche Lebensversicherung ihn wohl kaum aus dieser misslichen Lage würde befreien können. "Kein Wunder, dass deine Mutter sich umgebracht hat... Hahahaha, hätte meine sicher auch getan, wenn sie gemerkt hätte, dass sie nur die Nachgeburt großgezogen hat!" "DAS NIMMST DU SOFORT ZURÜCK!" Selbst wenn es dem verzogenen Bengel leid getan hätte, so wäre ihm keinerlei Zeit für Reue verblieben, versenkte sich die schwarze Klinge von 8,76 cm Länge bereits tief im Gewebe des unmittelbar aufjaulenden Täters.
      Affekt. Unkalkulierbar. Der Verstand des Schwarzhaarigen hatte sich in jenem Augenblick der Verselbstständigung bedient, sowohl die eigentliche Pein dieser geradezu barbarischen Aussage wollte, wie auch die Wut, durch Kompensation besänftigt werden, ehe es Machina unweigerlich zerrissen, und zum Schatten seiner selbst degradiert hätte. "Bringt dieses Arschloch um!" Der Effekt fassungsloser Starre des Überraschungsangriff nahm ein jähes Ende. Instinktiv wusste Machina über die Schlüssigkeit dieses Fehlers und damit auch, dass er verloren hatte. Von Anfang an. Die Tritte und Schläge gezielt in Magengrube und Solarplexus gesetzt, sank der Jugendliche binnen Sekunden unter nach Luft ringendem Ächzen zusammen. Game over.
      Niedergezwungen, ihnen schutzlos ausgeliefert, würden sie den Befehl ihres Anführers Folge leisten. To dying for. Das wurde Machina, der seine Hände mittlerweile nur noch schützend um den Kopf schloss, bitter bewusst. Jeder Atemzug schien mehr Wunden in seine Kehle zu reißen. Jeder Schlag, jeder Tritt mehr Leben gewaltsam aus ihm herausprügeln. Wie soll ein Mensch das ertragen? Wie LANGE?
      3 Schüsse fielen. Der Schock verängstigter Hühner schien jede Fibrille ihres Organismus zu paralysieren, die Leitung zwischen Befehl und Ausführung gekappt. Keuchend rekelte sich das zerrupfte Vöglein auf dem Boden. "Hey. Are you all right?" drang eine Stimme in weiter Ferne zu ihm durch. Oder... Verweilt sie doch direkt neben ihm? Benommen fühlte Machina, wie kühle Fingerspitzen prüfend über seinen Rücken strichen, während er leicht unter der Berührung erschauderte. Bild und Ton hoffnungslos verzerrt und unklar, um einem Urteil gerecht werden zu können. Dann wandte sich der Fremde ab. "Hahaha! Boy Oh boy. You wanna play with ME?" schallte es provokant durch die feuchte Luft morgendlicher Frühe. Manchmal war Stille die beste Antwort, um Klarheit zu erfahren. "Ouh what a pity.... I guess that's enough." Irgendwie gelang es dem blassen Küken sich aufzuraffen, taumelnd und mit gebeugten Oberkörper halb würgend, spuckte er die letzten Schleimklumpen blutiger Färbung gen Boden. Was war das überhaupt für ein Akzent? Finnisch? Dänisch? "Please stand by while I try to deal with everything being on fire!" Was wollte der Typ ?! Niemals hätte er auch nur im Ansatz unterschrieben, er wäre der Englischen Sprache mächtig, - gerade jetzt, wo sein Gehirn nur die Hälfte verstehen, geschweige denn zu verarbeiten vermochte, aber "fire" verbunden mit "everything" in einem Satz, klang verdächtig nach Zerstörung. Der Hustenanfall übermannte seinen Rachen genauso überraschend, wie es der Mann gleichermaßen mit einer einladenden Geste tat. "So Birdy. Would we like to give them a Blast-dessert?" Lachend wurde dem völlig perplexen Jungen eine Waffe überreicht. War das ein... G36 Verschnitt? Verängstigte Rufe sendeten ihre Bedeutung allmählich in Machi's Bewusstsein. Dann erfolgten hastige Schritte. "Hmph, this could be bad... Ha! Knock 'em down!" Erschrocken riss Machina die Augen auf. Der Typ.... Würde sie... wirklich umbringen! Reflexartig sprang der Schwarzhaarige dem Fremden vor die Füße, beide Arme gleich einer Barriere, die ungewollte Besucher abwehren sollte, weit ausgestreckt. "Nein! Tö..Töten Sie sie ni...nicht!" bat er vehement kopfschüttelnd, ehe der Schwindel die Sicht verschwammen ließ. Er hatte zusehends Mühe sich auf den Beinen zu halten, und auch, wenn die Kerle seine Gnade sicherlich nicht verdient hätten... Nein. Er konnte sie nicht "exekutieren" lassen. Erst jetzt erkannte Machina, dass die Gestalt komplett in schwarz, präzisiert, in eine Kutte gehüllt war. Nur das Aufblitzen weißer Zähne ließ ein amüsiertes Lächeln darunter vermuten. "Hehehe fortryllende... Good boy."verbalisierte der Unbekannte seinen scheinbar entzückten Eindruck von ihm, ehe dessen Hände schließlich irgendwie... liebevoll (?) durch die Haare des Gefallenen Raubvogels wuschelten. "Goodbye for now. Go. Hurry up. Run away. No worries, i'm going to play gentle with everyone." fügte der Typ plötzlich recht kühl hinzu, nahm Machina die Waffe ab und hielt beide Großkaliber vertikal diagonal über dem Kopf zueinander. Ja. Besser, er verschwand. Vermutlich würde er sonst... dran glauben müssen. Mit einem knappen Nicken drehte Machina sich um und lief davon. Oder eher... perfektionierte die Kunst nicht galanten Gehens. Seine Innerein schmerzten... Aber... Er wollte nicht nach Hause...


      Es dauerte nicht lange, bis er vor einer Gaststätte innehielt. "Zur friedlichen Ruhe" bildeten geschwungene Buchstaben auf einem Schild ihren Namen. Friedlich und Ruhe klangen verlockend. Schweigend trat der Jung ein. An der Theke stand ein etwas älterer Herr. Unsicher blickte Machi zu ihm auf. "Ich... Hätte gerne 2 Flaschen Wodka." Scheiß auf die gesetzliche Regelung des Verkaufs von Alkohol an Minderjährige. Ihm bestand gerade nicht das Bedürfnis nach vollkommener Wahrnehmung der Realität. Er hatte... keine Lust mehr. Was auch immer der Herr denken würde- bestellte ein Minderjähriger, durch die Wölbung eines dunkelblau, violetten Hämatoms und einer geschwollener Lippe gerade frisch verprügelt wirkender Junge, (auch wenn dies der Wahrheit entsprach)- es wäre nicht sein Problem. Und vermutlich blieben die Spuren im Gesicht nicht die Einzigen. Bedauerlich. Und dennoch. Machina wünschte sich nichts sehnlicher, als an diese 2 Flaschen zu kommen. Geld? In seinem Zustand effektiv abhauen... Unwahrscheinlich. Jedoch nicht unmöglich. "Bitte...." schloss er leise hinzu.
    • Matthew Hyde


      Verwundert sah er auf seinen Gast, der sich so früh in sein Etablissement verirrt hatte. Die meisten seiner Gäste kamen erst in der tiefen Dunkelheit und nicht während es draußen noch hell war. So mustert er den Gast gründlich. Die blauen Flecken und die Lippe, welche wohl einen Schlag abbekommen hatte fielen ihm auf. Er nimmt den Lappen, mit welchen er die Theke von Bier und Schnapsresten gereinigt hat, und lässt ihn unter der selbigen verschwinden. Nun winkt er seinen Gast zu sich an die Ausschenke. "Dann bitte ich mal um ein amtliches Dokument." Seine tiefe Stimme klang zwar freundlich, doch genauso unnachgiebig klang seine Forderung. Ohne Papiere würde er mit nicht mal einen Tropfen Wodka ausschenken. Um der Frage zuvorzukommen ob die gewünschten Flaschen im Haus wahren, schiebt er eine der zwei Schiebetüren zur Seite, welche zum Schrank mit den Spirituosen gehörten und holt zwei volle gläserne Flaschen mit dem klaren Getränk heraus. "Nun wie sieht es aus? Pro Flasche fünfzehn Euro." Spricht er und schaut den jungen Kerl an.

      Die Eingangstür öffnet sich und zwei Kerle kommen rein. Beide tragen schwarze Lederklamotten, Springerstiefel und haben sich ihre Schädel rasiert. "Riecht nach Ärger." Denkt er noch, da schmeißen die zwei einen Tisch um und schreien im Chor "Freibier und zwar plötzlich!" Hämisch zeigen sie auf ihre Wappen, die an ihren Ärmeln angenäht wurden. Er kennt das Zeichen, welches einen dreiköpfigen Adler zeigt. Es sind Jäger einer Gruppe, welche ihm früher öfter über den Weg gelaufen sind. Diese zwei sahen neu aus und waren dennoch solche Arschlöcher. "Einen Augenblick bitte." Spricht er noch freundlich zu Machina, da hat er schon einen Satz über die Theke gemacht und schreit die Neuankömmlinge an. "Raus aus meinem Laden oder eure Köpfe serviere ich als Biergläser." Seine Stimme hallt mit Sicherheit bis auf die nächste Straßenseite, doch das ist ihm egal. Die Glatzköpfe schauen nun zornig und gehen mit drohenden Fäusten auf ihn zu, doch da hat der Kerl welcher ihm näher steht schon die Klinge aus seiner Armprothese vor der Nase. Überrascht, fast schon panisch weichen beide zurück. "Raus und kehrt nie wieder. Ohne ich hole mir eure Schädel. Kapiert?" Seine dämpfte Stimme und der zornige Blick, sowie die Klinge waren für die beiden Störenfriede Grund genug zu verschwinden. Zwei Wimpernschläge später waren die zwei durch die offen stehende Tür getürmt. Seufzend verschwindet die Klinge wieder in seinem Arm. Kurzerhand stellt er den Tisch wieder auf und schließt die Tür wieder. Entspannt kommt er zurück zum Tresen, nimmt nun die vorgesehene Schwingtür an der Seite und schaut erneut zu seinem jungen Gast. Nun wieder mit freundlichem Blick. "Darf ich nun den Ausweis sehen?" Fragt er wieder als wäre nichts passiert.
      Dr. Jackll, war ein Wohltäter.
      Mr. Hyde, ein Monster.

      Beide lebten in einer Gestalt und waren doch nicht eins.
      Beide dachten sie wären im Recht, doch sprachen beide Lügen.
      Beide verleugneten den Anderen und damit sich selbst.
      Dies hat sie innerlich verbrannt du nun steh ich an ihrem gemeinsamen Grab.
      Ich nehme euch beide auf und werde eure Fortsetzung sein.

      Und nun frage ich euch.
      Wenn wollt ihr sehen?
      Den guten Narren oder das Monster, welches das Gute in sich verleugnete?
    • Faye

      Sie hatte die beiden anderen Kirai nahezu zur selben Zeit bemerkt wie Lucio. Zwar konnte sie nicht ausmachen, wenn jemand ihren Wald betrat, jedoch, wenn sie sich länger auf einer Stelle aufhielten. Wie eine seltsame Energiequelle, welche nicht in den normalen natürlichen Fluss passte, waren sie. Natürlich fiel dies irgendwann auf. Gerade als sie Lucio Bescheid geben wollte, damit dieser mit seinen großen schnellen Schritten auf jene Unbekannte hinzurennen konnte überquerten sie eine Straße und Faye hatte nicht mal mehr nach rechts sehen können, bevor ihr Körper ruckartig nach hinten geschleudert wurde und sie sich ein paar Mal überschlug, bis sie auf dem rauen Asphalt schlitternd liegen blieb.

      Schmerz war das Erste, was sie spürte. Ihr gesamter Körper schmerzte, ihre blasse Haut brannte ungemein und ihre Knochen fühlten sich auch nicht mehr so heil an. Panik, Angst durchfuhr sie mit der zweiten Welle, als sie benommen versuchte sich wieder aufzurichten. Was war mit ihrem Begleiter? Wer hatte sie da angefahren?
      Verschwommen war ihre Sicht, als sie zur Seite sah und sah wie zwei offensichtliche Jäger auf Lucio losgingen. Ein lauter Aufschrei entfuhr ihr, als sie sah wie das Messer sich in dem Rücken des Wolfes vergrub. Hass, Wut, Angst, alles in einem übermannte sie wie ein unaufhörliches Inferno. Das Feuer, welches sie so bemüht in seine Schranken gewiesen hatte, ließ sich nicht mehr zähmen. Voller Adrenalin gepumpt schien ihr Körper mehr zu handeln als sie tatsächlich Kontrolle hatte.
      Langsam richtete sich das kleine Mädchen auf, während ihre blauen Augen anfingen zu leuchten, langsam in ein feuriges Orange wechselten. Ohne zu zögern hob sie ihre Hand und schickte einen Feuerball in die Richtung der anderen, trennte so die beiden Jäger von Lucio. Die Explosion war groß, aber nicht groß genug um den Wolf zu verbrennen. Sie hatte nicht wirklich vor die Jäger hier umzubringen, jedoch rieten ihr ihre Instinkte zum Gegenteil. Würde sie hier nicht mit ihrer vollen Kraft kämpfen könnte alles vorbei sein. Sie durfte das nicht zulassen!

      Das Geweih, welches normalerweise von Moos bedeckt viele Schmetterlinge anlockte, loderte nun hell in Flammen, ein Zeichen, dass sie sich heute nicht zurück halten würde. Da das Feuer von ihr entfacht worden war, war es ein einfaches für Faye die Flammen immer heißer werden zu lassen. Sie würde diese Jäger einfach verbrennen. Die Jägerin schien sowieso nicht mehr wirklich in der Lage zu kämpfen, das gleiche galt allerdings auch für Lucio. Das Messer steckte immer noch in seinem Rücken und schien den Wolf zu paralysieren. Gut getroffen war die Stelle, aber sie hatte schon im ersten Moment gemerkt, dass die beiden keine blutigen Anfänger waren.
      Der Mann war, trotz der Tatsache, dass er sicherlich nicht mit zwei Kirai vor seiner Windschutzscheibe gerechnet hatte, ziemlich gelassen. Nahezu glücklich schien er, dass er wohl gerade eine gute Beute bekommen hatte.
      "..." selbst wenn sie sich hier verwandeln würde könnte sie Lucio nicht tragen, also war Flucht wirklich keine Option. Allerdings...konnte sie den Wolf wirklich heilen? Verzweiflung breitete sich in ihr aus, wie eine eiskalte Welle, die drohte ihr gerade entfachtes Feuer zu ersticken. Nein, sie durfte es so einfach nicht enden lassen.
      Faye hob ihre Hand und erschuf einen Feuerball, der letztendlich so groß war wie ihr Kopf. Würde das reichen um die beiden außer Gefecht zu setzen? Die Explosion würde um einiges größer sein, doch der Jäger war sicherlich schneller als das. Sie musste auf alles vorbereitet sein!


      ♪♫•*¨*•.¸¸사랑햡니다¸¸.•*¨*•♫♪

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    • Lùcio & White

      Ein Moment törichter Unachtsamkeit wurde erbarmungslos der Gerissenheit des Wolfes als Vorzug zugeschrieben- und der Verursacher dieser zum Fremdschämen herbeigeführten Gegebenheit belangte nicht einmal die Strafe selbst; Ins Chaos gestürzte Leidtragende, um seinen Fehler mit ihrem Leben zu begleichen, spielte hierbei kein geringeres Menschlein als Rojin. Die Schmach das Curriculum durch eine solch naive kalkuliert herbeigeführte Vorgehensweise besudelt, zu allem Überfluss sich der Verantwortung unterziehen zu müssen, den Partner in Lebensgefahr gebracht zu haben, knabberte an der Autorität des jungen Mannes wie ein wild gewordenes Nagetier. Jedweiger Kodex ehrbarer Jäger gestaltete sich in fundierte Kenntnisse im Umgang sowie Verhalten kritischer Situation- und gerade er hatte sie nahezu ostentativ herbeigeführt und damit sogar gleichzeitig die Norm statistisch herabgesenkt. Die Kränkung besaß ein wirklich zerstörerisches Maß.
      Ihm verblieb keinerlei dankender Geste um ihren Einsatz vorerst würdigen zu können, bemerkte White im Augenwinkel wie die zierliche Gestalt ihre Glieder erhob. Inferno's flammender Wall in den Augen, züngelte das Geweih, welches sich erst mit dem Auflodern von der morgendlichen Dunkelheit der Dämmerung abhob, auf. Die Größe der Kirai-Dame ließ beinahe vermuten, sie sei durch das Stigma der Kleinwüchsigkeit gekennzeichnet und würde wohl jeden dazu einladen, die Kraft großzügig zu unterschätzen. Reflexartig zückte White die verhältnismäßig kleine Kugel, welche er an seinem Gürtel befestigt hatte und warf sie gezielt Richtung Haupt des Mädchens, als ihre Hände das Spiel mit dem Feuer begannen. Ein grelles Aufblitzen torpedierte die Sicht zweckgerichteten Angriffs, der Rojin und White zwar des Drucks wegen auseinanderiss, aber dennoch weitläufig verfehlte. "Projectionforce on!" ertönte ein Befehl aus der Kehle des Jägers. Die feinen, präzisen Einkerbungen seines Uhren bestückten Rings glommen in einem sanften indigofarbenen Licht auf. Die eingepflanzten Zellen eines Kirai würden seine kinetische und "physopsychische" ätherische Energie verstoffwechseln, um daraus den Abwehrschild erschaffen, sowie Stabiltät und Wirskamkeit diverser Waffen erhöhen zu können. Zwar gewährte ihm diese Kybernetik-Technik für eine gewisse Zeitspanne einen eklatanten Vorteil im Kampf. Doch die Tatsache, dass die kleinst lebende Einheit aller Organismen seine Energie und Ausdauer absorbierte, erwies sich ab einem gewissen Zeitraum ebenso als Nachteil, entzogen sie ihm kontinuierlich essenzielle Agilität. Vor ein paar Jahren wäre er fast wegen eines Defekts an diesem Teil verreckt, weil es schlichtweg auf keine Anweisung reagierte und sich nicht mehr deaktivieren ließ. Und dennoch. Seines Erachtens nach erschloss sich daraus eine konstruktive Effektivität der Gefahrenabwehr. "Activate transformation into Lance and Longsword ." Ein alter Dolch und eine zerteilte Schneide, die unwissende Außenstegende wohl als simplen Müll deklariert hätten, erblickten das Tageslicht aus den Untiefen seiner Tasche, ehe White die beiden Teilchen in die Lüfte schmiss, nur um merkliche Sekunden später zwei vollständig funktionstüchtige Waffen, zärtlich schmiegend an Haut und Finger, in den Händen zu halten. Den Speer horizontal gen Himmelsweite deutend, erstreckte sich die andere Klinge in vertikaler Achse schützend vor seinem Meister. "Let's play Kirai-Gene the first generation in a equal battle, ahahaha!" lachte der Weißhaarige (zu) erwartungsvoll auf, die metallenen Begleiter eines siegessicheren Kusses beehrend.
      ~~~~~~~~~
      Die Methodik einer wohl bemühten Intervention durch flexibles Einschreiten hatte Lùcio tatsächlich überrascht, sollte die Offensive lediglich dem verkohlten Pommes Menschen zuteilwerden. Warum begab sich das Fräulein Red-Guppy demnach freiwillig in Gefahr, würde so zum Mittelpunkt dieses Kampfes? Entgegen jeden Instinkt musste sie gehandelt haben, wäre sie allenfalls ein unbeteiligter Zuschauer gewesen und ohne derartige Verletzungen dem Konflikt entgangen. Gewinnchance: 0,31% Zuzüglich der singulären Wahrscheinlichkeit eines supportiven Zufalls 0,52%. kündigte der Wolf der jungen Dame mit, allerdings ohne Erfolg, würden sich seine stummen Gedanken doch nie der Verbalisierung säuselnder Stimmen unterziehen können. Er spürte, wie der berauschende Geschmack heißen Blutes seinen Rachen hinuntergoss, sich kleine Fetzen vom Fleische ummanteltes Kleid zwischen Zahn und Lefzen verfingen. Die Kraft des Bisses intensivieren wollend, knickte der Hinterlauf seines linken Beines weg, schien zur Seite auszubrechen, als hätte es ein Eigenleben entwickelt. Unfreiwillig wurde dem Feldzug ein jähes Ende bereitet, als der gesamte Körper des Wolfes unmittelbar zu Boden krachte. Konsterniert ließ Lùcio abermals die Ohren aufzucken, das Schauspiel glich beinahe schon einer Panikattacke eines todgeweihten Tieres, dessen Schicksal zwar hätte besiegelt sein müssen, aber dem unverkennbaren Instinkt stählernen Überlenswillen weitaus mehr Stärke vom Körper heilenden Adrenalinschubs zugesprochen werden vermochte, als physiologisch eigentlich möglich gewesen wäre. Ein jaulendes Kleffen durschnitt das Gefecht, wie er den Aufschrei seiner Begleiterin vernahm. Keine Sorge. Mir geht es gut. Wirklich. versicherte er ihr- zumindest für diesen Kampf müsse seine Stärke ausreichen, selbst wenn das Ende im nächsten Kapitel längst würde verfasst sein.

      Das seichte Funkeln in den dunkel untermauerten Iriden nahm sich des Lichtes hellen Schein an, gloste in einem gelb-orangenen Farbgemisch aus Entschlossenheit und Rachedurst auf, während es sich des Fells bemächtigte und das Tier umhüllte wie ein Komet, der neugierige Augen zum erhellten Nachthimmel aufblicken ließ, um Zeuge der Macht elementarer Naturgewalten zu werden. Die Luft erzitterte ehrfürchtig unter der Präsenz aufsteigender metallisch tönender Wirbel, geformt aus den Waffen gefallener Soldaten längst vergangener Epochen. Ihr Geist würde die Klingen in die Schlacht führen und den Feind endgültig richten.

      ~~~~~~~~~

      White's initiierter Angriff den Speer durch den zweiten, entstehenden Feuerball direkt in den Kopf des Kirai gleiten zu lassen, endete so abrupt wie der Anfang sein Ende nahm. Über ihnen bäumte ein Sturm seine todbringende Nachricht, und dieser würde sich keinesfalls mit einem einfachen Regenschirm besänftigen lassen können, nein. Verdammt! Er musste zusehen, dass er in die Nähe seiner derzeitigen Kampfgefährtin langte, sonst würden sie beide doch noch ihr Leben lassen, so viele Schneiden könne sie ohne Schild unmöglich abwehren. Und er auch nicht. "Rojin!" rief der junge Mann mit einer deutenden Geste, dass sie ihre Gesellschaft möglichst schnell neben der Seinen zu wahren vermochte, ehe die Salve eiserner Klingen dem Fall herabstürzender Pfeile gleichkam. Irgendwie würde er den Angriff des Feuerball zuvorkommen müssen, bevor der Sturm seinen Anfang nahm. Den Griff um die Stich,-konzipierte Stangenwaffe verstärkt, holte er mit dem Arm nach vorne aus und ließ den Speer Richtung des Mädchens fliegen. Zwar hatte seine Präzision auf Grund suboptimaler Bedingungen etwas gelitten, aber vorerst würde sie seiner Attacke entgehen müssen und damit hoffentlich den Angriff anderweitig ausführen oder bestenfalls ganz unterlassen .

      ~~~~~~~~~
      Oh nein. Das wirst du nicht, Fräulein. knurrte der Wolf, mittlerweile leicht der Blindheit zornigem Groll unterlegen, sprang er auf die Jägerin, stieß sie in entgegengesetzte Richtung ihres Partners. Diesen kurzen Effekt nutzte Luc, um sich der Teleportation zu bedienen und hinter ihrem Rücken, in Menschenform, zu erscheinen, zwei materialisierte Waffen in der Hand - bereit, sie in ihr Haupt zu schlagen. Selbst wenn er sich nicht lange auf den Beinen halten würde können und den Umgang mit Waffen ebenso wenig beherrschte wie das Laufen und Stehen, so würde er ihr vielleicht die Schneide durch den Hals ziehen können. Sie durfte dieses Frittenfett von Partner nicht erreichen.



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    • "Ziel Nummer 1: vermeidet jedes unnötige Verletzungsrisiko. Sollte das nicht klappen...", die Silberhaarige hielt in ihrem Rundgang inne, ehe sie die Schultern zuckte und ihrer unvollständigen Verkündung hinzufügte: "Kanonenfutter hat durchaus auch seinen Wert." Dabei hatte die ältere Dame keine Miene verzogen, ihr steinerner Blick schweifte regungslos über die Jugendlichen.
      Der unheimliche Schmerz jagte durch ihre Schulter, während in ihrem Kopf nur die Worte ihrer ehemaligen Lehrerin widerhallten. Ganz mechanisch riss Rojin das letzte Stück Stoff ab und befreite sich so aus ihrer abendgesellschaftlichen Verkleidung. Ihr blieb kaum Zeit sich erneut zu fokussieren, ihre Sehkraft war noch betrübt als sie eine Druckwelle erfasste. Sobald sich ihr Blickfeld endlich klärte und sie den Schmerz so gut wie möglich verdrängt hatte, erkannte sie die Distanz, die zwischen sie und White geschlagen worden war. Was für ein Anfängerfehler das kleine Mädchen, welches vor wenigen Minuten noch regungslos am Boden gelegen hatte, einfach zu ignorieren. Dennoch musste sie sich jetzt erst mal auf den Wolf konzentrieren, denn dieser setzte zu einem weiteren Angriff an. Die vielen Waffen, die sich materialisierten, schienen wie ein Sturm über sie herziehen zu wollen. Ganz automatisch wich die Dunkelhaarige zurück. Erst durch den Ruf des Oberhaupts wurde sie daran erinnert, dass sie nicht auf sich alleine gestellt war. Nur empfand sie das leider auf Dauer nicht als besonders beruhigend. Nicht das sie glaubte alleine besser dran zu sein. Nebst ihrem Mangel an Erfahrung in Kooperation, übte seine Prominenz einen erheblichen Druck auf Roji aus. Ungeachtet ihres Schicksals, sollte White in dieser Situation sein Leben lassen.. Lestrade würde einen Weg finden sie dafür verantwortlich zu machen.
      Wie sie versuchte die Distanz zwischen ihr und dem schützenswerten Oberhaupt zu überwinden, setzte der Wolf zu einem zweiten Sprung an. Sein Gewicht stiess sie zurück, wobei eine weitere Welle des Schmerzes ihre Schulter erfasste. Die Dunkelhaarige drehte sich während sie noch durch den Stoss zurückwich, ursprünglich um zu verhindern zu fallen. Nach einer 180° Wendung, hätte sie ihr Gleichgewicht wieder fassen können. Doch sah sie sich urplötzlich einem blauhaarigen Mann mit zum Hieb bereiten Waffen gegenüber. Rojin nutzte die Kraft mit der sie eben gerade noch zurück gestossen worden war. Blitzschnell rutschte sie dem kommenden Hieb nach unten hin aus und beraubte den Feind mit einem gezielten Tritt in die Beine des sicheren Standes. Ebenso schnell rollte sie weg, um die Distanz zum Gegner wieder zu vergrössern. Ein paar wenige Meter entfernt landete sie elegant mit einem Bein auf dem Knie und auf dem anderen einen Ellenbogen gestützt, wie bei einer Verbeugung. Wieder drohte ihre Sicht vor Schmerz zu verschwimmen, doch stattdessen wandelte sich ihr Schmerz diesmal in planke Wut. Ohne eine Sekunde zu zögern schleuderte sie einen ihrer unzähligen, giftigen Wurfsterne in die Richtung des Blauhaarigen und gleich einen zweiten hinterher sobald sie sich wieder zu voller Grösse aufgerichtet hatte. Ein weiteres Wurfmesser bereit in der Hand, wich sie zurück und schloss so die kurze Strecke, die sie noch vom Oberhaupt getrennt hatte auf.
      Die Kirais liessen ihr keine Verschnaufpause, in der sie White hätte erkenntlich machen können wie sie die Situation einschätzte und vorallem hätte in Kenntnis setzen können, dass er einen Kampf bis zum bittereren Ende aus dem Weg gehen sollte. Zumindest in diesem Fall. Sie wollte nur nicht in der Nähe gewesen sein, sollte ihn jemand besiegen. Nein, der junge Mann würde auf eine andere Gelegenheit zu sterben warten müssen. Mit diesem Entschluss im Kopf, hielt Rojin sich bereit zur Abwendung des Waffensturmes, der aufzog.

    • Machina

      Amtliches Dokument? Einen Beweis also. Tz. Galt sein Aussehen nicht schon genug Bekundung? Oder erweckte das Antlitz des Halbwüchsigen das typische Charakteristika weicher, elastischer Haut, durch rundliche Gesicht und Wangen untermalt, welche einhergehend mit dem relativ weit unten verwachsenem Gesichtsmerkmal das Chema eines Kindes glich? Beruhte die Antwort also deshalb auf dem Schlüsselreiz innerhalb der Instinkttheorie des Reizmuster das bei Wahrnehmung mit einer Instinktbewegung- oder Handlung erfolgte? Na super. Schien überall zu funktionieren, außer bei der Person, die Machina als Vaterfigur eigentlich gebraucht hätte und missen tat. Obgleich ihm die apodiktische Entgegnung das Verebben noch so eiserner Vehemenz verdeutlichte, dass die Suche nach Kompromiss sich nicht die Krone des Erfolgs aufsetzen würde, verschränkte der Jugendliche trotzig die Arme vor der Brust. "Sie glauben mir nicht?" fragte er gespielt verwundert, zog dabei eine Augenbraue in die Höhe. "Mein Vater, Macrus Idyielle, veranlasste den sofortigen Erwerb edler Spirituosen und entsendete meine Wenigkeit, diesen Einkauf für ihn zu erledigen. Leider... Vergaß seine exzellente Unfehlbarkeit mir ein amtliches Dokument zur Überprüfung der Richtigkeit meiner Aussage zuzuteilen. Ich hoffe, das bereitet Ihnen keine Umstände... Und mir." schloss er gedanklich hinzu. Unter dem Aspekt, dass lediglich der letzte Teil der Wahrheit entsprach, musste Machina zugeben, würde man am Ende nicht behaupten können, er hätte seinen Ausweis absichtlich in unbekannten Winkeln irgendeiner Schublade dem Schicksal überlassen. Nein, der Vater verwehrte ihm gezielt das Mitführen eines Ausweis, um schlicht zu torpedieren, dass er überhaupt an solche Mittel wie Alkohol, Zigaretten oder in Discos kam. Ohnehin wurde seine Bekanntheit stets dem Opferdasein zugeschrieben, weswegen er nicht einmal über (ältere) Freunde verfügte, die ihn hätten damit versorgen können. Außer White. Und gerade der blöde Affe achtete stets penibel darauf, ihn in einer gesunden Balance zwischen Gesetz und Versuchung zu halten, ohne auf illegale Verfahrensweisen zurückgreifen zu müssen, während Besagter alle Grenzen der Missachtung weichen ließ, den Körper mit einer ihm unbekannten gefährlichen Art des Enthusiasmus füllen und den Horizont riskanten Spaßes zu erweitern vermochte. Manchmal glich White's Fürsorge der eines Bruders- und fungierte simultan als Vorbild, wie man es besser NICHT bewerkstelligte. Dennoch war die Wechselwirkung der Charakterzüge seines "Masters", wie White am liebsten genannt werden würde, nahezu unberechenbar hinter der kalkulierten Fassade höheren Stellenwerts und geformter Norm eines Oberhaupts. Die Tendenz reichte von Father Figure und Bruderherz bis hin zu ganz trivialen Zügen eines 18-Jährigen, umhaucht von einer Note gedanklicher Visionen und Spielchen sadistischer Psychopathen, der davon faselte, wie ertragreich es für die Psyche wäre, Jungfrauen zu "upgraden" und Kirai die Gunst seiner Instrumente spüren zu lassen, nur um im nächsten Moment wie eine einsam fechtende Klinge zu wirken, die die lodernde Flamme des Krieges und deren Zwiespalt nicht vermochte erlöschen zu lassen. Conflikt remains.


      "15 pro Flasche? Geben Sie mir 3. Ich denke, dass wird ihn zufriedenstell...-" Der Satz wurde nicht einmal eines Ende begnadigt, da stürmten zwei pöbelnde Herrschaften à la gleichzusetzende Wertigkeit der Ausscheidung einer Amöbe durch die Türe und warfen einen Tisch in die Richtung des Dunkelhaarigen. Erschrocken sprang er zur Seite an die angrenzende welche scheinbar zu den anliegenden Zimmern führte. "Sie sollten nicht..." versuchte Machina noch zaghaft den Eigentümer davon abzubringen, die Herausforderung zweier Jäger dieser Klasse anzunehmen, ehe dieser mit EINEM Satz ÜBER die Theke sprang. WTF? Wie zum Teufel? Mit einer Höhe von geschätzten 2400x700mm würde diesen Sprung doch kein normaler Mensch aus dem Stand heraus schaffen können?! Ein Kirai? War seine erste Vermutung gewesen. Bestätigung fand diese jedoch nicht, als die Jungs drohend und mit gehobenen Fäusten auf den Besitzer zuschritten und eine metallische Schneide AUS der Hand schnellte. Gott... Ich bin ins Haus eines Terminators geraten... Und falls rauskäme, dass Machina gelogen hatte- bis auf die letzten Sätze- na dann könne er seinen Kopf gleich mit als Bierglas servieren. Scheiße...


      Die Kerle zogen so schnell wieder leine, wie sie ihre kurze Ankunft beteuert, und Spuren hinterlassen hatten. Eine unangenehme Stille legte ihr Unbehagen auf kalten Boden nieder, und Machina war sich der Funktion der Atmung schon gar nicht mehr bewusst gewesen, wie ihn der Reflex unweigerlich mit einem lauten Aufatmen daran erinnerte, dass Luft sein Überleben sichern würde. Vorsichtig ließ der Halbwüchsige seinen Blick hinauf in die Iriden des breitschultrigen Mannes schweifen, beinahe so, als stünde ihm der Tod persönlich gegenüber. "D-der Ausweis l-liegt bei meinem V-vater." Die innere Angst , welche er bislang unterdrücken konnte, projizierte ihr Vorhandensein als Zittern in seine leise hauchende Stimme. Zwar schien der werte Herr keinesfalls feindselig oder hegte gar Groll. Doch wurde Machina eben nochmals vehement nahegelegt, dass selbst in Lämmern ein Wolf zu schlummern vermochte. Trotzdem... Irgendetwas ließ seine Faszination gedeihen. "Sagen Sie... Wie konnte die Klinge... ähm... Ist die Schneide wirklich ihrer Hand entsprungen? Ich meine.... Sie wirken nicht wie ein Kirai - also, nicht, dass ich dieser Rasse animos gegenüberstehe, aber..." Er hielt inne. Warum verflucht blieb er denn noch immer hier?! Waren seine suizidalen Tendenzen derweil ins Unermessliche gerückt, dass er sich bewusst der Gefahr auslieferte? Nein. Vielleicht eher der Gedanke, dass Machina hier womöglich Unterschlupf zu finden vermochte, weit weg von der Tyrannei seines Vaters. Begleichen könne er die Dienstleistung, in dem er dem Besitzer aushalf? Und wenn es nur für eine kleine Weile wäre... White und den ganzen Ausbildungsshit zum Jägerassistenten ruhen lassen können. Die Vorstellung bewies durchaus ihren Wert. "Ich habe bemerkt, dass Ihre Gaststätte auch mit der Ausstattung von Zimmern gesegnet wurde, wäre möglicherweise... Noch eins frei?" hakte der Jugendliche mit unsicherem Ton nach. Vielleicht bräuchte der Eigentümer auch keinerlei Hilfe- somit stände er wieder am Anfang. Aber Diese Chance auf ein erst Mal freies Leben wollte sich Machina keineswegs nehmen lassen. Die Unterkunft war weit genug weg- und niemand würde ihn hier vermuten oder vorerst lokalisieren können. "Ich habe... Zwar nicht genug Geld, aber... ich würde Ihnen meine Hilfe anbieten, um der Dienstleistung gerecht zu werden."

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