Cold Lonely and Freezing [Lucy-chan & GeneralLux]

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    • Cold Lonely and Freezing [Lucy-chan & GeneralLux]

      @Lucy-chan
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      Die Nacht war schrecklich. Wie all die anderen Nächte, die er in den letzten Monaten hinter sich bringen musste. Die schrecklich dunklen Szenen liefen immer wieder vor seinen Augen ab und er konnte es nicht abstellen. Nicht mehr vergessen. Noch nicht einmal die Flasche billigen Scotch hatte ihn darüber hinweg bringen können. Das einzige was er sich dadurch einfing waren die Kopfschmerzen und der trockene Mund. Seine Zunge fühlte sich belegt an. Genau wie an diesem Tag. Er hasste sich, weil er schon wieder übertrieben hatte mit dem Alkohol. Er roch wie eine Woche lang nicht geduscht und sein Bart war zu lang geworden, die Haare zerzaust. Nachdem man ihm gesagt hatte, dass er nicht mehr in Brooklyn arbeiten durfte und man ihn versetzte, war es wieder wie ein Stoß in den Abgrund. Ein Schlag in die Magengrube wäre angenehmer gewesen.
      Schwankend brachte sich Victor aus seinem Bett auf die Beine. Stöhnend und grummeln versuchte er gerade aus sehen zu können und zu laufen ohne dabei jeden Moment an die Toilette denken zu müssen. Der Kater war wieder da. Er hasste es. Er lief zum Stuhl und nahm das Hemd das darauf hing, zog es sich über und schlüpfte in die durchgelaufenen Halbschuhe. Nur einen kurzen Blick warf er in den Spiegel neben seinem Bett. Eigentlich sah er nicht einmal schlecht aus. Doch der Alkohol, die Depression und der fehlende Schlaf zeichneten sich auf seinem Gesicht aus. Schnaufend rief er sich die Augen und sah zum Bett. Kein Grund dieses zu machen. Er hatte die Nacht auf einer nackten Matratze ohne Decke oder Kissen verbracht. Die meisten Dinge hatte er schon an seine neue Wohnung liefern lassen. Er war nur aus Nostalgie die paar Tage geblieben. Eigentlich hätte er morgen früh schon am neuen Arbeitsplatz sein müssen und er wusste, dass es logischer und angenehmer gewesen wäre, wenn er schon vor einer Woche geflogen wäre.

      Dafür musste er es jetzt tun. Als ob man ihn bestrafen wollte für seine Trinkerei am Abend zu vor, war das Flugzeug voll und es gab zwei Babys an Bord, die unaufhörlich plärrten. Der Flug war eine Tortur, grauenvoll und Victor hatte sich mehrmals einreden sollen, dass er keinen weiteren Schluck Alkohol vertragen würde und auch nicht riechen durfte. Der Weg zur Toilette war weit und an so einem Flughafen meistens auch belegt.
      Kreidebleich und mehr wankend wie ein Zombie holte er sich nach dem Flug sein Gepäck ab. Grummelnd notierte er das abstempeln seines Passes und die gespielt freundlichen Wünsche zu einem guten Aufenthalt.
      Victor musterte die junge Frau hinter der Plexiglasscheibe und sie bemerkte schnell, dass er es wohl nicht so toll fand und dabei war er noch nicht einmal aus dem Flughafen rausgekommen.

      In einem Taxi hinten zu sitzen in so einem Zustand verbesserte nicht die Situation. Ihm wurde mehrmals schlecht und er versuchte die Fenster offen zu halten. Es war kalt und der Druck des Schals half nicht. Der Fahrer schien mehr froh zu sein, als sie endlich da waren und er Victors kleine Gepäcktasche aus dem Kofferraum holen konnte und sich nach der Bezahlung verabschieden konnte.
      Victor brummte und verabschiedete sich höflicherweise, rieb sich die Augen und drehte sich dann um. Das Haus, welches er ersteigern konnte stand komplett leer. Eine Einbauküche war zwar drin, jedoch musste man wahrscheinlich das ein oder andere ersetzen. Seine Möbel waren schon da und der Schlüssel, den Victor der Firma überlassen hatte, lag im Postfach.
      Er öffnete die Tür und betrat das Haus. Es war alt, hatte aber einen gewissen Charme. Eigentlich war es auch zu groß für ihn und er war definitiv nicht in der Lage sich um so ein Haus kümmern zu wollen. Doch der Kauf des Hauses war aus Frust. Hier in Alaska waren sie billig und eigentlich hatte Victor schon immer den Traum gehabt ein großes Haus zu besitzen. Es war kalt im Haus. Ohne die Schuhe auszuziehen lief er rein und schloss gleich als erstes die Fensterläden, dunkelte alles ab und schlürfte hinauf in das Schlafzimmer in dem bereits ein riesiges Doppelbett stand. Victor schüttelte den Kopf. Er war ein Idiot sich ein so großes Bett zu kaufen. Er war in vielen Punkten ein Idiot gewesen. Erschöpft setzte er sich auf die ebenfalls nackte Matratze und beugte sich vor, hielt den Kopf fest und atmete tief durch.
      Ein neues Leben, in einer neuen Stadt. Er sollte heute Nacht vielleicht ausschlafen, bevor er morgen seinen ersten Arbeitstag antreten sollte. Besonders erpicht war er nicht darauf, doch er hoffte, dass er vielleicht eine gewisse Routine dadurch erhalten würde.

      Mit dieser Entscheidung und der Erschöpfung fiel er um auf dem Bett und schlief direkt ein. Weder hatte er sich groß ausgezogen, noch irgendwie anderes in dem Haus gemacht. Morgen würde er damit anfangen. So wie er es sich seit einem Jahr schon sagte. Morgen wird ein anderer Tag.
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      Naira O‘Connor

      Der Wecker klingelte laut und holte die Schwarzhaarige unsanft aus dem Schlaf. Normalerweise hatte Naira kein Problem damit morgens aufzustehen, obwohl sie eigentlich gerne eine Langschläferin war, aber inzwischen hatte sie sich einfach an das frühe Aufstehen gewöhnt und das obwohl es morgens genauso dunkel war wie abends. In Alaska schien tagsüber nicht wirklich lange die Sonne, manchmal sah man sie überhaupt nicht durch die dicke Wolkendecke, aber es war kein Problem sich daran nicht zu gewöhnen, zumal Naira auch seit Kindesalter an in der verschneiten Landschaft lebte. Ihr Blick ging aus dem Fenster raus und ein Lächeln bildete sich auf den Lippen. Es schneite wieder einmal und auch dieses Mal sah es bezaubernd aus. Viel Zeit hatte die Dunkelhaarige jedoch nicht, um sich an dem Ausblick zu erfreuen, denn eine warme, feuchte Nase quetschte sich unter die Decke und eine warme Zunge leckte über ihre nackten Füße. „Spike“,ertönte es in dem Raum und es folgte ein Lachen, denn Naira war kitzelig an den Füßen. Ihr grau-weißer Husky hatte nicht vor aufzuhören, er wusste genau wie er sein Frauchen ärgern musste, um das zu kriegen, was er wollte: Essen. „Kriegst ja dein Frühstück“,sagte die Dunkelhaarige und stand langsam auf, nachdem der Hund von ihr abließ. Sie griff nach ihrem Morgenmantel und lief in dicken Socken in die Küche rüber. Sie besaß keine große Wohnung, meistens war die Frau selten zuhause und öfter bei ihrer Mutter, ein Haus war einfach viel zu groß für sie. Die Wohnung über der einfachen Frühstücks- und Mittagsbar reichte für die Bedürfnisse der beiden vollkommen aus. Zwei Zimmer, eine Küche und ein großes Badezimmer, was brauchte sie mehr?
      Spike bekam seine Portion Essen und machte sich darüber hinweg, während sich Naira einen Kaffee machte und unter die Dusche schlüpfte. Vor der Arbeit wollte die Dunkelhaarige ihrer Mutter ein Besuch abstatten, weshalb sie früher aufgestanden war und sich natürlich ein wenig beeilen musste.

      „Ich glaube bei dir werde ich nie Enkelkinder erwarten können.. eher würde Samantha ein Baby mit nach Hause nehmen“. „Mom!“, kam es aus der Ecke des Zimmers, im welches sich Sam für die Schule vorbereitete. „Du muss nicht so übertreiben, Mutter“,sagte die Dunkelhaarige sanft und nippte an ihrem Kaffee, der ziemlich heiß war. Das Thema gab es ziemlich oft, denn eigentlich wollte Nairas Mutter seit Jahren Enkelkinder haben, im Gegensatz zu Naira selbst. „Du kannst doch nicht erwarten, dass Sam mit ihren siebzehn Jahren ein Kind nach Hause bringt“. Der Altersunterschied zwischen den Schwestern war enorm gewesen, das merkte man auch häufig bei ihren Auseinandersetzungen, obwohl sich Naira immer als die klügere ausgeben wollte konnten diese leider nicht verhindert werden. „Ich verstehe nicht, was sie hat“, kam es von Sam, die sich inzwischen ihre Schuhe zu schnürte. „Soll ich dich fahren?“,fragte Naira und sah ihre Halbschwestern an. Diese sah aus dem Fenster und runzelte ein wenig die Stirn, während sie wohl darüber nach dachte. „Gerne“, kam es schließlich von ihr und keine fünfzehn Minuten später saßen beide in dem Auto. Naira kümmerte sich gerne um ihre Familie, vor allem seit dem ihr Vater nicht da war. „Die hat echt einen an der Waffel“,fing Sam an und streichelte Spike, der sich hinten breit machte. „Sie ist einfach alt“,erklärte Naira,obwohl sie genau wusste, wie ihre Mutter drauf war. „nein, die hat einen an der Waffel“,widersprach ihre Schwester. Die restliche Fahrt über fragte Naira ihre Schwester ein wenig aus, bis sie diese vor der Schule absetzte und langsam selbst Richtung der Arbeit fuhr. Ein Seuftzer verließ ihren Mund, der Schnee ließ auch wirklich nicht nach.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."


    • Nur gequält und murrend schaffte es Victor aus seinem Bett. Eine gute Sache hatte es gehabt ohne Decke einzuschlafen. Sie wäre der einzige Grund gewesen sich wieder zu verkriechen und darunter zu bleiben. Doch heute nicht.
      "Komm schon...", brummte Victor. Seine Stimme war noch kratzig, doch er war daran gewöhnt früh wach zu sein und fast gar nicht zu schlafen. Damals, als noch alles okay war und sein bester Freund an seiner Seite stand, hatte es sogar Spaß gemacht so früh aus dem Bett zu springen und die Verbrecher zu jagen. Doch jetzt war es eine reine Qual.
      Es dauerte bis er sich aufgesetzt hatte. Der Kater war halbwegs verflogen, er fühlte sich sogar zu nüchtern, dachte er einen Moment. Dann stand er auf und ging in Richtung Badezimmer. Es war riesig mit einer Eckbadewanne, die locker Platz für zwei Personen hätte.
      Kurz verzog er das zerknautschte Gesicht. Er wollte nicht auf sein Konto schauen nach dem Kauf.
      Unfreiwillig zog er Schuhe, Hose und auch Hemd ab, sowie alles andere. Die Kälte, weil er noch keine Heizungen angemacht hatte, fraß sich unter die Haut. Ein leichtes Zittern bebte durch seine Finger, als er unter die Dusche stieg und langsam das heiße Wasser aufdrehte. Er musste arbeiten, sonst würde er das hier alles nicht verzahlen können.
      Die Dusche war hauptsächlich nur der Marmorboden mit einem Abfluss in der Mitte, einen großen Duschkopf darüber und Glaswänden rundherum. Luxus würde man sagen. Doch Luxus für den Victor keine Augen hatte in diesem Moment.

      Die Dusche ließ ihn halbwegs aufwachen und sich frischer fühlen. Er wagte es sogar in einer Tasche nach seinem Rasierer zusuchen, um den Bart zu trimmen. Er bürstete sich die Haare und richtete sich her.
      "Tsk...Sehe fast schon lebendig aus...", scherzte er, als er sich in dem Spiegel über dem Waschbecken sah. Doch er beließ es dabei und suchte in dem Schlafzimmer, das wie jedes andere Zimmer voll gestellt war mit Kartons, seine Klamotten. Er fand sie in einem der Kartons und zog eine Jeans, Schuhe und einen Pullover heraus. Der kurze Test, an dem alten Hemd zu riechen, sagte ihm, dass er auch ein neues Hemd brauchte. Es dauerte einen Moment, doch dann war er fertig, warf sich nur noch einen schwarzen Mantel über, der ihm durch die Kälte helfen sollte und ging schließlich raus.
      Die Tür fiel hinter ihm zu und im selben Moment zuckte Victor noch zusammen. Es war kalt. Zu kalt. Die Schultern angezogen blickte er grimmig über die kleine Veranda hinweg. Auf den Straßen lag Schnee und die Menge war nichts im Vergleich was er in den großen Städten gesehen hatte. Instinktiv steckte er die Hände in die Manteltaschen.
      "Scheiß Wetter...", knurrte Victor in den Kragen. Er hatte nicht wirklich vorgesorgt, war mehr mit Trinken und dem Selbstmitleid beschäftigt. Doch aus dem Loch musste er raus. Er musste raus, musste arbeiten.
      Er war kaum 10 Minuten gelaufen und merkte schon, dass es eine blöde Idee war überhaupt rauszugehen. er hatte noch keinen Wagen und auch keine gute Winterkleidung. Er war nicht an dieses Wetter gewöhnt und nicht an diese Dunkelheit. Deswegen kam er noch zerknirschter, auch wenn noch warm, weil er letztlich ein Taxi genommen hatte, am neuen Revier an. Es war nicht groß und die Männer und Frauen darin sahen kaum erfreuter aus, als er. Doch es war die Atmosphäre, die ihn etwas aufatmen ließ. Er mochte Uniformen, mochte die Disziplin. Es war sein zu Hause.
      "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?", eine junge Frau, kaum 1,70m groß, kam zu ihm und lächelte freundlich. Sie war wahrscheinlich noch in ihrer Ausbildung und durfte die Sekretärin spielen.
      Victor musterte sie einen Augenblick ohne das Lächeln zu erwidern. Sein Blick fiel auf eine Uhr an der Wand, dann sah er wieder zu ihr. "Ich bin Detective Parker aus...Brooklyn. Ich wurde hierher versetzt und heute ist, na ja, mein erster Tag."
      Sie sah ihn mit fragendem Gesichtsausdruck an, als würde sie nicht verstehen was er sagte, doch dann hob sie aufmerksam den Kopf und schnappte sich einen der Dienstälteren, der mit einem müden Gesicht Victor musterte. Victor glaubte schon fast, dass er hier falsch sein könnte, so wie sie alle schauten, doch dann schien der Geistesblitz zu kommen.
      "Ach, natürlich. Guten Morgen.", der Mann hielt Victor die Hand vor. Wettergegärbt und hart. Der Händedruck stark und selbstbewusst. Der Mann war wahrscheinlich noch kurz vor der Rente, doch er sah fit aus. Fit genug Victor schließlich durch die Tür mitzunehmen nach hinten in das Großraumbüro. Ein Mittelgang erlaubte es bis ganz nach hinten zum Büro des Captains und zu den Toiletten zu kommen, als auch zu all den wichtigen Verhörräumen und Auffenthaltsgelegenheiten. Abzweigend davon liefen schmalere Gänge zwischen Tischen hindurch, die immer paarweise zueinanderstanden und damit die Arbeitsplätze bildeten. Noch war nichts los. Zu mindestens für Victor sah es so aus, als würde noch nicht einmal Beginn der Arbeitszeit sein.
      Der Polizist führte Victor hindurch zum Captain und klopfte an die Tür.
      "Wir freuen uns Sie bei uns zu haben.", der Mann lächelte über beide Backen und ließ Victor hinein gehen. Ihm war noch immer kalt und er glaubte nicht, dass er auch nur halbwegs freundlicher aussah, als gestern beim Besteigen des Fliegers. Wahrscheinlich grinste der ältere Mann vor allem, weil er Victor ansah, dass er in Alaska neu war.
      "Willkommen in Anchorage, Detective."
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      Naira O‘Connor

      Die Dunkelhaarige betrat ihre Arbeitsstelle und zog sich sofort die dicke Jacke aus, denn die Heizung heizte gut im Revier. „Morgen Mary“,begrüßte sie die junge Frau am Empfang,diese schenkte ihr ein Lächeln. Nairas Weg führte sie direkt weiter in den Gemeinschaftsraum. Er war der Mittelpunkt der Arbeit, hier gab es einen großen Kühlschrank, mehrere Schränke, eine Kaffeemaschine und einen großen Tisch mit Platz für viele Personen. Die Kaffeemaschine war die beste Anschaffung, die das Revier beschlossen hatte, jedenfalls ins Nairas Augen. Sie liebte es Kaffee zu trinken, vor allem so einen guten aus einer teuren Maschine. Irgendetwas mussten die Mitarbeiter ja zurück bekommen, schließlich leisteten diese viel guter Arbeit. Mit dem Kaffee in der Hand führte ihr Weg sie eigentlich in ihr Büro, aber auf dem Weg wurde sie leider von ihrem Vorhaben abgehalten. „Morgen O‘Connor“, hörte die Dunkelhaarige und seufzte laut. „Morgen Spinner“,murmelte sie und ihre gute Laune verflog wieder. Vor ihr stand Jack Baker, ein 1.90 großer Mann mit breiten Schultern und blonden Haaren. Naira hatte den Fehler begangen und war mit ihm ausgegangen, seit dem gab Jack ihr keine Ruhe. „Du siehst gut aus heute“, kam es von ihm, während die Dunkelhaarige ihren Weg in ihr Büro aufnahm. „Das kann ich bei dir nicht sagen“,murmelte sie. Eigentlich wollte sie nicht so zickig sein, aber das rote Hemd des blonden Polizisten war nicht gerade das tollste an ihm. „Ah kom schon“. Er schnaubte und verzog sein Gesicht zu einer Miene, die an einen Dackelblick erinnern sollte, war aber mehr schlecht als recht. Im Büro gab es zwar keine Vorschrift was die Kleidung anging, Naira trug selbst auch nur eine schwarze Hose und ein hellblaues Hemd, mit der Waffe an ihrem Gurt, aber das knallige rote Held müsste man verbieten. „Das Hemd ist grausam“,kam es seufzend von Naira und eigentlich wollte sie weiter sprechen, doch eine Stimme hinter ihr unterbrach sie. „O‘Connor?“,hörte sie und drehte sich um. Während Naira einen Schluck ihres Kaffees nahm musterte sie den älteren Herr,der für sein Alter sehr fit war. „Der Captain will dich“, sagte er und bekam von der Dunkelhaarigen einen Seufzer. Was wollte der Captain wieder von ihr? Sie wollte doch einfach nur die Ruhe bei der Arbeit..
      Langsam machte sie sich auf den Weg zu der Tür und klopfte kurz an, bevor sie sanft das Büro betrat. „Captain?“, fragte Naira und hielt ihre Tasse in der einen Hand, während die Türklinke in ihrer anderen Hand lag.
      Ihr Blick sah zwar zu dem Captain,doch der fiel sofort zu dem rothaarigen Herren, der ihr neu war. Sie konnte sich nicht daran erinnern, ihn jemals vorher gesehen zu haben, aber Naira konnte sich auch kaum vorstellen, was der Kerl hier wollte. Interessiert betrat die das Büro und schloss die Tür hinter sich, um auf die Erklärung zu warten.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."


    • Victor stand mit verschränkten Armen im Büro seines neuen Captains. Es war nicht schlicht eingerichtet. Ganz im Gegenteil war es imposant und voller Auszeichnungen und einem warmen Ambiente, welches die dunklen Holzmöbel und das dunkle Leder auf zwei breiten Sesseln vor dem Eingang ausmachten.
      Victor jedoch ließ sich immer noch nicht aufwärmen. Klar, die Fahrt im Taxi war wärmer, als draußen zu laufen und auch hier im Revier spürte er, wie die Heizungen gegen die mörderische Kälte da draußen arbeiteten. Es reichte aber nicht und er war sich auch sicher, dass es weniger an der Temperatur lag, sondern aufgrund seines eigenen Befindens. Wobei, wenn er das auch nur jemanden erzählt hätte, dann würde man ihn wohl als feinfühliges und sensibles Mädchen abstempeln. Was er natürlich nicht war.
      Er war stolzer Amerikaner, der durchtrainiert genug war und auch groß genug. Selbst die Intelligenz hatte bei ihm gut funktioniert. Jetzt mit der Zeit hatte er sich vielleicht die ein oder andere Schicht Fett angetrunken. Das Trainieren war im depressiven Zustand kaum noch möglich gewesen.
      "Guten Morgen, Detective Parker. Schön, dass wir Sie hier begrüßen können. Man hat uns schon gesagt, dass Sie heute ankommen sollten. Und dann auch noch so pünktlich."
      Der Captain, der zuerst am Tisch saß und bei Victors Eintritt einige Papiere bei Seite schob, stand nun auf und ging um den massiven Schreibtisch herum. Der Captain war eine sie. Eine Frau mittleren Alters mit einem klugen und scharfsinnigen Blick. Ihre Gesichtszüge verrieten die Ernsthaftigkeit und ihre Ausstrahlung unterstrich ihren Status. Trotzdem schaffte es Victor nur ein Brummen von sich zu geben, wohlwissend, dass es unhöflich gegenüber einem Ranghöheren war.
      "Mein Name ist Susan Ramirez. Ich bin der Captain des Reviers und heiße Sie ebenfalls noch einmal willkommen. Ich warne Sie aber gleich vor, so einen Zirkus wie drüben in Brooklyn gibt es selbst in Anchorage nicht.", sie lächelte und selbst dieses wirkte mehr professionell, als warmherzig. Victor musterte sie. Sie stand in einem Anzug da, ein gerade Stand, man sah, dass sie trotz des Alters weiterhin trainieren ging. Ihr Lächeln wurde süffisanter, als sie den polizisten darum bat eine gewisse O'Connor in ihr Büro zu holen. Davon hatte Victor schon gehört und er konnte sich noch immer nicht mit dem Gedanken abfinden, dass er einen neuen Partner haben würde und dazu kam noch, dass dieser weiblich sein sollte. Nicht, dass er etwas gegen Frauen in diesem Job hatte, nein, sie waren sogar eine gewisse Erleichterung und Ablenkung vom ganzen Männerhaushalt, der in manchen Revieren vorhanden war. Trotzdem hatte der Gedanke einen Beigeschmack. Wahrscheinlich lag das auch daran, dass es bei Victor schon lange her war, dass er eine Beziehung geführt hatte. Er war an sich immer nur mit seinem Job beschäftigt und die letzten Frauen hatten ihn genau wegen dem verlassen gehabt. Sie konnten nicht damit leben.
      "Parker, Sie können heute den Tag ganz ruhig angehen. Es ist nicht wirklich viel los hier und es dürfte für sie ein angenehmer Start werden in die Karriere.", sagte Ramirez, bevor sie zur Tür aufsah, als diese aufging und die gewünschte Person eintrat. Bis jetzt hatte Parker nicht viel gesagt und verblieb auch sah. Interessiert sah er jedoch hinter sich und musterte die junge Frau, die eintrat. Sie war ein wenig kleiner als er, hatte schwarze lange Haare und stechend blaue Augen. Kurz blickte Victor skeptisch drein und wandte sich wieder an den Captain. Sollte das seine Partnerin werden? Nicht, dass sie sich einen Fingernagel brach..., dachte sich Victor. Doch Ramirez lächelte weiterhin und begrüßte erst einmal die Frau nun neben Victor. Er entspannte sich jedoch langsam sichtlich, auch angesichts der Kälte. Trotzdem sah man ihm eine gewisse Müdigkeit weiterhin an.
      "Guten Morgen O'Connor. Ich muss mich leider entschuldigen, dass Sie es erst heute erfahren dürfen. Aber ich möchte Ihnen ihren neuen Partner vorstellen. Detective Parker aus Brooklyn. Er wurde versetzt zu uns und wird nach einer längeren Pause wieder in den Dienst hier eintreten."
    • Naira O‘Connor

      Ihr Blick löste sich von dem Rothaarigen erst, nachdem sie wahr genommen hatte, was ihr Captain gesagt hatte. Eine Unsicherheit machte sich in ihr breit, immerhin hatte Naira darum gebeten alleine zu arbeiten. Sie war ein Teamplayer, natürlich, war eine der Vorraussetzungen um beim FBI oder der Polizei zu arbeiten, aber mit den Partnern war es immer so ein Ding gewesen, dazu noch mit männlichen. Mit Jack hatte sie es schon versucht gehabt und es scheiterte an seinem Interesse zu ihr. Sonst hatte sie auch noch weitere Partner gehabt, vieles endete mit einem gewissen Interesse, bei welchem man sich einfach nicht mehr auf die eigene Arbeit konzentrieren konnte, von dort an hatte die Dunkelhaarige eigentlich darum gebeten, einen weiblichen Partner zu bekommen, warum Captain also dachte es wäre perfekt diesen rothaarigen Herren ausgerechnet Naira zuzuschreiben war ihr fremd. Nun, sie war eine der besten, hatte einen hervorragenden Abschluss und bekam bei dem Abschluss der FBI-Akademie, wofür sie für eine gewisse Zeit nach Quantico zog, aber da konnte sich die Dunkelhaarige noch leisten, von Zuhause weg zu sein.
      „Freut mich“,sagte sie mit einem kurzen Nicken zu dem Rothaarigen und ihr Blick musterte den Captain für einen Moment. „Soll ich ihn rumführen und einweisen?“. Anstatt einer Antwort bekam sie ein kurzes Nicken und am liebsten wäre sie schreiend rausgelaufen,reagierte aber vollkommen gelassen, mit dem Captain diskutierte man nicht. „Dann komm mal mit, ich habe Spike im Auto und wollte meine Runde drehen“,sagte sie an den Rothaarigen gerichtet, obwohl ihr Blick noch immer an dem Captain hing,als würde sie sich erhoffen, dieser würde es als einen Scherz darstellen lassen. Neuling, Mann, grimmig dazu.. mit einer lebensfrohen hübschen Dame, das passte super zusammen. Was man sich dabei eigentlich gedacht hatte?
      Nach einem kurzen Zunicken wandt sich Naira vom Captain weg und machte sich auf in Richtung ihres Büros. Sie wollte nach Unterlagen schauen,bevor sie ihre Runde drehte. Ob ihr neuer Partner ihr gefolgt war, achtete sie nicht drauf, wenn sie gleich rauskommen würde, würde sie ihn schon wieder finden, aber vielleicht war er an einem Blick auf sein neues Büro interessiert, immerhin hatte Naira ja genug Platz an dem zweiten Schreibtisch..
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die Motivation schien nicht gerade zu sprudeln, das erkannte selbst Victor, der hin und wieder den Blick senken musste und sich mit der Hand über die Augen fuhr. Er war weiterhin müde und auch wenn es einen Tag her war, dass er getrunken hatte, so fühlte er sich noch etwas belegt. Außerdem hatte er das Gefühl bald schon zu nüchtern zu sein, um überhaupt mit jemandem reden zu können oder zu wollen. Er fing noch das Nicken der jungen Polizistin auf. O'Connor war hübsch und damit vielleicht zu hübsch für den Dienst. Nicht, dass er unbedingt auf ein Schäfchenstündchen aus war, er hatte schon immer einen großen Bogen um Kolleginnen gemacht. Ihn machte er die Arbeitskraft sorgen und ob diese genau so groß war, wie bei ihm. Er hätte sein Leben gegeben. Für jeden. Für ihn. Victor wandte sich ab und hatte in dem Moment Glück, als die Welle der Ängste ihn wieder übermannen wollte. O'Connor hatte sich dazu erklärt ihm den Block zu zeigen und auch seinen Arbeitsplatz und war damit mit dem Rücken zu ihm gewandt aus dem Zimmer gegangen. Gegenüber dem Captain hatte Victor den Rücken zugewandt und kniff die Augen zusammen. Sein Atem stockte in dem Augenblick, weil er das Zittern unterdrücken wollte. Es dauerte nur wenige Sekunden und er konnte sich halbwegs fassen, bis sie durch die Tür hindurch waren. Das Gesicht eines toten Freundes war kein schöner Anblick und hatte sich wie Säure in seine Netzhaut eingeätzt.
      Schlürfend kam er seiner neuen Arbeitspartnerin hinterher aus dem Büro und lief ihr nach. Wirklich ein Wort hatten sie nicht gewechselt und die Freude lag wohl bei beiden begraben, auch wenn es die junge Frau versteckte.
      Langsam ließ er sich ihre Worte durch den Kopf gehen.
      >>Spike ist im Auto...meine Runde drehen<<
      Schlagartig wurde es Victor bewusst, dass sie damit mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Hund meinte und den Lauf um den Block tatsächlich. Gassigehen in dieser Kälte? Victor schauderte es. Er hasste Alaska.
      Still folgte er der Frau zu ihrem Platz und sah sich dabei doch ein wenig um. Die Männer und Frauen hier waren gewöhnt an diesen ruhigen Job. Niemand rannte groß umher und keiner fühlte sich gehetzt. Alle sahen aus, als würden sie den Tag locker hinter sich bringen dürfen ohne große Fälle. Ob sie jemals in ihrem Land so etwas wie einen Mord hatten? Wahrscheinlich nicht, deswegen hatte man ihn auch hierher versetzt und er hatte auch noch zugesagt in ein anderes Land dafür zu ziehen.
      Ein Grummeln entwich seiner Kehle. Als sie an ihrem Tisch waren und Victor den leeren nebendran sah, nickte er. Das war also sein Platz. Ganz toll.
      "Keine Angst...Die Freude ist ganz meinerseits.", nuschelte er mit kratziger, tiefer Stimme in den Bart hinein, jedoch in ihre RIchtung, so dass sie es zumindest verstehen konnte.
    • Naira O‘Connor

      „Wenn du dich bei Jack Baker meldest,besorgt er dir einen PC, wenn du einen brauchst.. mein vorheriger Partner hatte einen Laptop, deshalb steht keiner hier“,sagte Naira sanft und nahm einen Schluck ihres Kaffees,bevor die Tasse ihren Platz auf dem Schreibtisch fand. Der Schreibtisch der Dunkelhaarigen war recht ordentlich und fast schon leer. Es befand sich ein Computer auf diesem, ein Stapel Akten und der Kaffeebecher, keine Fotos oder Blümchen, darauf verzichtete sie gerne. Es würde sie einfach nur zu sehr von der Arbeot ablenken.
      „Eigentlich hatte ich um keinen männlichen Partner gebeten.. schlechte Erfahrungen bisher“, sagte sie und drehte sich zu dem Rothaarigen um, um ihn ansehen zu können. Freude war scheinbar auf beiden Seiten nicht wirklich vorhanden. „Kann ich Victor sagen, oder soll ich dich beim Vornamen nennen?“, fragte sie noch hinterher und griff sich ihre Jacke, um sie anzuziehen, Naira hatte ja noch etwas vor. Es folgte ihr dicker Schal. „Du wirst erfrieren, wenn du dir keine ordentlichen Schuhe und Jacke holst..“,sagte sie und deutete auf die Kleidung ihres neuen Partners. Heute war wieder einer dieser Tage, an denen es wirklich kalt war auch für die, die sich eigentlich an die Temperaturen gewöhnt hatten. Naira selbst hatte mit Kälte nur wenige Probleme, eigentlich selten welche, aber heute war wieder ein Tag, an dem auch sie frierte.
      Nach der Bemerkung deutete die Dunkelhaarige mit einer Kopfbewegung Richtung Tür und nahm auch den Weg raus. Er führte sie direkt vor die Tür, dort stand auch ihr SUV, denn mit einem anderen Auto würde man hier nicht weit kommen. „Spike!“,rief sie kurz und ein Köpfchen sah aus dem Fenster des blauen Geländewagens. Während die Nase des Huskys an der Scheibe klebte, sah man seinen Atem an ihr. Mit einem kurzen Griff in die Jackentasche öffnete sich das Auto und Naira öffnete die Tür. Ihr treuer Begleiter sprang sofort raus um sich dann die Beine zu vertreten. Ein Lächeln bildete sich auf den Lippen der Blauäugigen, ihr bester Freund hatte einfach deutlich viel Spaß im Schnee. Ein Blick hinter sich sollte ihr zeigen, ob der Rothaarige ihr gefolgt war, damit sie zu dritt los konnten.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor grummelte wieder leise, als er den Schreibtisch ansah. Ein Computer würde vielleicht schon helfen. Er selbst war zwar kein großer Technikmann, aber über das ein oder andere erfreute er sich doch, um das weite Internet durchsuchen zu dürfen und auch um auf die Datenbanken zugreifen zu können. Außerhalb reichte ihm sein Handy meistens aus. Das Smartphone war groß genug und konnte alles was ein Computer eigentlich heutzutage leistete.
      Dass er sich später bei einem Jack Baker melden sollte, vernahm er und steckte die Information mental auf einem kleinen Zettel vermerkt in eine hintere Ecke. Er war nicht bereit zu arbeiten. Nicht jetzt, ihn drängte die Kälte dazu einen Schluck Alkohol zu sich nehmen zu müssen.
      Als sie dann meinte, dass sie eigentlich einen weiblichen Partner erwartete, sah er auf und musterte sie sichtbar. Natürlich hatte sie das erwartet: "Man kriegt aber nicht immer was man will...", entgegnete er etwas leiser, dennoch verständlich. Er meinte es aber auch nicht böse. Es galt auch für ihn, dass man nicht immer das bekam, was man sich wünschte. Victor beließ es jedoch dabei und erlaubte ihr im Nachhinein ihn auch bei seinem Vornamen zu nennen. Parker war ein viel zu gängiger Name, nicht das Victor unbedingt speziell war, aber seinen Nachnamen konnte er noch nie wirklich leiden. Meistens hatte man dann auch noch 3 weitere Polizisten die Parker hießen.
      "Victor reicht aus...", setzte er noch an, forderte er nicht unbedingt ihren Vornamen zu wissen. Seine Kooperation hinkte auf einem Bein. Je weniger er von ihr wusste, desto besser eigentlich für beide Kontrahenten. Sie wollte dass hier keine Probleme auftraten und Victor auch nicht. Vielleicht wäre es zu persönlich geworden, wenn er ihren Namen auch noch gefordert hätte. Dass er zwar auf den Unterlagen stand, die ihn kurz vor der Reise einweisen sollten, das ignorierte er. Er erinnerte sich auch nicht mehr wirklich daran.

      "Ich bin erst gestern Abend angekommen...", erklärte Victor schließlich, als Naira seine Kleidung ansprach. Es war ihm selbst sehr wohl bewusst, dass er viel zu wenig anhatte und auch nicht wirkliche Funktionskleidung, sondern das, was man bei einem milden Abend in der Großsstadt nun einmal tragen konnte ohne behindert zu werden und ohne zu erfrieren.
      Doch er folgte ihr. Er musste wahrscheinlich, denn dem Captain wollte er nicht unbedingt als schlechter Detective erscheinen. Noch nicht.
      Draußen standen sie dann erst an einem SUV und auf das Rufen des Frauchens sprang ein Hundekopf vor. Ein Husky, der freudig darauf wartete raus kommen zu können. Victor legte den Kopf schief. Er hatte sich schon oft überlegt einen Hund zu zulegen, doch so viel Zeit hatte er nicht für ihn gehabt, weswegen er es am Ende dann doch auf sich beruhen ließ.
      Victor fing ihren Blick auf, als sie zurücksah und holte dann auf, die Hände wieder im Mantel vergraben und die Nase vor der kalten Luft hinter dem Kragen schützend.
      "Grauenvolles Wetter...", brummte er unzufrieden. Nicht nur wegen der Kälte. Es war weiterhin noch stockdunkel.
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      Naira O‘Connor

      Huskys waren in Augen der Dunkelhaarigen wunderschöne, wolfsähliche Geschöpfe, von denen sie nicht genug bekommen konnte. Gerne sah Naira ihrem besten Freund zu, wie dieser sich im Schnee amüsierte und vergaß schon fast die Aufgabe, die sie eigentlich hatte. Ihr Blick ging nach hinten zu ihrem neuen Partner, der ihren Blick erwiderte. Sie konnte sich nicht vorstellen, wie er hier überleben sollte, aber sie würde ihr bestes geben, um ihm Alaska und seine gewissen Vorzüge ein wenig schmackhafter zu machen. „Victor, das ist Spike“,sagte Naira kurz und deutete mit dem Kopf zu ihrem Hund. „Spike, das ist Victor..mein neuer Partner.. ihn wirst du wahrscheinlich öfter treffen“. Die Dunkelhaarige zeigte auf Victor und bekam für einen kurzen Moment die Aufmerksamkeit ihres Vierbeiners. „ah übrigens.. ich bin Naira.. die anderen nennen mich O‘Connor, wahrscheinlich um meinen Vater zu ehren, aber du kannst mich nennen wie du willst“. Ein Lächeln bildete sich auf ihren Lippen und sie streckte ihre Hand aus, um die Vorstellung vollkommen zu machen. Ihre Gedanken schweiften kurz zu ihrem Vater, er hatte die Polzeiakademie beendet und war eine sehr lange Zeit hier in Alaska stationiert, bevor er sich von Nairas Mutter getrennt hatte und wonanders hingezogen war. „Komm, ich zeige dir ein wenig die Stadt, damit du Bescheid weiß“. Spike horschte sofort und heftete sich ohne weiteres an das Bein seines Frauchens, während er die Straße im Blick hielt. Spike hatte sich daran gewöhnt den Polizeihund zu spielen und blühte in seiner Rolle vollkommen auf.
      In Ruhe lief Naira los und zeigte ihrem neuen Partner die mittelgroße Stadt in Alaska. Sie zeigte ihm den Bäcker, einen der Supermärkte und auch die Straße mit vielen Einkaufsmöglichkeiten. Es grüßten sie einige Menschen, musterten neugierig den Herren neben ihr und fragten auch nach dem Tag oder wandten sich an Spike, der wirklich beliebt war. „Es gibt nicht oft etwas großes zu tun..wir kennen uns untereinander recht gut in der Stadt, häufiger sind Außeneinsätze in der Umgebung oder kleinere Einsätze..“,erklärte Naira während des Rundgangs. „Wir haben auch ruhige Arbeitszeiten und wenig Stress..“. Sie liefen an einem kleinen Bäcker vorbei und von draußen roch man den frischen Kaffee. „Lust auf einen?“,fragte sie und deutete mit dem Kopf auf den Bäcker.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor nahm die Hand der jungen Frau an und schüttelte sie knapp mit einem angenehm festen und bestimmten Händedruck, bevor er sich nickend zu dem Hund wandte. Er beließ es dabei ihn nur anzusehen und auf Abstand zu halten. So sehr er selbst einen Hund gerne gehabt hätte, so sehr mochte er auch den Abstand zu fremden Tieren.
      Spike schien wie ein gut abgerichteter Hund zu sein, den den Befehlen ohne groß zu maulen auch folgte und sie ohne einen Fehler ausführen wollte. Huskys waren kluge Tiere und lernten sehr schnell in der Nähe von Menschen. Aber die Hand nach dem Tier auszustrecken würde Victor dazu nötigen die Hand in die Kälte zu lassen und das wollte er nicht.
      Sie gingen schon bald los und er folgte der neuen Partnerin, die sich mit Naira O'Connor nun vorgestellt hatte. Vorerst würde Victor trotz allem bei ihrem Nachnamen bleiben und das nicht wegen ihres Vaters, wer auch immer der Herr gewesen sein mochte. Sie durften gut und gerne Abstand zu einander halten. Vorerst nun einmal. Victor bezweifelte eh ganz stark, dass irgendwer seinen besten Freund ersetzen konnte und mit dem er ein genau so großartiges Team darstellte.
      Naira zeigte ihm die doch recht kompakte Stadt, die Menschen und den ein oder anderen Ort. Beim Supermarkt huschten seine Gedanken wieder zu einer guten Flasche Scotch, die er sich gönnen wollte nach dieser Kälte, doch er schlug sich mental auf die Hände. Er durfte nicht. Schnaufend blieb er mit ihr hier und da bei einigen Gesprächen stehen, notierte sich die fragenden und interessierten Blicke. Manche der Bewohner wollten sogar mit ihm reden und erfragten einige Fakten, um ihn höchstwahrscheinlich einschätzen zu können. Victor blieb auf Armlänge und kühl, jedoch höflich genug, um nicht gleich als der böse Cop abgestempelt zu werden.
      Als ihm Naira davon erzählte, dass nicht wirklich viel in dieser Stadt los war, musste sich Victor ein Lachen verkneifen.
      "Na...bei der Kälte, will sich ja auch keiner bewegen...Da erfriert man ja, bevor man einen gut geplanten Mord angehen kann...", ein Versuch eines derben Humors. Victor war kein lustiger Geselle und wenn er etwas von sich ließ, dann war es meistens nur noch traurige Wahrheit oder auf irgendeine Art und Weise nur noch verbittert.
      An einem kleinen Bäcker bot man ihm dann an hinein zu gehen. Fragend sah er zu ihr und dann zu dem kleinen Laden, der danach aussah, als würde ihn eine alte Großmutter führen, aber ihr ganzes Herzblut hineinbringen. Er brauchte nicht lange um zuzustimmen.
      "Alles was mich aufwärmt, ist gut.", erwiderte Victor und lief mit ihr hinein. Er taute ein wenig auf, wurde gesprächiger und auch die Müdigkeit und der Kopfschmerz waren langsam gewichen. Mochte vielleicht damit zu tun haben, das endlich am späten Mittag die Sonne sich zum ersten Mal zeigte.
      An der Theke bestellte er gleich zwei Kaffees und bezahlte diese auch. Er war meist derjenige der einem etwas zahlte, sich selbst ließ er ungern etwas ausgeben. An einem kleinen Stehtisch in der ecke mit Ausblick auf die verschneiten Straßen, stellte er die Kaffees ab und seufzte schwer.
      "Ich habe noch nicht alle Akten gesehen, aber hier scheint rein gar nichts zu passieren, was? Hmpf...das ist eine Umstellung."
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      Naira O‘Connor

      „Man gewöhnt sich an die Kälte“,sagte die Dunkelhaarige sanft. Dann fragte sie auch nach dem Kaffee und den Bäcker. Naira war zufrieden, dass ihr neuer Partner nicht lang zögerte und sich dafür entschied, reinzugehen. Auch ihr selbst wurde es vom stehen langsam kalt, wenn der Körper nicht in Bewegung war verspürte man die Kälte sofort.
      Der kleine Laden war halb voll, Naira wollte gerne Kaffee holen, aber der Herr kam ihr zuvor und bezahlte die Kaffees auch. Sie selbst war nicht jemand, der sich ständig gerne etwas bezahlen ließ aber sie sah es dieses Mal locker an und stellte sich einfach mit den an Tisch. „Danke“,kam es über ihre Lippen und der Geruch von frischem Kaffee ließ sie innerlich schon fast seufzen, sie war wirklich ein Kaffeejunkie.. Spike legte sich unter dem Tisch gemütlich hin und wärmte so ein wenig die Beine seines Frauchens. „Wir kennen uns untereinander meistens, da tut sich wenig, ich habe mehr Außeneinsätze,als wirklich hier in der Stadt,wobei man sagen muss.. im Sommer, wenn der Schnee geschmolzen ist und Touristen sich in der Stadt breit machen, haben wir öfter mal etwas zu tun.. Drogen, Alkohol, Partys..die Stadt ist ja ein wenig größer, als nur das,was du hier siehst, aber der Teil befindet sich in dem Industrieteil.. aber Mord passiert bei und äußerst selten.. ich kann mir vorstellen, dass es eine Umstellung ist..“. Mit beiden Händen ergriff die Dunkelhaarige ihre Tasse und nahm einen Schluck ihres Lieblingsgetränks. „Aber wir haben auch viele tolle Sachen hier.. wir werden in weitem Umkreis gerufen, da wir eigentlich weit und breit die einzigen Polizisten und Detectivs sind.. wir haben Hundegespanne, Polarlichter und kurze Arbeitstage“. Naira wollte sich nicht anmerken lassen, dass sie eigentlich gar nicht in Alasla arbeiten wollte,aber Familie ging nun mal vor.. sie wünschte sich öfter, etwas Spannendes zu erleben, Morde aufzuklären oder das anzuwenden, was sie erlebt hatte. Aber das Leben war kein Wunschkonzert und wie ihr Partner es vorhin gesagt hatte: man bekommt nicht immer, was man will.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Victor beugte sich schnaubend über seine Tasse Kaffee und brummte dem Danke seiner neuen Partnerin nur entgegen. Es gab keinen Grund sich zu bedanken, es war reine Höflichkeit und es ging in diesem Moment schneller. Er konnte es kaum erwarten seine kalten Finger, um die heiße Tasse zu legen und den Duft des Koffein spendenden Getränks zu inhalieren. Er beugte sich über den Tisch und senkte den Blick. Die Menschen um ihn herum waren ihm fremd und er fühlte sich unwohl. Die einzigen Male, wenn er wirklich hinaus musste und unter die Menschen, war, wenn er etwas zu Trinken sich gekauft hatte. Ein leiser Huster kämpfte sich hervor und er horchte wieder auf, was Naira ihm erzählte.
      Dass sie ihn unbedingt bestätigte darin, dass es hier absolut nicht und wieder nichts zu tun gab, ließ ihn die Mundwinkel verziehen. Das gefiel ihm nicht und er wollte das auch nicht wirklich einsehen. Er war überzeugt davon in Brooklyn weiter zu machen, als der Detective, der er war. Er war gut in seinem Job gewesen. Grimmig und direkt, doch er hatte eine hohe Erfolgsquote und diese wollte man ihm wohl nicht mehr gönnen und traute ihm auch nicht mehr, wie es schien, dass er sie halten könne.
      "Die wenigen Drogendelikte werden wohl kaum das Ruder reißen...", gab er von sich und nippte ein wenig von seinem Kaffee, der noch immer brühend heiß war und somit seine Lippe verbrannte. Zischend zuckte er zurück und schnaufte unzufrieden, sah weg vom Tisch und in die Ferne.
      Als sie ihm dann auflistete welche Dinge man hier unternehmen konnte, ließ es ihn kalt. So kalt wie das Wetter.
      "Ich bin eher so ein...Zuhause-bleiben-Typ.", erklärte er drumherum, um damit zu signalisieren, dass er auf jeden fall nicht bereit dafür war mit irgendwem etwas zu unternehmen oder gar darüber nachzudenken mit jemandem hier Spaß zu haben. Das hier machte keinen Spaß.
      Victor nahm wieder einen Schluck und diesmal schaffte er es sich nicht zu sehr zu verbrennen. "Was verleitet einen dazu außer die Faulheit hier zu bleiben?", er musterte sie kritisch bei der Frage, denn er konnte sich nicht wirklich vorstellen, wie diese ihn wieder in sein Arbeitsleben eingliedern sollte. Außerdem glaubte und wusste er auch noch nicht, weil er sich nicht ihre Akte unter den Nagel gerissen hatte und direkt durchgelesen hatte, dass sie mehr als nur eine einfache Polizistin war. Selbst Detective erschien ihm nur logisch, weil sie zusammen arbeiten sollten, aber ansonsten wirkte es weiterhin fehl am Platz, wenn er sie so ansah. Zu hübsch, zu ordentlich und irgendwie machte sie einen perfekten Eindruck, der ihm missfiel. Natürlich noch mehr missfiel angesichts der Tatsache, dass er ein depressiver, einsamer Mann war in einer neuen Lage in der er sich überhaupt nicht auskannte.
    • Naira O‘Connor

      Sie hatte es versucht.. Naira hatte fast alles von sich gegeben, was sie nur konnte um denn Herren Alaska vorzustellen, aber er war weiterhin mürrisch und so beließ sie es einfach dabei, versuchte es gar nicht weiter. Die Dunkelhaarige wollte ihre ganze Kraft nicht da rein stecken, das war nicht ihre Art, vor allem nicht bei so grimmig gelaunten Menschen. Auf der anderen Seite hatte sie schon ein wenig Verständnis für ihren neuen Partner gehabt, er kam hier her, das ist eine große Umstellung. Die Kälte und die Schneemaßen, dazu noch fremde Menschen und fremde Kultur, aber ein wenig offener musste er schon sein, sonst war er hier einfach nur fehl am Platz. Auch wenn Naira das Gefühl nicht verließ, er wäre hier auch mit einer anderen Einstellung fehl am Platz.
      Naira selbst war hier auch fehl am Platz, so fühlte sie sich jedenfalls. Sie war noch jung und verlor ihre Zeit hier,aber was sollte man schon dagegen machen? Auch wenn sie gerne die Weiten von Alaska sah, war es ihr auch kalt an vielen Tagen und vor allem langweilig. „Manchmal verleiten einen die eigenen Umstände dazu, etwas zu tun was man eigentlich gar nicht will“,sagte die Dunkelhaarige sanft auf die Frage ihres Partners hin und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee. Vermutlich verriet sie damit mehr, als es ihr lieb war, aber es war in ihren Augen eine gute und neutrale Erklärung dafür, was sie dazu verleitete, noch hier zu bleiben. „Aber nun, wir sind die einzigen Detectivs weit und breit, das ist doch mal eine Ehre“,sagte sie mit einem leicht sarkastischen Unterton und ließ Jack außen vor, denn er gehörte leider auch zu ihrer ‚Spezies‘ , aber dieser hatte sich mit seiner Rolle als Polizist ziemlich gut eingelebt und wollte dies am liebsten auch bleiben, so seine Erzählungen.
      Während der Hund ihre Füße schön warm hielt legte sich ihr Blick nach draußen und Naira beobachtete die Menschen draußen. Sie war sich unsicher, ob sie ihrem neuen Partner Fragen stellen sollte, manche Menschen liebten es über sich zu erzählen, aber bei den Bemerkungen und kurzen Antworten bisher ließ sie den Gedanken komplett ruhen und konzentrierte sich lieber auf den Kaffee. Es war besser, wenn sie einfach einen gewissen Abstand zueinander hatten, damit würde die Arbeit deutlich profitieren.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Naira hatte etwas an sich, dass Victor nicht ganz mochte, gleichzeitig aber auch etwas, dass ihn spüren ließ, dass die Arbeit miteinander funktionieren konnte. Es war verwirrend und er brauchte jetzt überhaupt nichts, dass auch nur ansatzweise verwirrend war. Sie war ruhig und sie schien es zu versuchen, ihm tatsächlich etwas zu zeigen. Damals, mit seinem besten Freund hätte er es wohl mit offenen Armen entgegen genommen und mehr geredet als jetzt. Doch er konnte sich kaum noch daran erinnern, dass er nachdem Vorfall zu irgendwem auch nur ein wenig nett war. Hier konnte er es nicht einfach so ablegen, als wäre er ein komplett neuer Mensch geworden. Nicht einfach so.
      Als Naira ihm erklärte, dass es eigene Umstände waren hier zu bleiben, musterte er sie weiterhin skeptisch. Es war eine sehr gute Antwort, sehr indirekt und bestimmt war es auch die Wahrheit, aber keine konkrete. Sie verriet nichts von sich aus. Erst jetzt fiel Victor ein, dass er ihre Akte durchlesen könnte. Er würde ein wenig mehr über sie erfahren, alles was die Polizei so wusste. Dass sie die junge Dame als FBI-Agentin entpuppen könnte, schien ihm fern. Natürlich musste er davon ausgehen, dass auch sie seine Akte in die Hand bekommen würde. Kein dünner kleiner Ordner. Victor hatte zu seiner Zeit in Brooklyn einiges mitmachen sollen, aber die Papiere, die ganz oben drauf und nun auch noch als erstes in der Akte lagen, wenn man sie öffnete, waren ein Untergang. Der letzte Fall war eine halsbrecherische Aktion gewesen. Sie hatten alles richtig gemacht. Sie waren bereit gewesen und keiner von ihnen sollte sterben...
      Victor verlor sich in Gedanken und seine Hände fingen anzuzittern, ihm fiel es scher aufzuatmen. Er fühlte sich nicht gut und änderte seinen Stand ein paar Mal. Dann fuhr er sich mit beiden Händen durch das Gesicht und durch den Bart, um sich konzentrieren zu können, doch der kleine Anfall verschwand nicht. Unruhig an Ort und Stelle, ballte er die Hände zu Fäusten, um das zittern zu unterdrücken. Vielleicht hatte man ihn ja deswegen in diese trostlose Eiswüste geschickt. Dann würde sein Zittern nicht so sehr auffallen. Victor sah nach hinten und suchte nach einem Ausweg, vielleicht eine Toilette, doch der kleine Bäcker besaß sowas nicht und Victor ließ seine Aufmerksamkeit auf den Kaffee fallen, nahm zwei große Schlücke und atmete noch einmal tief durch. Sein Herz beruhigte sich wieder. Es war alles gut, es war schon fast ein Jahr her. Er musste sich damit zufriedengeben, dass es nicht seine Schuld war.
      "Hmpf...Die einzigen...Vielleicht sollten wir zurückgehen...Ich muss meinen Schreibtisch einrichten.", Victor hoffte sehr, dass der kleine Anfall nicht zu auffällig war oder wenn doch, sie sich ihre Fragen verkneifte. Er hasste es ja selbst, aber konnte keine biologischen Reaktionen unterdrücken. Die Flucht zurück ins Büro würde ihm wenigstens die Chance geben sich hinter einem PC zu verstecken oder sic zu mindest mit etwas Arbeit abzulenken.
    • Naira O‘Connor

      Naira war gut darin, Kleinigkeiten zu erkennen und Menschen zu lesen, wobei man zugeben musste, dass es immer Menschen gab, die nicht zu lesen waren, so war Victor einer davon, wenn er es wollte. Vielleicht war aber auch nichts bei ihm zu erkennen? Die Dunkelhaarige erkannte sofort, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmte. Doch Naira legte den Kopf leicht schief und musterte ihren Partner,während ihre Lippen wieder in das heiße Lebenselixier tauchten. Sie beobachtete ihr Gegenüber in Ruhe, sagte und tat nichts zu dem, was sich bei ihm anbahnte. Schließlich ergriff er das Wort und mit einem kurzen Nicken bestätigte Naira den Vorschlag. Sie würde nicht nachfragen, jeder Blinde würde sehen, dass der Rothaarige nicht dazu gemacht war zu reden, vor allem nicht über Probleme und Naira steckte ihre Nasen in fremde Abgelegenheiten nur, wenn ihre Arbeit das wollte. Sie selbst war froh, wenn sie niemand mit lästigen Fragen belästigte und erwartete das gleiche, was sie tat: Zurückhaltung.
      „Komm Spike“,sagte sie und ihr Hund erhob seinen Kopf, um sein Frauchen anzusehen. „Wir gehen“,fügte sie sanft hinzu und der Hund rappelte sich sofort ab. Naira nahm ihre Tasse und stellte diese auf einer dafür vorgesehenen Ablage ab, bevor sie zu ihrem neuen Partner sah. Sie wollte nur prüfen, ob er ihr auch folgte. Nachdem das geklärt war hielt sie ihm die Tür auf und betrat die eisernde Kälte von Alaska. Es hatte aufgehört zu schneien, aber die Straßen waren immer noch gut voll,wenn auch langsam die Schneeschaufler nachkamen mit dem Befreien des Gehweges. „Gibt es viel Schnee dort, woher du kommst?“,fragte Naira kurz, dieses Mal aus neugierde. Sie musste nicht wissen, woher er kam sie wollte nur nach dem Schnee wissen, mehr auch nicht. Er würde ihrer Meinung nach schon selber sprechen, wenn er es wollen würde, zwingen wollte die Dunkelhaarige definitiv niemanden, es sei denn.. ihr Job forderte es.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Irgendwo war er ihr ja schon dankbar, dass sie nichts gesagt hatte und auch nicht wirklich auf seinen kurzen Ausfall reagierte. Vielleicht aber hatte sie ihn auch nicht bemerkt. Es konnte peinlich werden und es ermüdete Victor stetig, wenn er sich zusammen reißen sollte. Mit schnellen Schlücken war der Kaffee leer, als er meinte, sie sollten lieber gehen. Die leere Tasse stellte er neben die von Naira auf eine Ablage, bedankte sich still bei der Verkäuferin und das auch nur aus Höflichkeit, dann machte er sich daran zu gehen. Es widerstrebte ihn wieder hinaus zu gehen, denn kaum hatten sie die Türe aufgemacht, so entwickelten sich kleine Wolken vor seiner Nase, wenn er atmete. Es war viel zu kalt. Und sein neues Haus war bestimmt eisig. Die Häuser waren zwar gut gedämmt, aber das würde wohl bei solchen Temperaturen kaum helfen.
      Kurz sah Victor zu dem Hund, der sich wieder freute nach draußen zu kommen. Er war sehr gut erzogen und hatte während ihres Aufenthalts keinen Mucks von sich gegeben, dabei waren es sehr viele unterschiedliche Gerüche und Eindrücke. Wahrscheinlich war dem Hund aber genau so langweilig, wie all den Menschen.
      Wortlos folgte er Naira über den Gehweg, um zurück zum Revier zu kommen. Er musste sich auch heute noch seine Marke abholen. Das hatte er komplett vergessen. Vielleicht würde er sie auch erst nach einem Tag oder einer Woche bekommen. Er würde Schießübungen machen müssen. Es war alles zu lange her und seinen Sport musste er auch nachholen. Schnaufend vergrub sich Victor wieder hinter seinem Kragen und senkte nur den Blick, als sie ihn fragte, ob es genau so viel Schnee bei ihm gab. Nein, ganz sicher nicht, sonst würde er sich hier nicht aufführen wie ein Weichei.
      Er schüttelte leicht den Kopf: "Brooklyn hat Dreck. Sehr viel Dreck...", erklärte er ihr ruhig, die Stimme wieder etwas kratziger, der Blick müde. Solche kleinen Aussetzer wie eben in dem Café hatte er öfters. Jetzt waren sie sogar noch kontrollierter. Gerade mal 2 Wochen nach dem Tod seines Partners hatte er fast jede Stunde mit Tränen erfüllten Augen im Polizeiwagen gesessen. Er hatte sich nicht kontrollieren können.
    • Naira O‘Connor

      „Brooklyn?“,fragte Naira nach und überlegte kurz, woher ihr die Stadt bekannt vorkam. Sie hatte schon viele Städtenamen gehört, aber diese wollte eine bestimmte Erinnerung rauslocken, eine die irgendwo tief verborgen und fast in Vergessenheit geraten war, aber Naira kam irgendwie nicht drauf. „So viel Dreck, wie es hier Schnee gibt?“,fragte sie eher nicht so ernst und lächelte breit über die Frage. Schwachsinnig, manchmal kam ihr nicht so ungeliebtes Ich dann raus, wenn es für die Dunkelhaarige nicht passte. Da musste sie unbedingt noch etwas gegen machen.
      Der Weg zum Revier dauerte nicht lange und Naira griff zu der Tür, um sie für ihren Vierbeiner offen zu halten. Nachdem sie selbst auch durch war hielt sie die Tür für ihren neuen Partner auf, um ihn auch ins Warme zu lassen. Drinnen war es natürlich so ruhig wie sonst auch, jeder ging seiner Arbeit nach und das in aller Ruhe. Die Dunkelhaarige zog sich ihre Jacke aus und folgte ihrem Vierbeiner in ihr Büro, welches sie sich künftig teilen sollte. Na ob das wirklich was werden würde? Daran zweifelte Naira noch ein wenig, zumal ihr der Typ wirklich komisch vor kam. Er hatte etwas mit sich hier her gebracht. Nicht, dass es sie irgendetwas angehen oder interessieren würde, aber sie hatte das Gefühl, diese Sache würde die Arbeit vielleicht sehr erschweren.
      Ihr Husky machte sich in der Nähe der Heizung Platz und legte sich in Ruhe hin, um seinem Frauchen zuzusehen. Diese war eigentlich nur damit beschäftigt die Akten ein wenig abzuarbeiten, schließlich würde ihr Partner hier wohl alleine klar kommen, er war auch erwachsen. Während sich ihre Aufmerksamkeit dem Schreiben von Berichten widmete ahnte sie nicht, dass bald schon eine Meldung reinkommen würde, die einiges in der eiskalten, mit Schnee bedeckten Region ändern würde.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."
    • Die wahrscheinlich rein rhetorische Wiederholung seiner Worte über den Vergleich von Schnee- und Dreckmengen aus seinem Heimatsort ließ er unerwidert. Nicht unbedingt musste er darauf eingehen, denn heißen tat es nun einmal genau das was er sich dabei auch gedacht hatte. Brooklyn war eine miese Stadt und für jeden Anfänger an sich ein Ort der Schlaflosigkeit. Weder gab es wirklich Pausen, noch konnte man davon ausgehen einen Abend einmal komplett durchschlafen zu können. Zu oft hatte Victor nachts einen Anruf bekommen, dass er ins Revier musste. Ob es nun wegen Nachrichten war, einem plötzlichen Schusswechsel oder einer neuen Spur. Mit dem Dreck war aber auch der ganze Müll auf den Straßen gemeint. Falls es mal tatsächlich schneite, dann war dieser augenblicklich schwarz und matschig. Definitiv nicht so schön wie hier in Alaska, aber er war wärmer, als hier.
      Als sie im Revier zurück waren und Naira sich direkt an ihren Arbeitsplatz abkoppelte und der Hund wohl an seine geliebte Stelle an der Heizung verschwand, sah sich Victor noch etwas um, bevor er zu seinem neuen Platz ging. Er zog nur widerwillig die Jacke aus, aber vielleicht wäre es dann wieder besser, wenn er nach Hause laufen musste.
      Die Jacke ließ er auf dem Stuhl hängen und wandte sich dann ab. Zu seinem Glück musste er nicht wirklich nach Jack Baker suchen, denn dieser übernahm diesen Job. Er kam kaum 5 Minuten später auf Victor zu und hielt ihm seine Hand hin, um sich vorzustellen. Eine Floskel, die Victor missfiel, doch höflicherweise entgegnete er sie.
      Jack war ein groß gewachsener Mann, trainiert und eigentlich auch attraktiv. Er strahlte förmlich, doch Victor bezweifelte, dass es wegen dem Neuen war.
      "Ein neuer Partner für die liebe Naira. Wunderbar. Versteht ihr euch gut?", es klang weniger nach einer netten Fragen, eher nach Ausfragen. Das gab Victor Hinweise darauf, was Naira vor einiger Zeit damit meinen konnte, dass es nicht so gut gelaufen sei mit den letzten Partnern und warum sie nicht ganz so erpicht war auf einen männlichen Partner. Doch das war nicht Victors Baustelle. Er nickte nur: "Es muss gut laufen.", erklärte er Jack, dem diese Antwort wohl nicht zu gefallen schien, da er daraufhin die Arme vor der Brust verschränkte.
      "Also...Naira meinte ich soll bei dir wegen eines Computers nachfragen. Ich werde definitiv einen brauchen mit allen Verbindungen auf die ein Detective hier Zugang haben darf und...wie es dem Arbeitspensum nach aussieht, sind das eine Unmenge an Zugänge für unterschiedliche Bezirke.", Victor verschränkte selbst die Arme vor der Brust. Jack mochte größer und attraktiver und vor allem gesünder, als er aussehen, aber er würde sich nicht untergraben lassen oder besser gesagt sich auf dessen Niveau begeben.
      Gerade als es so aussah, als würde Jack Baker noch auf ihn reagieren wollen, klingelte das Telefon und fast jeder sah rüber zu der Polizistin, die den Anruf entgegen nahm. An ihrer Mimik bemerkte man schon, dass dies kein Scherzanruf war.
      "Ja, bitte Beruhigen Sie sich. Wir haben verstanden...Wir schicken sofort jemanden hin. Bitte bleiben sie vor Ort damit wir ihre Daten aufnehmen können Mr. Hendricks und bitte fassen sie nichts an.", dann legte sie auf und stürmte zwischen den Reihen zu jemand anderem. Victor folgte ihr mit dem Blick. Es schien interessant zu werden und auch wenn sich Kopfschmerzen bei ihm durchkämpften, es gab endlich etwas, dem er folgen durfte.
      Die Polizistin überließ es jemand anderem eine Streife, es gab wohl nur zwei, hinaus zu schicken und auch die anderen Polizisten zur Abriegelung zu mobilisieren. Sie hatten einen Tatort. Victor lief der Polizistin hinterher, kein Grund zur Hetze. Wenn es um einen Tatort ging, dann war der Mord wohl schon längst geschehen.
      Als er mit der jungen Frau an die Tür zu Captain Ramirez kam, hörte er sie wenige Flüche und vielleicht sogar ein kleines Gebet aufsagen.
      "Captain! Am Cheney Lake wurde eine Leiche gefunden."
    • Naira O‘Connor


      Anchorage.. eine Stadt, mitten auf dem großen weiten Land, umgeben von Schnee und Wald. Eigentlich die größte in Alaska, auch wenn es nicht danach aussah. Dennoch, es passierte hier rein gar nichts, bis auf die paar kleine Delikte. Die Kriminalitätsrate war gering und es gab keinen Grund zur Sorge. Eigentlich.
      Naira arbeitete in Ruhe an ihren Akten, schloss diese ab und gab sie im Computer ein. Gelegentlich gab es einen Schluck Kaffee, aber sonst eigentlich nichts wildes. ‚Verschwendetes Talent‘, dachte sie sich immer wieder all die Jahre, hatte sich aber nie beschwert. So etwas wurde ihr nicht beigebracht. ‚Man muss im Leben alles so nehmen, wie man es bekommt‘,sagte ihre Mutter immer wieder und das hatte sich fest in das Gehirn der Dunkelhaarigen eingebrannt. Alles so nehmen, wie es kommt. Einer der Gründe, warum sie eigentlich noch hier saß und die Arbeit machte, wofür sie eigentlich nicht gelernt hatte. Sie hatte die harte Ausbildung eigentlich nur so gut abgeschlossen, um irgendwo anders Platz zu finden.
      Das Klingeln ihres Telefons riss Naira aus den Gedanken. Auf dem Handy bekam sie die eilige Nachricht und reagierte sofort: nachdem ihre eigene Jacke in der einen Hand war, befand sich in der anderen die Jacke ihres neuen Partners. „Komm“, gab sie dem Hund als Befehl, der eigentlich schon reagiert hatte, nachdem Naira reagierte. Beide verschwanden aus dem Büro, auf der Suche nach dem Rothaarigen, den sie eigentlich am liebsten zurück gelassen hätte. Naira wusste nicht, wie er arbeitete und was er sonst so getan hatte, aber sie vertraute ihm einfach mal blind, denn das dem Captain zu erklären wollte sie noch weniger. „Victor“,sagte sie sanft aber laut, nachdem sie ihn gefunden hatte. „Komm“, lautete der Befehl und um es deutlich zu machen hielt Naira seine Jacke in der Luft. „Wir fahren mit meinem Wagen“. Sie warf ihm die Jacke zu und bewegte sich schon selbst raus,um das Auto zu starten und schon einmal vorzuwärmen. Spike nahm hinten Platz und wartete schon gespannt darauf, was eigentlich in der kleinen Stadt los war, in der sonst nie etwas richtiges passierte. Da freute sich die junge Frau schon drauf, obwohl man sich über eine Leiche nicht freuen sollte.
      Durch ihre Freude vergaß sie die Kälte draußen schon fast und registrierte die Wärme im Auto auch nur beiläufig. Sie wollte losfahren und sich das ansehen, was da war.
      "The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem."