Once upon a Time - Der Beginn einer Reise

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    • Once upon a Time - Der Beginn einer Reise

      Allgemeine Info:

      Dies ist die Vorgeschichte von Miran Grey aus dem RPG Once upon a Time! Sie wird sich voraussichtlich in einen Prolog, drei Kapiteln und einem Epilog unterteilen, wobei der Epilog nicht direkt an das RPG anschließt, sondern noch etwa ein Jahr Spielraum dazwischen liegen hat. Viel Spaß ;)
      ღ For my adorable Shadowhunter ღ
    • Prolog
      Es schneite. Eigentlich schneite es hier ja immer und diese bedrückende Atmosphäre gehörte zum Alltag, wenn man im Eisreich lebte. So ziemlich jedes Lebewesen hatte es schwer hier zu leben und, dass sich nun gerade Menschen in dieser Eishölle angesiedelt hatten, untermalte nur die Dummheit dieser Spezies. Es war schwer sich in diesem Land ein gemütliches Heim einzurichten, selbst wenn man hier geboren wurde. So ziemlich jeder Bewohner hatte starkes Fernweh, würde dies aber niemals offen zugeben. Das Eisreich hatte schließlich seinen Stolz und seine Arroganz, die zunehmend auf die Bevölkerung abfärbte. Nicht umsonst hassten die anderen Länder das Eisreich.
      Heute jedoch rührte die allgemeine Bedrückung weder von dem immer gleichen Wetter mit den gleichen tödlichen Temperaturen, noch von der Tatsache, dass vermutlich jedes andere Land besser und angenehmer war als das Eisreich. Die heutige Betrübtheit hing mit der zierlichen Frau zusammen, welche schweißgebadet in einem Bett aus Fellen lag und in ihrem Fieberwahn stöhnend und keuchend hustete. Es würde nicht mehr lange dauern, bis ihr Leid ein Ende hatte.
      Ihr Sohn und ihr Ehemann saßen besorgt an ihrem Bett und hielten je eine ihrer Hände, um ihr zumindest ein wenig Trost zu spenden, vielleicht aber auch um sich selbst die Trauer ein wenig zu erleichtern. Miran, ein brünetter junger Mann mit hellen gräulichen Augen und einer hauchfeinen Narbe über seiner linken Augenbraue, blickte auf seine Mutter hinab und klammerte sich fast schon an ihre schweißnasse Hand, nicht bereit sie aufzugeben und loszulassen. Er zeigte nicht oft seine Emotionen, ähnlich wie die meisten der Eisreichbevölkerung, aber heute liefen ihm einige Tränen über die Wangen und er musste sich stark zusammenzureißen nicht vor Trauer zu schluchzen. Sein Vater, ein Mann mit ebenso brünetten Haar wie seinem Sohn, welches durch einige graue Haarsträhnen durchwirkt war, hielt sich mit seinen Emotionen nicht ganz so sehr zurück. Er drückte die Hand seiner Frau an seinen Mund, während sein lautes und verzweifeltes Schluchzen den ganzen Raum erfüllte und die Stimmung nur noch mehr bedrückte. Die kranke Frau wiederum wirkte abgesehen von ihren Symptomen, wie die Ruhe selbst und wandte langsam ihr Gesicht ihrem Ehemann zu, um ihm in die Augen sehen zu können.
      „Hey… es ist okay. Passt einfach nur auf einander auf.“ Ihr Mann schluckte schwer, kämpfte erneut mit seinen Tränen, zwang sich aber dieses Mal sich ein klein wenig zu beruhigen, um ihr antworten zu können und all das nicht noch schwerer zu machen. „Das werden wir, das verspreche ich!“ Ein hauchfeines Lächeln bildete sich auf ihren Lippen ab, ehe sie erneut einen Hustanfall bekam, während Schweißperlen von ihrer Stirn tropften. Sie wandte ihren Kopf zur anderen Seite und blickte ihren Sohn an, der sie nun aufmerksam betrachtete und sich auf die Unterlippe biss, um seine Gefühle ein wenig unterdrücken zu können. Wozu lernte man denn im Eisreich seine Emotionen nicht zu zeigen, wenn man es in solch einer Situation dennoch nicht schaffte, sich zusammenzureißen? Das alles war doch einfach nur unfair.
      „Miran, mein Liebling… pass bitte auch auf deinen Vater auf und achte darauf, dass er sich nicht zu sehr in seiner Trauer eingräbt.“ Der brünette junge Mann nickte schweren Herzens, während er die Hand seiner Mutter leicht drückte. Er wollte, dass all das hier ein Alptraum war und nicht die grausame Realität. Er wollte aufwachen und von einem leckeren Geruch in die Küche geführt werden, wo seine Mutter stand und ihm ein köstliches Frühstück zubereitete. Das würde es nie wieder geben. „Außerdem möchte ich, dass du dir drei Haselnüsse von meinem Haselnussstrauch pflückst und diese eines Tages an einen Ort bringst, an dem du dich heimisch fühlst, so wie ich es damals getan habe, als ich deinen Vater heiratete. Wir wissen beide, dass du hier zwar geboren wurdest, dies aber nicht wirklich dein zu Hause ist. Also finde eines Tages dein eigenes Heim, an dem du dich voll und ganz wohl fühlst.“ Erneut nickte Miran, wobei diesmal seine Tränen gar nicht mehr aufhören konnten über seine Wangen zu rollen und auf die Felle, die das Bett bedeckten, zu tropfen.
      „Ich liebe euch beide und werde immer bei euch sein, versprochen.“ Gemächlich schloss sie ihre Augen, das Husten und Keuchen ließ nach und auch ihre Atmung beruhigte sich langsam. So langsam, dass Miran erst merkte, dass ihre Atmung aufgehört hatte, als ihre Hand in seiner schlaff wurde und jegliche Kraft ihren Körper verließ. Es war vorbei und sie würde nie wieder zurückkehren.
      In den folgenden Stunden verließ keiner von ihnen beiden ihre Seite und erst als die Sonne untergegangen war, erhob sich Miran von seinem Stuhl und bewegte sich langsam auf die Zimmertür zu. Sein Vater blickte nicht auf, sondern verweilte in der Position, die Hand seiner Frau an sein Herz gedrückt, während er wie in Trance ihr regloses Gesicht ansah. Seine Trauer lähmte ihn und Miran verstand in diesem Punkt seinen Vater nur zu gut, allerdings hatte er noch etwas wichtiges zu erledigen. Der Brünette mit den hellen grauen Augen nahm sich seinen Mantel vom Kleiderhaken neben der Haustür und zog sich diesen über. Sein Blick glitt noch einmal kurz zur Tür, die in das Schlafzimmer führte, doch er zwang sich nach vorne zu sehen. Er öffnete die Haustür und sofort schlug ihm starker Wind und dicke Schneeflocken entgegen. Solch einen Schneesturm hatten sie schon eine Weile nicht mehr gehabt, doch er passte zur Atmosphäre. Vielleicht war dieser Schneesturm ja wirklich das Zeichen, dass der Göttliche über den Tod eines seiner Schützlinge wütend war. Vielleicht war es aber auch einfach ein Zufall und der Göttliche kümmerte sich nicht um die Bewohner des Eisreichs. Wer wusste das schon?
      Mirans Weg führte ihn durch den hohen Schnee zu dem kleinen Garten hinter dem Haus, in dessen Mitte ein Haselnussstrauch stand, der seit je her sämtlichen Temperaturen und Unwettern trotzte und noch immer kerngesund jeden Frühling kleine grüne Blätter bildete. Dies war das letzte, was Miran nun noch von seiner Mutter blieb. Er mochte den Gedanken, dass seine Mutter womöglich in diesem Haselnussstrauch noch weiter lebte, doch es änderte dennoch nichts daran, dass es unfassbar schwer war, ihren Tod zu akzeptieren. Er hatte ja gerade einmal vollkommen realisiert, dass seine Mutter nie mehr wiederkehren würde.
      Direkt vor dem Strauch blieb Miran schließlich stehen und betrachtete ihn eingehender. Obwohl es noch tiefster Winter war und der Frühling nicht so bald kommen würde, entdeckte Miran abgesehen von den typischen Winterknospen der Pflanze auch drei Haselnüsse, die sich an einem der Zweige befanden und offenbar der Natur trotzten. Miran wusste, dass eigentlich erst im Frühling sich die kleinen Nüsse bilden sollten und doch waren exakt drei Haselnüsse hier vor ihm an dem Strauch. Genau drei Haselnüsse, die er dem letzten Wunsch seiner Mutter zufolge pflücken sollte. Behutsam streckte der Brünette mit den hellen grauen Augen seine Hand nach den Nüssen aus und nach einem Moment der Überlegung, nahm er sie von dem Strauch und betrachtete sie in seiner Hand.
      Er sollte also eine neue Heimat finden und dort die Haselnüsse in den Boden pflanzen… das war undenkbar für ihn. Er wusste, er konnte seinen Vater jetzt nicht alleine lassen. Er wusste, dass er das Haus in dem er geboren und seine Mutter gestorben war, nicht einfach zurücklassen konnte. Er würde definitiv nicht gehen. Er würde hier bleiben und sich bemühen, seinen Vater so gut es ging zu unterstützen. Vielleicht würde er es eines Tages auch schaffen dieses Haus guten Gewissens, als seine Heimat bezeichnen zu können, selbst wenn ihm seit er klein war Fernweh plagte. Er hatte sich immer gewünscht an einem schöneren, nicht so kalten und kargen Ort zu leben, an dem er wusste, dass er dort hin gehörte. Doch dieses Fernweh musste er von nun an beiseite schieben. Sein Vater würde sicher nicht gut mit dem Tod seiner Frau klarkommen und dementsprechend musste Miran für ihn stark sein. Sie beide waren voller Trauer und Verzweiflung, doch Miran würde sich diese Schwäche nicht leisten. Sie würden nicht lange hier überleben, wenn sie sich nur ihrer Trauer hingaben und Miran würde nicht zulassen, dass sein Vater hier auch noch starb.
      Erneut betrachtete er die Haselnüsse in seiner Hand und ließ seinen Blick durch den Garten schleifen. Vielleicht würde er eines Tages guten Gewissens die Nüsse in den Boden dieses Gartens einpflanzen und diesen Ort als sein Zuhause bezeichnen. Doch bis es soweit war, würde er noch warten.
      Er schloss seine Faust und steckte sie mitsamt der Haselnüsse in seine Manteltasche und machte sich auf den Weg zurück in das Haus. Sein Vater hatte sich währenddessen keinen Zentimeter bewegt und Miran war in seinem Entschluss nur noch gefestigter. Er würde für seinen Vater stark sein und auf diesen aufpassen, damit sein Vater sich diese Schwäche erlauben konnte. Das war es doch schließlich, was Familien füreinander taten.
      ღ For my adorable Shadowhunter ღ