Blood Kingdom [Asuna feat. Pumi]

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    • Blood Kingdom [Asuna feat. Pumi]

      Vorstellung --> Blood Kingdom [Asuna feat. Pumi]










      Er konnte sie spüren, sie waren ganz in der Nähe. Das war der eine entscheidende Vorteil, den er hatte: Er wusste immer, wann sie kamen. Sie hatten keine Ahnung von ihm, er ging in ihrer Masse unter. Noch dazu hatten sie keine Ahnung von seiner Existenz, warum also nach ihm suchen, wenn es ihn doch gar nicht gab?
      Er wartete, bis sie um die Ecke waren, dann huschte er aus seinem Versteck hinein in die Schatten eines verwaisten Waggons, der hier schon seit Jahren stehen musste. Er verharrte dort, lauschte, doch sie kamen nicht zurück. Das war gut. Sie hatten weder ihn bemerkt, noch die Menschen, die hier in der Nähe unter der Erde lebten. Immer in Deckung bleibend suchte er sich seinen Weg bis zu dem alten Bahnhofsgebäude, wo er einen der wenigen noch übrigen Zugänge zu den U-Bahnschächten durchquerte und durch die Tunnel rannte. Er hasste diese Tunnel, hier hallte es so sehr, dass er jedesmal das Gefühl hatte, sein Trommelfell zerreiße. Bevor er in den alten Wartungsschacht hinabstieg, sah er sich noch einmal um, nur um wirklich sicher zu gehen, dass ihm niemand folgte. Der Wartungsschacht war eng und wahrscheinlich schon einsturzgefährdet wie alles andere hier unten auch, aber hier blieb er ja auch gar nicht lange. Sein Weg führte ihn zu einem weiteren Schacht, der noch nicht so alt war wie der Rest des Bahnhofes. Er schob die Kiste, die den Eingang verbarg, beiseite und quetschte sich durch das Loch. Die Kiste zog er etwas umständlich wieder zurück, dann ging er weiter. Etwa zehn Meter weiter konnte er wieder aufrecht stehen und seinen Weg unbesorgt fortsetzen. Der Rat hatte einmal Bedenen wegen seiner Wege an die Oberfläche geäußert. Die Kinder könnten ihn beobachten und so an die Oberfläche gelangen. Aber die Kiste, die er vor dem Eingang platziert hatte, wog viel zu viel als dass ein Mensch sie ohne weiteres bewegen könnte. Einer der Räte hatte es getestet und danach war es keine Frage mehr gewesen, ob seine Gänge sicher waren oder nicht.
      Sein Weg führte ihn durch schmale Tunnel, die teils von der Natur, teils von ihm errichtet worden waren. Schließlich aber mündeten sie in einen großen Tunnel, den die Menschen gebaut hatten, als die Vampire zugeschlagen hatten. Das hier war kein hallender U-Bahnschacht. Es war mehr eine langezogene Höhle. Er schob noch schnell ein altes Fass vor seinen Gang, damit der Zugang zufällig und ungewollt, aber vor allem nutzlos wirkte. Dann richtete er seine Umhängetasche, atmete tief durch und machte sich auf den Weg in die Siedlung zurück.
      Er ging oft hinauf an die Oberfläche, suchte zusammen, was brauchbar war, bestahlt die Vampire, wenn es nötig war, half der Siedlung, wenn sie Hilfe brauchte. Er tat, was er konnte und verdiente sich damit seinen Platz unter ihnen. Die Menschen mochten ihn nicht und das war auch gut so.
      Als er heute zurück in die kleine Siedlung kam, wurde er einmal mehr schräg von einer Gruppe Jungen angesehen. Sie wussten nicht, was sie von ihm halten sollten. Er ignorierte sie. Ein kleines Mädchen kam auf ihn zugerannt. Man konnte ihr ansehen, dass sie erst vor kurzem geweint hatte. Sie blieb vor ihm stehen, wie jeder andere hatte sie diese unbestimmte Angst in den Augen, aber sie machte sich zu große Sorgen, um ihm fernzubleiben. Er ging in die Hocke, griff wortlos in seine Tasche und gab ihr ein kleines Plastikröhrchen. Sie musste nicht fragen, ob er es geschafft hatte, das zu besorgen, was ihrer Mutter das Leben retten würde und sie musste auch nicht fragen, ob er es ihr gab. Er tat es einfach. Ein kleines Nicken und das Mädchen drehte sich wieder um, um zu seiner Mutter zurück zu rennen. Das Medikament wäre so oder so bei ihrer Mutter gelandet, heute war er nur auf Diebeszug gewesen, um den Ärzten hier unten zu helfen, ihre Vorräte wieder aufzufüllen. So lief das immer: Wenn jemand etwas brauchte, gab man ihm eine Liste. Die meisten wandten sich an den Rat, da sie ihn nicht direkt ansprechen wollten, und der Rat kam dann mit der Bitte zu ihm. Er sortierte seine Aufträge und arbeitete sie so schnell er konnte ab, Medikamente standen dabei immer ganz oben auf der Liste.
      Er brachte seine Beute zum Rat, denn auch andersherum redeten die Menschen nicht gern mit ihm und wenn er sich von ihnen fernhalten konnte, dann war ihm das nur recht. Es war nicht sicher, wenn sie ihn in ihre Nähe ließen. Mit einer geleerten Tasche und einem erleichterten Gewissen kehrte er zu seiner kleinen Unterkunft am Rande der Siedlung zurück. Er fragte sich, wie sie es an der Oberfläche machten, wie sie das Aufgehen der Sonne ignorieren konnten. Sicher, sie drang nicht mehr durch den dicken Dunst, den die Vampire erschaffen hatten, aber er wusste immer genau, wie hoch die Sonne gerade stand. Und jedesmal wenn sie aufging, fühlte er sich so unendlich müde. Wie machten die Vollblüter es nur an der Oberfläche?
      Er beschäftigte sich nicht mit dem Gedanken. Er sah lieber zu, dass er sich den Dreck aus dem gesicht und von den Händen schrubbte und dann ließ er sich auf die alte, fransige Matratze fallen, die er sein Bett nannte. Wie so oft fand er keinen Schlaf sondern starrte einfach nur die Felsendecke an. Er hatte seine Unterbringung selbst aus dem Felsen geschlagen, ein Loch im Gestein mit einer Wand davor. Manche machten es so, um Material zu sparen, andere lebten ohne Wände. Aber brauchte seine Abgeschiedenheit zum Überleben und alle anderen brauchten das auch, um ihn zu überleben. Er sperrte sich quasi selbst weg, auch wenn er wusste, dass er diese Tür mit nur einem Faustschlag wegsprengen könnte. Er dachte nicht groß darüber nach, denn so etwas brachte ihn zumeist nur dazu, es auch tun zu wollen. Aber für heute hatte er genug getan, genug gedacht. Selbst wenn er nicht schlafen würde, würde er sich doch eine Pause vom Leben gönnen.
    • In dem schlammigen Braunton des Staubes,der überall den Boden und Häuser bedeckte, stach das hellgrüne Kleidchen des kleinen Mädchens ungewöhnlich stark hervor. Ihr Lachen schallte an den Wänden der rustikal gebauten Baracken wider, als sie mit wehendem Kleid einem kleinen Lederball hinterher jagte. Etwas weiter hinten stand Emilia, die Arme vor der Brust verschränkt und den Kopf leicht schräg gelegt. Das kleine Mädchen hieß Katharina und war die Tochter ihres Nachbaren. Aber das kleine Mädchen hatte einen Narren an ihr gefressen und bezeichnete sie schon nach kürzester Zeit als große Schwester. Unangenehm berührt konnte Emilia damals nichts erwidern, nun war ihr Kathy doch ans Herz gewachsen. Obwohl sie stark vermutete, dass es ein Plan der Gemeinde gewesen sein könnte. Sie passte schlicht nicht in das Konzept, dass sich die Frauen um Kinder und dergleichen kümmern sollten. Nur war das nicht das, was sich die junge Frau wünschte.
      Emilia war jener Mensch, der in seinem Zeitalter nicht hinein passte. Sie verstand nicht, warum all jenes passiert war und die Menschheit ihren überlegenden Status verlieren konnte. Nun verhielt es sich so, dass die Frauen weder kämpfen, noch in der Verteidigung des Dorfes helfen durften. Zugegeben, wahrscheinlich wollten viele es auch einfach nicht, aber Emilia hatte den Willen dazu. Als sie noch kleiner war, beharrte sie vehement darauf, ausgebildet zu werden. Doch niemand nahm sich ihrer an.
      Während sie zusah,wie Kathy noch immer den Ball jagte und scheinbar einen Spielgefährten, einen kleinen Jungen von nebenan, gefunden hatte,ließ sich Emilia an der Hauswand nieder.Für sie war es etwas beruhigendes, dem kleinen Mädchen beim Spielen zu zusehen.Es erweckte den minimalen Anschein,als sei alles in Ordnung.Denn sie war noch nicht von der Todesangst besessen.
      Dann vernahm Emilia Geräusche,die von einer Art Tumult zu rühren schienen.In einiger Entfernung sah sie,wie ein Mann in die Siedlung kam und offensichtlich besondere Blicke einheimste. Er schien sich nicht daran zu kümmern, und genau wegen dieser Situation wusste sie,wer die Siedlung betreten hatte. David trat in Kontakt mit einem anderen Mädchen,das Emilia recht gut kannte.Ihre Mutter litt an einer Krankheit und scheinbar hatte sie David um Hilfe gefragt,wie es viele aus dem Dorf taten. Emilia selbst hatte noch keinen Kontakt mit dem Gemiedenen gehabt.Nur wusste sie,dass er als einer der wenigen den Vampiren die Stirn bieten und Vorräte holen konnte.Dieser Punkt hatte ihn immer schon interessant in ihren Augen wirken lassen.Da das Dorf sich so wenig wie möglich mit ihm abgab,konnte sie hier vielleicht auf Training hoffen.Nur waren ihre Erwartungen leider gering.
      Aus der Entfernung sah sie zu,wie David seiner Wege ging.Emilia wusste,dass er sein Domizil abseits des Dorfes errichtet hatte.Nicht,dass es irgendetwas zu bedeuten hätte....Nachdenklich sah sie ihm hinterher,bis er um eine Ecke bog und verschwand.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Er hatte Hunger. Das Brennen in seiner Kehle meldete sich immer, wenn er einmal einen Augenblick der Ruhe fand und vermießte ihm selbigen. Denn wenn er sich nicht von diesem Inferno in seinem Körper ablenkte, dann hatte das zumeist fatale Folgen. Er hatte eine gute Stunde seine Ruhe gehabt, bevor sich das Monster in seinen Venen wieder gemeldet und ihn aus seinem bett getrieben hatte. Es hatte ihn sogar aus seinem kleinen Unterschlupf gescheucht. Jetzt saß er auf dem Felsvorsprung, den er als Ausgangspunkt für sein Domizil gewählt hatte, schärfte eines seiner geliebten Messer und beobachtete eine kleine Gruppe Kinder, die hier unten spielten. Sie wussten, dass dort oben die Vampire lauerten, aber sie waren noch zu jung, um die ganze Tragweite dieser Information zu verstehen. Es tat gut, zu sehen, dass nicht alle Menschen von Sorge zerfressen wurden. Kinder konnten immer noch Kinder sein. Sowas erinnerte David immer an seine eigene Kindheit. Er wusste nicht mehr viel davon, das meiste war über die Jahre verblasst, aber da war diese eine Erinnerung. Er hatte mit einem Ball gespielt auf irgendeiner Wiese. Die Umrisse der Umgebung waren nicht zu erkennen, da war einfach nur die grüne Wiese und dieser rote Ball, den er durch die Gegend schoss, wie es gerade die Menschenkinder taten, die er beobachtete. Eine Mann war in der Nähe, ein Vampir. Er war nicht so wie die anderen, er war nett, er passte auf David auf. David schoss den Ball weiter durch die Gegend, bis er ein leises Quieken vernahm. Sofort stoppte er in seiner Bewegung, lauschte und fand schließlich die Quelle des Geräusches. Es war ein kleiner Igel, der in ein Loch gepurzelt war und nun auf dem Rücken lag. Das Loch war zu klein, als dass er sich aus eigener Kraft wieder auf den Bauch drehen konnte. Deswegen quiekte er um Hilfe. Der Mann trat an Davids Seite, er konnte sich nicht mehr an das Gesicht erinnern, nur dass der Mann so unglaublich viel größer war als er selbst. David wusste, dass der Mann irgendetwas sagte, aber auch daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Aber der Mann ging in die Hocke und half dem kleinen Igel aus dem Loch. Gemeinsam setzten sie ihn in der Nähe eines Busches wieder auf den Boden und sahen dabei zu, wie er die FLucht ergriff. Das arme Tier hatte sich mit allem gewehr, was es hatte.
      "Sie mögen uns nicht, weil sie wissen, dass wir Raubtiere sind", hatte der Mann damals gesagt, "Wir sind alle Raubtiere und können es so wenig verstecken, wie ein Löwe. Aber du, mein Junge, du kannst das. Du kannst dich verstecken. Und eines Tages wirst du das tun müssen, um zu überleben. Vergiss das nicht. Sei kein Löwe. Sei kein Raubtier. Sei der Igel, der sich in einem Haufen alter Blätter versteckt und zu einer stacheligen Kugel zusammenrollt. Lass niemanden an dich heran, dann wirst du überleben."
      David hatte sich immer daran gehalten. Er fuhr die Krallen aus, wenn ihm jemand zu nahe kam, sorgte mit seinen Stacheln dafür, dass es niemand tat und versteckte sich vor den Raubtieren an der Oberfläche. Er war der Igel, nicht der Löwe.
      Das geschärfte Messer wanderte zurück in die Tasche an seinem Oberschenkel, aus der er gleich auch das nächste nahm. Er hatte immer vier Wurfmesser bei sich, alle selbst gemacht. Ein mensch könnte einem Vampir mit einem solchen Messerchen nicht viel anhaben, aber David wusste, wohin er zielen musste und er hatte ein bisschen mehr Kraft in seinem Wurf. Aber auch er griff zumeist nach einem Schwert, denn das einzige wirklich wirksame Mittel gegen einen Vampir war die Enthauptung. Im bestfall verbrannte man die teile dann noch, aber eigentlich reichte es, den Kopf los zu werden. In der Siedlung war es ihm untersagt, sein Schwert mit sich zu führen, daher ließ er es immer direkt neben seinerbehelfsmäßigen Tür stehen, immer griffbereit für den Notfall, aber außer Sicht aller anderen. Er wollte ja auch nicht, dass sich die Kinder damit verletzten. Es war eine große, schwere Waffe, viel zu groß und schwer für einen Menschen. Viele fragten sich, wie er mit so einer Waffe umgehen konnten und wenn sich einmal ein Mensch traute, sich mit dieser Frage an ihn zu wenden, dann antwortete er meist recht kurz damit, dass er es einfach jahrelang geübt hatte und wusste, was er da tat. Das war nicht gelogen, er hatte wirklich ewig damit trainiert, um so schnell damit umgehen zu können. Ein menschliches Schwert warzu leicht für ihn, noch dazu waren seine Schläge zu hart, sie würden das Schwert in kurzer zeit zerstören. Es war also mehr eine Zwecksache gewesen, sich ein so robustes Schwert zuzulegen.
      Aber er wollte jetzt nicht an den Krieg an der Oberfläche denken. Er beobachtete lieber weiterhin die Kinder, die ihren SPaß hatten und schärfte seine Messer. man wusste ja nie, wann man sie gebrauchen konnte.
    • Es war jetzt schon das siebte Mal innerhalb fünf Minuten,dass Emilia kurz davor stand,das Schälmesser in die Ecke zu werfen.Sie hasste es abgöttisch,Kartoffeln zu schälen.Allgemein die Tätigkeiten,die man den Frauen zugesprochen hatte,missfielen ihr.Nur widersprach sie nicht ihrer Mutter,die sie fest in ihrem Arbeitsplan einspannte.Auch wenn sie ihren Missmut gerne mal zeigte,war sie im Inneren froh darüber,dass es schon lange keinen Angriff mehr gegeben hatte und sie einen trügerischen Frieden lebten.
      Sarah,ihre Mutter,warf ihr aus dem Augenwinkel einen weiteren Blick zu.Ihre Finger drehten die Kartoffeln schnell und geschickt - in derselben Zeit hatte sie das Doppelte geschält.Nun seufzte auch sie,während sie das eigene Messer in eine Knolle bohrte,um ein Auge zu entfernen."Du kannst auch schon mal Tim holen",sagte sie,ohne Emilia einen Blick zu schenken.Emilias Hand verharrte an dem nächsten Stück Gemüse,wenn auch nur für einen Bruchteil der Sekunde.Es war für sie schwer,ihre Mutter richtig einzuschätzen.Diese Situation war öfter eingetreten,und jedes Mal war ihre Mutter dann anders auf sie zu sprechen.Es war Emilia nicht wichtig,auf jedes Wort ihrer Mutter zu hören,aber die Familie und Zusammenhalt war hier unten in dieser Zeit das Teuerste,was die Menschen neben ihrem Leben besaßen.Ein flüchtiger Blick galt Sarah,als Emilia kurz darauf aus dem Haus ging und nach ihrem kleinen Bruder Tim suchen ging.
      Jedes Mal,wenn Emilia durch die eng aneinander gebauten Häuser ging,war sie sich ihrer Gefühlslage nicht sicher.Dieser Ort war ihre Heimat,doch lag das nur daran,dass sie nichts anderes kannte.Zeitgleich empfand sie dieses Leben aber auch als falsch; In ihrer Sicht gehörten die Menschen nicht nach unten in den Dreck verbannt.Eine durchaus gegensätzliche Ansicht,die sich im Laufe der Jahre in ihrem Geist aufgebaut hatte.
      Tim war fast immer mit seinen Freunden unterschiedlichsten Alters zusammen irgendwo am spielen.Er war schließlich erst Sieben,ein Alter,in dem er noch nichts von der ständigen Gefahr wusste.Zwar wuchsen alle hier mit dem Wissen auf,dass da etwas Gefährliches lauerte,doch ihr Verstand umfasste noch nicht die Tragweite des Gesagten.Daher rechnete Emilia schon damit,ihn und seine Truppe an der Dorfgrenze zu finden.Deshalb ging sie die Grenze einfach ab und konnte wie erwartet aus einiger Entfernung schon die kleine Gruppe entdecken.Sie warfen sich einen roten Ball zu,den man von weitem schon ausmachen konnte.Sie rollte mit den Augen,weil man ihnen verboten hatte,sich an der Grenze aufzuhalten.Folglich brüllte Emilia schon von Weitem der Gruppe zu:"Was hat man euch verboten,hm?!"
      Sofort zuckten die Kinder zusammen und der Ball rollte seines Weges.Tim erkannte sie natürlich sofort und verschränkte seine Arme vor der Brust.Als Emilia näher kam,konnte sie hören,wie Tims Freund zu ihm "Boah,deine nervige Schwester schon wieder" murrte.Als Reaktion verfinsterte sich ihre Miene prompt,wodurch der Junge sich direkt schuldbewusst zum Ball aufmachte.Leicht genervt tippte sie Tim gegen den Kopf,nachdem sie zur Gruppe aufgeschlossen hatte."Ihr könnt auch im Dorf spielen,man hat euch doch schon zigmal gesagt,dass ihr nicht hier spielen sollt",sagte sie,wenn auch in einem etwas weicheren Ton.
      Tim wischte ihre Hand von seinem Kopf."Sei doch mal still,wir können machen,was wir wollen",verkündete er großmütig,um cool vor seinen Freunden zu wirken.Emilia grinste hingegen nur."Ach komm,große Töne spuckst du immer und wirst dann trotzdem von mir untergebuttert."
      Tim zog eine Fratze.Sie wusste,dass er jetzt handgreiflich wurde,wie immer,wenn er sich vor seinen Freunden behaupten wollte.Und tatsächlich machte er Anstalten,seine Schwester zu rammen.Da sie damit gerechnet hatte,hatte sie genug Zeit,seine Handgelenke zu greifen,sie nach hinten fallen zu lassen und einen Fuß an seinen Bauch zu platzieren.In der rückwärtigen Rollbewegung zog sie ihren Bruder über sich weg und ließ ihn wie einen nassen Sack hinter sich auf den staubigen Boden klatschen.Tim machte nur einen dumpfen Ton,setzte sich aber sofort auf.Emilia hatte sich seitwärts auf den Bauch gerollt,die Beine angewinkelt und bewegte ihre Füße abwechselnd."Hab ich's dir nicht gesagt?"
      Tim kannte das Prozedere schon,trotzdem hatte er vor Wut und vielleicht auch etwas Überraschung ein kleines Tränchen im Auge.Er plusterte nur die Wangen,weshalb Emilia ihren Arm ausstreckte und mit einem Finger über sein Bein streichte."Hey,hey,alles gut,ist ja nichts passiert",sagte sie leise Worte zu ihrem Bruder,"irgendwann kann ich das mit dir nicht mehr so leicht machen.Dann bist du größer und stärker als ich.Dann darfst du mich auch mal werfen."
      Tims Augen glitzerten etwas,als Emilia ihm Richtung Dorf zuwinkte.Als wäre nichts gewesen stand er auf und sammelte seine Truppe um sich.Dann liefen sie zusammen zurück,wobei sie noch ein paar Sätze aufschnappen konnte."Die hat dich aber ganz schön platt gemacht."
      "Pfft,die hat mich nur überrascht."
      "Dafür siehst du aber jetzt echt alt aus.."
      "Halt die Klappe!"
      Emilia blieb noch liegen und sah den Kindern hinterher.Manchmal sehnte sie sich nach dieser unbeschwerten Zeit,wo man sich um nichts kümmern musste.Nachdenklich zog sie Kreise im Staub,wobei sie murmelte:"Shit,sollte ihn ja reinholen..."
      Ihre Kreisen überschnitten sich mittlerweile schon,ohne ein Anzeichen,aufstehen zu wollen."Ich hab keine Lust,hier unten zu versauern...."Seufzend kreuzte sie ihre Arme vor sich,um den Kopf darauf abzustützen.So schnell musste sie ja noch nicht zurück.Hier unten war es schließlich nicht die Zeit,an der es mangelte.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Die Kinder spielten, wo sie nicht spielen sollten. Es war ihnen eigentlich verboten, sich so weit außerhalb des Dorfes aufzuhalten. Trotzdem kamen sie beinahe jeden Tag hier raus. Manchmal spielten sie mit ihrem Ball, manchmal spielten sie mit ihm. Nicht direkt mit ihm, aber es gab da dieses Spiel bei den Kindern, sie alle hatten es schon irgendwann einmal gespielt: Wer traute sich am nächsten an ihn heran. Sie spielten es nicht, wenn sie ihn wie heute auf dem Dach sitzen sehen konnten. Sie spielten es nur, wenn sie glaubten, unbeobachtet zu sein. Heute spielten sie es nicht. Heute hatten sie zu große Angst, um sich an ihn heran zu wagen. Sie sollten auch Angst haben, wenn sie ihn nicht sahen, gerade dann sollten sie Angst haben.
      Er bekam den kleinen Streit zwischen den Kindern und einem etwas älteren Mädchen mit. Sie roch wie einer der Jungen, er ging davon aus, dass sie Geschwister waren. Sie wusste sich zu verteidigen. Die Mädchen sollten so etwas eigentlich nicht wissen, wenn es nach den Menschen hier ging. Die Männer waren die, die kämpften, wenn es soweit kam. Die Frauen sollten die Kinder in Sicherheit bringen, die älteren Mädchen sollten ihnen dabei helfen.
      Ihn interessierte diese Hackordnung im Dorf nicht, es betraf ihn ja auch nicht. Er tat, was der Rat ihm sagte, er gehörte nicht dazu. Dieses Mädchen schien auch nicht richtig dazu zu gehören. Sie konnte sich wehren und sie tat es auch, es war ihr egal, dass sie dabei schmutzig wurde. Sie blieb ja sogar im Dreck der großen Höhle sitzen.
      "Du solltest gehen", rief er ihr von seinem Dach aus zu, "Das hier ist kein Ort für deinesgleichen."
      Deinesgleichen... wie oft hatte er sich gewünscht, meinesgleichen sagen zu können. Aber Tatsache war nun einmal, dass es niemanden wie ihn gab. Er gehörte hier unten nicht dazu und oben gehörte er genauso wenig hin. Er war allein auf der Welt und damit musste er sich abfinden. Hatte er ja eigentlich schon, sonst würde er wohl kaum den Laufburschen für den Rat übernehmen, die ihn behandelten wie ein Tier. Er mochte ja vieles sein, aber er hatte lange genug an sich gearbeitet, um diesen Teil in sich zu unterdrücken. Er war kein Tier.
      "Geh nach Hause", wiederholte er seine Ansage und sprang von der Felsplatte.
      Er warf ihr etwas zu. Es war eine kleine Brosche, die ein Mädchen hier verloren hatte, als die Kinder das letzte Mal versucht hatten, in seine Nähe zu kommen. Es war noch ein kleines Mädchen gewesen und ein paar Jungs hatten sie geärgert. Sie hatte das Spiel nicht spielen wollen, aber die Jungs hatten sie immer wieder geschubst, bis sie hingefallen war. dann war er aufgetaucht und alle waren vor Angst weggerannt, auch das Mädchen. Aber bei ihrem Sturz hatte sie die kleine Anstecknadel verloren. Da er die Menschen hier so viel beobachtete, wusste er, dass die Brosche von ihrer verstorbenen Mutter stammte und dem Mädchen sicherlich viel bedeutete. Aber er konnte ja nicht einfach zu ihr gehen.
      "Die kleine Katy hat das verloren", erklärte er.
      Er mussterte das Mädchen vor sich noch einmal kurz, dann drehte er sich um und verschwand in seinem kleinen Lebensraum. Er hörte einen weiteren menschen kommen. Er kannte diesen Geruch, es war einer der Leute, die mutig genug waren, ihm die Nachrichten des Rates zu bringen.
      "Du hast hier nichts zu suchen, Mädchen!", sagte er zu dem ungebetenen Gast, ehe er vorsichtig an die Holztür klopfte.
      David öffnete, nahm ihm den Zettel ab und schloss die Tür wieder. Der Zettel landete auf einem kleinen, alten Tisch, wo auch all die anderen Zettel lagen. Die Menschen brauchten so vieles. Er konnte ihnen nicht helfen. Er war wie ein Pflaster, das mit Essig getränkt auf eine klaffende Wunde gelegt wurde. Und trotzem tat er sein bestes, bei der Heilung zu helfen.
      Seufzend nahm er sich einen kleinen Stapel und fertigte daraus seine neue Liste, die er heute abarbeiten würde. Er zog sich seinen Mantel über, befestigte das Schwert daran auf seinem Rücken und warf sich noch seine Tasche um. Es würde ein ruhiger Tag für ihn werden, diese Sachen konnte er weit weg von den Blutfarmen erledigen.
      Er verließ sein Domizil und warf noch einen Blick auf die Behausungen weiter hinten in der Höhle. Sie alle würden irgendwann sterben. Er hoffte bloß, dass es nicht durch seine Hand sein würde.
    • Emilia hatte mittlerweile angefangen,ihre Kreise im Staub mit unregelmäßigen Dreiecken zu übermalen,als David sie direkt ansprach.Völlig überrumpelt zuckte sie heftig zusammen,zumal seine Stimme durch den Wiederhall nicht klar zu lokalisieren war.Fast augenblicklich hatte sie sich instinktiv auf die Füße in eine hockende Haltung katapultiert und machte den Ursprung der Stimme erst jetzt richtig aus.Ganz kurz weiteten sich ihre Augen,weil sie noch nie mit dem Außenseiter auch nur ein Wort gewechselt hatte,dann verengten sie sich jedoch.Die junge Frau schien beinahe eine Aura des Trotzes abzusondern,während sie ihn ganz genau betrachtete.
      Emilia war alles andere als dumm.Selbst wenn ihr Körper instinktiv reagierte,arbeitete ihr Verstand sinngemäß.Deswegen war ihr aufgefallen,dass er ein ganze besonderes Wort benutzt hatte.Deinesgleichen,dachte sie,entweder ist er kein Mensch oder er ist so gestört,dass er sich nicht dazuzählt.Ihr Puls hatte mittlerweile so zugenommen,dass sie das Pochen in ihren Knöcheln spüren konnte.Zwar half dieser Mann der Siedlung,aber er würde nicht grundlos nur co-existieren.Irgendetwas sagte ihr,dass sie vorsichtig sein sollte,aber ihr Kopf verschluckte das Bauchgefühl einfach.Eigentlich war jetzt die Chance,um in Kontakt mit ihm zu treten,da sie um seine Kampfkünste Bescheid wusste.Nur wurde sie dann doch sehr misstrauisch,als er von seinem Vorsprung hinunter sprang.Sie hatte sich in der Zeitspanne aufgerichtet,um mögliche unvorhergesehene Taten aus dem Weg zu gehen.Doch wieder ermahnte er sie lediglich,den Ort zu verlassen.Nur warf er ihr dieses Mal etwas zu,das Emilia etwas unbeholfen wegen der Überraschung auffing.Die kleine Brosche sagte ihr selbstverständlich etwas, und kurz keimte in ihr der Gedanke,er habe ihr etwas angetan.Doch als er ihr sagte,dass die Kleine ihr liebgewonnenes Stück verloren hatte und sie Kathy vorhin ja noch getroffen hatte,verpuffte ihr Argwohn.Der kurze Moment,in dem sie das Stück begutachtet hatte,reichte David,um sich aus dem Staub zu machen.Kaum fiel ihr das Verschwinden auf,rief sie ihm noch ein "Warte mal!" hinterher,kam sich dabei aber selbst schon dämlich vor.Zumal jetzt auch noch Leute aus dem Dorf auftauchten und sie anherrschten.Ziemlich genervt warf sie dem Ratsmitglied einen giftigen Blick zu,verließ dann aber doch den Schauplatz.

      Im Dorf hatte Emilia Kathy das Schmuckstück zurückgegeben,die unweigerlich anfing,zu weinen.Zwar vor Erleichterung,aber ein weinendes Kind war noch immer etwas befremdlich für sie.
      Den ganzen restlichen Tag verbrachte sie mit ihren üblichen Tätigkeiten,wenn sie Sarah half.Im Geiste heckte sie aber schon einen Plan für den Restabend aus,wenn sie nicht mehr gebraucht würde.Von Weitem gesehen erweckte David nicht den Eindruck,als sei er etwas nicht-menschliches.Aber da steckte viel mehr hinter.
      Sie war erst gegen 22 Uhr entlassen worden und hatte sich sofort aus dem Haus und der Siedlung gestohlen.Im Gepäck hatte sie eine Tasche mit etwas Holz,einem Anzünder und etwas zu essen.Sie hatte zusätzlich noch die einzigen Waffen eingepackt,die sie vor etlicher Zeit hatte erschnorren können: zwei einfache Dolche.Besser als nichts,immerhin wollte sie vorbereitet sein.Seit man ihr gezeigt hatte,wie man näht,hatte sie sich Leder besorgt und daraus eine recht einfache Kluft genäht.Der Zweck heiligt dabei die Mittel.
      Als Emilia sich Davids vermutlicher Behausung näherte,beschleunigte sich ihre Atmung unter der Prämisse,etwas 'verbotenes' zu tun.Doch sie machte keinen Rückzieher und klopfte an der Holztür an.Eine Minute verging,dann eine zweite.Scheinbar machte er nicht auf oder war nicht da.Sie schlussfolgerte,dass er dem Auftrag nachginge,dem ihm das Ratsmitglied vermutlich gebracht hatte.Schulterzuckend entfernte sie sich wieder ein paar Meter und baute dann ein kleines Feuer auf.Sie hatte genug Zeit und würde einfach warten.Wahrscheinlich war die Idee selten dämlich,aber wann sollte sie sonst versuchen,an den Außenseiter heranzukommen.Schmunzelnd rieb sie sich die Hände vor dem leise knackenden Feuer.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • David ging den gleichen Weg hinauf, den er vor kurzem erst wieder hinab gegangen war. Die Waggons hatten sich nicht bewegt, also waren die Vampire in den letzten zwölf Stunden nicht hier gewesen. Was nur logisch war, wenn man die uhrzeit bedachte. Nur weil sie die Atmosphäre verdunkelt hatten, hieß das nicht, dass sie tagsüber genauso Party machten wie nachts.
      Er schlich sich über den alten Bahnhof und suchte sich seinen Weg in die Vorstadt. Die Vampire hatten sich alle in den Stadtzentren der Großstädte gesammelt, die Vororte waren beinahe vollkommen verlassen. Nur hin und wieder drückten sich die Jungen hier herum, weil sie von zu Hause wegwollten. David fühlte sich hier draußen sicher. Sogar sicherer als unten bei den Menschen. Er hatte versucht, hier draußen zu leben, wo er niemanden verletzen konnte, aber das hatte er nur ein paar Wochen ausgehalten. Er war nciht gut darin, vollkommen allein zu sein. Er brauchte den Lärm von anderen Lebewesen um sich herum, um den Verstand nicht zu verlieren.
      In der Vorstadt angekommen machte er sich kaum noch Sorgen um seine Deckung. Wenn hier jemand war, dann wüsste er es. Er durchkämmte die alten Häuser und geschäfte, machte aber auch nicht vor den Versorgungspunkten der Vampire Halt. Er brauchte das, was sie auch brauchten. Zwar nicht so häufig, aber er war gern vorbereitet. Er arbeitete seine Liste Stück für Stück ab und als er alles soweit hatte, machte er sich auf den Weg zurück zu seinen Tunneln. Der Rückweg gestaltete sich um einiges schwieriger.
      David hatte die zeit aus den Augen verloren, nun war es bereits weit nach Sonnenuntergang und ausgerechnet heute hatten sich die Vampire dazu entschieden, auf dem Bahnhof arbeiten zu wollen. Innerlich fluchte er. Zu einem anderen Tunnel konnet er nicht, er stand ein bisschen unter Zeitdruck, seit er seine Extras eingesammelt hatte. Er hatte nur für diesen einen Tunnel Zeit, er musste sich beeilen über den Bahnhof zu kommen.
      Er verstekcte sich hinter einem Waggon und wollte eigentlich gleich weiter, als ein dreiköpfiges Team von Vampiren direkt an ihm vorbei lief. Instinktiv hielt er die Luft an. Sie redeten in ihrer Sprache, er konnte sie verstehen, die Menschen nicht. Sie hatten nichts wichtiges zu bereden. Sie nahmen sich einen der Waggons und brachten ihn irgendwoanders hin. Dummerweise war das der Waggon gewesen, der seinem Tunnel die nötige Deckung verschafft hatte. Der Tunnel selbst fiel nicht auf, aber würde er jetzt dort runter gehen, würde man ihn sehen. Er brauchte ein Ablenkungsmanöver.
      In seinem Hirn rasten die Gedanken, er überflog mit seinem Blick alles, was er so benutzen könnte. Er fand eine alte, halb leere Flasche Whiskey. Er schnappte sie sich, riss ein Stück von seinem Shirt ab und stopfte es hinein. Jetzt musste er es nur noch irgendwie anzünden. Er hatte doch gewusst, dass ihm dieses alte Feuerzeug noch einmal nützlich sein würde.
      Vorsichtig schlich er sich zum östlichen Ende des Bahnhofes. Er wartete, bis sich ihm die richtige Gelegenheit bot, dann warf er sein kleines Geschenk. Er warf es nicht einfach nur irgendwo hin, er warf es einem der Vampire direkt gegen den RÜcken. Der Kerl schrie, als sich die Flammen über seinen Körper streckten. Sofort rannte David los in Richtung seines Tunnels. Die Vampire waren von ihrem Freund abgelenkt, insgesamt waren es sieben. Aber einer hatte sich zurückfallen lassen, um die Umgebung im auge zu behalten. Und der sah David!
      David änderte den Kurs, rannte nun auf den Vampir zu. Der Vampir hatte den gleichen Einfall und griff ebenfalls an. Die beiden prallten aufeinander wie zwei Stiere. Die Fäuste flogen, plötzlich blitzte eine Klinge auf. Es ging alles so schnell, dass nicht einmal david sagen konnte, was genau passierte. Er wusste nur, dass der Vampir am Ende keine Kopf mehr hatte und er selbst einen scharfen Schmerz an der rechten Schulter verspürte. Sein toter Freund hier hatte ihn ziemlich tief geschnitten und dabei wohl einiges an Muskel zerfektzt, zumindest hatte er Probleme, seinen Arm weiter zu bewegen. Aber darum konnte er sich jetzt nicht kümmern, er musste hier weg. Er ging zu seinem Tunnel und verschwand unter der Erde. Dort blieb er einige Minuten sitzen, um sicher zu gehen, dass niemand bemerkt hatte, wie er hier rein gegangen war.
      Als er sicher war, dass er nicht verfolgt wurde, machte er sich endlcih auf den Weg zurück zur Siedlung. Der Schmerz in seinem Arm hielt ihn dabei nicht auf, aber er wusste, dass er das erst versorgen musste, bevor er auch nur in die Nähe eines Menschen ging. Aber er hatte die Rechnung nicht mit einem gewissen Menschen gemacht. Er stöhnte entnervt auf und wollte eigentlich schon umdrehen, als ihm wieder einfiel, dass er sich keine weitere Verzögerung leisten konnte. Also fluchte er nru leise und marschierte dann einfach weiter zu seiner Haustür. Er ließ sie offen stehen, weil er so das Gefühl hatte, dass dieses Mädchen etwas von ihm wollte. Das Schwert stellte er wieder neben die Tür, dann kümmerte er sich um die richtige Lagerung für seine kleinen Pakete, ehe er die Tasche wieder schloss und ebenfalls neben die Tür warf. Jetzt war sein Arm dran. Er musste die Blutung stillen, erst dann konnte es verheilen. Eigentlich musste er dafür noch etwas tun, aber mit einem menschen in der Nähe ging das nicht.
    • Langsam aber sicher war Emilias Kopf auf ihre Handinnenfläche gesunken,um ihn abzustützen.Sie wartete nun schon eine ganze Weile,sodass das Feuer bald keine Nahrung mehr bekäme.Auch mit dem Stock in der Asche zu stochern machte ihr nicht sonderlich mehr Freude.Seufzend spielte sie schon mit dem Gedanken,ihr Lager einfach zu räumen.Doch dann vernahm sie verdächtige Geräusche,weshalb ihr Kopf direkt in die Richtung schoss.Im Dunkeln konnte sie nichts genaues erkennen,weil sie zu lange in den Feuerschein geblickt hatte.Doch sobald sich ihre Augen an das Dunkle gewöhnt hatten,erkannte sie eine menschliche Statur.Kurz darauf machte sie David aus.Im ersten Moment kam etwas wie Freude auf,doch dann stellte sie fest,dass er irgendwie einen seltsamen Gang hatte.Scheinbar war er wirklich unterwegs gewesen und vielleicht trug er Verletzungen davon?
      Er würdigte sie keines Blicken und Emilia blieb einfach an Ort und Stelle sitzen.Erst als er die Tür offen ließ schien das eine Art Kenntnisnahme zu sein.Doch Emilia war irritiert.Mit David war offensichtlich etwas nicht in Ordnung und jetzt widerrief er seine Ablehnung von vor einigen Stunden?
      Die Gesamtkomposition von Irritation,Neugier und Skepsis bewegte Emilia letztendlich dazu,sich doch zur Tür zu begeben.Auf dem Weg dahin hörte sie ein dumpfes Geräusch,als würde etwas gegen eine Wand geworfen werden.Dann wurde doch die Vorsicht maßgebende Komponente und sie blieb mit gebührendem Abstand vor der offenen Tür stehen.Natürlich lugte sie soweit es ging hinein,wagte sich aber keinen Schritt weiter.Zu fragen,ob sie unerwünscht war,erschien ihr mehr als nur dämlich.Folglich lauschte sie erst einmal,was drinnen noch so passierte.
      Es vergingen sicherlich ein paar Minuten,in denen sie wie ein Baum still und regungslos an ihrer Stelle verharrte und auf Geräusche achtete.Alles,was sie hörte,war nur hin und wieder Geraschel und dumpfe Schritte.Die gesamte Zeit grübelte sie,was sie sagen sollte,oder ob sie vielleicht sogar einfach gehen sollte.Ob er Hilfe benötigte,war absolut hinfällig zu fragen.Dann hatte Emilia es satt,sich den Kopf zu zerbrechen und sagte einfach das erste,was sie als halbwegs sinnig bewertete:"Kann ich dir irgendetwas bringen?"



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Du willst mir etwas bringen? Was denn zum Beispiel?", fragte David sarkastisch.
      In den letzten minuten hatte sich der Geruch dieses Mädchens in seinen verstand gebohrt. Für einen kurzen Augenblick hatte er sich vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn er.... Er hatte den Gedanken so schnell verbannt, wie er gekommen war.
      "Ich könnte allerdings eine zwei Hand gebrauchen", gab er dann aber zu.
      Er hatte sich schon alles zusammengesucht, was er brauchte, um seinen Arm zu versorgen. Einhändig nähen ging ja noch, aber spätestens beim verbinden der Verletzung wäre eine weitere Hand praktisch.
      "Schonmal eine Schnittwunde vernäht?", fragte er und zog sich sein Shirt über den Kopf, das er ja sowieso schon auseinander genommen hatte, um einen Vampir in Brand zu stecken.
      Seinen mantel musste er auch noch flicken, aber das würde er selbst tun, sobald er die Finger seines rechten Armes wieder benutzen konnte. Die Verletzung würde sehr viel schneller ausheilen, als bei einem menschen, aber sein Blut war nicht rein genug, um eine sofortige Heilung nur durch einen Gedanken auszulösen. Er brauchte auch seine Zeit. Ein paar Tage würden sicher reichen.
      "Muss nicht schön aussehen, soll nur halten", sagte er und reichte dem Mädchen Nadel und Faden, ehe er eine Kerze anzündete und sich dann setzte.
      Mit dem Fuß schob er ihr ebenfalls einen Hocker hin.
      "Halt die Nadel in das Feuer, das desinfiziert sie zumindest ein bisschen."
      Er beobachtete sie, ließ sie nicht aus den Augen. Er registrierte jede ihrer Bewegungen, selbst die, die sie nicht bewusst ausführte. Da das Zucken einer Augenbraue, hier ein kurzer Biss auf die Unterlippe, er sah alles. Das war der Jäger in ihm, das Raubtier, dass seine Beute taxierte. Aber er war nciht scharf darauf, jetzt zu knurren und sich auf sie zu stürtzen, um sie in der Luft zu zerfetzen. Also wandte er den Blick ab und spielte lieber mti der Kerze herum.
    • Bei dem sarkastischen Unterton fühlte Emilia sich direkt wie ertappt.Sie war nur fast verwundert,dass er sie nicht direkt wieder wegschickte,sondern sogar auf sie einging.Die Aussage,dass er eine zweite Hand gebrauchen könnte,bedeutete ihr,dass er ihre Anwesenheit duldete und ihr die Erlaubnis erteilte,einzutreten.Noch nie verspürte sie das Gefühl,dass sie beim Eintreten eines Gebäudes besser Vorsicht walten lassen sollte.Diesen Gedankengang stellte sie hinten an,vergaß ihn jedoch nicht.
      Etwas verloren stand sie dann im Raum und beäugte David mehr als das Inventar.Es gab diesen Grund,warum er gemieden wurde und deswegen würde sie keine Sekunde lang ihre Deckung aufgeben.Allerdings entglitt ihr dann für den Bruchteil einer Sekunde der Blick,als er sich plötzlich auszog.Jedoch sagte sie nichts.Stattdessen wunderte sie sich,wo denn diese besagte Wunde sich befinden möge.
      Als David ihr eine Nadel samt Faden reichte und ihr wie einem Kind erklärte,wie sie zu arbeiten hatte,schlich sich ein müdes Schmunzeln auf ihre Lippen.Natürlich hat sie nicht nur gelernt,wie man Kleidung und Nutzzeug herstellte,Wundversorgung war schließlich auch Aufgabe der Frauen.Statt schnippisch zu antworten,setzte sie sich einfach und zog die Nadel immer wieder durch die Kerzenflamme.So sammelte sich weniger Ruß an der Nadel,der hinderlich bei der Heilung war.Diese kleine Aktion verriet,dass sie kein blutiger Anfänger war,was dieses Gebiet betraf.Sie ging noch einen Schritt weiter und zog den Faden durch das Wachs,damit er eine Beschichtung erhielt,die das Anwachsen der Haut unterband.Dann suchte sie kurz sein Gesicht,um einen kurzen Einblick zu erhaschen,blieb aber erfolglos,da er das Gesicht abgewendet hatte.Vorsichtig tastete sie sich an seine Schulter heran.Nicht aus Angst,sie könnte ihm Schmerz zufügen,sondern aus purer Vorsicht vor ihm generell.Sie wartete nicht großartig,nachdem sie den ersten Stich gesetzt hatte,sondern machte direkt weiter.Irgendwie kam ihr die ganze Situation total suspekt vor.Immerhin nähte sie einen Fremden,den sie gerade erst getroffen hatte und vom Dorf gemieden wurde.Diese Überlegung entlockte ihr wieder ein Lächeln,doch das verschluckte sie recht schnell.
      Normalerweise hätte Emilia sich erkundigt,woher die Wunde kam,schließlich kannte sie nichts von der Außenwelt.Doch erachtete sie es als unangebracht,genauso wie die Frage,warum exakt er gemieden wurde.Deshalb sprach sie anders:"Du hilfst der Siedlung und doch wohnst du hier allein.Warum lässt du dich derart von den Ältesten aussperren?"
      Gedanklich zermarterte sie sich den Kopf,woher dieser eigenartige Geruch hier stammen möge.Er hatte etwas herbes,zeitgleich aber nichts verdorbenes.Eine seltsame Mischung,die sie so noch nie gerochen hatte.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Bei ihrem ersten Stich zuckte er kurz zusammen, rein instinktiv, dann hatte er sich aber wieder im Griff und ließ die Prozedur über sich ergehen. Er rührte keinen Muskel währenddessen.
      "Es ist mehr ein selbst gewähltes Exil", antwortete er knapp auf ihre Frage, den Blick auf die Tischplatte gesenkt.
      Wenn es nach den Ältesten gegangen wäre, dann würde er irgendwo da draußen in den Tunneln leben und für sie arbeiten, weit weg von allem, was lebte. Wobei zwei tatsächlich so besorgt um ihn gewesen waren, dass sie ihn im Dorf hatten haben wollen. Das hatte er aber selbst abgelehnt und nachdem er dutzende Prüfungen der Räte über sich hatte ergehen lassen, hatte er sich das REcht erkämpft, zumindest in Hör- und Sichtweite bleiben zu dürfen.
      "Ich bin nicht sonderlich gut im Umgang mit Menschen", fügte er als kleine Erklärung hinzu, um weiteren Fragen möglichst aus dem Weg gehen zu können.
      Irgendetwas sagte ihm aber, dass ihm das nciht gelang. Dieses Mädchen war neugierig genug gewesen, um sich zu ihm zu trauen, mit ihm zu reden. Sie würde nicht locker lassen, ganz sicher nicht.
      Mit seiner freien und funktionierenden Hand griff er nach dem verbandsmaterial, dass er ihr in der richtigen Reihenfolge reichte, nachdem sie mit ihrer Naht fertig war. Es war schon sehr lange her, dass er mit jemandem geredet hatte, noch länger war es her, dass ihn jemand berührt hatte, ihm jemand so nahe gekommen war. Es war beängstigend, wie gut sich dieses kleine bisschen menschlichen Kontaktes anfühlte.
      "Wie heißt du?", fragte er völlig Zusammenhangslos.
    • Aus dem Augenwinkel warf Emilia David immer wieder Blicke zu,als müsste sie sich selbst versichern,dass noch alles in Ordnung sei.Nur sah sie nicht mehr als sein dunkles Haar,denn er schien sie konsequent nicht einmal anzusehen.Sogar,als er ihr das restliche Verbandsmaterial reichte,wich er Blicken aus.Dezent runzelte sie die Stirn,ließ sich aber nicht weiter beirren.
      Nachdem sie den Mull zwei Klammern gesichert hatte,zog sie sofort ihre Hände zurück,ähnlich als hätte sie einen Schlag bekommen."Emilia",beantwortete sie seine Frage,während sie aufstand,den Schemel ein Stück weit von ihm fern rückte und sich dann wieder setzte.Sie musste nicht nach seinem Namen fragen - das ganze Dorf kannte ihn schließlich.
      Emilia hatte den Eindruck,dass David einen gewissen Abstand wahren wollte,das konnte sie ihm schließlich nicht verübeln.Außerdem gefiel ihr der Gedanke,nicht in direkter Reichweite zu sitzen.Sie legte den Kopf etwas schief,als sie anfing,weiterzureden."Eigentlich bin ich aus einem ziemlich selbstsüchtigen Grund hier.Aber im Angesicht deines Zustandes fände ich es etwas dreist,meine Bitte zu äußern."Sie ließ einen nüchternen Unterton mitschwingen."Aber wo ich schon mal hier bin,kann ich die Zeit sicherlich auch nutzen.Wie kommt man dazu,sich sein Exil selbst zu suchen?Mit anderen schwer umgehen zu können ist doch ein recht mickriger Grund."In ihren Augen blitzte jetzt schon eine kleine Erkenntnis,gepaart mit einer Priese Spott.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Mein Zustand?", fragte David ungläubig und stand auf.
      Er suchte sich in seinem heimischen Chaos - das eigentlich recht ordentlich war - ein neues Shirt, das er sich über zog. Er hatte immer noch Probleme mit dem verletzten Arm, aber das Gefühl kehrte langsam wieder in seine Finger zurück. Die Heilung hatte also schon eingesetzt, ohne dass er sich an seinen privaten Vorräten hatte bedienen müssen.
      Er rollte die Schulter ein wenig, um die Durchblutung wieder anzuregen, dann wandte er sich seinem Gast zu. Tatsächlich war sie der erste Mensch, der jemals durch diese Tür gekommen war. Alle anderen hatten immer brav draußen gewartet.
      "Ich gehe an die Oberfläche. Wenn ich von dort etwas mitbringe und es dem Dorf nicht dient, dann soll es dort auch nicht hin", beantwortete er ihre Frage mit einer halben Notlüge.
      Dass er zu diesen unerwünschten Dingen von der Oberfläche zählte, ließ er dabei gekonnt unter den Tisch fallen.
      "Aber das ist nicht die Frage, die du stellen wolltest. Frag einfach, ich reiße niemandem den Kopf ab. Keinem Menschen zumindest. Selbstsüchtig oder nicht, Fragen verdienen Antworten und Bitten verdienen ein offenes Ohr."
    • Emilias Blick war beinahe schon an David festgeklebt,als er sich erhob und ein neues Kleidungsstück suchte.Er war etwas Neues für sie,etwas,was nicht dem Trott der Siedlung entsprach.Allein das machte ihn schon unheimlich interessant,nur dass er auch noch Wissen von der Oberwelt besaß.Gedanklich überlegte sie bereits,wie sie ihm ihre Bitte am besten präsentierte,doch im nächsten Moment raste ihr ein neuer Gedanke durch den Kopf.Ihre Augen weiteten sich erst,aber sie zwang sich dazu,nicht allzu erschrocken auszusehen.Leider verriet ihre angespannte Körperhaltung mehr als genug über ihre geistige Verfassung.Als sich David zu ihr drehte,starrte sie ihn wortlos an,die Hände mühsam ruhig auf ihrem Schoss ausgebreitet.
      Sein letzter Satz ging beinahe komplett an Emilia vorbei.Sie hatte für ihre absolut verrückteste Möglichkeit,was mit dem Außenseiter nicht stimmen möge,gerade einen weiteren Hinweis erhalten.Und das verschaffte ihr ein sehr ungemütliches Gefühl.
      "Wie hast du das gemacht?",fragte sie mit monotoner Stimmlage,wobei sie sich noch immer keinen Zentimeter rührte,"Ich habe vorhin genau gesehen,dass tragende Muskelstränge durchtrennt waren.Du solltest deine Schulter nicht bewegen können,und doch hast du sie angehoben."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Sollte er sich jetzt ertappt fühlen? Er hatte schon lange aufgehört, so etwas wie Angst zu empfinden, wenn sich ein mensch über eine seiner Eigenarten wunderte, die nicht charakterlich, sondern angeboren waren.
      "Meinst du so?", fragte er und hob die Schultern noch einmal, nun aber unterdrückte er den Schmerz nicht, der durch seinen Arm schoss und entsprechend sah seine Reaktion aus.
      Er verzog das Gesicht, zischte seile und ließ die Schulter dan ganz schnell wieder sinken. Er nahm sich einen Augenblick, verfolgte gedanklich, wie sich der Schmerz in Richtung des Schnittes zurückzog und sich dort ballte, bis er das Pochen seines Herzens darin spüren konnte.
      "Glaub ja nicht, dass das so einfach ist, wie es aussah."
      Er rieb sich über das Schlüsselbein, um mit einer anderen Empfindung den Schmerz zu überdecken.
      "Wenn man so viel abbekommen hat wie ich, dann kriegt man das ein oder andere 'Wunder' hin. Das... das ist nichts. In spätestens vier Tagen bin ich wieder oben und hole mir die nächste Packung."
      Er griff sich zwei Gläser und eine kleine Wasserflasche. Er achtete jetzt mehr darauf, seinen verletzten Arm auch wirklich nicht zu benutzen. Also reichte er ihr erst eines der Gläser, ehe er sich das zweite Nahm und sich gegen den kleinen Tresen lehnte, der zu dem gehörte, was er Küche nannte.
      "Noch mal: Was ist denn deine so selbstsüchtige Bitte, die du mir nicht offenbaren willst?"
    • Das Glas mit Wasser,das David Emilia reichte,erntete nur sehr misstrauische Blicke ihrerseits.Vier Tage hatte er gesagt.Vier Tage reichten ihm,damit sein Arm wieder voll funktionierte.Das war kein Wunder,das war eine Mutation,eine Eigenart,die ihm allein dadurch die Bezeichnung Mensch entzog.Sie ließ sich nicht einreden,dass die Verletzung nicht so gravierend sei.Ein normaler Mensch würde Wochen an solch sauberen Abtrennungen leiden und anschließend Mühe haben,die entsprechende Muskelpartie wieder voll zu benutzen.Er hingegen brauche nicht mal eine einzige Woche.So langsam ging ihr ein Licht auf,warum man ihn abseits der Siedlung hielt.Zuvor war sie davon ausgegangen,dass er lediglich unter einer hoch infektiösen Krankheit litt,aber seine Schilderung entsprach vielmehr dem genauen Gegenteil.Noch immer harrte sie auf ihrem Schemel aus und war kurz davor zu bereuen,überhaupt hergekommen zu sein.Nur ihr Verstand sagte ihr,dass die Situation nicht so brenzlig war,wie es zuerst den Anschein machte.Er redete sich um Ecken und Kanten,und sie war noch immer unangetastet.Nun lockerten sich ihre Muskeln etwas und gaben ihr wieder mehr Raum zum atmen.Verärgert über ihre eigene Unsicherheit baute sie ihre eigene Entschlossenheit wieder auf.
      "Ich will etwas von dir,was mir im Dorf keiner geben will",sagte sie dann und hatte wieder den festen Blick,"ich will hier unten nicht als Scheuerweib versauern.Ich will,dass du mich trainierst und mich gegen die Viecher da oben fit machst."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • Nach ihrem ersten Satz hatte er mit etwas gänzlich anderem gerechnet, als mit dem, was tatsächlich gefolgt war und er war ziemlich froh, dass es nur das war. Totzdem würde er ihrer Bitte nicht nachkommen. Sie würde noch mehr Zeit in seiner Nähe verbringen und es war nicht gut, wenn Menschen in seiner Nähe waren. Noch dazu bemerkte er ihre misstrauischen Blicke und angesichts ihrer Neugierde würde sie wohl viel zu schnell die Wahrheit über ihn herausfinden. Das durfte nicht geschehen, denn wenn einer bescheid wusste, wussten es bald alle und dann durfte er wieder verschwinden und sich allein durchschlagen.
      "Nein", sagte er knapp und leerte das Glas in einem Zug.
      "Ich trainiere niemanden, weder dich, noch sonst irgendjemanden. Such einen anderen."
      Er schob das Glas über die kleine Holzplatte und beobachtete wieder dieses Mädchen, das so anders war als die anderen. Sicher, es lagen Welten zwischen ihnen, aber er wusste wie es sich anfühlte, anders zu sein. Mitgefühl konnte er sich hier aber nicht leisten.
      "Du würdest da oben bei diesen 'Viechern', wie du sie nennst, keine fünf Minuten durchhalten. Sie würden dich schnappen, in eine ihrer Blutfarmen bringen und dein Blut testen. Wenn es ihnen sauber genug ist, pumpen sie dich mit Medikamenten voll, die dich am Leben halten und zapfen dir dein blut ab. Und mehr wirst du dann nicht mehr sein: Ein lebender Blutbeutel. Ich bin hier, um das Dorf mit dem zu versorgen, was man nur an der Oberfläche bekommt. Ich bin nicht hier, um Menschen in ihren Tod zu schicken."
    • Es war direkt interessant zu erfahren,was da oben überhaupt von statten ging.Natürlich hatte David einen tieferen Einblick genießen können,wenn er dort wandelte.Nur dass das Menschenblut auf irgendetwas getestet wurde,war Emilia komplett neu.Entweder hatte er das nur so aufgeschnappt,oder er hat mehr Verständnis von der ganzen Sachen,als er ihr weismachen wollte.
      Immerhin hatte sie seit Minute Eins schon damit gerechnet,dass er ablehnen würde.Wie alle anderen auch.Aber seine Beweggründe waren andere als derer der Männer im Dorf.Er betrachtete sie nicht als Frau,sondern als etwas gänzlich anderes."Ich hab schon damit gerechnet",verkündete sie ihm und ignorierte noch immer das Glas,"und ich fände es spannend,wenn du mich einfach so wegschicken würdest.Ich glaube,dass dir soweit auch klar das,dass ich dann jeden Abend wieder hier stehen werde - so lange,bis du einwilligst.Und wenn ich das machen muss,bis ich alt und schrumpelig bin.Das ist alles noch besser,als diese bescheidene Situation.Ich will dem Dorf mehr nutzen als die ganzen Waschweiber.Nur weil ich mehr Eier als die meisten Kerle hab,muss ich mich doch nicht unterbuttern lassen."Ihre Wortwahl wurde langsam aber sicher etwas debiler,weil ihr Ärger mitschwang."Es ist mir darüber hinaus auch egal,was da oben passiert.Sterben werde ich so oder so.Ob ich nun versuche,was aus meinem Leben zu machen oder nicht,ist wohl meine Sache.Und niemand wird dich dazu verpflichten,mich aus meinen eigenen Dummheiten rauszuhauen."



      "I rather trust and regret than doubt and regret"
    • "Das glaubst aber auch nur du. Wenn ich dich nach da oben lasse und du gehst drauf, dann wird mir der Arsch aufgerissen."
      Er ging zu ihr rüber und nahm das Wasserglas eben wieder mit zu der Küchenzeile. Er leerte auch dieses Glas in einem einzigen Zug. Sein Körper verlangte nach etwas anderem, das wusste er, aber er würde es ihm nicht geben.
      "Wenn das dann alles war, dann kannst du ja auch wieder gehen. Ich nehme mal an, wir sehen uns dann morgen Abend."
      Er ging darauf ein. Wenn sie wirklich so große Eier hatte, wie sie sagte, dann würde sie ihre Drohung wahr machen und wirklich hier aufkreuzen, bis sie alt und grau war. Er könnte das aussitzen, wenn er wollte, er würde kaum altern. Wahrscheinlich würde sie ihn dann entlarven, aber was spielte das dann noch für eine Rolle? Er würde sowieso vorher verschwinden, um nicht beim Dorf aufzufliegen.
      David ging zur Tür hinüber und öffnete sie.
      "Und richte deinem kleinen Bruder aus, dass er wirklich nicht so nah an der Grenze spielen soll, da oben sit viel los und ich weiß nicht wie viel die hören können. Im Dorf ist es sicherer."
    • Ganz langsam folgten Emilias dunkle Augen David,während er zur Tür ging und sie demonstrativ öffnete.Ihre Gedanken rasten von den ganzen Informationen,die sie jetzt in der Kürze zu verarbeiten hatte.Sie hatte darauf gesetzt,dass er ihre Hartnäckigkeit anerkennen und Kleinbei geben würde.Deswegen musste sie sich einen anderen Weg ausdenken,und zwar schnell.
      Erst jetzt löste sie ihre Starre komplett auf und überschlug die Beine,mit der linken Hand fuhr sie durch ihre Haare.Sie sah ihn nicht an,als sie zu reden begann:"Weißt du,was mir sonst noch aufgefallen ist?Du behauptest,dass du nicht mit den Dorfbewohnern könntest.Bisher ist deine Mentalität aber gar nicht so anders wie die von denen.Eigentlich macht jeder sein eigenes Ding,nur wir sind eben dazu gezwungen,uns in Gruppen zusammenzuschließen,damit wir überhaupt überleben.Du behauptest,du brauchst diese Gruppe nicht.Wieso also suchst du dann trotzdem die Nähe anderer,aber lehnst dann die einzige echte Möglichkeit ab,wenn sie vor dir sitzt?"
      In einer gleichmäßigen Bewegung strich sich Emilia eine Strähne hinter das Ohr und richtete dann einen intensiven Blick auf David."Dir sollte aufgefallen sein,dass ich alles andere als dumm bin.Ursprünglich war ich wirklich hier,um um Training zu bitten.Aber spätestens jetzt ist ein anderer Aspekt noch dazu gekommen",ihr Blick huschte zu seiner Schulter,dann wieder zu seinem Gesicht,"außerdem habe ich das Gefühl,dass du mich auf einmal ziemlich schnell loswerden willst."Ihr Worte verhallten im Raum mit einer unausgesprochenen Nachricht behaftet.



      "I rather trust and regret than doubt and regret"